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Mind the Gap 26: Previews 08/2006

Neue US-Comics müssen von Händlern jeweils etwa zwei Monate vor Erscheinen vorbestellt werden, was über den Katalog Previews geschieht, in dem die meisten US-Verlage ihre Produkte anbieten. Das Ziel von „Mind the Gap“ ist, euch bei dem Wust an monatlichen Veröffentlichungen einen groben Überblick zu verschaffen und die interessantesten Neuerscheinungen aus Previews hervorzuheben.

Wenn der eine oder andere Tipp euer Interesse weckt, könnt ihr den entsprechenden Comic vorbestellen, indem ihr die Bestellnummer an den Comic-Händler eures Vertrauens weitergebt.

 
 
 
previews Neue US-Comics im Oktober 2006

Düsteres von Kurt Busiek und Brent E. Anderson, Autoritäres von Grant Morrison und Gene Ha, Kritisches von Brian Azzarello und Carlos D'Anda, Genetisches von Gail Simone und Talent Caldwell, Kriminelles von Ed Brubaker und Sean Phillips, Verdammtes von Cullen Bunn und Brian Hurtt, Waghalsiges von Brubaker und Michael Lark, Mystisches von Brian K. Vaughan und Marcos Martin, Paradisisches von B. Clay Moore und Steven Griffin, Winziges von Robert Kirkman und Phil Hester, Undefinierbares von John Woo, Garth Ennis und Jeevan Kang, Piratenmäßiges von Rick Spears und Vasilis Lolos und Prägnantes von Chris Ryall und Ashley Wood.
 
 
 
ASTRO CITY: THE DARK AGE, BOOK 2 #1 (von 4)
DC Comics/WildStorm | 22 Seiten | farbig | $ 2.99 | AUG06 0264
 
astro_city Nicht im Mittelalter spielt Astro City: The Dark Age, wie der Titel vermuten lassen könnte, sondern in den Siebzigern des 20sten Jahrhunderts. Warum das für viele US-Amerikaner auf das Gleiche hinausläuft, dürfte kein großes Geheimnis sein. Innerhalb eines Jahrzehnts musste man unter anderem die Niederlage in Vietnam eingestehen, entwickelten sich Drogen zu einem ernsten Problem, sah man sich wiederholten Ölkrisen und einer Rezession ausgesetzt. Von der Entlarvung Richard Nixons als Bilderbucherzschurke mal ganz abgesehen.
 
Der zweite Akt der Reihe knüpft da an, wo der erste vor einem Jahr endete: Die Brüder Charles und Royal Williams – der eine ein rechtschaffener Streifenpolizist, der andere ein kleiner Ganove – sehen sich auf den Straßen von Astro City den Wirren ihrer Zeit ausgeliefert. Bewährte Ideale sind auf einmal keinen Pfifferling mehr wert, einstmals große Helden werden unbarmherzig von ihren Sockeln gestoßen, und die Bevölkerung wendet sich in ihrer Orientierungslosigkeit zunehmend illegalen Substanzen, religiösen Scharlatanen und anderen falschen Heilsbringern zu.
 
Der Clou an der Sache ist natürlich, dass Autor Kurt Busiek und Zeichner Brent E. Anderson (die Titelbilder stammen wie immer von Alex Ross) sich für die Kulisse von The Dark Age nicht nur der realen Welt bedienen. Das fiktive Astro City ist schließlich die Stadt der Superhelden, in der sich Busieks Analoge zu Figuren wie Superman, Spider-Man, Wonder Woman oder den Fantastic Four tummeln. Die Epochenvorgabe erlaubt es dem Autor also, nicht nur direkt mit den Ereignissen und der allgemeinen Stimmung der Siebziger zu spielen, sondern auch mit deren Auswirkungen auf die damalige Comiclandschaft der Vereinigten Staaten.
 
Damals gaben brutale Rächer wie Ghost Rider oder Punisher ihr Debüt, während strahlende Ikonen wie Captain America oder Iron Man in langen Geschichtenzyklen von ihren Autoren buchstäblich und symbolisch demontiert, zu desillusionierten Defätisten und Alkoholikern gemacht wurden. All dies spiegelt sich auch in The Dark Age wider, wird aus der für Astro City charakteristischen Perspektive des „kleinen Mannes“ beleuchtet und zu einem atmosphärischen, thematisch stimmigen und sorgfältig verzahnten Gesamtkunstwerk verdichtet.
 
Astro City: The Dark Age ist – mit Abstand – Busieks bisher düsterste Arbeit innerhalb des Genres. Der Meister klassischer, geradliniger Superheldengeschichten zeigt hier, dass er auch mal anders kann, wenn ihm der Sinn danach steht.
 
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THE AUTHORITY #1/DEATHBLOW #1/GEN13 #1
DC Comics/WildStorm | je 22 Seiten | farbig | je $ 2.99 | AUG06 0252/AUG06 0255/AUG06 0258
 
authorityIm September werden Wildcats und Wetworks mit neuen Debütausgaben ins Rennen geschickt, im Oktober steht dem WildStorm-Universum gleich die nächste Welle von Neustarts ins Haus. Bei Autor Grant Morrison kann man sich eigentlich in 90 Prozent der Fälle darauf verlassen, dass er in der Lage ist, auch das übelste, obskurste Konzept nochmal ordentlich in Schwung zu bringen. Mit The Authority, welches, gezeichnet von Gene Ha, ab Oktober zweimonatlich erscheint, wagt sich der Glaswegianer allerdings an eine besonders harte Nuss.
 
Als Warren Ellis und Bryan Hitch 1999 mit The Authority auf den Plan traten, war die Zeit reif für eine Serie, die die Vorstellung von kostümierten Übermenschen und die damit verbundenen Machtphantasien in all ihrer Wahnwitzigkeit auf die Spitze trieb und mittels einer rasanten, opulenten Erzähltechnik (Stichwort: „Widescreen“) den ersten großen Hollywood-Superheldenfilm produzierte – nur eben auf Papier, versteht sich, und ohne lästiges Beiwerk wie vielschichtige Charaktere oder eine Handlung. Plötzlich machte sich die Erkenntnis breit, dass Superhelden auch cool sein konnten, ganz genau wie Neo, Vincent & Jules oder Vladimir Putin.
 
Obwohl Ellis und Hitch damit diverse Trends lostraten, von denen einige bis heute nicht abgeklungen sind, hielt die Begeisterung für The Authority selbst nicht lange vor. Zwar konnten die direkten Nachfolger der beiden Schöpfer, Mark Millar und Frank Quitely, die Popularität der Serie zunächst noch steigern, doch plötzlich begannen sich Terminprobleme und „kreative Differenzen“ zu häufen, und DCs mutwillig miserable Handhabung der Situation würgte schließlich jegliche Dynamik ab.
 
Als die Ereignisse des 11. Septembers 2001 dann Brian Azzarello, den designierten Nachfolger Millars, veranlaßten, aufgrund moralischer Bedenken von einem geplanten Neustart der Reihe abzuspringen, schien das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein. Seitdem gab es nochmal zwei halbherzige Versuche, The Authority zurückzubringen, doch beide fielen wegen akuter Zahn- und Belanglosigkeit nicht nur bei den Kritikern, sondern auch bei den Käufern sang- und klanglos durch – und das, obwohl man beim zweiten Anlauf Kritiker-Liebling Ed Brubaker gewinnen konnte.
 
Man darf also skeptisch sein, ob sich Morrison diesmal nicht verhebt. Zu besten Zeiten bestand der Reiz von The Authority in der kontroversen und übermütigen Natur der Serie, die mit frecher Schnauze ständig die Grenzen dessen auslotete, was die Superheldenleser um die Jahrtausendwende in Sachen Sex, Gewalt und guter Geschmack gewöhnt waren, und dabei attraktiver, größer und schnittiger rüberkam als alles andere auf dem Markt. Ob das heute nochmal möglich ist, gerade mit einer Reihe, von der man gar nichts anderes erwartet, steht in den Sternen, auch wenn ein Team wie das von Morrison und Ha kaum imstande sein sollte, einen schlechten Comic abzuliefern.
 
deathblow Neben The Authority bekommen im Oktober auch Deathblow und Gen13 eine neue Chance zu glänzen. Deathblow von Brian Azzarello und Carlos D'Anda dreht sich um den Elite-Soldaten Michael Cray, der nach verspäteter Rettung von einer missglückten Mission im Nahen Osten herausfinden muss, „wo seine Loyalität liegt“. Laut Infotext des Verlags scheint das Ganze wohl auf deftige Action, gewürzt mit viel Verschwörungsmäßigem und einer Prise Kritik an der US-Außenpolitik, hinauszulaufen.
 
gen13Gen13, geschrieben von Gail Simone und gezeichnet von Talent Caldwell, befaßt sich mit fünf Teenagern, die mit mysteriösen übermenschlichen Kräften ausgestattet sind und dadurch das Interesse dubioser Behörden wecken. Die Reihe fristete in den frühen Neunzigern ihr – zunächst kommerziell äußerst erfolgreiches – Dasein als X-Men-Abklatsch mit einer Portion extra-feuchter, männlich-pubertärer Wunschträume, aber diese Gefahr dürfte mit Simone am Ruder kaum bestehen.
 
Insgesamt muss man WildStorm soweit bescheinigen, dass der erneute Wiederbelebungsversuch reichlich abgelutschter Konzepte wie Wetworks, The Authority oder Gen13 nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinreißt – von diesen Serien hat man in der Vergangenheit eher zuviel als zu wenig gesehen. Sowas wie Sleeper, The Intimates oder Automatic Kafka ist leider nicht im Angebot, was natürlich absolut verständlich ist, wenn man sich deren Verkaufszahlen anschaut. Ein kleines bisschen mehr Mut zum Ausgefallenen hätte man sich aber trotzdem gewünscht.
 
Na ja, zumindest die Auswahl der Autoren ist ein Hoffnungsschimmer.
 
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CRIMINAL #1
Marvel Comics/Icon | 32 Seiten | farbig | $ 2.99 | AUG06 2090
 
criminal Wenn Autor Ed Brubaker und Zeichner Sean Phillips zusammen Comics machen, das wissen wir seit Sleeper, dann kann's passieren, dass dabei ein Referenzwerk rauskommt. Dummerweise, auch das wissen wir seit Sleeper, hält das die Mehrheit des nordamerikanischen Mainstream-Comics-Publikums unter Umständen nicht davon ab, besagte Werke nicht zu kaufen. Für ihre neue Zusammenarbeit, die fortlaufende Reihe Criminal, sind die Aussichten aber etwas rosiger. Denn zum einen garantiert die Marke Marvel von sich aus schon einen höheren Grad an Aufmerksamkeit, und zum anderen haben die beiden kreativen Köpfe der Serie in den vergangenen Monaten einiges an kommerziellem Boden gutgemacht: Brubaker schreibt sehr erfolgreich Captain America, Daredevil und Uncanny X-Men, während Phillips Robert Kirkmans Überraschungs-Hit Marvel Zombies illustrierte. Als Belohnung für ihre glänzenden Verkaufszahlen dürfen die beiden jetzt auf dem Icon-Label ihr eigenes Ding machen.
 
Aber der Reihe nach: Bei Sleeper, wir erinnern uns, handelt es sich um die beklemmende Geschichte von Doppelagent Holden Carver, der zwischen einer geheimen Regierungsbehörde und einer noch geheimeren Verbrecherorganisation zum Spielball wird und dabei oft selbst nicht mehr weiß, warum und für wen er eigentlich tut, was er tut. Da die Reihe im WildStorm-Universum spielt, ist sie ein Genre-Bastard aus Superhelden und Film-Noir-beeinflussten Krimi. Diese Mischung funktioniert hier zwar meistens ganz gut, aber letztlich kann man nicht behaupten, dass Sleeper thematisch irgendwie von seiner Zugehörigkeit zu einem Superheldenuniversum profitiert. Man hat eher den Eindruck, dass dies schlicht ein Zugeständnis an die Erbsenzähler war.
 
In Criminal tritt dieses Problem nicht mehr auf. Die Reihe steht komplett auf eigenen Füßen und hat weder mit Superhelden noch mit sonstigen fantastischen Elementen irgendwas am Hut. Wie der Titel erahnen läßt, handelt es sich um einen Gaunercomic ohne viel Schnickschnack: Leo, ein alter Hase wenn's um perfekt geplante Fischzüge geht, bekommt von einem alten Freund und einem korrupten Polizisten ein Angebot unterbreitet, das er nicht ausschlagen kann – obwohl er natürlich ahnt, dass dabei einiges schief gehen wird. Wenn einem das Szenario bekannt vorkommt, dann liegt das sicher daran, dass man es aus Dutzenden von Filmen kennt.
 
Aber keine Panik: Addiert man Brubakers und Phillips' markante Erzählkunst dazu, dann wird trotzdem ein Schuh draus, und man darf sich auf eine komplexe, clever und atmosphärisch in Szene gesetzte Charakterstudie mit hohem Unterhaltungswert freuen. Auch was das Format anbelangt, kommt bei Criminal jeder auf seine Kosten. Für die üblichen $ 2.99 pro Ausgabe soll es nicht nur den regulären Comic geben, sondern auch jede Menge Bonusmaterial wie etwa zusätzliche kurze Comics oder Artikel über die Geschichte des Pulp-Krimi-Genres. Ein Verzicht auf Werbung im Heft macht's möglich.
 
Dass sowas ausgerechnet bei Marvel erscheint, und dann auch noch die Rechte zu 100% bei den Schöpfern bleiben, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
 
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THE DAMNED #1
Oni Press | 22 Seiten | schwarzweiß | $ 3.50 | AUG06 3487
 
damnedImmer wieder beliebt unter popkulturell tätigen Menschen: Ein Porträt der Mafia zu Zeiten der Prohibition. Autor Cullen Bunn und Zeichner Brian Hurtt versuchen sich ab Oktober an einer Horror-Verwurstung des Stoffs: Nicht die allseits bekannten Italiener halten in The Damned die Fäden in der Hand, sondern drei Familien von Dämonen – „die Aligheris, die Roarkes und die Verlochin.“ Dass die Namen der Deibeln leicht italienisch, irisch und russisch klingen, mag Zufall sein, oder auch nicht. Jedenfalls nutzen die gehörnten Gauner „Habgier, Völlerei, Wollust und andere Todsünden,“ um sich sterblicher Seelen zu bemächtigen.
 
Ob The Damned eine fortlaufende Reihe oder eine fünfteilige Miniserie sein wird, steht laut Bunn noch nicht fest, sondern soll letztlich von den Verkaufszahlen abhängig gemacht werden. Ob es unbedingt so clever ist, dem potentiellen Käufer nicht mitzuteilen, worauf genau er sich einlässt, weiß ich nicht – im Zweifelsfall kann man ja immer noch mehrere Miniserien hintereinander bringen, und wenn dann irgendwann nichts mehr kommt, sieht das immer noch besser aus als eine abgebrochene „fortlaufende“ Serie. Aber die Oni-Leute werden schon wissen, was sie da tun.
 
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DAREDEVIL: THE DEVIL, INSIDE AND OUT, Vol. 1 (Paperback)
Marvel Comics | 144 Seiten | farbig | $ 14.99 | AUG06 2115
 
daredevilNochmal kurz zurück zu Ed Brubaker: The Devil, Inside and Out, Vol. 1 ist der erste Sammelband von Brubakers Arbeit an Daredevil, illustriert von Michael Lark und Stefano Gaudiano. Noch deutlicher als bei ihren Vorgängern Bendis und Maleev steht das bahnbrechende „Born Again“ von Frank Miller und David Mazzucchelli Pate für die derzeitige Interpretation der Serie.
 
Im Gegensatz zu Bendis hat sich hier der Schwerpunkt allerdings weg von schier endlosem, schaumigem Geplapper und zurück zu einem straff geschnürten Bündel verschiedenster Handlungsstränge und überraschender Wendungen verlagert. Nichts gegen Bendis' Dialoge, aber man hat das Gefühl, dass in Brubakers erstem Sechsteiler bereits mehr passiert als während der letzten dreißig Ausgaben davor. Und irgendwie ist das doch die spannendere Variante, wenn man's sich aussuchen kann.
 
Einziger Wermutstropfen: Dass man vorhat, dieses Material unter einem Titelbild des unsäglichen David Finch zu begraben, stellt einen Akt seelischer Grausamkeit dar.
 
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DOCTOR STRANGE: THE OATH #1 (von 5)
Marvel Comics | 22 Seiten | farbig | $ 2.99 | AUG06 2042
 
doctor_strangeDoctor Strange, seines Zeichens Meister der Mystischen Künste und Chef-Zauberer vom Dienst, soll in der neuen Miniserie von Autor Brian K. Vaughan und Zeichner Marcos Martin nach Jahren sporadischer Gastauftritte wieder einen festen Platz in der Marvel'schen Superheldenriege erhalten und zudem darauf vorbereitet werden, „einem überraschenden neuen Team“ beizutreten.
 
Nachdem jemand einen Mordanschlag auf ihn verübt hat, beginnt Strange, seine eigene „paranormale Untersuchung“ durchzuführen. Leider ist sein treuer Vertrauter Wong außer Gefecht, und so muss sich der gute Doktor einen neuen Gefährten suchen. Wer das genau sein wird, verrät der Infotext nicht, aber den Vorschau-Seiten nach darf man wohl Araña erwarten – eine jüngere, lateinamerikanischere, weiblichere Version von Spider-Man, ausgerüstet mit „mystischen“ Fähigkeiten, die thematisch natürlich ganz hervorragend zu Doctor Strange passen. (Arañas eigene Serie scheiterte trotz mehrerer Anläufe ganz furchtbar, was aber wohl nicht zuletzt an der unterirdischen Qualität der Comics lag. Vielleicht wird's ja doch noch was mit der Leserbegeisterung, wenn Onkel Brian mal eine Runde Gassi geht mit der Figur.)
 
