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Wanted (US)


Mark Millar legt in Wanted einen wirklich netten Start hin. Zugegeben, da schwingt ein große Prise Fight Club mit, wenn Wesley Gibson uns seine erbärmliche White-Collar-Existenz mit all den Schwierigkeiten und Problemen des täglichen Lebens vorstellt, ehe er in die Welt der Superschurkerei eingeführt wird und sein altes Dasein hinter sich lassen kann. Aber das ist ja nichts Schlimmes, immerhin war Fight Club ein ziemlich guter Film und ein ebenso gutes Buch.
Das Problem ist nur, da wo Chuck Palahniuk in Fight Club konstant interessante Ideen mit Gesellschaftskritik und Charakterkonflikten verband, da fällt Millar schnell auf eine altbekannte Geschichte und viel pubertäres Machogehabe zurück.

Dabei könnte der Comic so gut funktionieren, die ersten anderthalb Ausgaben machen Lust auf mehr und werfen eine interessante Frage auf: Wie reagiert der durchschnittliche weiße Milchtoast, wenn er auf einmal mehr Macht erhält, als er sich je hätte vorstellen können?

Genau das passiert Wesley nämlich, wenn er seines Vaters Erbe als „The Killer“ antritt und damit Teil der geheimen Superschurkenkabbale wird, die die Welt beherrscht. Wesley erhält die Möglichkeit all das zu tun, was er auf einem reinem Instinktlevel schon immer gewollt hat. Er kann sein eigenes „Es“ die Kontrolle übernehmen lassen und das „Ich“ und „Über-Ich“ komplett ausblenden.

Schade nur, dass Millar diesen Aspekt seiner Geschichte ab der Mitte der zweiten Ausgabe komplett ignoriert. Wesley funktioniert als Hauptcharakter einfach nicht. Sicher, Millar erzählt uns, dass Wesley von seinem bisherigen Leben „befreit“ wird… aber tatsächlich zeigt er dieselbe Antriebslosigkeit, die er auch schon in seinem alten Leben hatte. Ob er sich nun vorher von seiner Chefin den Kopf waschen lässt oder ob ihm nun eine Superschurkin sagt, wie er sich zu verhalten hat, macht keinen so großen Unterschied. Wesley ist in Wanted nie jemand, der aktiv über sein Schicksal nachdenkt oder es wirklich aktiv beeinflusst.

Wesley funktioniert aber auch aus einem anderen Grund nicht: Es mangelt in Wanted an Konflikten. Fight Club war nicht nur eine Geschichte darüber, wie der namenlose Protagonist durch Tyler Durdens Führung plötzlich ein fieser Arschtreter wurde. Fight Club lebte auch davon, dass er an einem bestimmten Punkt begann, seine eigene und Tylers Motivation zu hinterfragen. Diesen Punkt erreicht Wesley nie. Wesley wird vom verklemmten Büromenschen zum kaltblütigen Massenmörder und Serienvergewaltiger, ohne mit der Wimper zu zucken.

Ich fordere ja gar nicht, dass Millar hier moralisiert und Wesley dieses Leben ablehnt. Aber es ist erzählerisch etwas dürftig, wenn die Wandlung gerade mal drei Seiten einnimmt. Wesley wird vermöbelt, tötet seine Emotionen durch das Arbeiten in einem Schlachthof und das Schießen auf Leichen ab und wird nebenbei noch sexuell enthemmt. Oder anders: Wesleys gesamte bisherige Persönlichkeit wird ausgetauscht. Und für etwas derart Relevantes sollte Millar doch etwas mehr Platz finden als drei Seiten. Oder zumindest sollte sich Wesley auf diesen drei Seiten ein paar Gedanken über das, was ihm passiert, machen. Tut er aber nicht.

Einmal denkt Wesley sogar für zwei oder drei Panels darüber nach, dass er jetzt alles tun kann, was er will und er sich trotzdem etwas leer fühlt, aber das war es schon. Ich habe bei Sleeper kritisiert, dass die Szenen, in denen die Figur ihre Handlungen hinterfragt, zu kurz kommen. Aber zumindest ist Sleepers Holden Carver ein halbwegs interessanter, weil konfliktbeladener Charakter. Wesley ist einfach ein leeres Blatt ohne jede Reflexionsfähigkeit.
Sicher, das macht ihn zu einer tollen Identifikationsfigur für jeden, der sich schon immer mal die Macht gewünscht hat, es wirklich allen zu zeigen und alles zu tun, was er will (und das dürfte die Mehrheit von uns sein). Nur, das gilt auch für die Hauptfigur in GTA III und die hat eine ähnliche Tiefe wie Wesley. Da kann Wesley noch so sehr aussehen wie Eminem, das macht ihn nicht zu einem Charakter, an dem ich Interesse habe.

Da Wesley den Comic alleine nicht trägt, führt Millar mit Ausgabe drei eine Art Bandenkrieg innerhalb der Superschurkenriege ein und die alteingesessenen Bösen sind tatsächlich um einiges interessanter als Wesley. Nur leider ist dieser Machtkampf-in-der-Unterwelt-Plot als solches auch nicht gerade kreativ – das haben Der Pate und Konsorten um einiges eleganter gehandhabt. Er ist kompetent geschrieben, aber dies hätte auch eine weitere Superschurken-Miniserie für Marvel oder DC sein können. Er ist einfach nichts Besonderes.

Diskutieren kann man auch über den Stil, den Millar gewählt hat. Wenn das hier wirklich die Art Geschichte ist, die Millar seit seiner Jugend schon immer erzählen wollte, wie er im Nachwort schreibt, dann hätte ihr vielleicht etwas mehr „Ernsthaftigkeit“ gut getan. Dass Millar das beherrscht, zeigt er ja in The Ultimates zur Genüge. Wanted hingegen wirkt oft einfach nur pubertär. Selbst wenn man das total überzogene Fluchen ausblendet (und eine ordentliche Dosis Fluchen schadet ja nicht, aber wenn es South Park-Niveau annimmt, dann hat man irgendwo einen Fehler gemacht), dann bleiben da noch die „Hommagen“ oder „Parodien“ auf populäre Superschurken.

Etwa Clayface, der hier Shit-Head heißt und aus dem Kot der 666 bösesten Menschen der Erde besteht. Hohum. Oder wie wäre es mit Bizarro, hier Fuckwit genannt und grob beschrieben als Superman mit Down-Syndrom. Und wem das immer noch nicht reicht, die Wanted-Version des Bauchredners wird nicht von einer Puppe, sondern von seinem sprechenden Penis kontrolliert. Millars Major Opus liegt damit humoristisch auf dem Niveau, das Garth Ennis immer dann erreicht, wenn er gerade nicht wirklich motiviert ist, sich Mühe zu geben.

Wenn ich mit Wanted überhart ins Gericht gehe, dann nur, weil Millar hier jede Menge Potenzial wegschmeißt und statt seines angekündigten „Watchmen for villains“ einfach nur eine weitere ziemlich typische Superschurkengeschichte erzählt. Eine mit handwerklichen Fehlern zudem; die Auflösung scheint zunächst dem bisher Geschehenen zu widersprechen, da Millar es versäumt hat, eine Szene klar auszuzeichnen als: „Muss so nicht passiert sein, ist nur eine bebilderte Geschichte, die jemand anders erzählt!“

Am Ende bleibt ein Comic, der nicht viel mehr ist als eine belanglose Hasstirade des sich unterdrückt fühlenden weißen Mittelstandes, die sich gegen die Gesellschaft und die angebliche Diktatur durch jedwede Form von Moral und Konvention richtet, aber dabei niemals in der Lage ist, sich selber zu hinterfragen. Vielleicht macht gerade das Wesley zu einem so langweiligen Charakter.

Das, und der Umstand, dass Wanted so hart probiert, seine „street credibility“ unter Beweis zu stellen und dabei einfach nur lächerlich wirkt. Ein bisschen wie die Zahnarztsöhne, die aus der gutbürgerlichen Vorstadt von Möchengladbach kommen, aber reden und sich aufführen, als wären sie mit 50 Cent im Ghetto großgeworden. Genau so kommt Wanted rüber. Diese Zielgruppe dürfte der Comic mit all dem „töten, wen ich schon immer töten und vergewaltigen, wen ich schon immer vergewaltigen wollte“ wirklich mögen. Wer darüber hinaus ist, braucht Wanted nicht wirklich.

Positiv ist anzumerken, dass JG Jones' Artwork wirklich hübsch ist und die Stimmung sehr gut trägt. Außerdem sehen seine Actionsequenzen verdammt schick und mitreißend aus. Positiv ist auch, dass das Paperback tonnenweise Bonusmaterial zu bieten hat. Sketches, ein Blick hinter die Kulissen, alternative Cover, Zeichnungen von anderen Künstlern. Schade nur, dass auch hier deutlich wird, dass Wanted primär pubertär sein will.

Auf der Rückseite wirbt man damit, dass der Wizard den Comic für seine „colorful characters and the sharpest dialogue around“ lobt. Wenn man überlegt, dass das die gleiche Publikation ist, die Körperfunktionswitze für die höchste Form jedweder Komik hält, dann sagt das eigentlich alles, was man über Wanted wissen müsste.
Wanted
Top Cow (dt. bei Infinity)
192 Seiten, Softcover, farbig, 19 Euro
ISBN: 1-52840-497-6
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zwei zufriedenere Comicgate-Rezensionen der deutschen Ausgabe findet man hier und hier

Tokyo Punk!

Tokyo Punk ist das zur Messe „Heftich“ Ende 2005 erschienene Magazin der Initiative Comic Kunst e.V. (INC). Der Grundgedanke: deutsche Undergroundzeichner versuchen sich an Manga.
Das zuerst auf ein Heft geplante Heft wurde im letzten Moment auf zwei Teile aufgesplittert, da die Anzahl der Beiträge zu groß wurde. Nun sind es insgesamt 128 qualitativ und stilistisch sehr unterschiedlicheSeiten geworden.

Der originelle Name mit Anspielung auf einen deutschen Mangaverlag macht einen sympathischen ersten Eindruck – Witteks Cover mit den etwas eklig anmutenden zerlaufenden Spiegeleieraugen, das auch auf dem „Heftich“-Plakat abgebildet war und ja eigentlich zum Kauf anregen soll,  wirkt dem allerdings entgegen. Pattsituation. Im Heft selber erfährt dann der Manga-Laie, dass eine Illustration von Suehiro Maruo aus „Planet of the Jap“ Vorbild war, die auch abgebildet wird. Okay, Versöhnung. Der Manga klingt interessant.

Wenn man sich die zwei Hefte durchgelesen hat, dann bleibt vor allem erstmal ein Eindruck zurück: hier gingen wohl Leute mit völlig unterschiedlichen Ansprüchen an's Werk. Das Vorwort lässt Vorfreude aufkommen, und das Interview mit dem seit 1998 in Hamburg lebenden japanischen Zeichner Kenichi Kusano fand ich hochinteressant. Seine Sicht und Informationen zu Manga und deutschen Comics enthalten sehr interessante Fakten, Ansichten und Anregungen. Überzeugend ist auch sein 12-seitiger Beitrag zu Tokyo Punk, den man sicherlich nicht als „typischen Mangastil“ bezeichnen würde. Und auch wenn er inhaltlich etwas … anders ist, so ist doch die Detailfülle und die Experimentierfreude beeindruckend.

Umso deutlicher unterscheiden sich dann andere Beiträge davon. Es scheint, als ob vorher nicht so ganz klar war, ob Tokyo Punk nun tatsächlich eine Auseinandersetzung mit Mangaelementen werden sollte oder eher ein albernes Spaßprojekt, bei dem man sich über Mangaklischees lustig macht und einfach mal ein paar große Augen in eine sinnfreie Aneinanderreihung von Bildern reinzeichnet, um thematisch zum Magazin zu passen. So gibt es also beide Arten, und einige Beiträge kommen einem einfach nur hingerotzt und schnell zusammengeschludert vor. Das irritiert dann doch erheblich in Anbetracht der engagiert wirkenden redaktionellen Arbeit.

AnsEin positives Beispiel, dass man das Ganze nicht allzu ernst nehmen braucht, aber der Leser trotzdem noch seinen Spaß dran hat und sich nicht veralbert vorkommt, ist Ans de Bruins „The Evil Part“. Zwar wirken die Seiten etwas überladen durch den dicken Strich, aber ihr Humor macht Laune und scheint eine Richtung zu haben, der manch anderen Arbeiten fehlt. Und wer sich ein wenig auskennt in der deutschen Kleinverlagsszene, der bekommt noch ein paar Leckerlis serviert von ihr.

MischaBesonders hervorzuheben ist in meinen Augen noch Mischa mit „Eine Jungle-Geschichte“, bei der ich zwar irgendwann keinen  Faden mehr gefunden habe, die mir aber zeichnerisch gut gefallen hat, und die schönen Illustrationen von Simone Kesterton, die immer mal wieder verstreut auftauchen, aber leider etwas unter dem Kopierformat leiden. Einen klassisch-fiesen Godzilla zauberte Maikel Das herbei, und von Alphatier, der geplanten Eigenproduktion der Alligator-Farm, bekommt man einen ersten (inhaltlich aber nicht sehr aussagekräftigen) Eindruck.
Die Harry-Potter-Hommage (nennen wir es mal so) von Till Laßmann und „Die Taktik der zwei Tannenzapfen“ (Olli Ferreira und René Roggmann) haben durchaus auch ihren Charme.

Insgesamt nicht Fisch, nicht Fleisch. Eine innovative Idee, bei der einiges verschenkt wurde, bei der es aber auch einige Neuentdeckungen gab. Eine inhaltlich einheitlichere Form hätte dem Projekt gut getan. Nicht, dass sinnlose Comics keine Existensberechtigung hätten – aber nach der Werbung und dem Vorwort hatte zumindest ich mir etwas anderes versprochen, und so war ich mitunter ein wenig enttäuscht ob der Möglichkeiten, die man erahnt hat, die aber teils nicht wahrgenommen wurden.
Sicherlich sind die insgesamt 128 Seiten dank ihrer Highlights aber die 6,- Euro allemal wert.
Zu bestellen im Freibeutershop, dem Onlineshop für die Comics der Kleinverlage.

Tokyo Punk!
Initiative Comic Kunst e.V. (INC)
128 Seiten (verteilt auf 2 Hefte), schwarz-weiß, DIN A5, kopiert; 6,- Euro

Der Kri-Ticker #54

Diesmal mit dabei: Das große Supa-Hasi-Album, Marvel Exklusiv #59: Phoenix‘ Abgesang, Metal Gear Solid #1, B.U.A.P. #1: Hohle Erde, Tagebuch einer Reise, Cromartie High School #1, Break Point #1+2 und Marvel Monster Edition #11: Spider-Man & Friends.
Besprochen von Benjamin Vogt (bv) und Thomas Kögel (tk).