Über Monsieur Vaughan braucht man nicht mehr viele Worte zu verlieren; wer Y: The Last Man oder Ex Machina nicht kennt, bei dem ist eh Hopfen und Malz verloren. Marcos Martin ist ein Künstler der alten Schule, dessen hervorragende Arbeit bisher u.a. im Captain America 65th Anniversary Special (mit Ed Brubaker) oder in I Heart Marvel: My Mutant Heart (mit Peter Milligan) zu sehen war. Sein Stil ist am ehesten mit dem von Darwyn Cooke oder Cameron Stewart zu vergleichen.
 
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HAWAIIAN DICK, Vol. 2: THE LAST RESORT (Paperback)
Image Comics | 144 Seiten | farbig | $ 14.99 | AUG06 1743
 
hawaiian_dickByrd ist ein ehemaliger Polizist, der sich auf Hawaii als Privatdetektiv niedergelassen hat, um einem bislang noch verhüllt gebliebenen Ereignis aus seiner Vergangenheit zu entfliehen. In Hawaiian Dick findet sich ein zuweilen ausgelassener, zuweilen düsterer Krimi mit exotischem Flair, geschrieben von B. Clay Moore und gezeichnet (und koloriert) von Steven Griffin und Nick Derington. Die Reihe spielt in den 1950ern und zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie die einzigartige Atmosphäre dieses besonderen Ortes zu dieser besonderen Zeit rüberbringt – oder zumindest die romantisch verklärte Version davon, die sich im kollektiven kulturellen Gedächtnis eingefräst hat.
 
Leider waren Griffins Zeichnungen im ersten Band, Byrd of Paradise, teils noch etwas unbeholfen, aber seine sensationell stimmungsvolle Farbgebung hat dieses Manko allemal wieder wettgemacht. Und wenn man sich die Seiten von The Last Resort anschaut, die im Netz stehen, scheint sich Griffin als Zeichner in den letzten Jahren erheblich verbessert zu haben. Die Veröffentlichung der vier Einzelhefte von Hawaiian Dick: The Last Resort hat sich ursprünglich über zwei Jahre hingezogen. Aber jetzt, wo die ganze Geschichte als kompaktes Büchlein erscheint, juckt das natürlich keinen mehr.
 
Die Seitenanzahl läßt vermuten, dass The Last Resort, ebenso wie vorher Byrd of Paradise, wieder mit tonnenweise Extra-Material aufwartet – darunter auch Ausgefallenes, wie etwa Cocktail-Rezepte oder Musik-Tipps, um sich auf die Zeitperiode und die einzigartige Kulisse einzustimmen.
 
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THE IRREDEEMABLE ANT-MAN #1
Marvel Comics | 22 Seiten | farbig | $ 2.99 | AUG06 2027
 
irredeemable_ant-manAutor Robert Kirkman kann vor allem Geschichten mit Zombies oder quirligen, traditionsbewussten Superhelden schreiben, was er (fast) jeden Monat mit neuen Ausgaben von The Walking Dead und Invincible unter Beweis stellt. Was Kirkmans Arbeiten für Marvel anbelangt, haben bisher nur die Zombies so richtig funktioniert (siehe Marvel Zombies). Mit den Superhelden tat er sich trotz etlicher Anläufe (siehe „Sleepwalker,“ Jubilee, Marvel Knights 2099, Captain America oder Marvel Team-Up) ungleich schwerer – lediglich sein Wirken an der eh schon erfolgreiche Reihe Ultimate X-Men scheint richtig anzukommen bei den Lesern.
 
Mit dem Erscheinen von The Irredeemable Ant-Man ab Oktober will Kirkman es noch einmal wissen. Held der Serie ist ein zweitklassiger S.H.I.E.L.D.-Agent, dem der kybernetische Helm des originalen Ameisenmanns in die Hände fällt und der diesen fortan dazu nutzen will, seinem eigenen enttäuschenden Leben auf die Sprünge zu helfen. Kirkman hat angekündigt, dass die Reihe dem neuen alten Trend folgen soll, mit jeder Ausgabe eine komplette Geschichte abzuliefern.
 
Gezeichnet wird der Unverbesserliche Ameisenmann von Phil Hester, der sein Geld in der Vergangenheit u.a. als Illustrator von Kevin Smiths Green Arrow verdiente.
 
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JOHN WOO'S SEVEN BROTHERS #1
Virgin Comics | 22 Seiten | farbig | $ 2.99 | AUG06 3641
 
seven_brothers“Vor sechshundert Jahren brach eine mächtige Schatzflotte auf, die Ozeane der Welt zu besegeln. Sie erreichte jeden Kontinent und sie fand jedes Land lange bevor die großen Entdecker der Geschichte den Ruhm für ihre Taten stahlen. Nun, im modernen Los Angeles, finden sich sieben Männer, die nichts gemein haben außer ihrer Bestimmung, vereint im Dienste einer mysteriösen jungen Frau. Eine uralte Bestimmung muss erfüllt werden. Etwas Furchtbares streckt seine Fühler über die Jahrhunderte hinweg aus. Die Welt muss gerettet werden … und unsere einzige Hoffnung liegt in einer Macht, die zu furchteinflößend ist, um sich ihrer zu bedienen.“
 
Meine Güte, was für eine Moppelkotze. So, oder so ähnlich, lieber Leser, sieht der hirnverbrannte Bullshit aus, mit dem viele, viele, viele Verlage und Autoren Monat für Monat im Previews-Katalog allen Ernstes ihre Ware an den Mann bringen wollen – ein Wälzer, so dick wie ein Telefonbuch, und voll bis oben hin mit nichtssagendem Mist, der nur dasteht, weil einem scheinbar grad nix besseres eingefallen ist. Dass die amerikanischen Händler und Leser angesichts einer solchen Katastrophe nur noch das bestellen, was sie schon kennen, ist kein Wunder. Wer immer sich so eine gequirlte Kacke ausdenkt, die Idee, dass der Werbetext und das dazugehörige Bildchen in Previews für 75% aller Veröffentlichungen vielleicht die erste und die letzte Chance darstellen, einen Händler oder potenziellen Käufer rumzukriegen, scheint ihm oder ihr noch nicht aufgegangen zu sein. Hört sich doof an, ist aber leider so.
 
Klar, wenn man sich einen fetten, vor Spezialeffekten berstenden Trailer dazu denkt und sich den Tinnef mit einer imaginären, charismatisch-bedeutungsschwangeren Stimme im Kopf schönfantasiert, dann mögen bei dem ein oder anderen Textverbrecher sowas wie Gänsehaut und das wonnige Gefühl aufkommen, hier in Sachen Vermarktung einen guten Job gemacht zu haben – wenn denn überhaupt soweit gedacht wird. Aber man merke: Bloß, weil John Woo dransteht, ist Seven Brothers noch lange kein Hollywood-Film. Und bloß, weil man mir irgendeinen vagen, großspurigen Nonsens von mysteriösen jungen Frauen (nicht mal Jungfrauen! Das wär noch was gewesen!) und uralten Fürchterlichkeiten auftischt, hab' ich noch lange keine Lust, den ollen Comic zu lesen, geschweige denn, auch noch Geld dafür auszugeben. Worum zum Henker geht's in John Woo's Seven Brothers? Der Blitz möge auf der Stelle in mich fahren, wenn ich es dieser Beschreibung entlocken kann.
 
Aber egal, in Zeiten großer Not hilft uns die Sachlichkeit: Gezeichnet wird der Comic von dem Inder Jeevan Kang, der mir unbekannt ist. Geschrieben wird er von dem Iren Garth Ennis, weshalb das Werk an dieser Stelle Erwähnung findet. Was der Chinese John Woo genau mit der Sache zu tun hat, das ließe sich vielleicht sogar noch anderswo nachschlagen, aber dazu hat der wüst gefrustete Präzensent jetzt auch keine Lust mehr.
 
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Newsarama: Sieben Fragen an Garth Ennis

Wizard Universe.com: Interview mit Garth Ennis

 
 
 
 
THE PIRATES OF CONEY ISLAND #1 (von 8)
Image Comics | 22 Seiten | farbig | $ 2.99 | AUG06 1733
 
pirates Auf dem Cover von The Pirates of Coney Island #1 prangert eine klare Ansage: „1st Rad Issue!“ Das heißt, mit schwammiger Zunge übersetzt, soviel wie „Erste dufte Ausgabe!“ und es verdeutlicht zunächst vor allem die existenziell bedrückende Limitiertheit des 50er-Jahre-Mode-Adjektivs „dufte“ in der deutschen Sprache. Deklination: Impossible. Man möchte sterben.
 
Aber wir traben jenseits der Spur, zurück zum Text. Coney Island ist eine Halbinsel in Brooklyn, New York City, die früher mal für ihre Vergnügungsparks berühmt war. Die Piraten von Coney Island, laut Autor Rick Spears, sind „eine Gang von Punk-Rock-Ausreißern, die Autos klauen und auf Coney Island amoklaufen – piratenmäßig.“ Gezeichnet wird die töfte Nummer von dem knorken Griechen Vasilis Lolos, der wohl hauptsächlich in seiner Heimat bekannt ist, dort aber dafür umso mehr. Sieht lustig aus.
 
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ZOMBIES VS. ROBOTS #1 (von 2)
IDW Publishing | 22 Seiten | farbig | $ 3.99 | AUG06 3380
 
zombiesGut, nachdem ich weiter oben eine doofe Motzkuh war und wegen der Dingsda-Beschreibung von der Firma Wörtschin bös rumgenervt habe, ist es nun an der Zeit, auch mal ein Lob auszusprechen.
 
Achtung.
 
Zombies vs. Robots.
 
Langsam auf der Zunge zergehen lassen.
 
Sich der Bedeutung bewusst werden. 
 
Wir haben ja Zeit.
 
Zombies vs. Robots.
 
Hey.
 
Da kann man sich was drunter vorstellen, oder?
 
Der Infotext stammelt zwar noch verlegen was von Post-Apokalypse.
 
Von zum Verzehr nicht geeigneten Automaten.
 
Von Gammelfleisch gegen Metall.
 
Aber das ist schon gar nicht mehr nötig.
 
Denn wir wissen ja schon alles.
 
Zombies vs. Robots.
 
Keine Missverständnisse.
 
Zombies vs. Robots.
 
In zwei Teilen.
 
Zombies vs. Robots.
 
Von Chris Ryall, dem Autor von The Great and Secret Show.
 
Und Ashley Wood, dem Zeichner von Automatic Kafka und Popbot.
 
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Der Heftchen-Ticker für Oktober
 
godland+++ACTION COMICS #844: Geoff Johns, Richard Donner und Adam Kubert sollen dem Mann aus Stahl den Rost vom Teint kratzen (DC Comics, $ 2.99)+++AMAZING SPIDER-GIRL #1: Die wiederholt eingestellte und wieder un-eingestellte Reihe um Spider-Mans Tochter von Tom DeFalco und Ron Frenz kriegt 'ne neue Chance (Marvel Comics, $ 2.99)+++DMZ #12: In sich geschlossene Einzelausgabe der Kriegsreporterserie, diesmal komplett von Brian Wood selbst angefertigt (DC Comics/Vertigo, $ 2.99)+++GØDLAND #13: Joe Caseys und Tom Sciolis kosmisch-bombastischer Rock-'n'-Roll-Trip kommt heim aus der Sommerpause (Image Comics, $ 2.99)+++HELLSTORM: SON OF SATAN #1 (von 5): Alexander Irvine, Russell Braun und Klaus Janson reaktivieren Marvels dreizackschwingenden Satansbraten, aber strikt für Erwachsene (Marvel Comics/Max Comics, $ 3.99)+++THE OTHER SIDE #1 (von 5): Jason Aaron und Cameron Stewart erzählen eine „epische Tragödie,“ die 1968 inmitten des Vietnam-Krieges spielt (DC Comics/Vertigo, $ 2.99)+++THE PERHAPANAUTS: SECOND CHANCES #1 (von 4): Todd DeZagos und Craig Rousseaus quirlig-monströse Vielleichtonauten erforschen kryptozoologische Kreaturen und extradimensionale Entitäten (Dark Horse Comics, $ 2.99)+++PLANETARY #26: Die vorletzte Ausgabe der besten Superheldenserie wo gibt von Warren Ellis und John Cassaday (DC Comics/WildStorm, $ 2.99)+++SEVEN SOLDIERS #1 (von 1): Eigentlich sollte das Heft im April rauskommen, jetzt nehmen Grant Morrison und J.H. Williams III nochmal einen neuen Anlauf (DC Comics, $ 3.99)+++TALES OF THE UNEXPECTED #1 (von 8): Die unerwarteten David Lapham, Brian Azzarello, Eric Battle und Cliff Chiang erzählen mysteriöse Geschichten alten Strickmusters (DC Comics, $ 3.99)+++ULTIMATE POWER #1 (von 9): Das Autoren-Triumvirat von Brian Michael Bendis, J. Michael Straczynski und Jeph Loeb und Zeichner Greg Land können's nicht lassen und kreuzen das Ultimate-Universum mit dem der Squadron Supreme (Marvel Comics, $ 2.99)+++WORLDSTORM #1 (von 1): Das Begleitheft zur WildStorm-Renovierung, mit Vorschauen auf Tranquility von Gail Simone und Neil Googe und StormWatch: Post-Human Division von Christos Gage und Doug Mahnke (DC Comics/WildStorm, $ 2.99)+++
 
 

Der Bücher-Wurm für Oktober

runaways +++CAPTAIN AMERICA: WINTER SOLDIER, Vol. 2 von Ed Brubaker, Steve Epting, et al. (Marvel Comics, Paperback, $ 14.99)+++EX MACHINA, Vol. 4: MARCH TO WAR von Brian K. Vaughan, Tony Harris und Chris Sprouse (DC Comics/WildStorm, Paperback, $ 12.99)+++GOTHAM CENTRAL: THE QUICK AND THE DEAD von Greg Rucka, Michael Lark, et al. (DC Comics, Paperback, $ 14.99)+++JONNY CROSSBONES: DEAD MAN AT DEVIL'S COVE von Les McClaine (Dark Horse Comics, Paperback, $ 14.95)+++THE PULSE, Vol. 3: FEAR von Brian Michael Bendis, Michael Gaydos et al. (Marvel Comics, Paperback, $ 14.99)+++RUNAWAYS, Vol. 6: PARENTAL GUIDANCE von Brian K. Vaughan und Adrian Alphona (Marvel Comics, Digest, $ 7.99)+++Y: THE LAST MAN, Vol. 8: KIMONO DRAGONS von Brian K. Vaughan, Pia Guerra und Goran Sudžuka (DC Comics/Vertigo, Paperback, $ 14.99)

 
 
Übrigens: die meisten der hier vorgestellten Comics können u.a. bei dem Berliner Händler Black Dog (vor-)bestellt werden. 
 
 

Anregungen, Lob oder Kritik sind wie immer herzlich willkommen. Schaut einfach im Forum vorbei oder schickt eine E-Mail.
 

Bildquellen: Previews – Diamond Comic Distributors; Astro City, The Authority, Deathblow, Gen13 – DC Comics; Criminal, Daredevil, Doctor Strange, The Irredeemable Ant-Man, Runaways – Marvel Comics; The Damned – Oni Press; Gødland, Hawaiian Dick, The Pirates of Coney Island – comicbookresources.com; John Woo's Seven Brothers – Virgin Comics; Zombies vs. Robots – Ashley Wood

Conan – Die Tochter des Frostriesen …

… und andere Geschichten.“

Doppelrezension

Frauke:

conan_frostrieseConan ist das geistige Kind von Robert E. Howard, der den Barbaren in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfand und für Kurzgeschichten verwendete.

Marvel veröffentlichte seit den Siebzigern Comics mit Conan.
Ende 2003 startete der Verlag Dark Horse eine eigene Reihe, die sich stark an Howards alte Ideen anlehnt und nichts mit den Marvel-Comics gemein hat.

„Die Tochter des Frostriesen …“ sammelt mehrere Einzelbände, u.a. die 2004 mit einem Eisner-Award für “Best Single Issue/Single Story“ ausgezeichnete Geschichte „The Legend“ und ist der Einstieg in die neue Welt von Conan.
Aufgezogen wird das Ganze als eine Legende, die sich einem gelangweilten persischen Prinz und seinem invadierenden Gefolge aus einem Denkmal und alten Schriftrollen des eroberten Landes ergibt. Demnach war Conan ein noch recht junger Krieger aus dem waldreichen Land Cimmeria, der durch die Geschichten seines Großvaters das Land Hyperborea kennen lernte. In diesem Land, das ihm wie ein Paradies vorkommt, lebten die Bewohner friedlich mit allen Tieren zusammen. Es gäbe keine Krankheiten, keinen Tod und es herrsche ewiger Sommer. Conan macht sich auf, um diese Wunder mit eigenen Augen sehen zu können. Unterwegs erlebt er den Überfall eines Dorfes mit und steht den Frauen bei, dessen Männer jagen gegangen sind. Er kann das Ruder in diesem ungleichen Kampf herumreißen und wird, nach etwas Überzeugungsarbeit, von der Dorfgemeinschaft aufgenommen. Nur kurz will er bleiben, um den Rachfeldzug zu unterstützen, und um sich dann weiter auf nach Hyperborea zu machen. Doch die Männer werden verraten, und auch sein Traumland, das er nicht als freier Mann betritt, sondern in das er als Gefangener gebracht wird, erweist sich als nicht ganz lupenrein…

Comicveteran Kurt Busiek ist der Autor dieser neuen Annäherung an den Barbaren (er wird es bis Ende 2005 bleiben; zwischendurch beehrt auch Mike Mignola die Serie; Tim Truman übernimmt ab 2006) und zeigt, dass er zu Recht schon ewig in diesem Metier arbeitet. Anfänglich noch etwas betulich, legt die Geschichte schnell an Tempo zu und fesselt einen bis zum Ende. Dabei sind seine Szenarien nicht reine Kulisse, um einen Einzelkämpfer und seine wilden Schlachten in Szene zu setzen, sondern erstaunlich tiefgründig durchdacht, wofür er sich auch ausreichend Zeit lässt.
Die Einzelgeschichte „Die Tochter des Frostriesen“ ist übrigens laut Wikipedia eine direkt von Howard in den 30ern geschriebene Geschichte, die aber nicht zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde.

Zeichner Cary Nord arbeitete eine Zeitlang an Daredevil und einigen anderen Marvel- und DC-Serien, bevor er Conan zu Papier bringt. Seine Bleistiftzeichnungen sind so gut ausgearbeitet, dass sie nicht getuscht, sondern sofort von Dave Stewart (zweimaliger Eisner-Gewinner 2003 und 2005) koloriert werden. Das gibt den Zeichnungen mitunter einen recht rohen Touch, der hervorragend zu dieser doch eher harten Welt passt.

Die Aufmachung von Panini kommt mit satiniertem Softcover und für diese Sammelbände gewohnt hochwertig daher. Als Zusatzmaterial gibt es die Skizzen von Cary Nord, mit denen er sich für die Serie beworben hat, sowie ein kleines Interview, das Kurt Busiek mit seinem Zeichner führt. Und zu guter Letzt werden die Cover der Einzelbände abgedruckt, die von Joseph Michael Linsner (Dawn) stammen. Und ich kann es drehen und wenden wie ich will, ich kann mich mit seinen wallenden Achtziger-Jahre-Mähnen und Pausbäckchen einfach nicht anfreunden. Na ja, sind ja nur die Cover.

Diese neue Conan-Serie wird jeden enttäuschen, der bei dem Namen einzig und allein auf sinnloses Rumgeprügel aus ist, dafür aber Fantasyfans mit einer stimmungsvollen Atmosphäre und wohldurchdachten Szenarien, in der es mitunter nicht zimperlich zugeht, erfreuen.  

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Chris:

Man durfte beim Anblick des neuen Conan-Comics durchaus skeptisch sein. In den Dreißiger Jahren verstrickte Robert E. Howard seinen barbarischen Archetypus erstmals in Abenteuer  und hauchte ihm Leben ein. Seitdem haben sich zahllose Fantasy-Autoren bemüht, Conan gerecht zu werden und Howards Grundton zu treffen. Inzwischen wird der Barbar aus Cimmeria als klassischer Vertreter des Genres gehandelt, der nicht hinter Gandalf und Konsorten zurücktreten muss. Ein gewisse Meisterschaft im Erzählen darf also erwartet werden, wenn sich ein neuer Autor mit Conan dem Barbaren auseinandersetzt.

Erinnerungen an die guten, alten Conan-Comics aus den Siebziger Jahren kehren zurück (“Savage Sword Of Conan“). Rauhe Panels in Schwarzweiß, teilweise so konventionell, dass man meinen konnte, die Zeichner der „Illustrierten Klassiker“ hätten ihre Finger im Spiel gehabt. Die Mischung aus klassischem Stil und rauer Oberfläche passten gut zu Conan und gaben den Klang der Geschichten optisch treffend wieder. Noch heute macht es Spaß, die alten Sachen zu lesen.

Die Bildwelten des neuen Zeichners Cary Nord sprechen da eine ganz andere Sprache. Sehr farbenfroh und glatt lassen sie Gedanken an Spider-Man und andere Strumpfhosenträger erwachen. Das gibt der anfänglichen Skepsis weiteren Nährboden. Hinzu kommt der neue Conan-Autor Kurt Busiek, der sich bisher vornehmlich im Superhelden-Universum herumgetrieben hat. X-Men, Daredevil, Marvels – und jetzt Conan? Kann das gut gehen? Ausgerechnet Busiek und Nord sollen dem wilden Cimmerier neues Leben einhauchen?

Zugegeben: Mit der Gestaltung der Hintergründe hat Cary Nord es nicht so. Aber irgendetwas trübt das anfängliche Urteil. Beim genauen Hinsehen sind seine Zeichnungen nicht so glatt, wie sie zunächst erscheinen. An den Rändern schleicht sich eine gewisse Unschärfe ein. Der Strich wird unruhig und nervös, ungeduldig und wild. Als wolle er aus den Bahnen ausbrechen. Ebenso Busieks Geschichte. Anfänglich plätschert eine ruhige, kleine Fantasy-Erzählung so dahin. Der Leser ist dabei, als Conan die Aesir kennen lernt und hilft, ihr Dorf gegen die feindlichen Vanir zu verteidigen. Eine kleine Intrige, eine kleine Liebelei, eine blutige Prügelei mit einem Eisriesen – bis dahin eine durchaus unterhaltsame Comic-Lektüre, aber nicht mehr.

Doch spätestens als die längere Episode in Hyperborea beginnt, ahnt der Leser, dass Busiek nicht unter der Last des Conan-Universums stöhnt und ächzt, sondern dass er die notwendige Ruhe aufbringt, um die phantastische Welt auszubreiten, die einst von Robert E. Howard erdacht wurde. Direkt vor den Augen des Lesers, ganz locker, so dass es fast unbemerkt bleibt, definiert Busiek Conan neu, gibt seinem Charakter Gestalt, wie es für den ersten Band einer Reihe angemessen ist. Conan als Rächer, Conan als Kämpfer, Conan als Liebender und treuer Freund – alle wichtigen Facetten das Fantasy-Barbaren kommen vor, frisch und lebendig inszeniert.

Die anfängliche Skepsis ist verflogen. Nachdem Conan mit seinen Verrätern kurzen Prozess gemacht hat, ist die Geschichte bald vorbei. Man schlägt den Comic zu und bleibt noch einen Augenblick gebannt sitzen. Wild und phantastisch war der Strudel, der einen auf Conans Schulter durch Hyperborea gespült hat. Und man fletscht mit den Zähnen: Der nächste Band kommt erst im November!

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Conan – Die Tochter des Frostriesen und andere Geschichten
Panini Comics
Text: Kurt Busiek
Zeichnungen: Cary Nord
176 Seiten, komplett farbig, Softcover; 16,95 Euro
ISBN: 3833214368

 

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Interview mit Charlie Adlard (OmU)

Charlie Adlard auf dem Comic-Salon 2006Der Brite Charlie Adlard, Jahrgang 1966, ist seit Ausgabe 7 der Zeichner des Zombiecomics The Walking Dead (er übernahm die Serie von Tony Moore). Für seine Arbeit an Robert Kirkmans Serie wurde er 2005 in der Kategorie „Bester Zeichner/Tuscher“ für den Eisner-Award nominiert.
Zuvor hat er bereits an The X-Files, Astronauts in Trouble, Batman: Gotham Knights, Green Lantern/Green ArrowWhite Death, Judge Dredd und an vielen weiteren Comics mitgewirkt.

Der Verlag Cross Cult , der The Walking Dead in Deutschland verlegt, lud den Briten im Juni auf den Comic-Salon 2006 in Erlangen ein. Wir erhielten die Gelegenheit, uns mit ihm zu unterhalten.

Obwohl das Gespräch an einem Sonntagmorgen stattfand, war Charlie blendend gelaunt und sehr redefreudig.
Das Gespräch führten Björn Wederhake und Frauke Pfeiffer (gekennzeichnet mit [FP]).

Comicgate [FP]: Als Einstiegsfrage: Die Leute sind immer interessiert daran interessiert, wie ausländische Gäste auf den Comic-Salon reagieren. Ich schätze, das muss eine ziemlich kleine Convention für dich sein.

Charlie Adlard: Das hier? Nein, überhaupt nicht. Ich bin in Großbritannien viel kleinere Messen gewöhnt. Unsere große Convention – die, die in Bristol stattfindet – zieht ungefähr 2.000 Besucher an. Und, was habt ihr hier? Um die 20.000?

CG [FP]: Keine Ahnung.

CA: Das hat Andi [Andreas Mergenthaler von Cross Cult – d. Red.] mir erzählt, dass ihr um die 20.000 Besucher habt. Natürlich auf alle vier Tage verteilt.

CG [FP]: Wir wissen es wirklich nicht. Es ist halt einfach eine so kleine Gemeinschaft.

CG: Warst du denn in San Diego?

CA: Ja, ich gehe da seit Jahren hin.

CG: Darum fühlt sich das hier so klein an. Verglichen mit San Diego, was ja quasi die Mutter aller Conventions ist.

CA: Angoulême ist sogar noch größer.

CG [FP]: Gefällt dir sowas?

CA: Angoulême? Oh ja, ich liebe Angoulême. Ich gehe da nur nicht mehr so oft hin, weil ich nicht in der französischen Comicszene arbeite. Aber ich mag es trotzdem dorthin zu fahren, einfach nur, weil ich da so viel Geld ausgebe. Und die meisten Comics dort – aus Frankreich, Belgien, woher auch immer – sind offensichtlich [noch] nicht übersetzt worden. Ich drehe dann einfach durch und kaufe das ganze Zeug, das ich nicht einmal lesen kann.

CG: Du magst frankobelgische Sachen?

CA: Ich liebe die Franzosen. Ich bin jetzt schon einige Male in Angoulême gewesen. Normalerweise war ich da mit ein paar Freunden, die in der europäischen Comicszene beschäftigt waren. Vor sieben oder acht Jahren haben wir einen Comic namens White Death gemacht, der in erster Linie für den europäischen Markt gedacht war. Also gingen wir ein paar Jahre lang aus Geschäftsgründen dahin. Aber danach war ich fünf oder sechs Jahre lang nicht mehr dort.

Ironischerweise habe ich ein paar französische Verlage letztes Jahr in San Diego getroffen. Bamboo Productions und Dargaud. Besonders Dargaud habe ich besser kennen gelernt. Schließlich wollte ich schon immer mal für Europäer arbeiten. Ich liebe das Format, dieses Buchformat, den Respekt, den Comics dort erhalten und das alles.

Also habe ich angefangen, mich mit ihnen zu unterhalten. Und in Angoulême habe ich außerdem mit Soleil geredet, das ist einer der großen Verlage in Frankreich. Also, hoffentlich zeichnet sich nächstes Jahr ein wenig europäische Arbeit am Horizont ab.

CG: Ist dein Zeichenstil von europäischen Künstlern beeinflusst worden?

CA: Ja, das wage ich doch zu hoffen. Ich habe gestern mit diesen Jungs geredet, diesen Manga-Jungs [Charlie gab der MangaSzene ein Interview – d. Red.] – keine Ahnung, warum die mit mir reden wollten – und der Interviewer hat meine Zeichnungen mehr analysiert, als ich selbst das je getan habe. Er meinte, wie europäisch meine Sachen aussehen.

Gut, er hat das nicht direkt gesagt, aber so wie er mein Artwork beschrieben hat, so sehe ich europäische Comics. Du weißt schon, die Art, wie sie ein großartiges Gefühl für Räumlichkeiten haben, die Art, wie sie die Hintergründe und alles in jedem Panel ausarbeiten. Ich kann mich nicht dazu durchringen, in jedem Panel Hintergründe zu zeichnen, aber das hat eher Zeitgründe.

Und dann ist da die Art, wie sie die Seiten einteilen: Das ist kein verrücktes Layout, das ist alles sehr formelhaft und statisch. Manchmal nur ein simples Panelgitter. Und so was mache ich auch. Meine Zeichnungen haben einen sehr – welches Wort passt? – eleganten, leichten Stil. Anders als die wuchtigen Zeichnungen, die man normalerweise in Superheldencomics findet.

CG [FP]: So etwas hat Humberto Ramos auch auf seiner Pressekonferenz gesagt. Er macht auch gerade einen Comic für einen französischen Verlag…

CA: Er macht das für Soleil.

CG [FP]: Ja, genau. Und er hat erzählt, Dark Horse sei daran interessiert und er habe ihnen gesagt: „Tut das nicht. Veröffentlicht das nicht in den USA, die US-Leser werden es nicht mögen. Es hat keine Splashseiten und man muss viel lesen. Das ist nichts für den US-Markt.“

CA: Richtig, sehr richtig. Aber trotzdem, ich verstehe nicht, warum er aktiv versucht, sie davon abzuhalten. [lacht]
Ich weiß ganz sicher dass, wenn ich ein europäisches Projekt fertigstellen würde, ich es ganz leicht von Larry [Young, Chef von AIT/Planet Lar – d. Red.] nachgedruckt bekäme.

CG: Kommst du gut mit Larry Young aus?

CA: Ja, er ist ein großartiger Freund. Immerhin hat er all meine Projekte, die creator owned sind [Comics, dessen Rechte nicht beim Verlag, sondern beim Künstler liegen – d. Red.], nachgedruckt. Ich habe in seinem Verlag mehr Comics im Druck als jeder andere Künstler. Und zwar mit großem Abstand. Ich habe all die Astronauts-in-Trouble-Sachen, White Death, Codeflesh, Nobody und gerade erst habe ich einen weiteren Comic für Larry beendet.

Und er ist so ein toller Kerl. Vor rund sechs Monaten passierte da etwas, das ich nicht glauben konnte … und er hat mir nicht einmal gesagt, dass er das gemacht hat. Ich habe es nur erfahren, weil mein Comichändler den Previews-Katalog liest und zu mir sagte: „Hey, hast du das schon gesehen?“ – „Was denn?“ Und er sagte: „Schlag mal die Seite hier auf.“

Larry hatte sich eine ganze Seite genommen, um mich zu bewerben. Da stand dann: Kauft diese Comics von Charlie Adlard. Und, wie hat er mich nochmal genannt… ähm… es war etwas sehr Schmeichelhaftes, aber ich kann mich gerade nicht daran erinnern. Ich sollte das in Klammern zwischen meinen Vor- und Nachnamen setzen. [Es war „Meisterillustrator“, wie eine Rückfrage bei Larry Young ergab.  – d. Red.]

Das war fantastisch. Dabei hatte ich Rock Bottom zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal fertiggestellt; also das Projekt, das ich für Larry mache. Und er sagt in der Anzeige: „Demnächst“ und man konnte da ein paar Seiten des Projekts sehen, also wurde mir klar: „Oh Mann, ich sollte das jetzt besser mal zu Ende bringen.“

CG: Du hast mit Larry zuerst bei Astronauts in Trouble zusammengearbeitet. Wie seid ihr in Kontakt getreten? Wie fing das an?

CA: Eigentlich ähnelt die Geschichte der Art, wie ich bei The Walking Dead anfing. Denn ich habe ja ganz offensichtlich die ersten Ausgaben von A.I.T. nicht gezeichnet. Wie auch bei The Walking Dead.

CG: Der erste Zeichner war … Matt Smith?

CA: Matt Smith, genau. Er hat die ersten drei Ausgaben gezeichnet und sich dann von dem Comic verabschiedet, also suchten sie jemanden, der die letzten beiden Ausgaben fertig stellen könnte. Zu der Zeit kannte Larry meine Agentin, beide lebten in San Francisco. Und während einer San Diego Convention kamen sie auf mich zu und fragten: „Willst du den Comic zu Ende bringen?“

Sie haben mich bezahlt. Sie haben mich immer bezahlt, damit ich Astronauts in Trouble mache, denn im Grunde genommen ist es „work for hire“, da Larry ja der Schöpfer ist. Und ich befand mich gerade in einer … na, sagen wir mal … etwas schwächeren Phase meiner Karriere. Also habe ich das Angebot angenommen. Und so kam das dann. Ich glaube, Larry war sehr zufrieden mit meiner Geschwindigkeit und der Effizienz; anders als das bei Matt Smith der Fall war. Also habe ich auch weiterhin Astronauts in Trouble gezeichnet.

Ich würde gerne irgendwann mehr Astronauts in Trouble machen. Larry spricht immer davon, aber vorher müssen die Sterne richtig stehen, weil ich jetzt mit all den anderen Projekten so beschäftigt bin.

CG [FP]: Ganz klar, The Walking Dead hält dich beschäftigt. Ist das derzeit dein Hauptprojekt?

CA: Ja, das schon. Aber ich erledige es einigermaßen schnell, so dass mir die Zeit bleibt, andere Dinge wie z.B. Rock Bottom zu machen. Es ist immer noch nett, mit Larry in Verbindung zu stehen. Und dadurch bleibe ich für ein weiteres Jahr in engem Kontakt mit ihm, kann mich aber gleichzeitig um TWD kümmern.

CG: Was glaubst du: Wonach suchte Robert Kirkman, als Tony Moore The Walking Dead verließ?

CG [FP]: Oder rausgeworfen wurde. Tony musste gehen, weil er zu langsam war, stimmt's?
CA: Das und viele andere Gründe. Sagen wir einfach nur: Tony ist gegangen.

CG: Okay. Also, als Robert Kirkman dich angesprochen hat, sagte er da: „Hey, ich habe dieses monatliche Projekt am Laufen und ich glaube, du bist der Kerl, der pünktlich seine Arbeit abliefern kann?“

CA: Ich glaube, damals war das einer der Gründe. Ich kannte Robert schon vorher, weil er die letzten drei Ausgaben von Codeflesh auf seinem Indie-Label FunkOtron veröffentlicht hatte. Codeflesh hatte acht Kapitel. Image verlegte die ersten fünf und dann kam die Reihe in Roberts Hände, weil sich Comicanthologien in den USA einfach nicht verkaufen. Ich glaube, das war etwas, das schon von vornherein abzusehen war.

Image hatte es wahrscheinlich weiter veröffentlicht, wenn Codeflesh die „richtige“ Comiclänge von 20 Seiten gehabt hätte. Aber das hatte es nicht: jedes Kapitel war nur 12 Seiten lang. Also mussten wir dieses Ding mit dem seltsamen Format irgendwo anders hintragen und Robert bot an, die letzten Folgen zu veröffentlichen. So habe ich Robert ursprünglich kennen gelernt.

Danach habe ich von Codeflesh bis The Walking Dead nichts mehr von ihm gehört. Ich bekam einfach aus dem Blauen heraus eine E-Mail. Seine Eröffnungssalve war: „Würdest du gerne Geld verdienen?“

CG [FP]: Eine gute Frage.