DAS GROSSE SUPA-HASI-ALBUM

Reprodukt
Mawils Hasi, das ist so eine immer mal wieder auftauchende Persönlichkeit, mal ruhig, mal böse oder abgedreht. Je nachdem, wie sein Schöpfer Markus Witzel ihn haben will. So entstanden über die Jahre für diverse Fanzines die unterschiedlichsten Kurzgeschichten mit und für den kleinen Hasen. Wie schön ist es da, dass diese nun auch in einem Band vereint worden sind. Und exklusiv gibt’s noch die neue 52-seitige Story „Wie die Tiere mal den Wald retteten”. Lustig. Nein, sehr lustig. Mawil, mehr oder weniger durch seine autobiografischen Werke „Wir können ja Freunde bleiben” und „Die Band” (beide auch bei Reprodukt erschienen) als Comiczeichner bekannt geworden, erzählt hier mal nicht von seinem eigenen Leben, und das liest sich von ihm auch mal ganz gut zwischendurch. Wobei man sich den Hasen, der quasi als Mittelpunkt in seinem humoristischen Kleinkosmos fungiert, durchaus als kleines gezeichnetes Alter Ego Mawils vorstellen kann, mit dem er sich mal so richtig ironisch und ohne Grenzen austoben kann.
Auch wenn das Supa-Hasi-Album aus viel bereits bekanntem Material besteht, macht die Exklusiv-Story und die einfallsreiche Gestaltung des Bandes (man beachte Front- und Backcover) den Kauf mehr als lohnenswert. Und Neuleser werden sowieso schmunzeln wie selten bei einem Comic. bv

MARVEL EXKLUSIV #59: PHOENIX‘ ABGESANG
Panini/Marvel Deutschland
In der Inhaltsangabe wird die enthaltene Miniserie „Phoenix Endsong” von Greg Pak und Greg Land als einer der besten X-Stories der letzten Jahre angekündigt. Und tatsächlich kann ich das nach dem Lesen unterstreichen. Die Geschichte beantwortet auch nebenbei die Frage, was passiert, wenn man Whedons aktuelle Serie „Astonishing X-Men” mit dem damaligen Run von Grant Morrison kombiniert. Doch worum geht’s? Kurzum: Jean Grey wird von der Phoenix-Kraft wieder von den Toten auferweckt, spielt aber dann verrückt, weil sie nicht sie selbst ist, sondern eben von einer „bösen” Macht besetzt ist. Zugegeben, das hört sich nicht unbedingt aufregend an. Wie Greg Pak die Story aber dann zur Entfaltung kommen lässt, mit viel Gefühl für tiefgründige Szenen, ist aller Ehren wert. Hinzu kommt eine Nebenhandlung, in der Quentin Quire zurückkehrt, somit wird auch der alte Handlungsbogen von Morrison wieder aufgenommen und eingebaut. Abgerundet wird der tolle Gesamteindruck dieses Marvel Exklusiv durch die bezaubernden Zeichnungen von Greg Land, der schon durch die Arbeit an der Crossgen-Serie „Sojourn” und diverse Titelbilder für Marvel auf sich aufmerksam zu machen wusste. Dabei kommt man bei Land aber nicht umhin zu erwähnen, dass, so realistisch und weich seine Bilder wirken, sie hin und wieder innerhalb der Geschichte statisch wirken. Aber trotzdem fühlte ich mich inhaltlich wie zeichnerisch mehr als gut unterhalten. bv

METAL GEAR SOLID #1
Ehapa Comic Collection
2010: Eine Gruppe Terroristen mit besonderen Fähigkeiten und gleichzeitig abtrünnige Exmitglieder von Foxhound besetzen eine Militärbasis auf Shadow Moses Island und drohen, einen atomaren Sprengkopf abzufeuern, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Solid Snake, geheimnisumwitterter Held und Ex-Topspion wird zur Klärung der Lage losgeschickt…
Die vierbändige Prestige-Reihe, die gerade bei Ehapa startete, beruht natürlich auf der weltweit erfolgreichen gleichnamigen Videospielserie. Leider, und das hat mich negativ überrascht, scheint es, dass der zweite Teil des Videospiels „Sons of Liberty” lediglich 1 zu 1 umgesetzt wurde. Kenner werden die Story also bereits vorhersehen können, Neulinge stellt man meines Erachtens vor zu große Verständlichkeitsprobleme, denn im Original, also im Spiel, wird sehr viel gesprochen und es gibt massig Text zu lesen. Das ist hier nicht der Fall, weshalb der ganze Comic bisher inhaltlich auch eher für den hohlen Zahn der eingefleischten Metal-Gear- Fans zu bewerten ist.
Als es darum ging, den Zeichnerjob zu besetzen, hat man sich beim US-Verlag IDW dafür etwas getraut und Ashley Wood verpflichtet. Dessen zum Teil sehr abstrakte Darstellungsweisen sind nicht jedermanns Sache. Der Hintergrund war sicherlich, dass die Concept Arts der Spiele auch ein wenig in die woodsche Richtung gehen, woran sich der Zeichner des Comics auch sichtlich orientiert hat. Herausgekommen ist ein zeichnerisch anspruchsvoller Comic, Ashley Wood ist ohnehin einer meiner Lieblinge im experimentellen Bereich. Und doch hat man auch von ihm schon deutlich Besseres gesehen. bv

B.U.A.P. #1: HOHLE ERDE
CrossCult
Die „Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen”, kurz B.U.A.P., war von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil in Mike Mignolas „Hellboy”-Comics. Doch erst jetzt, nach der Storyline „Sieger Wurm”, an deren Ende der charismatische Höllenjunge der Behörde den Rücken kehrte, war der Zeitpunkt für einen Spin-Off der anderen Metawesen gekommen, die Chance den Hellboy-Kosmos mit anderen Figuren zu erweitern. Ein Gedanke, mit dem sich Mignola schon länger beschäftigte.
Die ersten vier Geschichten um Abe Sapien, Roger, Liz Sherman und Neumitglied Johann Kraus, die hier erstmals ohne Hellboy auskommen müssen, bleiben inhaltlich wie zeichnerisch bei Altbewährtem. Bereits in der längeren ersten Episode „Hohle Erde”, die die B.U.A.P. in einer actionreichen Erzählung ins Erdinnere führt, avanciert Abe Sapien etwas unfreiwillig zur Leitfigur des Teams. Im Folgenden werden die Beziehungen der Personen zueinander ins Rampenlicht gerückt, bevor der Band dann mit der fast schon als klassischer Horror zu bezeichnenden Story „Die Trommeln der Toten” abschließt.
Der Übergang vom Hauptwerk „Hellboy” zur Ablegerserie gelingt beeindruckend flüssig. Vor allen Dingen ist bemerkenswert, dass Mike Mignola „nur” als Autor und nicht als Zeichner fungiert. Und das auch nur bei drei von vier Geschichten. Ryan Sook, Matt Smith und Derek Thompson vertreten ihn jedoch sehr stilnah und kaum schlechter. Alle drei variieren etwas in der akribischen Darstellung der Schattierungen und der Detailverliebtheit, ansonsten fügt sich alles nahtlos an die vorangegangen regulären Hellboy-Bände.
Ein inhaltlich starker Beginn der B.U.A.P., obwohl oder gerade weil der Fokus mal nicht auf die Gallionsfigur Hellboy, sondern auf die anderen Mitglieder der Behörde gerichtet wird. Das schafft einen frischen Eindruck, der durch die Mignola-ähnlichen, aber eben zu diesem dezent nuancierten Neuzeichner noch verstärkt wird. bv

TAGEBUCH EINER REISE
Reprodukt
„Mit etwas Glück”, so Craig Thompson im Vorwort, sei sein Buch „unterhaltsamer als ein paar Reisedias”. Typisch für den zurückhaltenden und ob der ihm zukommenden Aufmerksamkeit seit seinem mehrfach ausgezeichneten Werk „Blankets” (dt. bei Speed Comics) fast schon peinlich berührten US-Amerikaner. „Tagebuch einer Reise” ist nicht Thompsons nächster geplanter Comic, sondern ein Nebenprodukt, das er auf Wunsch von Fans und Verlag veröffentlichte. Entstanden ist sein grafisches Reisetagebuch in drei Monaten, in denen er eine Signiertour durch Europa machte und für seinen nächsten Comic „Habibi“ in Marokko recherchierte. Thompson zeigt, was Diabilder nie zeigen könnten. Er porträtiert seine Umgebung mit messerscharfer Beobachtungsgabe, wodurch detailreiche Illustrationen genauso entstehen wie kleine Anekdoten eines Amerikaners, der sich in den unterschiedlichen Ländern stets neuen Kulturen anpasst. Alles wird dokumentiert, erscheint es auch noch so trivial. Immer wieder skizziert Craig Thompson aber neben seiner Umgebung auch sein seelisches Innenleben. Der Zeichner stellt sich selbst in einem bedrückenden Licht dar. Von Heimweh geplagt führt ihn sein Weg an immer neue Orte, er trifft neue Bekannte, die er schließlich wieder verlassen muss. Erst will er nur noch weg, dann am liebsten nie mehr. Zusätzlich macht ihm seine schmerzende Hand zu schaffen, die durch das ständige Zeichnen und das Signieren nur noch schlimmer wird. Und die Sehnsucht nach einer neuen Liebe. bv

CROMARTIE HIGH SCHOOL #1
Tokyopop
Kamiyama kommt durch einen dummen Zufall auf die Cromartie High School und stellt schnell fest: seine Mitschüler sind allesamt ungehobelte Schlägertypen. Irgendwie mag er sie, aber sie sind alle furchtbar dumm und jeder hat mindestens eine mittelschwere Macke. Dabei sind das noch die normalsten Mitschüler – schließlich besuchen auch ein Gorilla, ein Roboter und ein wortkarger Doppelgänger von Freddie Mercury diese Schule.
Eiji Nonaka erzählt kurze, jeweils siebenseitige Episoden, die zumeist in sich abgeschlossen sind. Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Zuerst mal bietet er (glücklicherweise) nicht das, was man von einem Highschool-Comedy-Manga erwarten würde: jede Menge Action und pubertierende Jungs auf der Jagd nach hübschen Mädchen. Nein, Frauen kommen überhaupt nicht vor in diesem Band, ebensowenig wie Lehrer, und auch Actionszenen sucht man fast vergeblich. Stattdessen gibt es überdurchschnittlich viel Text. Ungewohnt ist auch der Humor, eine sehr schräge, eigene und gewöhnungsbedürftige Art von Witz. Wer dafür den richtigen Draht hat, wird „Cromartie High School” lieben, alle anderen dürfte die Reihe eher kalt lassen. tk

BREAK POINT #1+2 (US-Ausgabe)
Ehapa Comic Collection
Die „Matroschka” gilt in Verbrecherkreisen als König unter den Hochsicherheitssystemen, eine Bank wie eine Festung, in deren Innerem ein Tresor gleich mit mehreren Sicherheitsbereichen umschlossen wird. Das Prinzip ist angelehnt an die gleichnamigen kleinen russischen Holzpüppchen, die ebenfalls aus mehreren Schichten bestehen. Verbrecherboss Gorgo, ein nebulöser Maskierter, möchte den Safe dennoch bezwingen. Zu diesem Zweck rekrutiert er vier Männer mit unterschiedlichen Spezialisierungen. Vermeintliche Loser, die sich von Gorgo unterbuttern lassen. Oder kommt es doch ganz anders?
„Break Point” wurde angekündigt als „Thriller a la Tarantino”. Und tatsächlich sieht es so aus, dass hier einiges Anlehnung an den Kultregisseur findet. Die Geschichte fängt an mit einem stark blutenden Überlebenden des Bankcoups. Erst dann wird rückblickend erzählt, wie es dazu kam, wie der Raubzug organisiert wurde und er tragisch endete. All das und die coolen Sprüche erinnern schon an Tarantinos „Reservoir Dogs”, ohne natürlich auch nur annähernd dessen Brillanz zu erreichen. Betrachtet man die zweibändige Comicserie aber mal losgelöst von den Vorbildern, ist sie durchaus gut gelungen. Sehr gut sogar. Ein spannender und wendefreudiger Plot, der in sich abgeschlossen toll wirkt. bv

MARVEL MONSTER EDITION #11: SPIDER-MAN & FRIENDS
Panini/Marvel Deutschland
Ich gebe zu, viel habe ich von der neuesten Inkarnation der traditionsreichen US-Marvelserie „Marvel Team-Up” nicht erwartet. Deren erste zehn Ausgaben, die in diesem Band versammelt sind, haben mich jedoch eines Besseren belehrt. Die beiden Mehrteiler gehören zum Besten, was ich in den letzten Wochen und Monaten zu lesen bekam. Und das ist nicht übel, bedenkt man, dass es in der Vergangenheit bei den Team-Ups eigentlich bevorzugt darum ging, belanglose oder Out-of-Continuity-Storys zu kreieren, in denen so viele Charaktere wie nur möglich auftauchen. Und im Prinzip macht Robert Kirkman („Walking Dead”, „Invincible”) in seiner 2005er-Version des Helden-Stelldicheins auch nicht viel anders. Der Unterschied ist, dass er einfach ein überdurchschnittlicher Erzähler ist. Kirkman schafft es, zwischen wahnsinnig vielen Superhelden, die hier auftauchen (z.B. Iron Man, Spider-Man, Cap America, Spider-Man, Wolverine, Sleepwalker, X-23 und natürlich Spider-Man ;-)) kleine Abschnitte, die sich erstmal unzusammenhängend aneinanderreihen, einem größeren Handlungsrahmen zuzuspielen. So entstehen tatsächlich spannende Geschichten, wie man sie in einer solchen nebensächlichen Comicserie nicht hätte erwarten können. Und nicht nur das, Kirkman beweist auch das richtige Gespür, wenn es darum geht, packende Dialoge und eine guten Schuss Humor zu entwickeln: Blade plaudert mit dem Punisher über Moral und den Sinn von Rachefeldzügen, Luke Cage kämpft nicht, weil er seiner Frau das Essen bringen muss, und die Sprüche Spider-Mans waren selten so gut wie hier. Die perfekten Zeichnungen von Scott Kolins („Flash”, „Avengers”) leisten ihr Übriges für diese überraschend gelungene Marvelunterhaltung. bv

Mind the Gap 19: Previews 01/2006

Previews für März 2006

ALIAS OMNIBUS (Hardcover)
Marvel Comics | 720 Seiten | $ 69.95 | JAN06 2090

Als weitere Folge unserer beliebten Reihe „Damals, als der Bendis noch gut war“ lässt sich dieser unhandliche Klotz toten Holzes präsentieren. Das Buch im übergroßen Format beinhaltet alle 28 Ausgaben der Serie Alias von Brian Michael Bendis und Michael Gaydos (mit kurzen Gastspielen von David Mack und Mark Bagley) sowie die nachträgliche Verunglimpfung What If Jessica Jones Had Joined the Avengers? und nicht näher spezifiziertes Bonusmaterial.

Wenn man von letzterem Heft einmal absieht, handelt es sich bei dem Material aber tatsächlich um einige der besten Comics, die Bendis bis dato geschrieben hat. Die Figur der ausgebrannten Ex-Superheldin und Privatdetektivin Jessica Jones und ihre Eskapaden waren dem Autor wie auf den Leib geschneidert: Jessicas ernüchternde Affären mit Superhelden aus der zweiten Liga wie Luke Cage oder dem Ameisenmann, die ständigen Konflikte mit misstrauischen Medien und Behörden, der übermächtige Schatten prominenterer Superhelden und Jessicas eigene verkorkste Vergangenheit, die Stück für Stück freigelegt wird, alles verwoben mit spannend inszenierten Detektivgeschichten, die sich in den dunklen Randbezirken des Marvel-Universums abspielten und Gelegenheit für viele unerwartete Gastauftritte boten – hier befand sich Bendis auf seinem Terrain und konnte sein Ding durchziehen. Weil Alias das Flaggschiff von Marvels damals brandneuem Erwachsenen-Label Max Comics war, brauchte man sich auch nicht den üblichen sprachlichen und inhaltlichen Grenzen des übrigen Verlagsprogramms zu unterwerfen, wobei man die Rolle des experimentierfreudigen damaligen Marvel-Präsidenten Bill Jemas nicht unterschätzen sollte.