CA: Ich glaube ich weiß, was Image ist. Ich meine das jetzt nicht böse, aber sofern man nicht jemand ist der gerade erst anfängt oder man nicht aus irgendeinem Grund Geld übrig hat … dann weißt du, dass du praktisch für lau arbeitest, wenn du zu Image gehst.

Das liegt daran, dass es ein so genannter „back end deal“ ist, du bekommst keine festgelegte Bezahlung pro Seite. Das ist eine verdammt große Verantwortung, die du als Künstler da übernimmst. Und du riskierst viel. Denn wenn du einen Comic gerade startest, dann weißt du nicht, ob er sich gut verkaufen wird. Zumindest war TWD schon bei Ausgabe 7 angekommen, als Robert mir das Angebot machte. Er wusste, dass der Comic genug Geld einbringt, um mir eine bestimmte Summe bezahlen zu können. Zumindest genug, um mich davon zu überzeugen, an dem Comic mitzuarbeiten.

Meine erste Reaktion war: „Kein Interesse.“ Oder genauer: Das wäre meine erste Reaktion gewesen, weil man mir nicht garantieren kann, dass das Ding Geld machen wird. Und ich habe eine Frau und zwei Kinder, für die ich sorgen muss. Ich hätte es mir nicht leisten können, das zu tun. Ich hätte es mir nicht leisten können, jeden Monat drei Wochen lang unbezahlte Arbeit zu erledigen.

Also war seine Eröffnungszeile natürlich: „Du kannst hiermit auf der Stelle Geld verdienen. Das garantiere ich dir.“

CG [FP]: „Obwohl du für Image arbeiten würdest.“

CA: Nun ja, schon, genau. Die meisten Image-Comics verkaufen sich nicht gut genug, damit die Künstler damit Geld machen. Aber schon damals war das bei TWD nicht der Fall.

CG: Wenn ich mich richtig erinnere, dann war TWD einer der Comics, der bei Image unter der Jim-Valentino-Ägide begonnen wurde. Das war eine eher experimentelle Phase, nach der die Leitung an Erik Larsen abgegeben wurde. Hast du eine Änderung bemerkt, als Erik Larsen Chefredakteur wurde?

CA: Eigentlich nicht. Ich denke, jeder Depp würde wissen, dass man einen Comic, der Geld einbringt, laufen lässt. Und TWD ist eindeutig einer der Spitzentitel. Ansonsten ist da noch Spawn und das war’s auch schon so gut wie. Es ist einer der besten Geldbringer für Image. Um eine britische Phrase zu benutzen: Wenn’s nicht kaputt ist, warum solltest du’s reparieren?

Nein, ich habe keinen Unterschied bemerkt. Da mag ein Wandel in der generellen Richtung gewesen sein, in die sich Image entwickelt hat. Obwohl, ich sage das jetzt so, aber auch da habe ich eigentlich keinen Wandel bemerkt. Ich habe halt immer angenommen, dass, sobald Erik das Ruder übernimmt, alles wieder zu den alten Superhelden zurückkehren würde. Und das war offensichtlich nicht der Fall.

Weißt du, Jim hat versucht, die experimentelleren Dinge zu pushen und der Grund, warum Erik wieder an Bord geholt wurde, war, damit sie kommerziellere Sachen machen konnten. Aber ich weiß ganz sicher, dass sie etwas von ein paar Freunden von mir verlegen werden, die ein Artbook zusammen hergestellt haben.

Meine Freunde wollten das erst selbst verlegen, aber dann hat Image zu ihnen gesagt: „Wir verlegen das.“ Und ich dachte mir: Das ist kein sonderlich kommerzieller Schachzug. Das wird schon gehen, aber Artbooks sind nicht gerade große Geldbringer.

Ich nehme an, dass das Tagesgeschäft von Eric Stephenson, dem Editorial Director, geleitet wird, obwohl Erik Larsen eigentlich die Verantwortung hat. Ich kenne Eric ziemlich gut und er ist sicher nicht Mr. Superheld. Er steht mehr auf experimentelle Sachen. Image wird demnächst einen Comic veröffentlichen, der auf den Songs von Belle & Sebastian basiert. Und das ist Eric. Das ist absolut Eric. Er ist nämlich ein riesiger Belle-&-Sebastian-Fan.

Er hat mich sogar gefragt, ob ich Interesse an dem Comic hätte. Und das hatte ich. Ich hatte Interesse, aber nicht ganz die Zeit dafür. Es klang ziemlich spannend. Meine Frau steht mehr auf Belle & Sebastian als ich. Ich mag sie schon, aber … tja … das war’s auch. Wenn sie mal so etwas mit Nick Cave machen, da wär ich dabei.

Ich glaube, es liegt an Eric. Er ergreift die Initiative, wenn es um experimentelle Dinge geht. Ich glaube nicht, dass sich Image so sehr geändert hat. Die Namen schon, aber…

CG: Das ist eher Stühle rücken…

CA: Ja, genau. Das ist, als wenn ein Kabinett neu gebildet wird. Die Dinge selber ändern sich nicht.

CG [FP]: Wie schwer ist es eigentlich, Figuren nicht zu entwerfen, sondern mit existierenden Figuren zu arbeiten?

CA: Du meinst, ihr Aussehen und all das?

1. Sammelband von TWD mit einem Cover von Tony MooreCG [FP]: Wenn man einen Comic beginnt, dann bekommt man zwar meistens ein Skript vorgesetzt, aber im Kopf hat man doch sicher eigene Ideen, wie eine Figur aussieht, oder? Nur im Fall von The Walking Dead existierte ja all das schon. Ist das ein wenig enttäuschend, nicht komplett der Schöpfer des Visuellen zu sein?

CA: Das war es ungefähr die ersten zehn Ausgaben, an denen ich arbeitete. Sagen wir mal, ungefähr das erste Jahr. Ich hatte nie das Gefühl, dass das wirklich mir gehört, weil Tony damit angefangen hat und die meisten Figuren seine waren. Auch ihr Aussehen. Und ich war einfach nur an Bord gekommen, es fühlte sich an wie eine Auftragsarbeit.

Weißt du, es gab ein paar Momente, in denen ich fast aufgehört hätte. Nicht, weil ich es nicht genossen habe, an dem Comic zu arbeiten, sondern einfach, weil ich mich nicht sonderlich damit verbunden fühlte.

CG [FP]: Was hat dich gehalten?

CA: Tja, mir gefielen die Geschichten. Und, ganz offen gesagt: Es kam kein ernstzunehmendes Angebot, das mich hätte weglocken können.

Also, ich wäre fast direkt am Anfang gegangen, nachdem ich eine Ausgabe oder so gemacht hatte. Da wurde mir Warlock von Marvel angeboten und ich erinnere mich, dass ich ein paar Tage, nachdem ich das Angebot angenommen hatte, eine E-Mail an Image schrieb, in der stand: „Okay, ich mache die ersten sechs Ausgaben für euch und danach ziehe ich weiter, um an Warlock zu arbeiten.“ Den bezahlten Auftrag. Oder genauer: Den besser bezahlten Auftrag.

Geblieben bin ich nur, weil mir Robert und Eric Stephenson beide E-Mails schrieben, in denen so etwas stand wie „Bitte, bitte geh nicht“. Besonders Erics E-Mail verteidigte TWD sehr stark und ging Marvel heftigst an.

Er sagte, dass TWD groß rauskommen und bald abheben würde. „Du hast all die kreativen Möglichkeiten, du wirst letzten Endes mehr Geld hiermit verdienen. Warum willst du für Marvel arbeiten? Deren Serie wird wahrscheinlich eh relativ schnell begraben und nicht lange laufen und blablabla.“

Eine Seite aus TWD von CharlieUnd … er hatte Recht. Er hatte tatsächlich Recht. Warlock erschien für vier Ausgaben und das war’s. Das war ein heimlicher Segen, denn ich habe probiert, an beiden Serien gleichzeitig zu arbeiten, aber nach vier Ausgaben fiel ich hinter dem Zeitplan zurück. Eine der Serien hätte also sowieso gehen müssen und glücklicherweise ging Warlock.

Ich glaube, das war die beste Entscheidung die je für mich gefällt wurde, denn ich hätte mich fast falsch entschieden. Stell dir mal vor, wie ich mich fühlen würde, hätte ich TWD aufgegeben und dann hätten sie Warlock eingestellt. Ich bin froh, dass ich geblieben bin.

Inzwischen habe ich so viele weitere Ausgaben von TWD gezeichnet. Das müssten inzwischen rund 24 Ausgaben sein. Und ich glaube, ich habe die Reihe stärker beeinflusst als Tony. Jetzt fühlt es sich auch für mich selber wie eine „creator owned“-Serie an, auch weil Robert mir diese ungeheuer großzügige 30%-Beteilung an den Rechten gegeben hat.

CG [FP]: Das ist nicht normal so?

CA: Nein. Er hätte auch alles für sich selbst behalten können und ich hätte nichts dagegen gesagt. Das ist immerhin sein Recht als Schöpfer der Serie. Hätte er mich engagiert und mir ein festes Gehalt pro Seite bezahlt, dann hätte ich nichts dagegen gesagt.

Das geht in die gleiche Richtung wie Larry, der immer gesagt hat, sollte Astronauts in Trouble mal ein Film oder eine Fernsehserie oder was auch immer werden, dann würde ich immer etwas davon abbekommen. Obwohl es eine Auftragsarbeit war. Aber ich bin inzwischen so grundlegend damit verbunden, dass ich fast schon als Schöpfer wahrgenommen werde. Auch wenn im Impressum steht, dass es von nur einer Person geschaffen wurde.

CG: Denkst du, dass du TWD verlassen würdest, wenn Marvel oder DC je ankämen und sagten: „Hey, wir haben diesen anderen Comic für dich?“

CA: Was könnten die mir anbieten, das so attraktiv ist wie TWD? Nichts. Denn wenn Marvel mir einen Exklusivvertrag anbieten würde, zehn Jahre mit einem festen Gehalt pro Seite, dann würde ich zehn Jahre lang mit den Figuren von jemand anderem arbeiten.

Egal, wie sehr es auch gekribbelt hat, an Spider-Man zu arbeiten… und das habe ich ewig nicht mehr getan. Trotzdem, ich habe eine Spider-Man-Ausgabe gemacht, habe Batman gemacht, Superman, ich habe die meisten großen Comichelden irgendwann gezeichnet.

CG [FP]: Weißt du, Humberto Ramos hat in unserem Interview gesagt: „Sobald du Spider-Man gemacht hast, wohin kannst du von da noch gehen?“

CA: Richtig, er ist dann zu den Dingen übergegangen, die ihm selbst gehören und das ist die einzige Richtung, die du einschlagen kannst. Sobald du an Marvels und DCs großen Helden für einige Zeit gearbeitet hast, war es das. Das ist sicher der Höhepunkt an Auftragsarbeiten.

Ich persönlich arbeite lieber für DC. Nicht weil ich ihre Figuren bevorzuge, aber ich glaube, ihr Programm ist abwechslungsreicher. Marvel ist sehr stark… im Grunde genommen gibt es nur Superhelden. Alles muss mit Superhelden zu tun haben. Sie haben das ICON-Label, aber da findet man ja kaum Comics.

CG: Eigentlich ist es doch so: Du machst unsere Superhelden und du kannst deine „creator owned“-Sachen via ICON verlegen.

CA: Eigentlich, ja. Es ist ein Anreiz für die größeren Namen, Exklusivverträge mit Marvel zu unterschreiben. Du arbeitest für uns, du kannst dein „creator owned“-Zeug machen.

Ich hatte Angebote von Marvel. Keine Exklusivverträge, aber sie haben mir verschiedene Serien angeboten. Punisher war darunter. Ich kenne Garth Ennis und ich mag Garth und in letzter Zeit wollte er wirklich gerne mit mir zusammenarbeiten. Ich habe das zwei Mal abgelehnt in den letzten paar Jahren.

Und das ist nicht gegen Garth gerichtet. Ich würde wirklich gerne mit ihm arbeiten, habe es aber nie getan. Ich habe Punisher und The Authority: Kev abgelehnt. Aber, wie man so schön sagt: Aller guten Dinge sind drei.

Vom kreativen Standpunkt pfuscht uns bei TWD niemand ins Handwerk. Wir können machen, was wir wollen. Für manche Künstler ist das schlecht. Manchmal ist es nett, jemanden zu haben, der sagt: „Nein, kommt schon, ihr verliert da den Faden.“ Es ist also nicht immer etwas Gutes. Aber im Moment fühlt es sich einfach gut an, dass uns niemand beeinflusst.

Und um ehrlich zu sein: Wenn du all die Tantiemen einrechnest, dann mache ich mehr Geld als Marvel mir je als Gehalt pro Seite anbieten könnte. Und das haben sie mir bei den Jobs angeboten, ein festes Gehalt pro Seite. Daraufhin habe ich gesagt: „Ich habe ein offizielles Gehalt pro Seite. Verdoppelt das mal, Jungs.“ Und das wollten sie nicht tun.

CG [FP]: Bei TWD ist Dein Gehalt abhängig vom Verkauf?

CA: Da habe ich kein festes Seitengehalt, genau. Ich bekomme einen Vorschuss von Image, was ursprünglich ein weiterer kleiner Anreiz war, um mich für die Serie zu gewinnen. Weil ich diese Einstellung „Oh, ich bin mir nicht sicher wegen der ganzen Gehalt-pro-Seite-Kiste“ hatte.

Also hat Image gesagt: Wir bezahlen dir eine feste Summe. Jedesmal, wenn du einen Comic einreichst, schicken wir dir einen Scheck. Das ist nicht viel, aber es ist das Geld, von dem sie wissen, das der Comic es auf jeden Fall erwirtschaftet. Also konnten sie es sich leisten, mir das anzubieten. Und jeden Monat, oder grob jeden Monat, erhalte ich einen weiteren Scheck, der mit den richtigen Verkaufszahlen zusammenhängt.

Und dann ist da noch etwas, was alle sechs Monate kommt und die Einkünfte ein bisschen sammelt. Das ist der richtig dicke Scheck. Der ist einfach nur stratosphärisch, weil TWD jeden Monat an Nummer 2 oder 3 unter den meistverkauften Graphic Novels zu finden ist.

Hättest du eine Graphic Novel von Spider-Man, die sich so gut verkaufen würde wie TWD, dann würdest du trotzdem nur eine winzig kleine Menge Geld verdienen, weil du nur 3 oder 4 Prozent der Einnahmen erhälst. Den Löwenanteil nimmt sich Marvel. Hier sieht es so aus: Wenn Image sich seinen Anteil genommen hat – was nicht viel ist – dann bekommen Rob und ich die übrigen sechzig oder siebzig Prozent der Einnahmen. Das ist der Unterschied.

CG: Ich merke schon, du bist wirklich glücklich mit der creator ownership bei AiT und Image.

CA: Ja, ich bin sehr glücklich darüber. Das Problem ist nur: Es ist nett, in diesem Elfenbeinturm zu sitzen, auf all die anderen herunterzuschauen und zu sagen: „Creator owned, so sollte das sein.“ Ich erinnere mich noch, als ich vor ein paar Jahren Mike Oeming [der Zeichner von Powers – d. Red.] traf und er nur sagte: „Charlie, creator owned ist der richtige Weg. Es ist der einzige Weg.“

Und ich dachte mir: Das ist leicht für dich zu sagen, Mike. Du machst es richtig. Du verkaufst regelmäßig 30.000 Hefte im Monat. Und du verdienst gutes Geld. Du hast leicht reden. Du hast die Lizenzoptionen  für viel Geld verkauft. Blablabla. Du kannst dich zurücklehnen, dich entspannen und einfach deinen Comic machen. Und du kannst dich ganz frei entscheiden, was du sonst noch machen willst.

Aber wenn du ein Zeichner bist und besonders wenn du Verantwortung trägst – und, wie gesagt, ich habe eine Frau und zwei Kinder –, dann kannst du dir das nicht leisten. Wenn du ein Autor bist, dann schon. Dann kannst du zwei oder drei Titel pro Monat schreiben. Als Autor ist es leichter, etwas creator owned zu machen.

Das nimmt dann nur einen Teil deines Arbeitstages in Anspruch. Aber es gibt nur wenig Zeichner, die an mehr als einer Serie pro Monat arbeiten können. Du bist da also quasi in der Pflicht. Und wenn es creator owned ist, dann bekommst du kein Geld im Voraus? Wie sollst du da überleben?

Aber jetzt verdiene ich das Geld. Und ich kann in den Elfenbeinturm neben Mike einziehen. Und wir zwei können jetzt rufen: „Ah, Creator owned. So sollte das sein.“
Ich sehe die Fallstricke genau so, wie ich die Vorteile sehe.

Allerdings, wenn es klappt, dann ist es einfach am besten. Jobmäßig geht es mir so gut wie noch nie. Ich kann TWD machen, was einfach fantastisch ist, und dann kann ich noch Dinge wie Rock Bottom machen. Naja, das mache ich für Larry, also ist es auch creator owned. Und das Skript ist so gut. Joe Casey hat es geschrieben. Es ist so gut, die Serie musste ich einfach zeichnen.

Das hat zwei Jahre gedauert, weil ich daran gearbeitet habe, während ich auch TWD zeichnete. Aber es ist einfach ein tolles Gefühl, sich so frei aussuchen zu können, woran man arbeitet. Und es ist so schön, denken zu können: Naja, ich verdiene mit TWD so viel Geld, ich kann es mir leisten, mal etwas zu machen, an dem ich nichts verdiene. Das ist brilliant. Ich muss mir nicht immer sagen: Das muss jetzt ein bezahlter Job sein, weil ich sonst nicht über die Runden komme.
Beispielseiten aus Rock Bottom
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Ich arbeite gerade an etwas für 2000AD [britisches Comicmagazin – d. Red.]. Dafür werde ich bezahlt. Aber im Vergleich ist die Bezahlung bei 2000AD natürlich nicht überwältigend. Das ist eben auch etwas, das ich mache, weil es mir gefallen hat. Ist eine Geschichte von Pat Mills, eine seiner besten.