Zeichner Michael Gaydos war eine weitere Glanzbesetzung im Kreativteam der Serie. Sein ausdrucksstarker, realistischer Stil ergänzte sich perfekt mit Bendis‘ Skript; seine brillante Darstellung der Protagonistin als attraktive, aber nicht magersüchtige Frau, die im amerikanischen Comics-Mainstream leider viel zu ungewöhnlich ist, bleibt bis heute unerreicht. Stimmungsvoll abgerundet wurden die Einzelhefte von den Coverzeichnungen David Macks. (Leider findet sich im Previews-Text kein Hinweis darauf, ob diese ebenfalls enthalten sind; an Platz dafür sollte es jedenfalls nicht mangeln.)

Wem es nichts ausmacht, den Band aufgrund seiner Größe und des vermutlich unheiligen Gewichts an einem massiven Eichentisch lesen zu müssen, der kann sich hier einen jungen Klassiker des Superheldengenres zu einem stolzen, aber angemessenen Preis zulegen.

AMERICAN VIRGIN #1
DC Comics/Vertigo | 32 Seiten | $ 2.99| JAN06 0371

Zwar verspricht DC eine Vorschau der Serie in Y: The Last Man #41 zu bringen, allerdings hält man sich mit Angaben über die Prämisse eher bedeckt. Die Fakten: Der junge, streng gläubige Pfarrer und Bestseller-Autor Adam Chamberlain ist praktizierende Jungfrau und Guru einer fanatischen nationalen Bewegung für Jungfräulichkeit. Kurz vor der Heirat mit seiner ihm versprochenen Traumfrau wird Adams Leben durch einen „schockierenden Akt von Terrorismus“ allerdings plötzlich in eine Richtung katapultiert, die im krassen Gegensatz zu seinen bisherigen Überzeugungen steht und den armen Kerl völlig überfordert. Von einer „dunklen Reise in unerkundete Gebiete – sowohl geographisch als auch emotional“ ist die Rede, die dem erwähnten Y: The Last Man nicht unähnlich sein soll.

So weit, so gut. Hinter dieser Beschreibung kann sich natürlich alles oder nichts verbergen, sie kann wörtlich oder im übertragenen Sinn verstanden werden. Auch wenn der bemühte Vergleich zu Y – immerhin seit Jahren die erfolgreichste und absatztechnisch stabilste Vertigo-Serie – arg gezwungen wirken, klingen zumindest die Namen der kreativen Köpfe vielversprechend. Autor Steven T. Seagle (Sandman Mystery Theater, Superman: It’s a Bird) ist für anspruchsvolle Kost bekannt, die zwar in der Ausführung manchmal etwas Feinschliff vertragen könnte (wie etwa The Crusades), aber zumindest interessante und durchdachte Ansätze zu bieten hat. Und Zeichnerin Becky Cloonan dürfte aufmerksamen Beobachtern der US-Szene noch von der erfolgreichen Indie-Serie Demo bekannt sein. Die Cover, wie man unschwer erkennen kann, stammen von Frank Quitely, über den man wohl nicht viele Worte verlieren muß.

ANNIHILATION: PROLOGUE
Marvel Comics | 48 Seiten | $ 3.99 | JAN06 2017

Annihilation ist eines von zwei Sonderheften, mit denen man bei Marvel im März die neuesten Groß-“Events“ anschubst. Im vorliegenden Fall besteht die Chose aus dem Quartett vierteiliger Miniserien Silver Surfer, Nova, Super-Skrull (!) und Ronan the Accuser (!!), die jeweils im April starten, und dem nachfolgenden Sechsteiler Annihilation. Das Ziel der Übung soll darin bestehen, die lange vernachlässigte kosmische Ecke des Marvel-Universums zu renovieren und den Anstoß zu geben, sie wieder dauerhaft mit Leben zu füllen. Neben den Hauptfiguren der genannten Serien sollen dabei auch Thanos und Drax auftauchen, ganze interstellare Imperien sollen zu Fall kommen, und natürlich wird es letzten Endes wahrscheinlich um nichts geringeres gehen, als den Weltuntergang abzuwenden.

Damit ist zum Konzept eigentlich alles gesagt. Das Prolog-Heft wird von den Zeichnern Scott Kolins und Ariel Olivetti und Autor Keith Giffen betreut, der auch die Serien Silver Surfer und Annihilation schreiben wird. Die restliche kreative Crew des Epos besteht aus illustren Namen wie Javier Grillo-Marxuach (einer der Autoren der TV-Serie Lost), dem erprobten Gespann Dan Abnett and Andy Lanning, Transformers-Schreiberling Simon Furman und den kompetenten aber bisher unspektakulären Zeichnern Renato Arlem, Greg Titus, Kev Walker und Jorge Lucas sowie einem bislang unbekannten Künstler für Annihilation selbst. Wem derartige Geschichten gefallen, der darf also zumindest solide Handwerkskunst erwarten.

AQUAMAN: SWORD OF ATLANTIS #40
DC Comics | 32 Seiten | $ 2.99 | JAN06 0302

aqua.jpgIm März machen die meisten im DC-Universum spielenden Titel als Folge der Infinite Crisis-Story einen Zeitsprung von einem Jahr durch. Einer davon ist Aquaman, bei dem nicht nur der Titel leicht erweitert, sondern gleich auch die Hauptfigur und die komplette kreative Besatzung ausgewechselt werden: Geschrieben wird nun von Kurt Busiek, gezeichnet von Jackson „Butch“ Guice.

Und das war’s auch schon mit Informationen. Okay, es wird halt vermutlich trotzdem Aquaman bleiben, also sollte man wohl keine Wunder erwarten. Dennoch ist Busiek unbestritten ein Autor, der das Genre beherrscht und weiß, was er tut. Freunde guter Superheldencomics werden vielleicht einen Blick riskieren mögen. Den Aquaman-Fans wird’s eh egal sein.

BIG MAX #1
Mr. Comics | 32 Seiten | $ 2.99 | JAN06 3164

Big Max ist ein Projekt von Autor Dan Slott (She-Hulk, Thing) und Zeichner James Fry (Sword of Dracula, Kurt Busieks The Liberty Project), welches sich um den „nettesten Super-Gorilla der Welt“ drehen soll.

Genaueres herauszufinden, ist nicht ganz einfach, aber offenbar sollte die Figur ursprünglich bereits 1997 in einem Sonderheft der Reihe Punx von Acclaim Comics erscheinen. Aufgrund verdrießlich weniger Vorbestellungen wurde das Heft – wie die meisten anderen Acclaim-Ankündigungen zwischen 1997 und 2001 – dann aber kurzerhand abgeblasen, als es gerade in den Druck gehen sollte.

Ob es sich bei dem Material, das nun bei Mr. Comics erscheint, um ältere oder neue Arbeiten handelt, ist leider nicht auszumachen. Trotzdem bürgt der Name des Autors für Qualität, und James Fry ist ein erfahrener, kompetenter Zeichner, dem trotz Jahrzehnten in der Branche bisher der große Durchbruch verwehrt blieb.

BLUE BEETLE #1
DC Comics | 32 Seiten | $ 2.99 | JAN06 0307

Ähnlich wie Aquaman: Sword of Atlantis nimmt auch Blue Beetle den Faden ein Jahr nach den Ereignissen von Infinite Crisis auf, und genau wie in obiger Serie wird der altgediente Namen auch hier von einem neuen Gesicht beansprucht. Wer DC Countdown gelesen hat, der wird sich an den Grund dafür erinnern. Jedenfalls braucht der mystische Skarabäus, der dem Blauen Käfer seine Kräfte verleiht, dringend einen neuen Wächter. Wer das sein soll, wird aber noch nicht verraten.

Die Schreiber der Serie sind Keith Giffen und Drehbuchautor John Rogers, illustriert wird sie von Cully Hamner, dessen glatter, kinetischer Stil immer einen Augenschmaus darstellt. Blue Beetle ist ein weiter Titel, dem man getrost das Potential soliden Superhelden-Amüsements unterstellen kann, sofern er nicht – wie heutzutage wieder sehr beliebt – von dauernden Kreuzüber-Veranstaltungen mit anderen Serien torpediert werden sollte.

CONAN: BOOK OF THOTH #1 (von 4)
Dark Horse Comics | 48 Seiten | $ 4.99 | JAN06 0046

Kurt Busiek hat angekündigt, dass noch eine ganze Latte an Conan-Material aus seiner Feder erscheinen wird, bevor er seinen kürzlich bekannt gewordenen (fast-)Exklusiv-Vertrag mit DC Comics antritt. Neben dem regulären Titel des Barbaren bezog sich das auch auf die Miniserie Conan: Book of Thoth, die Busiek zusammen mit Len Wein schreibt. Wie der Titel vermuten lässt, geht es um die mysteriöse Vergangenheit des Zauberers und Erzschurken Thoth-amon.

Leider gehören Busieks frühere Kooperationen mit anderen Autoren – man denke an Defenders oder The Order – nicht gerade zu seinen besten Arbeiten, also sollte man die Erwartungen nicht zu hoch stecken. Len Wein, der immerhin u.a. die Figur Swamp Thing erfand und maßgeblich an der Schöpfung von Wolverine und The Human Target beteiligt war, hat in den letzten Jahren eher mit Drehbüchern als mit Comics seine Brötchen verdient, was natürlich nichts schlechtes sein muss. Als Zeichner fungiert Kelley Jones, dessen Stil wiederum nicht jedermanns Sache ist.

FANTASTIC FOUR: FIRST FAMILY #1 (von 6)
Marvel Comics | 32 Seiten | $ 2.99 | JAN06 2023

Nach dem sehr gelungenen Avengers: Earth’s Mightiest Heroes nimmt sich Joe Casey ein weiteres erstrangiges Marvel-Team vor, um dessen Gründungstage zu sezieren und zu erweitern. Es handelt sich dabei allemal um einen interessanten Ansatz, denn jene ersten Tage nach der Bruchlandung der Fantastischen Vier, die seinerzeit von Stan Lee und Jack Kirby komplett ausgespart wurden, sind natürlich ein fruchtbarer Nährboden für emotional tiefgehende Nahaufnahmen der Charaktere. Zwar wird sich Casey hier wohl ein weiteres mal von seiner traditionelleren Seite zeigen, aber es müssen ja nicht immer exzentrische Experimente à la Automatic Kafka oder Gødland sein.

Zeichner von First Family ist der Brite Chris Weston, der zuletzt in Warren Ellis‘ Ministry of Space und Grant Morrisons The Filth für offene Münder sorgte. Schaut man sich die Referenzen der beiden Schöpfer an, lässt sich in First Family eine rundum vielversprechende Konstellation erkennen.

HERO SQUARED #1
HERO SQUARED VOL. 1 (Paperback)

Boom! Studios | 24/128 Seiten | $ 3.99/$ 14.99 | JAN06 2924/JAN06 2925

Keith Giffen, die Dritte – und das nicht nur im Rahmen dieser Kolumne, sondern auch für Hero Squared. Nach dem Hero Squared X-Tra-Sized Special von 2004 und der dreiteiligen Miniserie aus dem letzten Jahr versuchen es Giffen, Co-Autor J.M. DeMatteis und Zeichner Joe Abraham bei ihrem dritten Anlauf mit einer fortlaufenden Serie. Um auch neuen Lesern den Einstieg in die Materie so leicht wie möglich zu machen, erscheint im gleichen Monat der erste Sammelband, der sowohl das Special als auch die Miniserie enthält.

Während die Veröffentlichungspolitik von Boom! Studios eigentlich höchst lobenswert ist, waren die bisherigen Verkaufszahlen leider nicht besonders ermutigend. Was natürlich keinen Grund darstellt, Hero Squared nicht trotzdem die Empfehlung auszusprechen, die es sich als grundsolide Superhelden-Tragikomödie verdient hat: Wer Giffen und DeMatteis‘ Zusammenarbeit bei Formerly Known as the Justice League oder „I Can’t Believe It’s Not the Justice League“ (aus JLA: Classified) gut findet, der sollte spätestens vorgestern schnurstracks in den nächsten Comicladen stiefeln und solange in den Sitz- und Hungerstreik treten, bis ihm sämtliche erhältlichen Hero Squared-Ausgaben ausgehändigt werden.

NEW AVENGERS: ILLUMINATI
Marvel Comics | 48 Seiten | $ 3.99 | JAN06 2042

Das Sonderheft von Brian Michael Bendis und Alex Maleev soll als Prolog für gleich zwei „Mega-Events“ dienen, die Marvel im April startet: „Civil War“ und „Planet Hulk.“

Bei Civil War handelt es sich zunächst um eine siebenteilige Miniserie von Mark Millar und Steve McNiven, in der es zwischen den führenden Köpfen des Marvel-Universums – Mr. Fantastic, Doctor Strange, Namor, Black Bolt, Iron Man und Professor X – aus noch ungeklärten Gründen zu einem gewaltigen Streit kommt. Marvel bezeichnet die Ereignisse der Serie als Metapher für die derzeitige Diskussion um die Aushöhlung grundlegender Bürger- und Menschenrechte im Namen der Sicherheit. Natürlich werden darüberhinaus auch zahlreiche andere Serien an dem Spektakel teilnehmen.

In „Planet Hulk“ hingegen wird der grüne Klops auf einen fremden Planeten verbannt, der mit allerlei Fantasy- und Science-Fiction-Konventionen gespickt ist, was sich insgesamt über 18 (achtzehn!) Ausgaben von Incredible Hulk hinziehen soll, plus ein Sonderheft. Autor des Zyklus ist Greg Pak (X-Men: Phoenix – Endsong), Zeichner Carlo Pagulayan (Elektra). Laut einer kürzlich veranstalteten Pressekonferenz soll „Planet Hulk“ mit „Civil War“ zusammenhängen, aber dann auch irgendwie doch nicht.

Was New Avengers: Illuminati an und für sich betrifft, läuft alles wieder auf eine “Ja, aber“-Geschichte hinaus: Wer auf dicke Crossover mit viel Krach steht, für den sollte sich das Konzept eigentlich ganz knusprig anhören. Andererseits darf man natürlich nicht vergessen, daß bei Bendis in der Regel die Devise “je größer, desto wurmstichiger“ gilt.

QUEEN & COUNTRY #29
QUEEN & COUNTRY: DECLASSIFIED, VOLUME 3 (Paperback)

Oni Press | 32/96 Seiten | schwarzweiß | $ 2.99/$ 8.99 | JAN06 3185/JAN06 3186

Mit viel Verspätung rückt Greg Rucka endlich den nächsten Zyklus seines hervorragenden Agenten-Dramas heraus. Illustriert von dem noch relativ unbekannten Chris Samnee (Capote in Kansas) überbrückt dieser Vierteiler die Zeit zwischen den ersten beiden Queen & Country-Romanen A Gentlemen’s Game und Private Wars.

Außerdem erscheint im März der Sammelband der dritten Declassified-Serie, die erstmals nicht von Rucka selber, sondern von Antony Johnston verfaßt wurde. Ob Johnston es fertig bringt, Ruckas eher imposante Stiefel zu füllen, bleibt abzuwarten, aber die guten Kritiken seiner bisherigen Arbeiten, wie etwa der Romanze Three Days in Europe oder der Gangster-Graphic-Novel Julius, lassen zumindest hoffen. Die Zeichnungen kommen von Chris Mitten.

Der Bücher-Wurm: Weitere Comics im März

+++BANANA SUNDAY von Root Nibot und Colleen Coover+++BIZARRO WORLD von Tony Millionaire, Kyle Baker, Dylan Horrocks, Eddie Campbell, Harvey Pekar, James Kochalka, Gilbert Hernandez, Peter Bagge, et al.+++CAPTAIN AMERICA: THE WINTER SOLDIER VOL. 1 von Ed Brubaker, Steve Epting, Michael Lark und John Paul Leon+++EX MACHINA: FACT VS. FICTION von Brian K. Vaughan und Tony Harris+++GOTHAM CENTRAL: UNRESOLVED TARGETS von Ed Brubaker, Greg Rucka, Michael Lark und Stefano Gaudiano+++MARVEL VISIONARIES: JACK KIRBY VOL. 2 von Jack Kirby, Joe Simon und Stan Lee+++MICHAEL CHABON PRESENTS: THE AMAZING ADVENTURES OF THE ESCAPIST VOL. 3 von Will Eisner, Eddie Campbell, Howard Chaykin, Steven Grant, Paul Grist, Matt Wagner, Paul Hornschemeier et al.+++RUNAWAYS VOL. 5: ESCAPE TO NEW YORK von Brian K. Vaughan, Takeshi Miyazawa und Adriano Alphona+++SEVEN SOLDIERS OF VICTORY VOL. 2 von Grant Morrison, Simone Bianchi, Cameron Stewart, Ryan Sook und Frazer Irving+++TOM STRONG BOOK FIVE von Brian K. Vaughan, Joe Casey, Ed Brubaker, Paschalis Ferry, Duncan Fegredo, et al.+++TOP 10: THE 49ERS von Alan Moore und Gene Ha+++

Anregungen, Lob oder Kritik sind wie immer herzlich willkommen. Schaut einfach im Forum vorbei oder schickt eine E-Mail.

Interview mit Robert Kirkman (OmU)

Click here for the ENGLISH VERSION!

.thumb_Robert_KirkmanRobert Kirkman machte in der nordamerikanischen Comicszene erstmals im Jahr 2000 als Chef des Kleinverlages Funk-O-Tron auf sich aufmerksam.  Neben der Reihe Double Take, in der u.a. „Codeflesh“ von Joe Casey und Charlie Adlard erschien, brachte Funk-O-Tron vor allem das von Kirkman selbst geschriebene Battle Pope heraus. Im Jahre 2002 begann Kirkman, seine Projekte über Image Comics zu veröffentlichen. Nach anfänglich mäßigen Verkäufen stemmen sich Kirkmans fortlaufende Serien, das Superhelden-Epos Invincible und die Zombie-Reihe The Walking Dead, seit 2003 gegen alle Trends und verzeichnen stetig steigende Absatzzahlen.
 
Durch seinen Erfolg bei Image auf den Autor aufmerksam geworden, holte man sich Kirkman 2004 schließlich bei Marvel ins Boot. Dort schrieb er Projekte wie „Sleepwalker“ (erschienen in Epic Anthology #1), einen Vierteiler in Captain America, den X-Men-Ableger Jubilee oder auch die fünfteilige Jubiläumsaktion Marvel Knights 2099, denen aber sowohl bei den Kritikern als auch bei den Käufern der Erfolg bisher weitgehend verwehrt blieb.Kirkmans Serie Marvel Team-Up soll trotz der eher verhaltenen Verkaufszahlen noch mindestens bis Mitte 2006 fortgeführt werden. Weitere künftige Marvel-Veröffentlichungen Kirkmans sind das Einzelheft What If…?: Thor, eine Kurzgeschichte in Amazing Fantasy #15, die Miniserie Marvel Zombies und – ab Januar 2006 – die Reihe Ultimate X-Men. Seit dem Jahr 2005 wird bei Image Comics neben den weiterhin erscheinenden Invincible und The Walking Dead Kirkmans alte Funk-O-Tron-Serie Battle Pope neu aufgelegt, nun erstmals in Farbe.

twd_logoAnlässlich der deutschen Veröffentlichung von The Walking Dead bei Cross Cult hatte Comicgate Gelegenheit, mit dem gefragten Autor zu sprechen. Das folgende Interview wurde zwischen dem 11. Oktober und dem 4. November 2005 per E-Mail geführt.
 
Einen Teil dieses Interviews findet man in gedruckter Form im deutschen Sammelband 1, hier an dieser Stelle kann man die komplette Unterhaltung nachlesen.

Comicgate: Wann kam Ihnen erstmals der Gedanke zu The Walking Dead, und wie lange dauerte es danach, bis die Serie bei Image Comics erschien?
 
Robert Kirkman: Die Idee zu The Walking Dead entstammt meiner Begeisterung für Zombiestreifen. Ich habe mir diese Filme damals reingezogen, als ob es kein Morgen gäbe, und ich wollte immer wissen, wie es eigentlich nach dem Ende des Films weitergeht. Also kam mir die Idee, einen Comic zu machen, der wie ein Zombiefilm sein würde – nur eben ohne jemals zu enden. Ich wollte die Zombie-Apokalypse erforschen, ohne mich dabei auf einen bestimmten Schluss festzulegen, und das bis zur letzten natürlichen Konsequenz durchziehen. Daraus entstand dann The Walking Dead. Das war ungefähr im Oktober 2002. Ich bat Tony Moore, ein paar Seiten zu zeichnen und bewarb mich mit dieser Vorlage im Dezember 2002 bei Image. Ursprünglich sollte das unter dem bekannten Titel „Night of the Living Dead“ laufen, weil ich gehört hatte, dass die Rechte an dem Film verfallen und für jedermann frei zugänglich waren [„Night of the Living Dead“ ist ein Zombie-Klassiker von Regisseur George Romero – Anm. d. Red]. Jim Valentino, der damalige Image-Herausgeber, empfahl mir aber, mir meinen eigenen Titel auszudenken, damit das Ganze dann auch mein Eigentum sein würde. Ich entschied mich dann für „The Walking Dead“. Ich weiß nicht, ob ich Jim Valentino je für seinen Vorschlag gedankt habe. Jedenfalls legte ich ihnen das Konzept für die Serie vor, und es wurde akzeptiert, von der Namensänderung mal abgesehen. Ich wollte die Serie bereits im März 2003 starten, aber bei Image zog man es vor, bis Oktober zu warten, um die erste Ausgabe zu Halloween am Start haben zu können.
 

CG: War The Walking Dead (bzw. Night of the Living Dead) von Anfang an als Comic-Serie gedacht oder gab es einen Moment, in dem Sie ein anderes Medium für die Geschichte in Betracht zogen?
 
RK: Es sollte immer ein Comic sein. Das ist es, womit ich mein Geld verdiene. Ich schreibe keine Romane, Fernsehserien oder Texte für Müsli-Packungen.
 
CG: Können Sie uns Schritt für Schritt erläutern, wie eine typische Ausgabe von The Walking Dead entsteht, von der Idee bis zum Drucker?
 
RK: Nun, zuerst sammle ich Ideen dafür, was mit den Figuren passieren soll. Ich habe schon jede Menge Zeug für bestimmte Figuren geplant, und dastwd03 schon seit geraumer Zeit. Aber ich weiß noch nicht, wann genau diese Ereignisse stattfinden werden, also muss ich das austüfteln. Während ich das mache, überlege ich mir all das, was vor und nach diesen Ereignissen geschieht. In meinem Kopf gehe ich diese Dinge also ständig durch: wenn ich dusche, wenn ich Auto fahre, wenn ich esse, wenn ich mich eigentlich mit jemandem unterhalten sollte … mein Leben wird mittlerweile bestimmt davon. Wenn ich dann soweit bin, eine bestimmte Ausgabe zu schreiben, versuche ich meine Gedanken in einer groben Gliederung zu sortieren. Ich schreibe alles auf, ordne es chronologisch und kritzele Dialog-Notizen dazu. Am Ende habe ich dann ein Blatt Papier mit Nummern von eins bis 22, auf welchem die ungefähre Handlung für jede einzelne Seite aufgelistet ist [der Standard-Comic in den USA hat 22 Seiten – Anm. d. Red.]. Dann setze ich mich damit an die Tastatur und verwende das als Richtlinie für das Skript. Ich halte mich nicht streng an diesen Umriss der Geschichte, sondern entferne mich auch schon mal ziemlich davon – ich habe sogar die letzten anderthalb Ausgaben in letzter Minute komplett verworfen, weil ich’s mir anders überlegt habe. Vielleicht entscheide ich mich, eine Figur sterben zu lassen, oder vielleicht entscheide ich mich auch, sie nicht sterben zu lassen … bis ich es getippt habe, steht alles in den Wolken.
 
Als nächstes schicke ich das Skript an Charlie [Charlie Adlard, der The Walking Dead seit Sammelband 2 zeichnet – Anm. d. Red.]. Normalerweise braucht er einen Monat oder weniger für eine Ausgabe. Es ist traumhaft, mit ihm zu arbeiten: wunderschöne Seiten, und das immer pünktlich. Ich würde ihn heiraten, wären wir beide nicht schon mit jemand anderem verheiratet … und heterosexuell. In der Regel skizziert er die gesamte Ausgabe erst mal mit dem Bleistift (es sei denn, ich schicke ihm nur den Teil eines Skripts – was, wie wir beide zugeben werden, öfter passiert, als wir uns das wünschen würden). Er teilt die Seiten in Kästchen auf, skizziert die Figuren, zeichnet komplexe Gegenstände detaillierter und geht dann zum Tuschen über. Sobald alle Seiten getuscht sind, schickt er sie an mich.
 
Als ich die Serie noch selbst letterte, was bei allen Ausgaben bis zur Nummer 19 der Fall war, tat ich das an dieser Stelle. Mittlerweile macht das aber Rus Wooton, also schicke ich ihm das Heft. Gleichzeitig schicke ich es auch an Cliff Rathburn, der für die Grautöne zuständig ist.
 
Für Rus erstelle ich verkleinerte JPEGs [Bilddateiformat – Anm. d. Red.] und kümmere mich um die Platzierung der Sprechblasen. In Photoshop zeichne ich mit der Maus kleine, grobe Blasenumrisse an die Stellen, wo die Sprechblasen später hinkommen sollen. Während ich das mache, gehe ich ein letztes Mal durch die Dialoge, verändere, verlängere oder verkürze Sachen, verbessere den Lesefluss und sorge dafür, dass es perfekt zu den Zeichnungen passt … oder versuche es zumindest. Ich habe in dieser Phase schon ganze Seiten neu geschrieben. Ich streiche regelmäßig Dialogzeilen, wenn sich herausstellt, dass sie überflüssig sind. Sobald Rus dann das Skript und die Platzierung der Blasen vorliegen hat, lettert er das Heft mit irgendeinem Computerprogramm.
 
In der Zwischenzeit ist Cliff Rathburn mit den Schattierungen beschäftigt und malt seine schönen, melierten Grautöne über Charlies Tuschezeichnungen. Das macht er ebenfalls mit Photoshop, glaube ich. Ich halte die Grautöne für einen wichtigen Bestandteil der Serie, weil sie dadurch mehr Tiefe bekommt und näher bei farbigen Veröffentlichungen liegt als bei schwarzweißen, die einfach die nackten Zeichnungen abbilden. Andererseits muss ich sagen, es ist schade, dass die Leute Charlies Zeichnungen so selten in schlichtem Schwarzweiß zu sehen bekommen. Man wird geradezu hypnotisiert davon, wenn man sie sich anschaut. Ich habe schon oft erwähnt, dass ein ganzer Tag draufgeht, wenn er mir seine Seiten schickt. Ich starre sie einfach den ganzen Tag lang an, wenn ich sie bekomme. Und wenn Cliff dann die grau melierten Seiten abliefert, wird mein Zeitplan ein weiteres Mal zurückgeworfen.
 
Wenn die Grautöne und das Lettering fertig sind, fügt Rus alles zusammen und macht daraus die fertigen Seiten. Die gehen dann an Image Comics und von dort aus weiter an den Drucker.
 

CG: Wie die meisten Ihrer Arbeiten wird The Walking Dead zuerst in monatlichen, 22-seitigen Einzelausgaben veröffentlicht (dem Standardformat in Nordamerika), bevor diese schließlich in Paperbacks gesammelt werden. Welche Rolle spielen die beiden unterschiedlichen Formate bezüglich der Struktur und des Tempos Ihrer Geschichten?
 
RK: Um das monatliche Format optimal zu nutzen, versuche ich immer, auf der letzten Seite einer Ausgabe einen Cliffhanger zu haben. Das heißt, ich versuche, mit einem Moment zu schließen, der den Leser motiviert, im nächsten Monat wiederzukommen. Nun kann nicht jeder Cliffhanger ein sensationelles Ereignis sein, sonst stumpft der Effekt nach einer Weile ab. Also gibt es von Zeit zu Zeit ziemlich unspektakuläre Cliffhanger. „Boah, jetzt haben sie einen Generator gefunden.“ So was in der Art. Aber ich versuche immer, ein Heft mit etwas enden zu lassen, das zumindest interessant ist.
 
Da ich weiß, dass die Ausgaben früher oder später in Sammelbänden erscheinen, achte ich darauf, dass der Beginn jeder Ausgabe mit dem Ende der vorherigen zusammenpasst. Damit der Übergang von einem Heft zum nächsten nicht auffällt, wenn man sie am Stück liest.
 
Ich lege meine Geschichten aber nie so an, dass Sechsteiler dabei herauskommen [die Sammelbände von The Walking Dead beinhalten je sechs der ursprünglichen Einzelausgaben – Anm. d. Red.]. Hin und wieder versuche ich, am Ende jeder sechsten Ausgabe einen gewissen Schlusspunkt zu setzen, wenn das möglich ist. Aber das mache ich nur, wenn es die Geschichte gerade zulässt. Ich würde nie eine Geschichte verlängern oder verkürzen, nur damit sie in einen Sammelband passt. Deshalb endet der dritte Band auch mit einem Cliffhanger.
 

CG: Sind Sie mit dem Format der monatlichen Ausgaben glücklich?
 
twd_de_01RK: Absolut. In Europa hat man sich wohl weitgehend auf Alben eingestellt, und in den USA gibt’s in der Richtung auch einiges. Aber ich für meinen Teil mag die monatliche Veröffentlichungsweise. Ich stehe darauf, jeden Monat meine Comics zu kaufen und Fortsetzungsgeschichten zu bekommen. Das ist sicher nicht das perfekte Format für jedes Projekt, und ich höre immer wieder, dass The Walking Dead sich in den Sammelbänden besser lesen soll, aber ich mag die Einzelausgaben. Ich habe nicht vor, das Format jemals aufzugeben.
 

CG: Apropos Europa: Wie gut kennen Sie sich in der europäischen Comic-Szene aus? Zählen bestimmte europäische Autoren oder Werke zu ihren Einflüssen?
 
RK: Ich lebe in Kentucky, das wohl als einer der ländlicheren Staaten in Amerika betrachtet wird. Das heißt jetzt nicht, dass ich diese Sachen hier nicht bekomme. Aber ich muss vorher extra bestellen, was ich haben will, und ich kenne mich mit den europäischen Sachen einfach nicht so gut aus. Natürlich mag ich Moebius sehr gerne. Er ist wohl einer der wenigen, die mir namentlich ein Begriff sind. Ich sehe Zeug wie Dylan Dog und Blacksaad und Red Hand, das Projekt, an dem Kurt Busiek kürzlich beteiligt war. Das sieht alles großartig aus. Ich bin ein riesiger Fan dieser großformatigen, etwas dünneren Alben. Ich mag sie so gern, dass ich hoffe, in nicht all zu ferner Zukunft selbst mal eins zu machen. Generell kenne ich mich halt mit dieser Materie nicht besonders aus. Im Hinterkopf habe ich es aber schon.
 