CG [FP]: Wir haben uns schon etwas gewundert wegen der britischen Comicszene …

CA: Dem Mangel an selbiger, ja. [grinst]

CG [FP]: Genau, dem Mangel daran. Das stimmt. Warum schreiben so viele britische Autoren amerikanische Comics?

CA: Das liegt daran, dass es im Königreich keine vernünftige Comicszene gibt.

CG [FP]: Warum denn, es gibt so viele talentierte…

CA: Na ja, aber es gibt keinen wirklichen Markt, nur 2000AD.

CG [FP]: Liegt das am Lesermangel?

CA: Das glaube ich nicht. Es herrscht besonders in Großbritannien die Wahrnehmung, dass Comics etwas für Kinder sind. Ich meine, nicht mal für Kinder, sondern für…

CG [FP]: Neugeborene?

CA: So scheint es, ja. Die Mehrheit der Comics in Großbritannien sind einfach nur Vorschulcomics: Thomas, the Tank Engine und solche Sachen. Obwohl es einen Thunderbirds-Comic gibt, aber selbst der ist für kleine Kinder gemacht.

CG [FP]: Aber das ist so seltsam, weil so viele britische Comicschaffende in den USA wichtig und berühmt sind.

CA: Naja, wir alle arbeiten in Amerika oder Europa oder an Orten, wo wir Geld verdienen können. Du kannst ja immer noch für 2000AD arbeiten. Da hast du immer mal wieder einen bekannteren Künstler der etwas macht – so wie ich – aber … puh …

In Großbritannien hat die BBC gerade damit begonnen, einen Dr.-Who-Comic zu verlegen. Es gibt da also neben 2000AD auch diesen Comic. Und dann ist da das Judge Dredd Megazine. Aber die Sachen sind nicht gigantisch. Und das war’s schon.

CG: Hast du das Gefühl, dass 2000AD eine Art Jugendmannschaft für die amerikanischen Verlage ist? Andy Diggle hat ja probiert, das Label wieder zu stärken…

CA: Als er Chefredakteur war?

CG: Ja, als er Chefredakteur war. Als Revolution 2000AD erworben hat.

CA: Tja, das Lustige an Andy ist, dass er eigentlich der Chefredakteur mit der kürzesten Laufzeit bei 2000AD war. Das ist nicht gegen Andy gerichtet, ich kann sogar respektieren, was er da gemacht hat: Er ist offensichtlich ein sehr guter Geschäftsmann. Er hat seinen Redakteursposten bei 2000AD genutzt, um den Kontakt mit den USA herzustellen, um dann da seine Karriere als Freischaffender zu starten. Und er hält sich ja jetzt nicht schlecht.

CG: Was ein weiterer Punkt für 2000AD als Jugendmannschaft wäre.

CA: Ja, er hat sich quasi selbst ins Spiel gebracht. Guck dir doch mal irgendeinen Künstler an, der einiges für 2000AD gemacht hat. Die letzten beiden großen Talente, die in die Staaten gegangen sind,  das waren Jock und Frazer Irving. Und beide arbeiten jetzt eigentlich nur noch für amerikanische Verlage.

CG [FP]: Aber es ist bedauerlich, dass so viele talentierte Künstler weggehen…

CA: Ja, das ist schade. Aber ich vermute, dass letzten Endes die Möglichkeiten in den USA nun einmal auch größer sind.

CG [FP]: Eine Frage, mit der wir wieder zu TWD zurückkommen: Da dein Zeichenstil ja deutlich anders ist als der von Tony, hast du da Reaktionen von den Fans bekommen?

CA: Oh ja, aber das war abzusehen. Die Fans neigen in diesen Fällen dazu, sehr … konservativ zu sein.

Ich glaube, es ist momentan hochgradig frustrierend, ein Fan von amerikanischen Comics zu sein, einfach weil kein Künstler länger bei einer Serie bleibt. Es kommt sehr selten vor, dass ein Kreativteam für mehr als, tja, sechs bis zwölf Ausgaben zusammen an einem Comic arbeitet.

Denk doch mal an die langen Runs, die amerikanische Künstler bei bestimmten Serien in den Sechzigern, den Siebzigern und sogar den Achtzigern hatten. Und heute denkst du, wenn mal jemand für zwölf Ausgaben einem Comic treu bleibt: Der ist aber schon lange dabei. Scheiße, nein. Aber, äh, wie war nochmal die Frage? [lacht]

CG [FP]: Die Reaktion der Fans …

CA: Oh! Ja, ja, ja! Ich wusste halt, dass Tony, weil er es ja angefangen hat…

CG [FP]: Seine Zeichnungen und seine Zombies waren sehr detailliert. Und er sagte, er habe sich vorher ausgiebig einiges über Anatomie angelesen …

CG: Sich Polizeifotos von Leichen in verschiedenen Verfallsstadien angeschaut …

CA: Oh, okay. Nun, ich schätze mein Zeichenstil ist etwas expressionistischer. Weniger Details, dafür mehr Arbeit mit Licht und Schatten, vielleicht mehr Subtilität. Und ich disse Tony Moore nicht, wenn ich das so sage. Aber, weißt du, ich neige eher dazu, Dinge im Schatten zu verstecken, als das bei Tony der Fall war.

Es gab schon eine Reaktion. Die war im Grunde genommen: „Öh, was ist das denn?“ Tony war toll. Aber ich glaube, es lag auch daran, dass die Fans sich an Tonys Stil gewöhnt hatten.
 bjoern_charlie
 “Ehrlich, Charlie, er ist soo lang…“

 Wenn du eine etablierte Figur wie Batman nimmst, dann bekommst du diese Reaktion nicht. Einfach, weil jeder so daran gewöhnt ist, dass Batman von vielen, verschiedenen Zeichner gezeichnet wird. Es gibt nicht den einen Zeichner, der festgelegt hat, wie Batman oder Superman oder Judge Dredd oder wer auch immer auszusehen hat.

Aber weil Tony den Comic angefangen hat, gab es einen etablierten Look. Und ich komme da an und ich werde sicher nicht Tony kopieren. Ich werde ich selbst sein. Aber, wie gesagt, ich hoffe, dass die Serie nach mittlerweile 24 Ausgaben schon meinen Look hat.

CG [FP]: Wie viele Ausgaben bist du denn jeweils voraus?

CA: Nicht viele, nur ein paar. Nummer 28 ist gerade erschienen und morgen werde ich die 30 fertig stellen.

CG [FP]: Ah, deshalb kannst Du nicht lange hier in Erlangen bleiben.

BW: Wie weit bist du eigentlich in dem Zombieding drin? Warst du schon vor diesem Job ein Zombiefan, also hast du die Romero-Filme gesehen?

CA: Oh, ich mag die Romero-Filme. Und Shaun of the Dead. Ich finde den Film wahnsinnig komisch. Ich habe auch 28 Days Later gesehen. Danny Boyle [der Regisseur – d. Red.] war der erste, der behauptet hat: „Es ist kein Zombiefilm.“ Und du denkst dir: Oh doch, es ist einer, Danny. Es ist ein Zombiefilm.

Ich habe einige italienische Zombiefilme in den Achtzigern gesehen. Aber ich würde nicht behaupten, dass ich ein riesiger Zombiefan wäre. Ich habe die Arbeit an TWD nicht wegen der Zombies übernommen.

CG: Hat dich ein bestimmter Zeichenstil oder so beeinflusst? Die Farm, die im zweiten Sammelband ganz allein in der Wildnis steht hat mich nämlich immer an dieses abgeschottete Haus im originalen Night of the Living Dead erinnert. Hat dich der Stil der Filme beeinflusst?

CA: Nicht wirklich, ich habe NotLD seit langer Zeit nicht mehr gesehen. Ich würde ihn mir aber gerne mal wieder angucken, besonders weil es ein Schwarz-Weiß-Film ist.

CG: Der Film hat in den USA sein Copyright verloren und ist jetzt in der Public Domain. Du kannst ihn ganz legal runterladen. [Bei Archive.org: http://www.archive.org/details/night_of_the_living_dead]

CA: Oh, wirklich? Gut zu wissen. Aber trotzdem: Schwarz-Weiß-Filme sind sehr interessant, weil ich ja auch in schwarz-weiß arbeite. Darum sind diese Filme oft viel interessanter anzuschauen, weil die Ausleuchtung so viel stärker auf Kontraste setzt.

Also, ich bin schon ein Horrorfan. Kein Riesenfan, aber ein Gelegenheitsfan. Meine Lieblingshorrorfilme sind die eher subtilen Sachen. Ich bin ein riesiger Fan von Filmen wie The Haunting oder Halloween. Solche Dinge.

Ich mag das einfach. Ich mag Horrorfilme, in denen du das Monster nicht siehst. Es ist unheimlicher, wenn du die Dinge nicht siehst, weil dann deine Vorstellungskraft die Kontrolle übernimmt.

Ich glaube, das zeigt sich auch in meinen Zeichnungen. Denn sofern mich Robert nicht explizit um etwas bittet, neige ich dazu, die Kamera vom Schrecken selbst fern zu halten. Ich denke, das ist so effektiver.

BW: Also, du bist nicht wie die meisten Zombiefans, die sagen: Wir müssen sehen, wie Gedärme aus Menschen gerissen werden. Das hatten wir ja immerhin sogar in Shaun of the Dead.

CA: Klar, Zombiefilme müssen von Natur aus blutig sein, weil sie ja mit wandelnden Leichen zu tun haben.

FP: Zwei kurze Fragen zum Schluss. [Andreas Mergenthaler schaut uns schon etwas verzweifelt an.]

CA: Ich werde versuchen, mich kurz zu fassen.

FP: Was hast du in der Comicbranche gelernt seit der Zeit, als du angefangen hast? Was hast du erwartet und wie sahen die Dinge dann wirklich aus?

CA: Das ist eine interessante Frage. Ich sollte mich jetzt ja eigentlich kurz fassen, aber ich müsste mich jetzt erst einmal zurücklehnen und darüber richtig nachdenken.

Es war gar nicht so anders, als ich es erwartet hatte. Es ist ganz sicher ein Traum. Das ist etwas, was ich immer tun wollte, seitdem ich wusste, dass es Comics gibt. Da dürfte ich so fünf oder sechs gewesen sein. Also von dem Standpunkt aus betrachtet tue ich genau das, was ich auch tun will.

Aber nachdem ich dann eingestiegen war, hat es nicht lange gedauert, bis der „Wow“-Faktor, bis die Magie weg war. Und dann wurde es…

CG [FP]: … ein Job?

CA: Ja, schon. Es ist kein Job und trotzdem ist es ein Job. Ich liebe jeden Tag, den ich arbeite. Und manchmal ziehe ich Arbeitstage sogar freien Tagen vor, weil es nichts Besseres gibt als einen Tag, an dem man etwas erschafft. Das ist so ein fantastisches Gefühl. Du erschaffst die ganze Zeit Dinge und das ist brilliant.

Es gibt auch Nachteile: Deadlines und sowas … aber das sind so kleine Nachteile. Daran denke ich gerne, wenn ich mich über irgendwas beklage … als ich etwa Green Arrow, Green Lantern gemacht habe, da habe ich die ganze Zeit über innerlich heftigst gejammert und geflucht.

Und dann habe ich mir gedacht: Hey, wart’ mal kurz. Was würde ich denn eigentlich lieber tun? Was könnte ich denn sonst tun? Regale im Supermarkt einräumen? Hör auf zu jammern und zeichne. Du erschaffst immer noch etwas. Und selbst in Phasen, in denen ich Arbeit gesucht habe, aber niemand gewillt war, mir wirklich Arbeit anzubieten, selbst da war ich glücklich. Wobei, ich war eigentlich nie wirklich arbeitslos. Irgendwas gab es immer. Tja, klopf auf Holz.

Ich bin dankbar, weil es immer irgendwas zu tun gab, selbst in den schwächeren Phasen.

CG [FP]: Letzte Frage: Welche Serie, welcher Einzeltitel, denkst du, ist der unterschätzteste?

CA: Ich lese ehrlich gesagt gar nicht so viele Comics.

CG [FP]: Oh, tust du nicht? Fehlt Dir die Zeit?

CA: Ja, irgendwie schon. Wie gesagt, ich habe Kinder und so, da hast du einfach nicht die Zeit, dich mal zurückzulehnen und zu lesen.

CG [FP]: Okay, sagen wir mal meistunterschätzter Autor oder Zeichner.

CA: Ich komme auch nicht an all zu viele Comics ran. Weil ich in einer kleinen Stadt lebe. Da gibt es keinen großen Comicladen mit großem Sortiment.

Ich würde mal sagen, dass auf dem kommerziellen amerikanischen Markt ein Mangel an anständigen Superhelden-Serien existiert. Und ich denke, dass Superhelden wieder mehr Spaß machen sollten.

Das Zeug, das ich im Mainstream sehr gerne gelesen habe, war sowas wie She-Hulk [von Dan Slott – d. Red.] oder Darwyns Cookes The New Frontier. Diese Serien haben in erster Linie Spaß gemacht und haben außerdem gute Geschichten erzählt. Obwohl sie aus zwei ganz unterschiedlichen Richtungen an die Sache rangehen.

Identity CrisisDas braucht die Comicbranche derzeit. Nicht Identity Crisis. Das ist es, was sie nicht braucht. Das ist meiner Meinung nach nur was für die absoluten, irgendwie willenlosen, Fanboys, die denken, Superhelden sollten ernsthaft sein. Die glauben, das sei erwachsen. Es ist aber nicht erwachsen. Männer, die in ihrer Unterwäsche rumlaufen, das ist nicht erwachsen, tut mir Leid. Also, es sollte wieder mehr Spaß in Comics zu finden sein. Neue Künstler sollten mehr davon bieten.

Dann würden vielleicht auch wieder mehr Kinder Comics lesen. Die nächste Generation und nicht Dreißig- bis Vierzigjährige, die Identity Crisis lesen. „Das ist toll, weil es richtig ernsthaft ist.“ Nein. Es ist Müll. Es ist Müll. Ein Haufen Leute, der in seiner Unterwäsche sitzt auf einer Beerdigung und heult. Und das Gesicht vom Elongated Man schmilzt in seine Hände, wie in einem Robert-Crumb-Cartoon. [lacht]

Egal.

CG:  Hast du die Justice-League-Unlimited-Zeichentrickserie gesehen? Ich gehe damit jedem auf die Nerven, aber ich finde, das ist es, wie Superheldengeschichten gemacht werden sollten.

CA: Oh, die habe ich nicht gesehen. Nur ein paar Ausschnitte und Standbilder.

CG: Sie nehmen all den Blödsinn und dann konzentrieren sie sich da drauf. „Klar, wir wissen, dass Gorilla Grodd eigentlich eine total dämliche Idee ist … aber wir haben Spaß damit.“

CA: Ja, genau. Wenn du Spaß damit hast, dann ist das egal. Aber wenn sie eine Idee wie Gorilla Grodd haben und die richtig ernst nehmen, dann beginnt das Ding Unwucht zu bekommen. Und das ist das Problem, was ich mit so etwas wie Identity Crisis habe.

Letzten Endes haben Frank Miller und Alan Moore ernsthafte Superheldengeschichten schon Mitte der Achtziger geschrieben. Da sollten wir doch sicher inzwischen drüber hinweg sein. Und deren Geschichten waren ohnehin besser.

CG [FP]: Okay, wir danken ganz herzlich für das Gespräch!

CA: Kein Problem!

Charlie Adlard bei Wikipedia [en]

Cross Cult (deutscher Verleger von The Walking Dead)

Image Comics (US-Verleger von The Walking Dead) [en]

AiT/PlanetLar [en]

Interview mit Charlie bei Splashcomics (ebenfalls auf dem Comic-Salon 2006 geführt), als mp3 oder Real-Datei

Interview mit Charlie bei G wie Gorilla (ebenfalls auf dem Comic-Salon 2006 geführt)

sehr ausführliches Interview mit Charlie bei 2000AD (Februar 2005) [en]

Originalseiten von Charlie zu kaufen bei Splash Page Art

Comicgate-Interview mit TWD-Autor Robert Kirkman (Herbst 2005)

Comicgate-Interview mit Tony Moore (erster Zeichner von TWD; Dezember 2005)

bei Amazon.de bestellen: The Walking Dead 1 , The Walking Dead 2  

Bildquellen: fumetti.org (White Death); fantasticfiction.co.uk (Astronauts in Trouble); kungfurodeo.com (TWD page from Charlie); comicon.com (Rock Bottom cover), Charlie Adlard (Rock Bottom pages), 2000adonline.com; stomptokyo.com (Identity Crisis)

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Charlie Adlard in Erlangen, 2006British penciller Charlie Adlard, born in 1966, is the artist on Robert Kirkman's The Walking Dead since issue #7 (he took over from Tony Moore). For this succesful zombie comic series, he was nominated for a „Will Eisner Comic Industry Awards 2005“ as best penciller/inker.  Before that, he worked on The X-Files, Astronauts in Trouble, Batman: Gotham Knights, Green Lantern/Green ArrowWhite Death, Judge Dredd and many more.
Charlie Adlard was invited to the Comic-Salon in Erlangen, Germany, by Cross Cult, the German publisher of The Walkind Dead.

We talked to him on a Sunday morning in June 2006. Even though this unpleasant time, he was in a good mood. 
Björn Wederhake was the main interviewer, pert questions from editor Frauke Pfeiffer are marked with [FP]. Notes by us are indicated by square brackets.

Comic-Salon 2006Comicgate [FP]: As a first question: People are always curious how artists from a foreign country are reacting to the Comic-Salon, Germany's biggest comic convention. For you, I guess, it’s a very small convention.