CG: Dann kennen Sie wohl auch den neuen Asterix #33 nicht, der letzte Woche rauskam.
Besteht die Möglichkeit, dass The Walking Dead einmal den Sprung nach Europa oder in andere Teile der Welt schafft?
 
RK: Nein, den Asterix kenne ich nicht.
 
The Walking Dead wird bereits in einigen europäischen Ländern veröffentlicht. Ich bin da nicht wirklich auf dem laufenden, da solche Sachen alle von Image Comics geregelt werden.
 

CG: Ich meinte eigentlich die Handlung, aber das ist ebenfalls interessant.
Anders formuliert: Haben Sie vor, auch andere Länder und Kontinente in The Walking Dead zu zeigen, oder möchten sie sich weiterhin auf die Vereinigten Staaten konzentrieren?
 
RK: Nun, ich beabsichtige, den Figuren die ganze Serie über treu zu bleiben. Denjenigen, die überleben, natürlich. Es mag vorkommen, dass sie sich in verschiedene Gruppen aufteilen und ich dann an allen dranbleibe. Aber was in Europa los ist, würde ich nur zeigen, wenn die Charaktere in einem Boot rüberpaddeln würden, um zu sehen, was da los ist. In naher Zukunft wird die Serie sich nur in Amerika abspielen.
 

CG: The Walking Dead spricht – ohne den deutschen Lesern zu viel zu verraten – mehrere kontroverse soziale und politische Themen an, wie etwa den Waffenbesitz oder die Todesstrafe. Nun wird die Vorgehensweise der Vereinigten Staaten in diesen Fragen in Europa weitestgehend an den Pranger gestellt, und lautstarke Kritiker wie Michael Moore oder Noam Chomsky werden wie Popstars behandelt wegen ihrer Opposition gegen die US-Administration. Was halten sie von diesen Reaktionen in Europa, als Autor und als Amerikaner?
 
RK: Mir ist nicht ganz klar, inwiefern eine politische Frage im Rahmen dieses Interviews relevant ist. Ist es okay, wenn ich bei dieser Frage passe?
 
Ich meine, das ist ungefähr so, als würde man über Religion befragt. Man vergrault unweigerlich einen Teil seines Publikums, egal, welche Meinung man hat.
 

CG: Kein Problem – natürlich können Sie jederzeit eine Antwort verweigern.
Die Relevanz der Frage sehe ich darin, dass diese Themen in The Walking Dead sehr deutlich angesprochen werden. Da das in den Vereinigten Staaten und anderswo ziemlich aktuelle politische Streitpunkte sind, dachte ich, es wäre interessant, Einblick in ihre Ansichten dazu zu bekommen. 
Wäre es hilfreich, die Frage umzuformulieren, z.B. ohne den internationalen Aspekt?
 
RK: Ich will in dieser Richtung wirklich nicht Stellung beziehen in The Walking Dead. Diese Dinge kommen nur deshalb vor, weil es logisch ist, dass sie vorkommen, und nicht, weil ich in dieser Hinsicht was zu sagen hätte. Ich bin kein Autor, der seine Ansichten über Gott und die Welt der Öffentlichkeit aufzwingen will mit seinen Arbeiten.
 
Das könnte meine Antwort auf die umformulierte Frage sein.
 

CG: Okay, dann weiter im Text.
battle_pope8Am Anfang Ihrer Karriere schufen und veröffentlichten sie eine Serie namens Battle Pope, deren Titelheld eine eher ungewöhnliche Version des Papstes war, und die momentan durch Image neu veröffentlicht wird. Haben Sie durch den kürzlichen Tod Johannes Paul II. und der Neuwahl von Benedikt XVI., einem Deutschen (einem Bayer, noch dazu), neue Ideen für eine mögliche Fortsetzung der Serie bekommen?
 
RK: Battle Pope basierte niemals auch nur entfernt auf dem echten Papst. Battle Pope war praktisch ein Superheldencomic über eine Figur, die eben Papst war. Ich habe mich dabei weniger auf den Katholizismus oder so etwas bezogen. Daher: Nein, die Ernennung eines neuen Papstes würde keinerlei Einfluss haben auf etwaige neue Battle-Pope-Geschichten. Diese Serie ist viel zu albern, als dass sie auch nur entfernt auf irgendwas Echtem basieren könnte. Sofern die Neuauflage sich gut verkauft, würde ich Battle Pope gerne fortsetzen.
 

CG: Ihre Image-Comics-Serie Invincible wurde vor kurzem mit einer Spezialausgabe beworben, die nur 50 Cent kostete und der Reihe neue Leser bescheren sollte. Können Sie die wirtschaftlichen Hintergründe einer solchen Aktion beleuchten und verraten, ob sie erfolgreich war?
 
RK: Invincible #0 war unglaublich erfolgreich. Wir boten eine viel kürzere Geschichte – 12 Seiten – zu einem erheblich niedrigeren Preis an. Als Resultat des geringen Preises verkaufte sich Invincible #0 fast fünfmal so gut wie die regulären Ausgaben. Danach schossen die Absatzzahlen der Serie prompt um 20% nach oben, und sie klettern seither konstant weiter. Durch die erzielten Verkäufe kamen wir mit der Ausgabe immerhin bei Null heraus. Verdient haben wir an dem Heft also nichts, aber es hat sich positiv auf die Verkäufe der Serie ausgewirkt und hat uns dabei keinen Pfennig gekostet. Ich war sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
 

CG: Haben Sie sich Sorgen gemacht, dass das Heft potentielle Leser davon abschrecken könnte, die ersten paar Sammelbände zu kaufen? Immerhin erzählt Invincible #0 praktisch die Handlung der ersten 22 Ausgaben nach und verrät dabei einige ziemlich entscheidende Wendungen.
 
RK: Nein, die Nullnummer war für Leute gedacht, die die Sammelbände sehr wahrscheinlich nicht kaufen würden und daher einen kleinen Ruck benötigten. Sie verrät einiges, das stimmt. Aber wenn es den Lesern gefällt, haben sie die Möglichkeit, die Geschichten in den Sammelbänden nachzulesen oder direkt in die monatliche Serie einzusteigen.
 
Ich bereue die Aktion nicht.
 

marvel_zombiesCG: Von The Walking Dead abgesehen sind all ihre momentanen Arbeiten Superheldentitel, und Marvel Zombies, eine Miniserie, die im Dezember startet, scheint die logische Konsequenz dieser Zweiteilung zu sein, da sie Marvels Superhelden als Zombies darstellt. Sind sie besorgt, auf die Rolle des „Superheldentypen“ oder des „Zombietypen“ festgelegt zu werden?
 
RK: Überhaupt nicht. Ich denke, zwischen meinen Superheldentiteln gibt es genug Abwechslung, um die Sache interessant zu halten. Die Zombieserie ist auch bloß eine Charakterstudie – sie könnte schon fast ein klassisches Drama sein. Die Gefahr, in eine der beiden Schubladen gesteckt zu werden, sehe ich also wirklich nicht.
 

CG: In ihren Marvel-Titeln und in ihrer Online-Kolumne („Buy My Books,“ bei Comic Book Resources) machen Sie keinen Hehl aus ihrem Faible für einige der Erzähltechniken (z.B. die Michelinie/McFarlane/Larsen-Methode, Geschichten zu strukturieren) und Figuren (wie Sleepwalker, Darkhawk oder Terror, Inc.), die sich in den frühen Neunzigern enormer Beliebtheit erfreuten, seither aber weitgehend in Ungnade gefallen zu sein scheinen. Worin liegt für sie der Reiz dieser Herangehensweisen und Charaktere?
 
RK: Das ist für mich die Zeit, in der Comics Spaß gemacht haben … und ich glaube, dass der einzige Grund dafür darin besteht, dass ich damals gerade in einem bestimmten Alter war, als ich die Dinger las. Jeder, der Comics liest, hat eine Schwäche für die Titel, mit denen er angefangen hat, und die für ihn der Einstieg waren. Sie mögen nicht die besten Comics sein, das gebe ich gerne zu … aber als ich 12 oder 14 oder so war, war es eben das, was ich mochte. Sie sind für mich was besonderes, mit all ihren Mäkeln.
 

CG: Diese Serien und Figuren haben die Leser damals offensichtlich beeindruckt, wenn man bedenkt, dass dies die wirtschaftlich erfolgreichste Periode amerikanischer Comics in der jüngeren Vergangenheit war. Können Sie näher erläutern, worin Sie die Stärken dieses Materials sehen? Speziell die Art, wie Sie in Marvel Team-Up zwischen Peter Parkers Privatleben und seinen Eskapaden als Superheld hin und her schalten, erinnert an die Herangehensweise, die beispielsweise David Michelinie und Erik Larsen vor fünfzehn Jahren sehr gut beherrschten. Würden Sie sagen, das ist ein legitimer Vergleich?
 
RK: Absolut. So macht man halt Comics, was mich anbelangt: Jede Episode hat eine Haupthandlung, die unterhaltsam und ziemlich bedeutsam ist … und Nebenhandlungen, die sich zu künftigen Haupthandlungen entwickeln. Ich mag es einfach nicht, wenn eine Geschichte ganz für sich alleine steht und danach ein weiterer in sich geschlossener Zyklus folgt. Ich möchte, dass meine Geschichten aufeinander aufbauen … dass es sich am Ende für die Leute auszahlt, wenn sie eine Serie über längere Zeit verfolgen, und dass sie dafür belohnt werden. Das ist es, was ich als Fan an diesen speziellen Comics mochte, und das ist es auch, was ich an den Comics mag, die ich selber schreibe. Es hält mich bei der Stange.
 

CG: Eine der ersten Spider-Man-Geschichten, die ich las, war der Zweiteiler mit dem Punisher von Michelinie und Larsen, gefolgt von einem Zweiteiler mit Venom, und dann dem Sechsteiler, in dem die Sinister Six zurückkamen, und so weiter. Wie Sie sagten, mochte ich es, wie diese Geschichten aufeinander aufbauten und einen als Leser nie vom Haken ließen. Irgendwann scheint man diese Art des Erzählens, die schrille „Schurken des Monats“ mit fortlaufenden, Seifenoper-artigen Nebenhandlungen kombinierte, aber aufgegeben zu haben, sodass sie heute so etwas wie eine „vergessene Kunst“ ist, von wenigen Ausnahmen wie Marvel Team-Up oder Gødland abgesehen. Warum, glauben Sie, ist das der Fall?
 
RK: Die Dinge verändern sich ständig. Ich glaube, wenn erst einmal jemand Erfolg damit hat, etwas anders zu machen, dann fängt seine Herangehensweise an, sich in der Branche zu verbreiten. Ich weiß nicht, wo der momentane Trend voneinander unabhängiger Zyklen herkommt, aber ich glaube, dass es ein wenig mit der steigenden Beliebtheit von Sammelbänden zusammenhängt. Es hat wahrscheinlich auch ein wenig damit zu tun, dass man neue Leser erreichen und sie nicht mit zu viel Stoff aus früheren Ausgaben überfordern will, damit auch ja jeder auf Anhieb in die Serie einsteigen kann. Ich persönlich bevorzuge aber die andere Herangehensweise. Ich glaube, dass es Leser motiviert, sich ältere Ausgaben zu besorgen, wenn man Sachen verwendet, die auf frühere Geschichten zurückgehen. Also packe ich es auf diese Art an – die Art, die mir lieber ist. Mehr kann ich echt nicht tun. Ich schreibe dieses Zeug den ganzen Tag, jeden Tag. Ich bin derjenige, der damit zufrieden sein muss.
 

CG: Wie persönlich sind Ihre Geschichten? Gibt es – speziell in Ihren eigenen, länger angelegten Arbeiten The Walking Dead und Invincible – Figuren oder Situationen, mit denen Sie sich besonders identifizieren?
 
RK: So ziemlich alle. Ich meine, achtzig Prozent der Zeit versuche ich einfach nur, mir auszumalen, wie ich unter bestimmten Umständen reagieren würde, und schreibe das. Ich versuche auch oft, Figuren so reagieren zu lassen, wie es, glaube ich, niemand tun würde, einfach um etwas Würze ins Spiel zu bringen. Aber meistens bin ich das da drin. Die Umstände und die Interaktionen mit anderen Figuren andererseits sind alle frei erfunden. Einige Leute glauben, dass Autoren nur Zeug schreiben, das auf ihrem eigenen Leben basiert, und dass alle Geschichten nur spärlich getarnte Nacherzählungen von Dingen darstellen, die ihnen selbst widerfahren sind. Ich nicht. Wenn es so wäre, wäre mein Leben viel zu doof.
 

CG: Also, um das noch mal klarzustellen: Sie sagen, dass es in Kentucky wirklich keine Zombies gibt?
 
RK: Stimmt. Na ja, meistens jedenfalls.
 

CG: Wie stehen Sie zu dem Trend, Comics legal oder illegal in digitalen Formaten zu verbreiten, etwa als DVDs, CDs, als einfache Downloads oder für Plattformen wie die PSP, Ipods, Handys oder tragbare PCs?
 
RK: Ich bin sicher kein Befürworter davon. Aber ich rege mich auch nicht auf, wenn jemand, der meine Hefte eh nie kaufen würde, sie kostenlos zu lesen bekommt. Ich glaube, es ist durchaus möglich, dass dadurch mehr Verkäufe entstehen. Aber es kann auch sehr leicht zu viel, viel weniger Verkäufen führen. Ich denke, es ist noch zu früh, mich in der Sache festzulegen.  Abwarten und Tee trinken.
 

CG: In der US-Comicbranche scheint es eine weitverbreitete negative Haltung gegenüber Manga zu geben, die japanische Comics als Bedrohung oder – bestenfalls – als „Einstiegsdroge“ für amerikanische Comics betrachtet. Haben Sie eine Meinung zu dieser Debatte?
 
RK: Ich mag Manga. Ich sehe sie überhaupt nicht als Bedrohung an. Wenn Kinder Comics lesen, in welcher Form auch immer, dann halte ich das für eine gute Sache.
 

CG: Welche Comics lesen Sie selbst gerne, und auf welche freuen Sie sich besonders?
 
RK: Ultimate Spider-Man, Doc Frankenstein, Planetary, Savage Dragon, Shaolin Cowboy, Runaways, Captain America und zahllose weitere.
 

CG: Letzte Frage. In einem alten Interview sagten Sie: „Ich glaube nicht, dass ich je einen Comic schreiben werde, der nicht von mir selbst gelettert wird. Das Ergebnis wäre nicht gut genug, glaube ich. Ich bin so ein Freak, was das Lettering anbelangt, dass ich das wohl niemand anderem anvertrauen könnte.“ Sie haben seitdem ihre Meinung geändert, stimmt’s?
 
RK: Nun, die Zeiten ändern sich. Damals habe ich bloß ein oder zwei Titel pro Monat geschrieben, wenn ich mich recht erinnere. Das Lettern hat mir echt Spaß gemacht zu der Zeit. Das Problem bei der Sache war nur, dass ich so pingelig bezüglich der Platzierung der Sprechblasen und so weiter war, dass nie wirklich besonders fix darin wurde. Es dauerte fast eine Stunde, ein paar Seiten zu lettern und beinahe einen ganzen Tag oder noch länger für eine Ausgabe. Von Zeit zu Zeit, wenn es einfach ist oder wenn ich gerade keine Lust habe, Rus Wooton (dem Letterer meiner Wahl) genau zu erklären, wie ich etwas haben will, lettere ich immer noch die eine oder andere Seite selbst. Vor kurzem habe ich beispielsweise eine Seite in Invincible #23 und ein paar Seiten in The Walking Dead #24 gelettert.
 
Der Grund, warum ich das damals in dem Interview so gesagt habe, ist, dass ich oft ganze Seiten umschrieb, während ich letterte. Ich fügte Zeilen hinzu, nahm Zeilen weg und machte alle möglichen Änderungen. Das tue ich zwar immer noch, aber ich mache es nun, während ich die Platzierungen der Sprechblasen für den Letterer festlege, und nicht mehr während des eigentlichen Letterings. Außerdem habe ich eine genaue Vorstellung davon, wie das Lettering aussehen soll, und Rus Wooton hat sich meinem eigenen Stil fast perfekt angepasst. Rus ist ein großartiger Letterer, und es ist zu einem großen Teil sein Verdienst, dass es mir nichts ausmacht, diese Arbeit jemand anderem zu überlassen. Rus war so eine Art Zweitbesetzung für Chris Eliopoulos, und Chris‘ Stil – zusammen mit John Workmans – ist mehr oder weniger der, auf dem mein eigener basiert … Rus war also die perfekte Wahl.
 
CG: Robert Kirkman, danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten!

Bildquellen: Robert Kirkman, Cross Cult


Walking Dead is TM and © Robert Kirkman, 2006. All Rights Reserved.
Mit freundlicher Genehmigung von Cross Cu

Interview mit Tony Moore (OmU)

TWD_logo_klein.jpgAnlässlich des 1. Sammelbands von The Walking Dead, der in wenigen Tagen auf deutsch erscheint und von Cross Cult veröffentlicht wird, führten wir per E-Mail ein Interview mit Tony. Einen Teil dieses Interviews findet man in gedruckter Form im Sammelband, hier an dieser Stelle kann man die komplette Unterhaltung nachlesen.

Comicgate: Welche Künstler sind deine Idole oder hatten einen großen Einfluss auf dich? Dein Zeichenstil erinnert mich, zumindest was die Gesichter betrifft, ein wenig an eine besser ausgearbeitete Version des ’klassischen’ Image-Stils.

Tony Moore: Ich würde sagen, dass meine größten Einflüsse John Romita Jr, Geoff Darrow, Jack Davis und John Severin waren. Davis und Severin sind meine frühesten Einflüsse, weil ich schon auf das gestanden habe, was sie in Mad und Cracked gemacht haben, als ich gerade lesen gelernt habe. Romita kam dazu, als ich ein wenig älter wurde, und ist seitdem mein Vorbild für gradliniges Storytelling geworden. Darrow hat mich gepackt, als ich so etwa 13 war und hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Tatsächlich versuche ich noch immer all die Details und Linien seines ersten Buchs, das ich von ihm gekauft habe, haargenau zu betrachten.

Ich bin mit den Geschichten der frühen Image-Jungs aufgewachsen, damals, als sie diese großartigen Sachen für Marvel gemacht haben, und ich bin ihnen dann zu ihren neuen Titeln gefolgt. Ich habe viele Kniffe in Sachen Storytelling von Erik Larsen übernommen und ich strebe wirklich an, dass das, was ich tue, bei den Lesern so zündet, wie es die Comics dieser Jungs bei mir geschafft haben. Wenn Leute in meinem Alter oder auch älter auf Messen zu mir kommen, um sich einen Comic signieren zu lassen, dann ist das toll… aber wenn es ein Kind ist, das da zu dir kommt, Mann, das ist erfüllend.
CG: Was ist mit europäischen Künstlern? Kennst du dich da aus? Irgendwelche Einflüsse aus dieser Richtung?

TM: Ich liebe Moebius. Ich habe seine Arbeit bei Blueberry wirklich genossen und ich besitze noch ein paar andere seiner Werke, inklusiver verschiedener Art Books. Bruno Gazzottis Arbeit an Soda mag ich wirklich, aber ich konnte keine Übersetzung davon finden, die ich hier drüben hätte kaufen können. Ich liebe auch Milo Maranas Arbeiten in Heavy Metal. Insgesamt bin ich den europäischen Sachen nur sehr begrenzt ausgesetzt gewesen, obwohl ich versuche, mehr und mehr davon zu finden, weil mich die amerikanischen Superhelden in ihrer jetzigen Form immer weniger interessieren.
CG: Was denkst du, wo zeichnerisch deine größten Stärken und Schwächen liegen? Gibt es irgendwas, mit dem du wirklich zu kämpfen hast, wenn du es zeichnen musst?

TM: Meine Stärken lassen sich wohl da finden, wo ich die Figuren im Comic Emotionen zeigen lasse und wo ich den Dingen eine spürbare Härte hinzufügen kann. Ich versuche die Szenen so zu gestalten, dass es leicht ist, sich selbst darin wiederzufinden, und ich fühle mich wohl mit dem, was ich in diese Richtung habe machen können.
Ich glaube nicht, dass der massive Einsatz von Schwärze eine meiner Stärken ist. Ich wünschte mir oft, ich würde mir in der Richtung mehr zutrauen. Und ich bin nicht sehr gut im technischen Design. Ich versuche bei solchen Dingen so viele erfolgreiche Elemente wie möglich von anderen Künstlern, von denen ich denke, dass sie da begabter sind als ich es bin, zu übernehmen und füge hoffentlich noch genug Eigenes hinzu, damit das keiner bemerkt.

CG: Du und Robert Kirkman haben ja schon vor The Walking Dead zusammengearbeitet. Wie seid ihr zwei das Kreativteam für Battle Pope geworden?

TM: Wir haben uns im Alter von zwölf Jahren kennen gelernt, im Geschichtskurs der siebten Klasse. Wir sind auf dieselbe Schule gegangen und haben im selben Jahr unseren Abschluss gemacht. Insofern haben wir eine ganz schöne gemeinsame Geschichte hinter uns, wenn man bedenkt, wie jung wir sind.
Als ich in meinem ersten Jahr auf dem College war, erhielt ich einen Anruf von Robert, den ich seit Monaten nicht mehr gesehen hatte. Robert fragte, ob ich daran interessiert sei, mich an einem Comic zu versuchen. Wir haben nicht gewusst, wie man das macht, aber wir wussten, wie so ein Comic aussehen sollte, und wir sind davon ausgehend Schritt für Schritt zurückgegangen und haben es ausgeknobelt.
CG: Wie haben du und Robert für The Walking Dead zusammengearbeitet? Habt ihr euch persönlich getroffen und Dinge ausdiskutiert, oder hat der ganze Kreativprozess über das Telefon, die Schneckenpost und das Internet stattgefunden?

TM: Nachdem ich vom College abgegangen bin, habe ich tatsächlich ein Haus gefunden, das nur ein paar Meilen von seinem Wohnort entfernt lag. Manchmal haben wir telefoniert, aber meistens bin ich einfach rüber in sein Studio gegangen und wir haben uns gegenseitig Ideen zugeworfen, während wir arbeiteten.
CG: Wie groß war dein Einfluss auf das Charakterdesign? Hatte Robert klare Vorstellungen davon, wie die Figuren aussehen sollten, oder hattest du da etwas Spielraum?

TM: Bei den Hauptfiguren hatte Robert Ideen, welcher bestimmte Schauspieler sie spielen könnte, also habe ich die Figuren auf diesen generellen Beschreibungen basieren lassen und dann versucht, ihnen währenddessen noch meinen eigenen Stempel aufzudrücken. Andere Charaktere hatten lockerere Beschreibungen und manche waren einfach nur Namen, die ich dann in Personen verwandelt habe, basierend darauf, wie sie sich in den Skripts verhielten und ziemlich oft an Leute angelehnt, die ich im echten Leben kenne oder gesehen habe.

CG: Von wem kam die Idee, die Serie monochrom zu halten und was war der entscheidende Faktor dafür? Immerhin ist ja nur ein wichtiger Zombie-Film (Romeros Night of the Living Dead) in schwarz-weiß gefilmt worden.

TM: Ich weiß nicht mehr, wessen Idee es war, den Comic so zu gestalten, aber Robert und ich mochten die Idee beide sehr, besonders weil Night of the Living Dead so gefilmt worden war. Ich hatte zuvor schon ein paar kürzere Dinge in diesem Stil gemacht und war begierig, das bei einem ganzen Comic auszuprobieren. Und die Tatsache, dass Schwarz-Weiß-Titel entscheidend billiger zu drucken sind, hat sicher auch nicht geschadet bei der Entscheidung.

CG: Hattest du Einfluss darauf, wer die Ausgaben “koloriert” hat? Immerhin ändert sich die Qualität der Monochromfarben ziemlich stark, je nachdem, wer dafür verantwortlich war.

TM: Ich habe das Schattieren in den ersten fünf Ausgaben selbst gemacht. Ich bin ausgestiegen, als ich mit dem Schattieren ein paar Seiten weit in Ausgabe 6 gekommen war, und Kirkman bat Cliff Rathburn, hier auszuhelfen. Ich habe ihn nicht selber ausgewählt, aber er ist derjenige, für den ich mich auch entschieden hätte, wäre ich gefragt worden. Meine Titelbilder habe ich immer selbst koloriert, aber das liegt hauptsächlich daran, dass ich es als eine Art Therapie empfinde, zu malen, und da ich nicht auf Leinwand malen kann, ist heutzutage meine einzige Möglichkeit, etwas in dieser Richtung zu machen,meine Titelbilder digital zu kolorieren.
CG: Der optische Stil des Serie ist ziemlich beeindruckend: Ich erinnere mich noch, wie ich im ersten Paperback eine Seite umblätterte und dann Rick sah, in der Mitte von dem, was einmal Atlanta war, jetzt komplett von Zombies überrannt und in der Mitte ragte dieser gestrandete Panzer aus der Menge hervor und ich habe mir nur gedacht: ’Yeah, so sollten Zombiegeschichten aussehen.’ Also, wie hast du Ideen bekommen, wie die Welt und die Zombies in The Walking Dead aussehen sollten? Hast du bestimmte Filme geguckt, bestimmte Bücher gelesen, dir bestimmte Fotos angeschaut?

TM: Ich mochte wirklich diesen runtergekommenen Look, den die Settings in George Romeros Day of the Dead und in Lucio Fulcis Zombie hatten. Bei den Zombies selber mochte ich sehr, was Tom Savini in Day of the Dead und im Remake von Night of the Living Dead geschafft hat. Ich mochte es auch, dass in Fulcis Zombie Käfer hinzufügt worden waren, etwas, das ich in meine Zeichnungen habe einfließen lassen, weil ich so etwas größtenteils wirklich nicht allzu oft in Comics gesehen hatte.

Ich habe für die Zombies viele Nachforschungen angestellt, Fotos von Leichen in verschiedenen Verfallsstadien studiert und mir viele Tatort- und Autopsiefotos angesehen. Das war zuerst gar nicht leicht, aber ich habe gelernt, emotionale Aspekte, die mich verunsichern würden, auszublenden und war dann in der Lage, mir das alles objektiv und wissenschaftlich anzusehen, um zu lernen, wie man grausam entstellte, aber glaubwürdige Zombies erschafft, basierend auf echten anatomischen Studien, statt einfach nur die typischen Zombies zu zeichnen, wie ich das bei vielen anderen Reihen gesehen habe. Ich habe versucht es hinzubekommen, dass jeder Zombie sich wie eine echte Person anfühlt, die früher einmal genauso gelacht und geweint und interagiert hätte wie jeder andere Mensch auch, um dem Titel so visuell ein dramatisches Element hinzuzufügen.
CG: Deine weiblichen Charaktere sehen ja tatsächlich aus wie Frauen in der echten Welt, was in der Comicindustrie ja immer noch nicht der Standard ist. Keine Brüste in Red-Monika- oder Power Girl-Größe, keine taktisch günstig zerrissenen Klamotten wie bei Caitlin Fairchild. Wie kommt das?

TM: Tja, hauptsächlich, weil ich nicht glaube, dass die Leser sich auf eine Geschichte über echte Menschen einlassen könnten, wenn keiner davon aussähe wie ein echter Mensch, sondern alle Superhelden oder Models wären. Außerdem bin ich nicht gut darin, Cheesecake-Pinup-Girls zu zeichnen.
CG: Wo wir gerade dabei sind: wie findest du die generelle Tendenz, vor jeder Darstellung von Nacktheit zurückzuschrecken, während exzessive Gewalt absolut okay zu sein scheint?

TM: Ich denke, das ist ein amerikanischer Komplex, der absolut lächerlich ist. Wir sind so verklemmt – ich glaube, wir lassen offene Gewalt zu, weil viele finden, dass das ein akzeptables Ventil für angestaute Spannungen oder so etwas ist. Ich war immer wieder erstaunt, was für Dinge ich auf den Covern der Hefte zeigen und damit davonkommen konnte. Ungeschönt bluttriefende Szenen haben nie zu Problemen welcher Art auch immer geführt. Blut und Gedärme und Gewalt überall. Aber wenn ein Heft ein geschmackvolles Nacktbild auf dem Titel hatte, eine einzelne weibliche Brustwarze, dann würde es schon bei den Pornocomics eingeordnet werden. Wir in der amerikanischen Gesellschaft schämen uns so sehr unserer Anatomie und unserer Geschlechtsmerkmale, dass es auf eine traurige Art schon komisch ist.

Kirkman hat viele dieser typisch amerikanischen Komplexe in Sachen Nacktheit, die ich nicht teile, also hat er Nacktheit für einige Zeit in seinen Skripts besonders vermieden, obwohl mich das in einigen wenigen Fällen nicht davon abgehalten hat, sie zu zeigen, wenn die Leichen so verstümmelt waren, dass es lächerlich gewesen wäre, wären sie vollständig bekleidet gewesen, wo sie ohnehin kaum noch zu erkennen waren. Ich schätze mal, die Jahre an der Kunsthochschule, in denen man sich den ganzen Tag nackte Leute anschaut, lösen dieses alberne Tabu, das mit dem unbekleideten Körper verbunden ist. Zumindest, soweit es mich betrifft.
CG: Was ist mit den anderen Leuten, die an der Produktion des Comics beteiligt waren? Hat irgendwer bei Image je Probleme mit eurem Material gehabt und euch geraten, bestimmte Dinge zu ändern oder war Image im Großen und Ganzen einfach nur zufrieden, dass sie The Walking Dead verlegen dürfen und hat sich darauf konzentriert, den Titel zum Drucker und in die Läden zu bringen?

TM: Image hat uns immer sehr freie Hand bei dem Comic gelassen. Sie haben nie besonders in den kreativen Prozess eingegriffen. Normalerweise haben sie sich nur um das eigentliche Verlegen des Titels gekümmert.

CG: Da du vorhin auch deine Coverdesigns erwähnt hast: Wie empfindest du es, dass die einzelnen Cover nicht in den The Walking Dead-Paperbacks zu finden sind, nicht einmal in einer Covergalerie im Anhang?

TM: Mich stört es nicht, dass die Cover nicht im Paperback zu finden sind. Ich glaube, dass der Markt sich momentan in Richtung Paperbacks entwickelt, mit vielen Leuten, die die Einzelhefte auslassen und sofort auf die Veröffentlichung der Sammelbände warten. Für den Markt ist das ein bisschen gefährlich, denn wenn sich die Einzelhefte nicht gut verkaufen, dann kann es ziemlich oft passieren, dass es überhaupt kein Paperback geben wird. Wenn das Paperback zu einem ordentlichen Preis produziert wird, aber die Cover und all die anderen kleinen Extras nur in den Einzelheften zu finden sind, dann macht es die zumindest zu etwas Besonderem und bewegt die Leute hoffentlich dazu, auch diese zu kaufen.