Charlie Adlard: Here? No, not at all. I’m used to much smaller conventions in Britain. At our big convention, the one in Bristol, there you get about 2,000 people. So, what do you get here? About 20,000?

 

CG [FP]: I don’t know.

CA: That’s what Andi [Andreas Mergenthaler of Cross Cult, Charlie's German publisher] told me, you get about 20,000. Over the four days, of course.

CG [FP]: We really don’t know. It’s just that it’s such a small community here in Germany.
CG: Have you been to San Diego?

CA: Yeah, I’ve been going for years.

CG: That’s why we feel so small, compared to San Diego, which is like the mother of all conventions.

CA: Angoulême is even bigger.

CG [FP]: Do you like that?

CA: Angoulême? Oh, I love Angoulême. It’s just, I don’t go there that often, because I don’t work in the French industry. But I love going there because I just spend vast amounts of money. And most of the comics there–French, Belgian, whatever–obviously are not translated. I just go mad and buy all that stuff that I can’t read.

CG: Do you like French comics?

White DeathCA: I love the French. I’ve been to Angoulême quite a few times. I just used to go with a group of friends who are also into the European industry. Seven or eight years ago we did a book called White Death, which is intended for the European industry primarily. So we went for business reasons for a few years. But I hadn’t been back for five or six years since.

Ironically enough, I met a couple of French publishers in San Diego last year. Bamboo Production and Dargaud. Especially Dargaud I got to know. Because I’ve always wanted to work in the European industry. I love the format, the way it’s all book format and the respect it’s given and everything. So I started talking to them. When I went to Angoulême I started talking to Soleil as well, which is a big French publisher. So hopefully, next year there might be some European work on the horizon.

CG: Has your graphical style been influenced by the European artists?

CA: Yeah, I’d like to think so. I talked to these guys yesterday, the manga guys [interview with German mag MangaSzene]–I have no idea why they wanted to talk to me–and he was analyzing my artwork more than I ever had. He was saying how European it did look. Well, he didn’t say it in so many words, but the way he was describing my artwork is the way I see European comics. You know, the way they have a great sense of place, the way they lay out the backgrounds and everything in every panel. I can’t be pressed to put backgrounds in every panel, but that’s a time constraint.
And there is the way they lay out the pages. It’s not crazy layout or anything, it’s formulaic and very static. A basic grid sometimes. And that’s all the stuff I do. I’ve got a much more–what’s a good word?–genteel sort of look to my art, rather than the big brush common to superhero type artwork.

CG [FP]: That’s what Humberto Ramos said two days ago in his press conference. He’s also doing a book for a French publisher…

CA: He’s doing it for Soleil, yeah.

CG [FP]: Yeah, right. And he said that Dark Horse is interested in it and he told them: “Don’t do it. Don’t publish it in the US, because the US readers won’t like it. It doesn’t have splash pages, it has many things to read. It’s nothing for them.”

CA: True, it’s very true. But having said that, I don’t know why he’s trying to get them not to do it. [laughs]
I know for a fact that if I did do some European work, I could easily get my stuff reprinted by Larry [Young of AiT/Planet Lar].

CG: Are you getting along well with Larry Young?

CA: He’s a great friend, yeah. Because he’s reprinted all my creator owned projects. I’ve got more books in print in his company than any other creator. By far. I’ve got all the Astronauts in Trouble stuff, White Death, Codeflesh, Nobody and I’ve just finished a new book for Larry.

And he’s such a great guy. About six months ago there was something I couldn’t believe… and he didn’t even tell me he did this. It’s only because my local comic shop guy reads Previews and he said to me: “Have you seen this?” – “What?” And he said: “Open this page.”

And Larry had taken up a full page ad just to advertise me. It said: Buy these books from Charlie Adlard. And what did he call me… um… something very complimentary. I can’t remember what it was now. I should have that in brackets between my name. [It was: Master Illustrator … props to Larry, who answered that question within five minutes after receiving my e-mail and even sent us the ad.]

That was fantastic. And I hadn’t even finished Rock Bottom, which is this thing I was doing for Larry. And he’s saying: Coming soon, and it had some pages from it, so I was like: Uh, I better finish it now.

CG: You worked together with Larry on Astronauts in Trouble. How did you get in contact with him? How did this start?

CA: Basically, it’s a bit of a similar story to The Walking Dead. Because obviously I didn’t start out doing Astronauts in Trouble, as with The Walking Dead.

CG: That was… Matt Smith?

Astronauts in TroubleCA: Matt Smith, yes. He did the first three issues and Matt just flaked out on the book, so they were just looking for someone to finish the last two issues. At the time Larry knew my agent, they both lived in San Francisco. And during one San Diego [Con] they approached me and said: Do you want to finish this book?
They paid me. They always paid me to do Astronauts in Trouble, because basically it’s work for hire, since Larry is the creator. And I just happened to be in a… shall we say… down period in my career, so I accepted. And that’s how it went from there on. I think Larry was so pleased with my speed and efficiency, as opposed to how Matt Smith has been. So, I just carried on doing Astronauts in Trouble.
I’d love to do some more Astronauts in Trouble at some point. Larry keeps talking about it, but that’s a question of the planets aligning, because I’m so busy now with everything else…

CG [FP]: So, The Walking Dead keeps you busy. Is it your main project at the moment?

CA: Yeah, it is. But I do it quite quickly, so it also gives time to do stuff like Rock Bottom. It’s still nice to associate myself with Larry. So that gives me another year or so being associated with Larry as well as with The Walking Dead.

CG: What do you think: What did Robert Kirkman look for when Tony Moore left the book?

CG [FP]: Or was let go. Tony Moore had to leave because his drawings took too long, hadn’t he?

CA: That, and many other reasons. Let’s just say Tony Moore left.

CG: Okay. So when Robert Kirkman asked you, was it like: I’ve got this monthly thing and I think you’re the guy to deliver on time?

CA: I think at the time that was part of the reason. I knew Robert before, because he had printed the last three issues of Codeflesh at his indie label FunkOtron. We did eight chapters, Image did the first five and then the comic went under his hands, because anthology comics do not sell in the States. It was, I think, a foregone conclusion.
We would probably have kept doing it for Image if it was a “proper” comic length with 20 pages. But it wasn’t, it was 12 pages a chapter, so we had to take this funny formatted thing somewhere else and Robert offered to publish the last few episodes. And that’s how I got to know Robert initially.
Then I didn’t hear from him since Codeflesh till The Walking Dead. I just got this e-mail out of the blue. His opening salvo was: „Would you like to earn money?“

CG [FP]: That is a good question.

CA: I think I know what Image is. I mean, no disrespect to them, but unless you are somebody who’s starting out or for some reason you’ve got lots of money to spare… you know that if you go to work for Image, you’re basically doing it for nothing [moneywise].
Because it’s a back end deal, you don’t get paid a page rate. Yes, okay, it’s creator-owned stuff, you don’t get paid a page rate. It’s a hell of a commitment to make as an artist. And you are risking a lot. Because, if you start a book with issue #1, you don’t know if it’s going to do well.
At least when Robert offered me to work at The Walking Dead, it was at issue #7 and he knew it was making enough to pay me a certain amount. At least enough to entice me to do the book.
My initial reaction was “I’m not interested”… or rather, my initial reaction would have been “I’m not interested”, because you can’t prove to me that this is going to make money. And I have a wife and two children to support. I couldn’t afford to do that. I couldn’t afford to take three weeks out of every month and do unpaid work.
So, obviously, his opening line on this was: „You can earn money on this now. I guarantee it.“

CG [FP]: „Even though you’d be working for Image.“

CA: Yeah, well, exactly. Most of the Image books don’t sell enough to pay for the creators. But even back then The Walking Dead did.

CG: If I remember correctly, The Walking Dead was one of the books that started under the Valentino rule over Image, which was a bit more experimental. And then the lead went over to Erik Larsen. So, did you notice a change when Larsen took over as Editor in Chief?

CA: Not really. I think any idiot would know that if a book makes money, you keep it going. And obviously The Walking Dead is one of the top titles. Other than it: There’s Spawn and that’s about it. It’s one of their biggest money makers. To use a British phrase: If it ain’t broke, why fix it?

No, I haven’t noticed any change. There might be more changes in the general direction Image is going. Well, I say that, but I haven’t even noticed a change there. Because, I always assumed once Erik took over that everything would go back to the old superheroes again. And it’s not actually.
You know, Jim was trying to push the more experimental stuff and the reason they got Erik on board was so they could do more commercial stuff. But, I know for a fact that they’re gonna publish a couple of friends of mine who did an artbook together. They were gonna self publish it, but then Image said to them: “We’re gonna publish it.” And I was like: That’s not a particularly commercial move. They’ll do okay, but artbooks aren’t exactly great money makers.

I think, even though Erik Larsen is kind of in charge, the day to day running is down to Eric Stephenson, the editorial director. I know him quite well and he’s certainly not Mr. Superhero. He’s more into the experimental stuff. You know, they published that comic book based on the songs by Belle & Sebastian. And that’s Eric. That’s completely Eric. Because he’s a big Belle & Sebastian fan.
He actually asked me if I was interested. And I was. I was interested, I just didn’t have the time. It sounded really interesting. My wife is actually more into Belle & Sebastian. I quite like them, but… yeah… that’s it. If they ever do a Nick Cave one, I’ll do one of those.
I think it’s because of Eric. He’s more proactive for the experimental stuff. I don’t think Image’s changed that much. It’s just name juggling sometimes…

CG: Shuffling the deck chairs. Not on the Titanic, but…

CA: Yeah, exactly. It’s like a governmental, cabinet reshuffle. Things really don’t change.

CG [FP]: How difficult is it not to create characters, but to work with existing characters, having to stick with them?

CA: What, d’you mean, the likenesses and everything?

Tony Moore's cover of The Walking Dead (TPB #1)CG [FP]: I think if you start a comic book as a creator, you’ve got the script, but you’ve got your own images in your head, how the characters look. But here, with The Walking Dead, everything was given. Is this also a bit disappointing?

CA: It was the first ten or so issues that I did it. Let’s say, the first year. I never felt like it was truly mine, because Tony had started it and obviously most of the characters were his. And the images of his characters were his. And I was just on board, feeling like it was work for hire.
You know, there were a couple times were I almost left. Not because I didn’t enjoy working on the book, but because I didn’t have that much attachment to it.

CG [FP]: So, what kept you?

CA: Well, I enjoyed the stories. And frankly, no serious offer came along to pull me away either. I mean, I almost did leave right at the beginning, after I did an issue or so. Then I got offered Warlock from Marvel and I remember, I wrote an e-mail a couple of days after I accepted that, saying: “Well, I’ll do the first six issues for you and then I’ll go on and do Warlock.” Do the paid stuff, or rather the better paid stuff, y’know.
It was only because Robert and Eric Stephenson both wrote me e-mails, saying: “Please, please, don’t leave.” Especially, I remember, Eric’s e-mail was really quite strong in defense of The Walking Dead and against Marvel.
He was saying that this book is gonna be big and it’s gonna take off. You got all the creativity, you’re going to end off making more money on this. Why d’you want to work for Marvel? This title is probably going to be buried and it won’t last and blablabla.

TWD page by Charlie AdlardAnd… he was right. Yeah, he was right. Warlock lasted four issues, and that was it. It was a blessing in disguise, because I tried doing them at the same time, but after four issues I was falling behind. And one of them would have to go anyway, and fortunately Warlock went. Which was the best decision made for me in my life, I think. Because, I almost made the wrong decision. Imagine how I’d be feeling now if I had left The Walking Dead and then Warlock would have been cancelled. I’m glad I stuck on.

By now I’ve done so many more issues of The Walking Dead. It’s, like, 24 issues I’ve done now. And I think I’ve put my stamp on it more than Tony. It feels like a creator owned book now for myself, because Robert gave me this incredibly generous 30% share of the creator owned rights to everything.

CG [FP]: That’s not quite usual?

CA: No. He could have taken it all for himself, and I wouldn’t have objected. Because it’s his right as a creator. If he got me on board and would have offered me a page rate, I would not have objected to that. It’s in the same way that Larry always said, if Astronauts in Trouble ever gets made into a movie, or a TV series or whatever, I’ll always get something from it. Even though it was work for hire. But I’m so intrinsically involved with it now that I’m almost perceived as a creator. Even though it says that it was created by one person.

CG: Do you think you might leave The Walking Dead if Marvel or DC ever came along and said: “Hey, we’ve got this other book for you.”

CA: What could they offer me that would be as attractive as The Walking Dead? Nothing. Because, if Marvel offered me an exclusive contract, ten years with a fixed page rate, I would end up working for ten years on somebody elses characters.

As much as I get a buzz from working on Spider-Man… and I haven’t done that for a long time. Yet, I’ve done a Spider-Man issue, I’ve done Batman, I’ve done Superman, I’ve done most of the iconic characters at a certain point.

CG [FP]: Y’know, two days ago in our interview with Humberto Ramos, he was saying: “Once you’ve done Spider-Man, where do you go from there?”


CA: Yeah, he went to the creator-owned stuff and that’s the only way to go. Because you can’t go higher. Once you’ve done one of their big characters for a long term, that’s it. Surely that’s the pinnacle of work for hire.
Personally, I prefer to work for DC. Not because I prefer their characters, but I do believe they got more variety. Marvel are very much… they are just superheroes. Everything has to be superhero. They do have Marvel ICON, but there are very few books.

CG: Basically it’s like, if you do our superheroes, you can do your own creator owned stuff at ICON.

CA: Basically, yeah. It’s an enticement for the bigger names to sign exclusive contracts. If you work for us, you can do your creator owned stuff.

I had offers from Marvel. Not exclusives, but I had various books they offered to me. The Punisher was offered to me. I know Garth [Ennis] and I like Garth, and of late he really wanted to work with me. I turned down Garth twice in the last couple of years. And it’s no disrespect to Garth. I’d love to work with Garth, but I never have done. I turned down The Punisher and I turned down the last Authority: Kev. But, as we say: Third time lucky.

Creatively, with The Walking Dead, we got no interference. We can do what we want. For some artists that’s a bad thing. Sometimes it’s nice to have someone say: „No, come on, you’re getting away with yourselves“. So, I’m not saying that’s not a good thing, but at the moment it feels good to have no interference.

And to be honest: Financially, if you add all the royalties, I’m making more money than Marvel can possibly offer me as a page rate. That’s how they offered me a job, they offered me just a page rate. And I said: I have an official page rate. Double it, guys. And they wouldn’t double it…

CG [FP]: With The Walking Dead, your earnings are tied to the sales?

CA: It’s not a fixed page rate. No. I get an advance from Image, which was just another little enticement to get me initially. Because I was so: Oh, I don’t know about the whole page rate thing.
So, Image said: We’ll pay you a fixed sum. Every time you turn in a comic, we’ll send you a cheque. It’s not much, but it’s what they know the comic initially guaranteed. So, they could afford to offer that. And every month, or roughly every month, I get another cheque, which is for the proper sales figures.

And then there is what they call the accrual cheque, which is the six-monthly cheque. Which is the really big one. And these are just stratospheric, since The Walking Dead is always the number two or number three best selling graphic novel every month.

If you had a graphic novel on Spider-Man and it sold like The Walking Dead, you’d still just make a miniscule ammount of money, because you only earn three or four percent of the book when you are doing Spider-Man. Marvel takes the lion share. And on this, after Image have taken their cut–which is not much–Rob and I just take the remaining seventy or sixty percent of the earnings. That’s the difference.

CG: I notice, you’re really happy with the creator ownership over at AiT/PlanetLar and Image.


CA: Yeah, I’m very happy. The problem is: It’s nice to be in the ivory tower, looking down on everybody going: Creator owned is the way it should be. I remember a couple of years ago, I met Mike Oeming [of Powers fame] and he just said: “Charlie, creator owned is the way to go. It’s the only way to go.”
And I was like: It’s all very well for you to say that, Mike. You’re doing right. You regularly sell 30,000 a month. You are making good money. You can easily say that. You sold the option for a lot of money. Blablabla.You can sit back, relax and do your comic. And you can pick and choose whatever else you want to do.

But when you are an artist, especially if you’ve got responsibilites–and as I said, I’ve got a wife and two children–you can’t afford to do that. If you’re a writer, you can. You can do two or three books a month. It’s easier for a writer to do something creator owned. It’s just part of your working day. But there’s not many artists who can do more than one book a month. So you’re basically commited. And if it is creator owned, you don’t get paid upfront. How do you survive?

Cover Rock BottomBut now I’m making the money. I can get into my ivory tower next to Mike. And the two of us can now go: Aah, creator owned, that’s the way to be. I can also recognize its pitfalls as well as its perks.
However, if it works it’s just the best thing. My career is at the best it’s ever been, because of it. I can do The Walking Dead, which is fantastic to do, and then I can do stuff like Rock Bottom. Well, it’s for Larry, so it is creator owned. And the script is so good. It’s by Joe Casey. The script is so good: I just had to do it.

It took me two years to do it, because I was actually doing it between The Walking Dead. But it’s a great feeling to be able to just pick and choose. And it’s so nice to be able to think: Well, I make so much off The Walking Dead, I can afford to do something for nothing. Which is brilliant. I don’t have to think: It has to be paid, because I need to survive.

some pages from Rock Bottom:
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I’m actually doing something for 2000AD now. Which is paid. But 2000AD doesn’t pay titanic pay compared to those, obviously. But that’s also something about the love of it. It’s something by Pat Mills. It’s one of his best stories.

CG [FP]: So we were wondering about the British comic scene…

CA: The lack of it, yes.

CG [FP]: Yeah, the lack of it. That’s right. Why are so many British authors [Moore, Ennis, Ellis, Morrison, Millar,…] writing for American books?

CA: That’s because there is no industry in Britain.

CG [FP]: Why? There are so many talented…

CA: Well, there’s no industry, there’s only 2000AD.

CG [FP]: Is it because of the lack of readers?