Davon abgesehen ist der Innenteil des Paperbacks komplett in schwarz-weiß gehalten. Wenn man die Cover in Farbe hinzufügen würde, dann würde das die Produktionskosten bedeutend in die Höhe treiben – und die Cover in schwarz-weiß zu drucken würde ihnen nicht gerecht werden. Die Cover sind allerdings in der Hardcover Special Edition zu finden, was ziemlich nett ist. Damit bin ich zufrieden.

CG: Hast du Easter Eggs in deine Zeichnungen eingebaut? Beispielsweise, dass Freunde oder Familienmitglieder als Hintergrundfiguren oder – besser gesagt – als Zombies auftauchen?

TM: Gott, ja. Die ganze Zeit. Ich habe mir gedacht, dass Zombies auch mal Menschen waren, also sollten sie auch wie so jemand aussehen. Es war für mich viel einfacher, die Massenszenen mit echten Gesichtern, die ich kenne, zu füllen. Hat mir in Sachen Design eine ganze Menge Arbeit erspart. Warum auch nicht?
CG: Nach dem ersten Handlungsbogen [also nach dem ersten Sammelband, Anm. d. Red.] hast du die Serie verlassen und Charlie Adlard hat den Zeichenstift übernommen. Wie kam es dazu? Und haben du und Charlie je darüber geredet, wie er die Serie zeichnen sollte, um einen bestimmten Stil zu erhalten?

TM: Da gab es viele Gründe, warum ich gegangen bin. Bei den meisten würde ich mich unwohl fühlen, wenn ich hier ins Detail gehen würde, aber die Menge an Zeit, die es mich gekostet hat, jeden Monat ein Heft zu zeichnen, inken und grauzutönen hat dafür gesorgt, dass ich hinter meinen Zeitplan zurückgefallen bin. Besonders, wenn du bedenkst, dass ich auch die Cover entworfen und eine 48-seitige Ausgabe von BRIT gezeichnet habe, ebenfalls mit Kirkman zusammen, und das zur gleichen Zeit wie The Walking Dead. Letzten Endes wusste ich einfach, dass ich entweder aufhören musste oder mich selber kaputt machen würde.

Als ich die Serie verließ, redeten wir nicht darüber, wer kommen und für mich übernehmen würde. Kirkman hat Charlie wahrscheinlich ausgewählt, weil er weiß, dass er die Hefte bedeutend schneller als ich fertigzeichnen kann, besonders da Cliff Rathburn das Schattieren übernahm.
CG: Zombies sind immer noch ziemlich groß, in Hollywood ebenso wie im Comicbereich. Was hältst du von dem Zombieboom? Hast du andere Zombiecomics gelesen, etwa Frank Chos Zombie King oder George Romeros Toe Tags?

TM: Ich bin dankbar für den Zombieboom. Da war eine Art Vakuum, als wir mit dem Comic anfingen. Horror im Comicbereich war fast zu einem toten Genre geworden, mit höchstens ein oder zwei Erfolgen in den letzten Jahren und im Filmbereich war das Beste, auf das wir hoffen konnten, dass man sich mit Wohlwollen an Romeros Oldies und Savinis Remake von Night of the Living Dead zurückerinnerte. Das, vermischt mit den gelegentlichen Veröffentlichungen ausländischer Filme wie Cemetery Man und Brain Dead. Wir haben nicht geahnt, dass wir am Anfang einer neuen Zombieexplosion standen. Hollywood hat die Tür für uns weit aufgestoßen und dafür werde ich ewig dankbar sein.

Ich fühle mich ein wenig blöd, das zugeben zu müssen, aber die Mehrheit der neuen Zombiecomics, die seitdem erschienen sind, habe ich nicht gelesen und ich habe nur ein paar der neueren Filme gesehen.

CG: Da du dich ja mit Zombies auszukennen scheinst: Hast du einen Lieblingszombiefilm?

TM: Ich weiß nicht, ob ich da einen Favoriten aussuchen könnte. Ich liebe den originalen Night of the Living Dead. Das ist ein Klassiker, der wirklich alles richtig gemacht hat. Ich mag auch Tom Savinis Remake aus den Neunzigern. Es hat eine Zeit lang gedauert, bis ich damit warm wurde, aber die Special Effects sind wirklich spitzenklasse, und obwohl die generelle Botschaft des Films sich geändert hat, weiß ich den neuen Film absolut zu schätzen. Und alleine für das Gemetzel und die Albernheiten liebe ich noch immer Peter Jacksons Brain Dead. Der Film heitert mich richtig auf.
CG: Zur Zeit arbeitest du an Fear Agent für Image und The Exterminators für Vertigo. Worum geht es bei diesen beiden Serien und warum sollten die Leute sie sich mal anschauen?

TM: Fear Agent ist ein Sci-Fi-Titel im Stile der 50er, im Grunde genommen ein Liebesbrief von Rick Remender und mir an die alten Sci-Fi-Monster-Kisten von Wally Wood und der alten EC-Comics-Crew. Da geht es mehr um das große Abenteuer, mit schicken Raketen und Goldfischglashelmen und Strahlenpistolen und Tentakelmonstern. Wir beide waren es Leid, dass Science-Fiction sich viel zu sehr darauf konzentriert, die Technologie und alles zu erklären und es scheinbar nur noch um Handelsföderationen und bürokratischen Unsinn geht. Uns fehlten Geschichten über harte Kerle, die in Raketen herumdüsen und Außerirdischen ohne guten Grund eine reingehauen haben. Also haben wir uns entschieden, selber sowas zu machen.

The Exterminators ist schon ein schwieriger zu verkaufendes Konzept. Es geht da um Henry James, einen ehemaligen Sträfling, der versucht, sein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, damit angefangen, dass er einen Job im Geschäft seines Stiefvaters übernimmt. Er arbeitet mit einigen der seltsamsten und abscheulichsten Typen, die die Menschheit zu bieten hat, und ihm wird bald klar, dass dieser zusammengewürfelte Haufen an Ausgestoßenen die einzige Verteidigungslinie der Menschheit gegen die Natur ist, die uns alle in einem kurzen Moment verschlingen könnte, die wir aber einfach als gegeben akzeptiert oder im besten Falle als nervtötend wahrgenommen haben. Henry hat dann eine fast „zenhafte“ Enthüllung über die Reinheit seiner Stellung im Leben und es passieren dabei ein paar ziemlich erschütternde Wendungen.

Und warum die Leute sich mal an die Serien wagen sollten, da kann ich nur sagen, sie sollten es tun, weil das gute Comics sind, die in Sachen Genre ein paar bisher selten beschrittene Wege ausprobieren. Und bei beiden Serien bin ich Mitschöpfer und Mitbesitzer, darum sind sie so etwas wie meine Babies.
CG: Etwas das ich immer frage: Welcher Comic ist gerade dein Favorit? Ist da draußen irgendein Comic, bei dem du sagst: „Das hier ist großartig. Jeder sollte das lesen.“

TM: Jesses. Der Großteil der Comics, die ich momentan lese, sind ältere Titel. EC drucken all ihre Kriegscomics, die Horror- und Sci-Fi-Serien nach. Ich habe hier auch eine große Sammlung an alten Jonah Hex-Titeln, die ich langsam durcharbeite. Ich liebe alles, was Garth Ennis macht. Ich lege mir auch alles zu, das [Mike] Mignola angepackt hat. Ich stehe tierisch auf Shaolin Cowboy, wenn es erscheint. Ich liebe auch The Goon und Ex Machina. Und Hawaiian Dick, Battle Hymn, The Expatriate und alles andere, dass B. Clay Moore schreibt.
CG: Okay, wenn ich mir die Titel angucke und bedenke, was du über Fear Agent gesagt hast und dass du vorhin erwähntest, dass du unzufrieden bist mit Superheldencomics in ihrer derzeitigen Form: Denkst du, dass der US-Mainstream, also Marvel und DC, heutzutage zu wenig Spaß machen? Immerhin, Hellboy, The Goon, Hawaiian Dick und die meisten Comics, die Ennis schreibt, nehmen sich selbst ja nicht allzu ernst.

TM: Das tue ich. Ich persönlich finde, dass es am wichtigsten ist, Spaß zu haben. Ernsthafte Comics haben ihren Platz und ich mag sie wirklich sehr, aber ich kaufe mir keine Superheldencomics für so etwas. Ich bin es Leid, darüber zu lesen, welcher neue Superheldensidekick jetzt von Crack abhängig ist oder AIDS hat.
CG: Wie schwer ist es, als Comiczeichner sein Geld zu verdienen? Besonders am Anfang, wenn man noch nicht an einer aufmerksamkeitswirksamen Serie gearbeitet hast. Musstest du zusätzliche Zeichnungen (zum Beispiel für die Werbungbranche) anfertigen, um über die Runden zu kommen?

TM: Am Anfang ist es nicht leicht, besonders wenn du einen neuen, eigenen Comic beginnst. Ich habe tagsüber bei UPS gearbeitet, Kartons herumgeworfen, während ich in der Schule war und meine ersten Comics gezeichnet habe. Glücklicherweise habe ich einen guten Job erhalten, als ich eine BeastMan-Einzelgeschichte für die Masters of the Universe-Lizenznehmer zeichnen durfte. Ich habe da genug Geld gemacht, um davon ein paar Monate leben zu können, während ich mich tiefer hineingekniet habe, ein Profi zu werden, der von seiner Kunst leben kann. Kirkman war da in einer etwas besseren Position, da er mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen hatte, weil er pro Projekt weniger Zeit investieren musste, als das beim Zeichner der Fall ist und weil er eine Ehefrau hat, die damals auch arbeitete.

Ich wiederum musste den Großteil meiner Zeit für ein einzelnes Projekt aufwenden und lebte allein. Während wir an The Walking Dead gearbeitet haben, sahen wir nicht eine müde Mark bis zwei Monate nach der Veröffentlichung der Erstausgabe, also habe ich mehrere Monate mit sehr wenig Einkommen daran mitgearbeitet, den Titel abheben zu lassen. Ich war schon glücklich, dass ich meine Miete wieder reinbekommen habe und habe mich gefragt, wo genau meine nächste Mahlzeit herkommen würde. Ich habe verschiedene Zeichnungen angefertigt, um mich über Wasser zu halten, aber nichts von Bedeutung, wenn man bedenkt, wie zeitaufwändig es sein kann, jeden Monat ein ganzes Heft anzufertigen. Glücklicherweise hat sich die harte Arbeit ausgezahlt und jetzt kann ich auch wie ein echter Mensch leben, besonders weil ich jetzt mit einem größeren Verlag zusammenarbeite.
CG: Wenn du dir die Probleme anguckst, die du als Künstler hast, der gerade am Anfang seiner Karriere steht: Welche Lektionen, die du auf die harte Tour gelernt hast, würdest du an diejenigen weitergeben, die versuchen, ins Comicgeschäft einzusteigen?

TM: Ein paar Dinge. Hab keine Angst davor, ein Risiko einzugehen. Das Leben ist zu kurz, um rumzusitzen und sich zu fragen, ob man etwas geschafft hätte. Du versagst zu 100 Prozent bei solchen Dingen, die du nie versuchst. Wenn du glaubst, dass du das nächste Jahr damit verbringst, dein Portfolio aufzubauen, aber sich in der Zwischenzeit ein Job im kleinen Rahmen anbietet, der dir wahrscheinlich kein Geld einbringt, dann nimm den Job trotzdem an. Du würdest die Zeit sowieso damit verbringen zu üben, ohne Geld dafür zubekommen, aber so wird dabei vielleicht sogar noch etwas von dir veröffentlicht. Und du weißt nie, vielleicht hast du damit Erfolg und hast es dann auf deine eigene Art geschafft.

Aber jetzt, wo das gesagt ist, sei außerdem vorsichtig und pass auf dich selber auf. Dinge passieren, und nur weil du jemanden kennst und als Freund betrachtest, heißt das nicht, dass diese Person auch immer nur dein Bestes will. Das bedeutet nicht, dass die Person schlecht ist. Du solltest nie vor etwas zurückschrecken, das nach einem sinnvollen Projekt klingt, aber stell sicher, dass du dich selbst schützt, Dinge von Anfang an schriftlich hast, denn eine Menge Dinge könnten passieren und alles bisher Gewesene auf den Kopf stellen.
CG: Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass du den Witz inzwischen schon zu oft gehört hast, aber hast du es je bereut, Iron Maiden verlassen und eine Karriere als Comickünstler verfolgt zu haben?

TM: Ich erinnere mich gern an jene Tage zurück, aber zwischen meiner Gospelgruppe, dem Kickboxen und meinem Job als erfolgreichster Subaru-Händler in Decatur, Alabama, habe ich es geschafft, einfach vorwärts zu blicken und nur wenig zu bedauern.
CG: Und als Rausschmeißer: Was sind deine Ziele für die Zukunft? Was möchtest du noch erreichen?

TM: Ich würde gerne in der Lage sein, mich von dem monatlichen Trott loszureißen, in dem man steckt, wenn man einen amerikanischen Comic macht, und würde mir gerne ein Jahr lang oder so Zeit nehmen können, um einen einzelnen Band zu produzieren, den zu verkaufen und das dann noch einmal zu machen. In etwa so, wie das Romanautoren machen können. Ich würde gerne ein paar Western- und Wikinger-Stories machen und ich weiß nicht was sonst noch.

Aber auf lange Sicht möchte einfach nicht verschwinden. Ich hatte neulich einen Hallo-Wach-Moment, als ich mir die Arbeiten von ein paar Weltklasse-Illustratoren angesehen habe und da ist mir klar geworden, dass ich noch eine Schüppe zulegen muss. Es hat mich fast gelähmt, mir das Material dieser Zeichner anzusehen, aber hauptsächlich hat es in mir ein kleines Feuer entfacht, etwas wirklich Bedeutsames und Inspiriertes zu erschaffen. Ich möchte einen Eindruck hinterlassen, möchte, dass sich die Leute wirklich an mich erinnern. Ich schätze, das ist mein wirkliches Ziel, so eingebildet das jetzt auch klingt. Ich weiß nicht einmal, ob das überhaupt möglich ist, aber das wird mich nicht davon abhalten, es zu versuchen.
CG: Damit wäre das dann auch erledigt. Danke, dass du dir die Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet hast, Tony.

TM: Nein, ich danke dir! Das hat echt Spaß gemacht!

zeitgleiches Interview mit dem TWD-Autor Robert Kirkman

Tonys Website

Cross Cult (deutscher Verleger von The Walking Dead)

Image Comics (US-Verleger von The Walking Dead)

The Walking Dead bei Amazon bestellen

Bildquellen: Tony Moore, Cross Cult

{mospagebreak title=Interview with Tony Moore (English)}

The first tradepaperback of The Walking Dead will soon be released in Germany, published by Cross Cult. Translated parts of the following interview with penciller (#1-#6), cover artist (#1-#25) and Eisner Award nominee Tony Moore can be found in said print edition.

Below we present the complete interview that was done for Comicgate by e-mail in the end of 2005 (interviewer: Björn Wederhake).

Comicgate: Which artists are your idols or had a big influence on you? Your style, at least concerning the faces, reminds me somewhat of a more refined version of the ‘traditional’ Image style.

Tony Moore: I’d say my biggest influences have been John Romita Jr, Geoff Darrow, Jack Davis, and John Severin. Davis and Severin are my oldest influences, since I was into them in Mad and Cracked when I was first learning to read. Romita came as I got a little older and has since become my model for straightforward storytelling. Darrow hooked me when I was about 13 and never let go. In fact I’m still trying to pour over all the details and lines of the first book I ever bought of his.

I grew up on the early Image guys, back when they were doing great stuff for Marvel and I followed them over to their new titles. I took a lot of storytelling cues from Erik Larsen, and I really strive to spark readers the way those guys did me. When people my age or older come up to me at conventions with books to sign, it’s great… but when a kid does it, man, that is fulfilling.
CG: How about European artists? Are you familiar with some of them? Any influences from this direction?

TM: I love Moebius. I really enjoyed his work on Blueberry, and I have a few others including just some various art books. I really like Bruno Gazzotti’s work on Soda, but I haven’t been able to find any translations of it that I could buy over here. I also love Milo Manara’s work in Heavy Metal. My exposure to most European stuff is pretty limited, though I’m trying to track down more and more stuff as I get increasingly disinterested with American superheroes as they are.
CG: As an artist, what would you say are your greatest strengths and weaknesses? Anything you really have to struggle with if you have to draw it?

TM: I think my strengths come in having characters emote on the page, and in adding a tangible grit to things. I try to make a scene easy to immerse yourself into, and I feel good about what I’ve been able to do along those lines. I don’t think that heavy use of blacks is a strength of mine. I often wish I were bolder in that aspect. And I’m not very good with technical design. I try to lift as many successful aspects of that kind of stuff from other artists whom I think are better at it than I am, and hopefully add enough of my own spin on it that nobody notices.
CG: You and Robert Kirkman worked together prior to The Walking Dead. How did you two become the creative team for Battle Pope?

TM: We met when we were 12 years old, in 7th grade History class. We went to the same school and graduated the same year, so we have a good deal of history, considering how young we are. When I was in my first year of college, I got a call from Robert, whom I hadn’t seen in months, asking if I’d be interested in trying to do a comic. We didn’t know how to make comics, but we knew what they were supposed to look like, so we basically reverse-engineered the process and figured it out.
CG: For The Walking Dead, how exactly did you and Robert co-operate? Did you meet in person and discuss things or did this all happen via phone, snail mail and the internet?

TM: Once I left college, I actually got a house just a couple of miles away from where he lived. Sometimes there were phone conversations, but mostly, I would just come over to his studio and we could shoot ideas back and forth as we worked.
CG: How big was your influence on the character designs? Did Robert have clear cut visions about how the characters should look or did you have some leeway there?

TM: For many of the main characters, Robert would have ideas of specific actors he envisioned playing them, so I would base them off those general descriptions and try to put my own stamp on them as I went. Other characters had looser descriptions, and some of them were just names that I turned into people based on how they acted in the scripts, based a lot of times off people I knew or had seen in real life.
CG: Who had the idea of doing the title in monochrome and what was the decisive factor for doing so? After all, only one major zombie movie (George A. Romero’s Night of the Living Dead) has been shot in black and white.

TM: I don’t remember whose idea it was to do the book that way, but I know Robert and I both really liked the idea, especially given that Romero’s Night of the Living Dead was made that way. I had done a few short things in that style before and was anxious to try it on a whole book. And the fact that black and white books are considerably less expensive to print sure didn’t hurt.
CG: Did you have any influence on who ‘colored’ your issues? After all, the quality of the monochrome color pretty much varies depending on who was responsible for the coloring.

TM: I did the shading on the first 5 issues myself. I left the book just a few pages into the shading process on issue 6, and Kirkman asked Cliff Rathburn to step in. I didn’t pick him myself, but he’s the one I would have picked if I had been asked. On my cover work, I always colored myself, but that’s mainly because I find painting very therapeutic, and in lieu of getting to work on a canvas, getting to digitally color my work for covers is my only outlet for that, these days.
CG: The visual style of the title is quite impressive: I still remember turning the page in the first paperback and there was Rick, in the middle of what was once Atlanta, now overrun by zombies and with that derelict tank standing out from the crowd and I just thought: ‘Yeah, that’s how zombie stories should look like.’ So, what did you do in order to get the ideas about how the world and the zombies should look like? Did you watch certain movies, read certain books, look at certain photos?

TM: I really liked the run-down look of the settings in George Romero’s Day of the Dead, and Lucio Fulci’s Zombie. As for the zombies themselves, I really liked what Tom Savini had done in Day of the Dead and the Night of the Living Dead remake. I also loved the inclusion of bugs in Fulci’s Zombie, which I really integrated into my stuff, since I hadn’t really seen it all that much in comics for the most part.

I did a lot of research for the zombies, studying photos of corpses in various stages of decay and looking at a lot of crime scene and autopsy pictures. It wasn’t easy at first, but I learned to let go of the issues of humanity that would make me uneasy and I became able to look at them objectively and scientifically to learn how to construct gruesome but believable zombies, based on real anatomical study, not just draw generic zombies like I had seen in a lot of books. I tried to make each zombie feel like a real person that once would have laughed and cried and interacted just like any other character, to visually add to the human drama aspect of the book.
CG: Your women actually look like real world females, which is still not a given in the comic industry. No Red Monika or Power Girl bust, no tactically shredded clothes as with Caitlin Fairchild. How come?

TM: Well, mainly because I don’t think people can relate as easily to a story supposedly about real people when none of them look like real people, but are all superheroes or models. Also, I’m no good at drawing cheesecake pinup girls.
CG: In the same vein: How do you regard the general tendency to shy away from any actual nudity, while strong violence seems to be perfectly okay?

TM: I think it’s an American hangup that is completely ridiculous. We’re so repressed I think we allow overt violence because many feel that’s an acceptable outlet for tension or something. I was continually amazed at what I was able to get away with putting on the covers of the book. Unadulterated gore was met with no qualms whatsoever. Blood and guts and violence all over the place. If a book had a tasteful artistic nude on the cover, however, a single female nipple would get it filed away with the porno comics. American society is so deathly ashamed of our anatomy and sex that it’s sadly comedic.

Kirkman has a lot of the typically American hang-ups with nudity that I don’t share, so he’s specifically avoided it in his scripts for some time, though I didn’t let it stop me in a few slight cases where the bodies were so multilated it would be ridiculous to have them fully clothed when they were already pretty much unrecognizable, anyway. I guess years of art school, looking at nude people all day every day, removed the giddy taboo associated with the uncovered body, as far as I’m concerned.
CG: What about the other people involved in making the comic? Did anybody from Image ever have any problems with your material and adviced you to change certain things or was Image in general just happy to publish The Walking Dead and focussed entirely on getting the title to the printer and to the stores?

TM: Image has always been very hands-off with the book. They never get very editorial about the creative process, usually only worrying about the actual publishing.
CG: Since you mentioned your cover designs: How do you feel about the fact that the individual covers are not included in the TWD paperbacks, not even in an additional cover gallery?

TM: I don't mind the covers not being in the paperback. I think the market is shifting toward paperbacks right now, with a lot of people forgoing the singles and waiting for the collection to be released. For the market, this is kind of dangerous, because of the single issues don't sell well, a lot of times there might not even be a trade paperback. Producing the paperback at an affordable price but keeping the covers and all the little extras for the single issues at least gives something special to the singles, hopefully motivating people to buy those as well. Besides, the interior of the trade paperback is all black and white. Adding the covers in color would jump the production cost significantly, and just printing them in black and white wouldn't really do them justice. The covers are in the collected special edition hardcover, though, which is nice. I'm satisfied with that.
CG: Do you include Easter eggs in your drawings? For example having friends or family appear as background characters or – in The Walking Dead – as zombies?

TM: God, yes. All the time. I figure the zombies were people, too, so they should look like somebody. It was a lot easier then for me to populate the crowds with real faces I already knew. Saved me a ton of time on design. Why not?
CG: After the first arc you left the title and Charlie Adlard took up the pen. Why that? And did you and Charlie ever talk about how to draw the title in order to retain a certain visual style?

TM: There were a lot of reasons I left. Most of which I don’t feel confortable going into here, but the amount of time it took me to pencil, ink, and greytone the book each month was causing me to slip on the schedule, especially when you toss in that I was doing the covers as well, and did a 48 page issue of BRIT, also with Kirkman, concurrently with The Walking Dead. In the end, though, I knew I had to leave or I would run myself into the ground.

When I left, there was no communication about who would come on to take over. Kirkman chose Charlie probably because he knew he could get the book done considerably faster than me, especially with Cliff Rathburn doing his shading.
CG: Zombies are still pretty big, in Hollywood as well as in comics. What do you think about this zombie boom? Did you read any other zombie titles like Frank Cho’s Zombie King or George Romero’s Toe Tags?

TM: I’m grateful for the zombie boom. It was something of a vacuum when we started the book. Horror in comics had become nearly a dead genre, with only one or two successes in recent years, and in movies, the best we had to hope for was looking fondly back on Romero’s oldies and Savini’s remake of Night of the Living Dead, with some scattered foreign releases like Cemetery Man and Brain Dead. Little did we know that we were on the cusp of a new zombie explosion.Hollywood kicked the door wide open for us on that one, and for that, I’m eternally grateful.

I feel dirty admitting it, but I haven’t read the majority of the new zombie books that have come out since, and I have only seen a couple of the newer movies.
CG: Since you really seem to know about your zombies: Do you have a favourite zombie movie?

TM: I don't know that I could pick a favorite. I love the original Night of the Living Dead. It's a classic that really did it right. I also liked Tom Savini's remake in the 90s. It took me a while to warm up to it, but the special effects are really top-notch and even though the general message of the film changed, I could appreciate the new film fully. And for sheer gore and goofiness, I still love Peter Jackson's Brain Dead. That movie cracks me up.
CG: Right now you’re doing Fear Agent for Image and The Exterminators for Vertigo. What are these two titles about and why should people check them out?

TM: Fear Agent is a 50’s style sci-fi book, basically Rick Remender’s and my love letter to the old sci-fi monster romps by Wally Wood and the old EC Comics crew. It’s more about high adventure, with sleek rockets and bubble helmets, and ray guns and tentacle monsters. We both had gotten tired of science fiction that was bent on over-explaining the technology of everything, and seemed to be all about trade federations and bureaucratic nonsense. We missed stories about tough guys who scuttled around in rockets and punched aliens for no good reason, so we decided to make our own.

The Exterminators is a stranger concept to sell. It’s about Henry James, an ex-convict who is trying to get his life back on track, starting with taking a job at his stepfather’s extermination business. He works with some of the weirdest and most vile characters humanity has to offer, and he comes to realize that this motley crew of rejects are society’s only line of defense against nature, which could instantly envelop us all on a moment’s notice, but which we’ve all pretty much taken for granted or treated like a nuisance at most. Henry comes to an almost Zen-like revelation about the purity of his position in life, and goes through some harrowing twists and turns along the way.

As for why people should check them out, all I can say is that they should because they’re good comics, testing some fairly untraveled ground genre-wise, and they’re both books that I’ve co-created and co-own, so my stake in them makes me feel like they’re my babies.
CG: Something I always ask: Which title is your favorite right now? Is there any comic out there, where you say: ‘This is great. Everybody should read this.’

TM: Jeez. The majority of books I’m reading now are older books. EC reprints of all their war books, and horror and sci fi stuff. I also have a massive Jonah Hex backlog that I’m slowly working my way through. I enjoy all of Garth Ennis’ stuff. I also pick up anything [Mike] Mignola touches. I’m really digging Shaolin Cowboy when it comes out. I also love The Goon and Ex Machina. And Hawaiian Dick, Battle Hymn, The Expatriate and anything else B Clay Moore writes.
CG: Now, looking at these titles, considering what you said about Fear Agent and that you mentioned earlier that you are dissatisfied with superhero comics in their current form, do you think that the US mainstream – i.e. Marvel and DC comics – nowadays lacks a certain sense of fun? After all, The Goon, Hellboy, Hawaiian Dick and many comics done by Ennis don't take themself too seriously.

TM: I do. Personally I think having fun is what it's all about. Serious comics have their place, and I enjoy them immensely, but I don't turn to superheroes for anything like that. I get tired of reading about which new superhero's sidekick is addicted to crack or has AIDS.
CG: How hard is it to eke out a living being a comic book artist? Especially in the beginning, when you haven’t worked on a high profile series. Do you have to do additional illustrations (i.e. for advertisings) to make ends meet?

TM: In the beginning it’s not easy, especially starting off a new book of your own. I kept a day job at UPS, throwing boxes around, while I was in school and drawing my first few books. Fortunately, I got a good gig drawing a BeastMan one-shot for the Masters of the Universe license and made enough money to live off of for a couple months as I took the plunge into being a professional who lives off his art. Kirkman was in a little better shape, having other projects since his time invested per project was considerably less than an illustrator’s, and having a wife who was working as well.

I, on the other hand, had to commit most of my time to a single project and lived alone. Working on The Walking Dead, we didn’t see a single dime until more than two months after the first issue was published, so I was working for several months launching the book with little income, lucky to make rent and wondering exactly where my next meal was coming from. I did a few miscellaneous illustrations to help stay afloat, but nothing substantial, given how time-consuming drawing a whole book each month can be. Luckily, the hard work paid off, and now I can live like a real human being, especially working with a bigger publisher.
CG: Seeing these troubles you have as an artist starting your career, which lesson you learned the hard way would you teach to those who try to break into the industry?

TM: A couple things. Don't be afraid to take a chance. Life's too short to sit and wonder if you could have made something. You fail at 100% of the things you never try. If you think you're going to spend the next year building your portfolio, but then in the meantime you get an offer to do a small-press gig that is likely to not pay, go on and take the gig. You'd be spending that time practicing for free anyway, but at least this way you'd maybe be getting published in the process. And you never know, it could be successful and you will have made it on your own terms.

But that said, be smart and watch out for yourself. Things happen and just because you know someone and consider them friends doesn't mean they're always looking out for your best interests. It doesn't mean that they're horrible people. You should never shy away from something that sounds like a worthwhile project, but make sure you're protecting yourself in writing from the get-go, because any number of things could happen and turn your entire situation upside down.
CG: I’m sure you heard this joke far too often by now, but do you ever regret leaving Iron Maiden to pursue a career as comic book artist?

TM: I look fondly back on those days, but between my gospel group, kickboxing, and being the most successful Subaru dealer in Decatur, Alabama, I’ve managed to keep plowing ahead with few regrets.
CG: And as a closer: What are your ambitions for the future? What do you want to achieve?

TM: I’d like to be able to break away from the monthly grind of American comic book production, and be able to take a year or so and produce a volume of work, sell it and then do it all over again, much like how novelists are able to work. I’d like to produce a few westerns and some Viking stories, and I don’t know what else.

In the long term, though, I just don’t want to fade away. I was awakened recently by looking at some world-class illustrators, and realized I need to step up my game. I was nearly stopped dead in my tracks looking at come of these illustrators, but mostly it really lit a fire inside me to try and make some really meaningful and inspired work. I want to make my mark and be truly remembered. That’s my ultimate goal, I guess, pompous as it sounds. I don’t know if it’s even possible, but that won’t stop me from trying.
CG: That about wraps it up. Thanks for taking your time and answering our questions, Tony.

TM: No, thank you! This was great!

links:

interview with TWD creator Robert Kirkman

Tony's website

Cross Cult (German publisher of The Walking Dead)

Image Comics (US publisher of The Walking Dead)

Walking Dead is TM and © Robert Kirkman, 2006. All Rights Reserved. Mit freundlicher Genehmigung von Cross Cult.