CA: I don’t think it’s that. It’s the perception –especially in Britain–that comics really are for kids. I mean, not even kids but…

CG [FP]: New born? [grins]

CA: Virtually, yeah. The majority of comics in Britain are comics that are just pre-school comics: Thomas, the Tank Engine and things like that. Even though there’s a Thunderbirds comics. But even that is designed for little children.

CG [FP]: But this is strange, because so many British comic creators are really famous in the US.

CA: Well, we all work for America or Europe or the places that pay the money. You can still work for 2000 AD. You still get the odd big name creator doing something–like myself–but… uhm…
Back in Britain the BBC has just started to produce a Dr. Who comic. So there’s a Dr. Who comic now to run with 2000AD. And there’s the Judge Dredd Megazine. But they’re not huge. That’s it.

2000AD PROG 1500CG: Do you feel like 2000AD is like a farm team for American companies? Because Andy Diggle [The Losers] tried to strengthen it again…

CA: When he was the editor?

CG: Yeah, when he was the editor, when Revolution took over.

CA: Well, the funny thing about Andy is, he basically is the shortest running editor on 2000AD. No disrespect to Andy, I can actually quite respect him for it: He’s obviously a really good business man. He used his editorship at 2000AD to make the contact to the States, so he could kick start his freelance career. And he’s doing alright for himself now.

CG: Which would be another case in point for 2000AD as a farm team.

CA: Yeah, he farmed himself. I mean, you look at any creator that has a degree of work for 2000AD. I mean, the last two major talents to go over to the States, were Jock and Frazer Irving. And they are both are doing pretty much just American work now.

CG [FP]: But it’s so sad that there are so many talented artists leaving…

CA: Yeah. It is sad, but I suppose in the end, there’s more opportunies working in the States as well.

CG [FP]: Another question, just coming back to The Walking Dead. Since your art is kind of different from Tony’s, did you get any reactions from fans?

CA: Oh, yeah. But it was to be expected. Because the fans, with these sort of things, tend to be quite conservative.
I think if I was a fan, it would be the most frustrating time to be in American comic books as a fan, because no creator does stay on. It’s very rare to get a creative team staying on a book for more than, well, six to twelve issues?
Think of much of the runs back in the sixties and seventies, and even the eighties, that American creators did on certain books. And now when you get a twelve issue run on something, you think: That’s a long one. Shit, no. But, um, what’s the question again? [laughs]

CG [FP]: The reaction of the fans…

CA: Oh! Yeah, yeah, yeah. I just knew that Tony… because he started it as well…

CG [FP]: His drawings and his zombies were very detailed. And he said, that he studied anatomy…
CG: Police photographs, different states of decay…

CA: Oh, okay. Well, I suppose my art is a bit more expressionistic.There is less detail, there’s more light and shades and perhaps more subtlety. I’m not dissing Tony Moore when I’m saying that. But, you know, I tend to hide more stuff in the darkness than Tony does.
There was a reaction. It was like: „Uh, what’s this?“ Tony was great. But I do think it was also because the fans were just used to his artwork.

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“Honestly, Charlie, it's this big…“

If you take over an established character like Batman, you don’t get that reaction, because everyone is so used to him being drawn by so many different artists. There is no one artist that has established Batman or Superman or Judge Dredd or whatever. There’s no one that established that look. But because Tony started it, there was a look established. And I come in and I’m not going to copy Tony Moore. I’m going to be me. But, like I said before, I hope that after 24 issues, that it’s my look now.

CG [FP]: How many issues are you usually in advance to…

CA: Not many, just a couple. Twenty-eight just came out and I’ll finish 30 tomorrow.

CG [FP]: Ah, that’s why you cannot stay very long here in Erlangen.
CG: How far are you in the entire zombie thing? Have you been a zombie fan before this came along, like, have you seen the Romero movies?

CA: Oh, I like the Romero movies. And Shaun of the Dead. I think it’s hilarious. I’ve seen 28 Days Later. Danny Boyle was the first guy to claim: That’s not a zombie movie. And you go: Oh yes, it is, Danny. It is a zombie movie.
I used to watch Italian stuff back in the eighties. But I wouldn’t confess to be a massive zombie fan. I didn’t do the book because of the zombies.

CG: Have you been influenced by a certain style of drawing or something? The farmhouse [from the second paperback] standing all alone in the wilderness always reminded me a bit of that secluded house from the original Night of the Living Dead. So, have you been influenced by the styles from the movies?

CA: Not really, because I haven’t seen NotLD for a long time. I’d like to have another look at it, actually, primarily because it’s a black-and-white movie.

CG: It has lost its copyright and is in the public domain now. You can legally download it [you can download it for free here].

CA: Oh really? That’s good to know! But anyway, black and white movies are very interesting because I work in black and white. That’s why black and white movies are a lot more interesting to look at sometimes, because the lighting is always so much more contrastive. I mean, I’m a horror fan. A casual fan, not a really big horror fan. My favourite horror movies tend to be the more subtle things. I’m a big fan of films like The Haunting and Halloween. Things like that. Lots of really great stuff like The Others.
I just like that. I love horror movies that don’t show the monster. It’s more scary if you don’t see things, if your imagination takes over.
So, that’s where I come from and I think it kind of shows in how I do it. Because unless Robert asked me something very specific, I just move the camera away from the terror, because I think it’s more effective that way.

CG: So you are not like most zombie fans who say… and we even had that in Shaun of the Dead… we have to see the guts spilling out.

CA: I mean, by its very nature zombie movies have to be gory. Because they are dealing with walking corpses.

CG [FP]: Just two last very short questions.

CA: I’ll try and keep the answers concise.

CG [FP]: What did you learn in the comic industry since you started? What did you expect and how did things turn out to be?

CA: That’s an interesting question. I should be concise now, but I’d have to sit back and think about this one.
It wasn’t different to how I expected it to be. It’s a dream for certain. It’s something I always wanted to do since I was aware of comics, which was when I was five or six. So from that respect I’m doing exactly what I want to do.
But when I started, it didn’t take long for the wow factor, for the magic to wear off. And it became…

CG [FP]: …a job?

CA: Yeah, well. It’s not a job and yet it is a job. I love every day of work. And sometimes I prefer the working days to the non working days, because you can’t beat a day of creating. What a fantastic feeling that is. It’s just always creating and it’s brilliant.
There are down sides, such things as dead lines and such… but they are such a minor downside. I like to think that if I moaning about something… like when I did Green Arrow, Green Lantern, I was seriously cussing and moaning to myself all the way through that.

And then I thought: Well, hang on. What else would I rather be doing? What else could I be doing? Stacking shelves in a supermarket? Stop moaning and just draw. You’re still creating. And even in phases where I’ve looking for work and no one was really giving me work I was happy. Well, having said that, I’ve actually never been completely out of work. There was always something. Yeah, touch wood.
I’m thankful, there’s always been something, even in the lower periods. 

CG [FP]: Last question. Which series, title, whatever, do you think is the most underestimated one nowadays?

CA: I don’t actually read that many comics.

CG [FP]: Oh, you don’t? You don’t have the time?

CA: Yeah, in a way it’s that. As I keep saying, when you’ve got kids and stuff, you just don’t have the time to sit back and read.

CG [FP]: Okay, let’s say underestimated artist or author.

CA: I don’t get access to too many comics. Because I live in a small town. There isn’t a big comic shop that has lots of stuff.

What I would say is that in the commercial American market there is a lack of decent superhero titles. And I think the fun should be re-introduced into superheroes.
The stuff I have enjoyed reading in the mainstream would be stuff like She-Hulk and Darwyn Cooke’s The New Frontier. Those approached it from the fun element first and they had good story telling. Even though they are two completely different titles in how they approach things.

Identity CrisisThat’s what the comic industry need right now. And not Identity Crisis. That’s what it doesn’t need. That’s for the pure, slavish fanboys that think superheroes should be serious. They think that it’s grown up. It’s not grown up. Men in underwear, that’s not grown up, I’m sorry. So, there should be more fun in comics. New artists should inject more of that.
Then, we might actually get some children reading them. The next generation, rather than thirty- or fourty-year-olds who read Identity Crisis. “This is great, ‘cause it’s really serious.” No. It’s rubbish. It’s rubbish. A bunch of people in their underwear sat around at a funeral crying. And the Elongated Man’s face is melting… just like that Robert Crumb cartoon… into his hands. [laughs]
Anyway.

CG: Have you seen the Justice League Unlimited cartoons? I’m getting on everybody’s nerves with that, but I think that’s how superheroes should be done.

CA: Oh, I’ve not seen that. I’ve seen clips and stills from it.

BW: They are taking all the stupid stuff and they’re running with it. Yes, we know that Gorilla Grodd is a completely stupid idea… but we are having fun with it.

CA: Yeah, exactly. If you’re having fun with it, it doesn’t matter. It’s when they have Gorilla Grodd and they take him seriously, that’s when the rot sets in. And that’s the problem I have with things like Identity Crisis.
In the end, Frank Miller and Alan Moore were doing the serious superheroes back in the mid-eighties. And, you know, surely we got over that by now. And they were better anyway.

CG [FP]: We're at the end. Thank you very much!

CA: No problem!

LINKS:

Charlie Adlard at Wikipedia

very detailed interview with Charlie at 2000 AD on … everything, I think (February 2005)

Cross Cult (German publisher of The Walking Dead)

Image Comics (US publisher of The Walking Dead)

AiT/PlanetLar

Comicgate interview with Robert Kirkman (fall 2005)

Comicgate interview with Tony Moore (end of 2005)

image sources: fumetti.org (White Death); fantasticfiction.co.uk (Astronauts in Trouble); kungfurodeo.com (TWD page from Charlie); comicon.com (Rock Bottom cover), Charlie Adlard (Rock Bottom pages), 2000adonline.com; stomptokyo.com (Identity Crisis)

Sin City 6

Die Erzählungen aus der Sündenstadt neigt sich dem Ende zu. Mit „Bräute, Bier und blaue Bohnen“ erschien der vorletzte Band von Frank Millers -spätestens durch die Verfilmung bekannt gewordene – Klassiker-Serie.

Im Gegensatz zu den vorherigen Ausgaben dreht sich der Band nicht nur um einen Protagonisten, sondern präsentiert in elf Kurzgeschichten Hintergründe und kleine Erzählungen rund um altbekannte Gesichter wie Dwight oder Marv (man merkt: Miller springt auf der Zeitlinie fröhlich herum).
Aber auch kleine Nebenschauplätze in Sin City werden beleuchtet: erinnert Ihr Euch an die einleitende Szene zum 1. Film – die auf dem Balkon und der Dame im Regen? Auf gerade mal drei Seiten kommt hier die Vorlage daher.
Und sie ist nur einer der vielen Beweise: Miller ist ein großartiger Erzähler, was man besonders in diesem Band bemerkt. Jede der Geschichten, so kurz sie auch sein mag, ist durchdacht aufgebaut und hat immer eine Pointe. Manche sind unerwarteterweise witzig, viele aber zeugen von der Gnadenlosigkeit und den menschlichen Abgründen, die man von Sin City mittlerweile gewohnt ist.

Amüsant finde ich Millers Vorliebe, die Möglichkeit einer Reihe zu nutzen und alte Szenen aus neuen Blickwinkeln zu zeigen, wie er dies auch schon früher getan hat. In „Ein ganz normaler Samstagabend“ beobachtet z.B. Marv, wie die Oben-ohne-Tänzerin Nancy ihren alten Retter Hartigan in der Bar trifft und ihm um den Hals fällt (die ursprüngliche Szene ist aus Sin City 4 „Dieser feige Bastard“). Er denkt sich: „Nancy hatte ihre Nummer noch nicht mal zur Hälfte durchgezogen, als sie plötzlich erstarrte. Sprang mir nichts, dir nichts von der Bühne. Zog mit so einem alten Mann ab. Verflucht seltsame Sache.“

Zu der üblich guten Aufmachung von Cross Cult fallen einem in Sin City 6 die recht häufige Verwendung von Schmuckfarbe auf (blau, rosa, rot), und zwar nur bei den Kleidern und Gesichtern der Damen (bei „Dieser feige Bastard“ war ja der Bastard immer gelb (=feige) dargestellt).
Als kleiner Zusatz ist diesmal eine Covergalerie enthalten.

Obwohl dieser Band also keine durchgehende Geschichte erzählt, trifft er genau so den Nerv beim Leser wie die Bände zuvor. Gerade auch, weil kein wirklich schwacher Beitrag dabei ist.

Sin City 6
Text und Zeichnungen: Frank Miller
Cross Cult
160 Seiten, Hardcover, s/w mit Schmuckfarben; 19,80 Euro
ISBN: 3936480168

Interview mit Frank Neubauer

Das Interview wurde hauptsächlich von Björn geführt, Zwischenfragen von Frauke sind mit FP gekennzeichnet.

Comicgate: Hallo Frank, legen wir erstmal damit los, dass du dich selber ein bisschen vorstellst, deinen Hintergrund nennst, weil wir davon ausgehen, dass nicht jeder Leser …

Frank Neubauer zur Linken 
Björn (rechts) im Gespräch
mit Frank Neubauer
 

Frank Neubauer: … weiß, wer ich eigentlich bin. Gut, fangen wir einfach an: Ich bin Frank Neubauer. Ich habe studiert und während des Studiums in einem Comicladen gearbeitet. Und ich bin eigentlich durch diese Tätigkeit im Comicladen auch oft auf Comicbörsen gewesen und habe so halt den Georg Tempel damals kennen gelernt. Der ist jetzt bei Ehapa, hat damals aber noch für den Feest-Verlag gearbeitet und stand richtig auf den Börsen und hat die Sachen selbst verkauft. Das waren also nicht solche Salons oder Messen.

Wir sind dann ins Gespräch gekommen und haben gemerkt, dass wir dieselben Sachen lesen. Das war damals unter anderem auch Sandman von Vertigo. Und dann wurde der Feest-Verlag Teil des Ehapa-Verlags, Georg Tempel war dann bei Ehapa auch für diese Edition Feest zuständig und hat mich eines Tages im Laden angerufen und mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, Sandman zu übersetzen.

Natürlich hatte ich Lust, ich wusste nur nicht, ob das geht oder klappt, habe dann einige Seiten probeübersetzt, das mit den entsprechenden Korrekturen zurückbekommen, dachte „gut, das schaffe ich auch noch“, und so nahm das dann seinen Lauf.

Ich fing an, die Sachen für Ehapa zu übersetzen, in erster Linie die Sachen von Neil Gaiman und Dave McKean. Das war damals Sandman, Violent Cases kurz danach und später auch noch Mr. Punch, und dann kam das so genannte Heftchenwunder und auf einmal musste ich nicht mehr im Comicladen arbeiten.

CG: Wo du das Heftchenwunder anschneidest, wie bist du damals zum Dino-Verlag gekommen?

FN: Der Dino-Verlag wurde von ehemaligen Ehapa-Mitarbeitern gegründet. Das waren der Heiko Volz und der Christian Neuber. Die beiden hatten den Verlag verlassen und hatten damals als erste Lizenz ein Wrestling-Magazin. Ich weiß nicht mehr, wie das hieß. Die standen aber noch im Kontakt zum Ehapa-Verlag, hatten unter anderem sehr guten Kontakt zum Georg und nun hatte man damals überlegt, man könne doch auch Comics machen.

Zuerst [Juli 1994 – d. Red.] erschien Beavis & Butt-Head, das war aber gar nicht das Erste, was geplant gewesen war.

Georg hat sich damals auch für Dino engagiert und war wohl mit meiner Arbeit für Sandman zufrieden. Er rief mich dann an, meinte, es gäbe einen neuen Verlag und fragte, ob ich nicht Lust habe, für den zu arbeiten. Ich sagte dann „logisch“, weil ich nicht ewig Comicverkäufer in diesem Laden bleiben wollte und die Perspektiven mit einem Anglistik-Studium auch nicht besonders rosig waren.

Georg fragte dann: „Was hältst du von X-Men?“
–        „Die X-Men?“
–        „Ja.“
–        „Die neuen X-Men?“
–        „Ja.“
–        „Jim Lee?“
–        „Ja.“
–        „Cool. Machen wir.“

Er schickte mir die Hefte; den Lee-Run, der damals gestartet war [der Run aus den USA begann 1991; 1992 verließ Lee dann Marvel, um Image mitzugründen – d. Red.]. Ich hatte auch schon das halbe Heft übersetzt, als Georg mich wieder anrief und sagte, dass daraus leider nichts würde, weil Marvel sich eben entschlossen habe, die X-Men direkt in England übersetzen zu lassen.

Es gab dann damals für kurze Zeit die X-Men auf dem deutschen Markt, verlegt von Marvel UK und auch in England übersetzt. Das war lange, bevor Panini die Lizenzen erwarb, aber nach dem Ende des Condor-Verlags.
Das war ein Magazin, das jeder mal gesehen haben sollte. Ein Lehrstück, wie man Comics nicht übersetzt. Wir haben auf dem Boden gelegen vor Lachen.

CG: Waren das Engländer, die das Magazin übersetzt haben?

Beavis & Butt-Head 1FN: Vermutlich, ja.

Damit war die X-Men-Lizenz natürlich für Dino gestorben und die erste Lizenz wurde eben Beavis & Butt-Head. Das war damals auch sehr erfolgreich in den USA, es gab ja auch auf MTV die dazugehörige Zeichentrickserie. Und ich dachte, dass ich das auf jeden Fall zu übersetzen hinbekomme, es war aber ehrlich gesagt schwerer, als ich dachte.

CG: Das wollte ich gerade fragen: Kann man B&B überhaupt übersetzen? Es gab ja auch mal die Serie auf RTL 2, wo man für eine Staffel versuchte, das ins Deutsche zu übersetzen und wo jeder sagte, dass man das einfach nicht so übertragen kann.

FN: Das geht auch nicht wirklich, obwohl man bei der TV-Show wohl eher aus Jugendschutzgründen dachte, man könne das nicht machen.

Ich hatte das Glück, dass in dem Laden, in dem ich arbeitete, zwei Typen waren, bei denen man sich denken konnte: „Das sind Beavis und Butt-Head!“ Es stimmte alles, das Größenverhältnis der beiden, das Aussehen wäre perfekt gewesen, wenn sie eine Zahnspange gehabt hätten, und ich dachte mir: So wie die beiden reden, so müssen Beavis und Butt-Head reden.

Da muss man jetzt bedenken; das war, bevor das ganze „Yo, man! Alte Kackleiste!“-Gerede kam. Das war eine sehr urbane Art, sich auszudrücken.

Ich habe dann versucht, mich so weit wie möglich vom Original zu lösen. Die Geschichte musste natürlich erhalten bleiben, aber trotzdem habe ich geguckt wie die beiden reden, was haben die für Ausdrücke? Was haben die für einen „Slang“? Was ist deren Sprachcode? Und inwieweit können wir das verwenden? Das war noch, bevor dann im deutschen Heft von B&B so Ausdrücke wie „ihr Feigen“ auftauchten.

 Beavis & Butt-Head 18, Original  Beavis & Butt-Head 18, auf Deutsch
Beavis & Butt-Head 18, 
im Original
Beavis & Butt-Head 10/95,
übersetzt von Frank

CG: Wo kamen solche Begriffe her? Ist das regional bedingt? Bei einigen der Begriffe habe ich geglaubt, dass ihr euch das ausdenkt und dass solche Worte doch kein normaler Mensch benutzt!

FN: Wo die Feigen jetzt herkamen, da müsste man Max Müller [späterer Chef-Redakteur von Dino – d. Red.] fragen.

CG: Wie kam Max Müller ins Spiel?

FN: Es war ja so: Georg hatte sich für Dino engagiert, nur wollte Dino natürlich größer werden. Man plante weitere Lizenzen zu kaufen, man redete damals schon von Batman oder Superman.

Und da Georg Tempel ja weiterhin für Ehapa arbeitete, musste er sich von Dino zurückziehen. Der Dino-Verlag suchte darum nach einem Redakteur, der diese Arbeit im Verlag übernehmen konnte. Unter den Bewerbern war dann auch Max Müller.

Damals musste man noch eine große Comicsammlung haben um etwas zu werden, heute reichen zehn Posts im Comicforum. Und so wurde Max Müller dann engagiert. Max und ich trafen uns auf einer Buchmesse, das war auch wirklich nett.

Wir hatten uns auf der Messe verabredet und unterhielten uns dann rund eine Stunde über das DC-Universum und man merkte schon, dass Max auch wirklich voll dabei war. Er war nicht der Typ der, weil er sein Studium nicht mochte, gesagt hätte: Gut, wer nichts wird, wird Comicredakteur.

Max war wirklich ein großer Comicfan. Er hatte eine große Sammlung und die Sachen nicht nur gesammelt, sondern vor allem auch gelesen. Das war schon cool, wir haben da gesessen und über Green Lantern und Batman geredet, über all das, was wir bei Dino gerne sehen würden und machen wollten. Aber das Einzige, was wir dann als nächstes machen durften, waren die Batman Adventures.

Das war für mich natürlich nur die halbe Miete.

CG: Wobei es da aber doch glücklich war, dass die Zeichentrickserie sehr erfolgreich lief, oder?

Batman Adventures 1 bei DinoFN: Es war ja auch so, dass Dino dadurch sehr schnell das Label „der Verlag zur Serie“ bekam [Artikel dazu in der Berliner Zeitung vom 09.08.1999], mit B&B und den Batman Adventures. Da kam die Serie [Batman Animated – d. Red.], die nach wie vor sehr, sehr gut ist, ja auch hier im Fernsehen. Und die Serie lief sehr, sehr gut, was man wohl auch über die Batman Adventures damals sagen konnte.

Es gab zu dieser Zeit auch ein gutes Fanecho, es gab viel Leserpost bei den Batman Adventures. Aber auch da war schon klar, dass die Superheldenfans eigentlich etwas anderes wollten. Die wollten endlich wieder richtige Superhelden lesen. Und das natürlich im Heftformat, hin und wieder mal ein Variant-Cover.

Mignola-Variantcover Batman Adventures 18 (Dino)Das wurde ja auch am Anfang nicht derart inflationär gebraucht, wie es dann später der Fall war. Da war dann mal die Nummer 1 ein Variant, und das war dann auch ein echtes Variant. Es war also dann wirklich so limitiert, dass es auch tatsächlich Leute ärgerte, wenn sie keines bekamen.

In späteren Jahren waren die Limitierungen so, dass ich dachte: Jeder, den es interessiert, der bekommt auch so ein Heft. Und das kann darum auch gar nicht teurer werden. Wurde es dann dank Hit-Comics [und dem Preisguide – d. Red.] doch, aber das hatte jetzt nicht wirklich mit Angebot und Nachfrage zu tun.

CG: Wie weit warst du jetzt beim Dino-Verlag redaktionell involviert? Gerade bei Dino hatte ich ja das Gefühl, das sehr viel über, na ja, heute würde man’s wahrscheinlich „social networking“ oder so nennen. So ein bisschen wie das „Bullpen Bulletin“ in den amerikanischen Marvels. Dass auch die Namen der Redakteure regelmäßig fielen. Ich weiß noch bei Marvel vs. DC, da hattet ihr im redaktionellen Teil Zeichnungen eurer Köpfe und dann „Max gegen Frank“ und so was. Wie aktiv warst du da tatsächlich?

FN: Natürlich kamen viele Ideen von Max. Gerade diese Sache bei dem DC vs. Marvel, das war Max’ Idee. Und es war eine tolle Idee, ich habe da auch gerne mitgemacht. Aber wirklich Einfluss nehmen kann man als externer Redakteur und Übersetzer natürlich selten. Man wird zwar um seine Meinung gebeten, Entscheidungen werden im Verlag gefällt. Und da ist man selten dabei.

Was ich neben dem Übersetzen tatsächlich gemacht habe, war das Beantworten von Leserbriefen. Zumindest in der Zeit, in der sie auch in den entsprechenden Mengen kamen. Ich habe in der Zeit auch bestimmte Specials geschrieben, die dann aber oft namentlich gar nicht gekennzeichnet waren. Es gab dann diese „Who is Who“s und solche Sachen, und das war damals noch eine Zeit, in der man das nicht einfach ausgooglen konnte.

Du musstest dir deine alten „Who is Who“s von DC nehmen, später gab’s auch einen „Who is Who“-Ordner, und da musstest du alles durchwühlen und dann vor allem gucken: Wo sind wir jetzt in der Timeline [dt. Veröffentlichung hinkt der amerikanischen hinterher – d. Red.], also welches „Who is Who“ stimmt jetzt und dann hat man daraus und aus dem, was man selber noch so einbringen wollte, seine Texte geschrieben. Das erschien dann auch in den Heften. War zwar nicht namentlich gekennzeichnet, aber das war dann auch noch von mir verzapft.

Und was mir wirklich Spaß machte: es gab tatsächlich eine richtige Basis bei den Fans und Dino war auch immer sehr fair zu Leuten. Wir haben den Leuten nicht irgendwelchen Blödsinn versprochen oder erzählt, sondern wirklich versucht, die Serien so umzusetzen, wie sie es sagten. Und wir haben die Leserbriefe auch entsprechend ehrlich beantwortet. Und wir hatten wirklich viele und tolle Leserbriefe.

CG: Was ich mal von einer Praktikantin bei Dino gehört hatte, dass man auch gesagt hat: „Hey, wir brauchen noch ein Bild für die Leserbriefseiten. Praktikantin, hier ist ein Blatt Papier, da ist ein Stift, mal’ mal und wir tun so, als ob das eingeschickt worden wäre.“ War das wirklich so, oder war das ein Einzelfall oder eine Anekdote?

FN: Gut, ich kann jetzt nicht sagen, wie oft das wirklich passiert ist. Wie gesagt, ich war immer der Meinung, dass Leserbriefschreiber schon ernst genommen werden sollten und man ihre Fragen ehrlich beantwortet. Das habe ich auch immer gemacht. Ich habe mir aber auch die Freiheit genommen, wenn mir einer zu pampig erschien zu denken: Gut, dann kann ich auch so pampig antworten. Diese Briefe wurden aber später noch einmal von Dino redigiert oder meine Antworten überarbeitet, was mich auch nicht immer erfreut hat.

Darüber darf man sich jetzt keinen Illusionen hingeben. Die Leserbriefe werden nicht einfach nach Eingang ausgewählt. Wenn man zum Beispiel vor hat, als nächstes die Realserie von Batman zu starten, dann ist es schon wichtig, in der Zeit Leserbriefe zu bringen, in denen die Leute das fordern und wo sich Leute entsprechend äußern.

Und da schon die Entscheidung gefallen ist, dass man Kelly Jones in Deutschland nicht bringen kann, der also in den Timewarps landen muss, war es natürlich klar, dass auf den Leserbriefseiten schon einmal joneskritische Stimme dabei sein durfte, wo wir dann antworten konnten: „Ja, wir überlegen auch noch, wie wir das machen.“

Klar, über eine Leserbriefseite wird auch sehr viel gesteuert und gelenkt.

CG: Aber inwieweit kam die Stimmung von den Lesern und inwieweit wurde da auch was durchgedrückt?  Du warst jetzt bei Lobo nicht dabei, aber war diese Lobo-Sache nicht ein Beispiel, wo man einfach sagte: „Hey, wir wollen jetzt den Lobo machen!“ 

Das hat man ja auch geschickt gemacht, mit dieser „Schreib, wenn du den Präsi haben willst“-Aktion. Das Internet gab’s ja in dieser Form noch nicht, da hat doch in Deutschland kein Schwein gewusst, wer Lobo war und plötzlich wurde da eine Stimmung gemacht, als wolle jeder den Präsi haben. Dann wurde vier Monate am Stück immer ein kleiner Teil vom Cover veröffentlicht und solche Späße.

FN: Die Sache ist natürlich folgende: Einleitungen wie „Der Postbote weiß gar nicht mehr, wie er eure Briefe zu uns bringen soll“ bedeuten oft nicht mehr als „Oh, diese Woche haben wir mal zehn Briefe bekommen.“ Klappern gehört natürlich zum Handwerk und mit Sicherheit auch, wenn man Leserbriefseiten macht.

Die beste Leserbriefseite war der Brutkasten. Punkt. Das ist jetzt aber ein ganz anderes Thema.

CG [FP]: Ah ja, das war bei Spawn [von Infinity – d. Red.]  und die Seiten waren sehr gut. Das hat einfach den Kontakt zum Team hergestellt. Ihr wart dadurch viel präsenter. Das war so ein Bekümmern, das war wunderbar, wie halt eine Leserbriefseite sein sollte.

FN: Ja, aber auch das lebt halt von den Lesern. Um jetzt mal die Brücke zu schlagen: Bei Dino war es halt auch so, dass die Leserbriefseiten auch Werbeseiten waren. Und das nicht nur, weil man das nächste Heft angekündigt hat, sondern auch, weil man versuchte, Leserbriefe so auszuwählen, dass sie eine gewisse Stimmung darstellten, über die man dann auch das weitere Verlagsprogramm vermitteln kann. Das war schon wichtig.

Ich kann da aber nur für die Hefte sprechen, für die ich auch tatsächlich Leserbriefseiten gemacht habe und das waren Superman und Batman. Bei den anderen Serien habe ich ja mit den Leserbriefen nichts zu tun gehabt, ich weiß also nicht, wie es dann da gewesen ist.

Spawn 1 von InfinityUnd bei Spawn war es zumindest am Anfang völlig unglaublich. Es war nicht einfach nur viel Post, der Hammer war, auf welcher Ebene sich die Leute mit der Serie auseinander gesetzt haben. Was ich gut fand, war, dass ich mit Marius Keßler [Verlagschef Infinity – d. Red.] nach dieser Erfahrung mit Dino entschieden gesagt hatte: „Okay, ich mache diese Leserbriefseite nur, wenn ich sie so machen kann, wie ich das will. Ohne dass du da hinterher noch einmal drüber gehst. Außer wir sprechen drüber. Und ansonsten: Ich suche aus, was ich will, ich beantworte, wie ich will… oder ich mach’s einfach nicht.“

Dann gab es da mit den Lesern wirklich über Hefte hinweg Diskussionen über Buddhismus, über Nietzsche, natürlich auch immer über Zensur. Da dachte ich auch oft: Okay, eigentlich hängt mir das Thema zur Nase raus, aber wenn’s die Leute immer noch beschäftigt, dann lasse ich’s zu und dann wird diese Diskussion eben auch geführt.

Ich habe mich da dann aber auch bemüht, es nicht zu dem verkommen zu lassen, was in der Comicszene ja immer sehr beliebt ist. Dieses „Aaaah, scheiß Zensur. Und mehr Hakenkreuze in Cäpt’n Amerika, geil ey!“ Ich habe dann versucht auch mal zu sagen: „Ey, ich find’s eigentlich okay.“ Immerhin kaufen dieses Heft am Kiosk auf Zwölfjährige, weil ihre Eltern und der Kioskbesitzer eben nicht aufpassen, und dann sollen die meiner Meinung nach nicht sehen, wie jemandem der Kopf abgehackt und aufgegessen wird.
Und klar, es gab dann auch wieder Leute, die sagen: „Ey, spinnst du. Ist doch blöd. Und in dem und dem Film …“ Wo man dann teilweise auch den Filmtitel weglassen musste, um einer Indizierung vorzubeugen.
Zu den Leserbriefen bei Dino – da ist alles zu gesagt. Also, die Leserbindung war auf alle Fälle da. Das war auch nicht nur Show, Max und ich haben diese Hefte auch immer noch gelesen und ich denke, zumindest am Anfang hatte Max auch noch die Zeit, aktuelle Hefte zu lesen. Und es hat wirklich Spaß gemacht. Gerade diese Gags wie dieses DC vs. Marvel oder auch das ganze Amalgam-Universum [DC und Marvel ließen ihre Figuren „verschmelzen“ zu neuen Protagonisten des erfundenen Amalgam-Verlags – d. Red.].

Sonderband Amalgam 1Das ist für mich bis heute einer der besten Gags überhaupt. Ich sehe das nicht als Hardcore-Superheldenkram, sondern diese ganze Amalgamgeschichte war einer der besten Gags, die es gab.

Und dieser Etrigan, den ich damals geschrieben habe [aus Amalgams Speed Demon; eine Figur, die nur in Reimen redet – d. Red.], das war eine meiner besten Übersetzungen. Diese Reimerei ist mir zwar auf den Sack gegangen, aber dafür war ich am Ende auch rundum zufrieden damit, weil ich dachte: Boah, das ist echt geil geworden. Das hat auch echt Spaß gemacht.
CG: Ich hab’s im Nachhinein im Original gelesen, und  ich bin jetzt kein professioneller Übersetzer, aber ich glaube, ich hätte an irgendeinem Punkt gesagt: Komm, scheiß auf die Reime.

FN: Ja, aber das wäre dann nicht Etrigan gewesen. Und das muss dann schon stimmen, finde ich.

CG[FP]: Hast du das Gefühl, das man im Laufe der Zeit auch handwerklich beim Übersetzen dazu lernt? Oder reicht da einfach Talent?

FN: Ob du dazu lernst, hängt natürlich von dem ab, was du machst. Da muss ich leider zugeben, dass man bei manchen Serien eher abstumpfst, weil man einfach bei Heft 20 weiß: Okay, vier Seiten Vorstellung der Figuren, fünfzehn Seiten an die Mütze hauen und drei Seiten Abgesang. Und da machst du dir dann mehr Gedanken darüber, wie du dir großartige Einzeiler aus den Fingern saugst als noch irgendeine Substanz zu haben.

Ich finde Einzeiler schon toll. Großartig. Nur, wenn’s ums Superhelden übersetzen geht, dann ist das nicht weit davon entfernt, die Texte für Vin Diesel zu schreiben. Und darüber muss man sich auch im Klaren sein, da sollte man sich nicht einbilden, dass man da irgendwelche hehre Kunst verbricht.

Was mir natürlich Spaß machte war, dass ich auf der einen Seite diese Superheldenschiene machen konnte und auf der anderen bei Ehapa Sachen wie Mr. Punch oder Enigma von Peter Milligan übersetzt habe, oder eben für Carlsen Cages von Dave McKean. An diesen Sachen wächst du schon eher als am Superman-Special 15.

CG: Nochmal kurz zu den Superhelden: Ich habe da ein bisschen das Gefühl, dass gerade Superheldenfans dazu neigen, bei jeder Kleinigkeit ihre Monatskrise zu bekommen. Und ihr wart, glaube ich, so ziemlich der erste Verlag, der gesagt hat: „Hey, der Kerl heißt Green Lantern im Original und wir lassen das auch so. Wir machen da jetzt nicht Grüne Laterne und der Silberne Stürmer und solche Späße.“ Kam das gut an?

FN: Es gab tatsächlich ein paar Leute, die „Wir wollen unseren alten Roter Blitz wieder haben“-Briefe schrieben, aber ansonsten war der breite Tenor so, dass die Leute diese Entscheidung voll mitgetragen haben und das auch gut fanden. Und auch ich fand das von Seite des Verlages toll.

Gerade bei dieser Amalgam-Geschichte wäre es grauenhaft geworden. Man muss sich ja da auch immer im Klaren sein, dass das die übersetzerischen Möglichkeiten stark einschränkt. Es ist schon ein Unterschied ob ich jetzt „Flash“ in eine Blase schreibe oder „Roter Blitz“.

Übersetzen ist ja bei Comics in erster Linie auch ein Nachmessen. Da ist es dann gut, wenn du so viel wie möglich vom Original wieder verwenden kannst.

CG[FP]: Du erwähntest vorhin dein Studium. Ging das in diese Richtung?

FN: Ich habe ja Anglistik studiert, dazu Philosophie und Politik. Darum fiel mir dann der Absprung auch nicht so schwer.

CG[FP]: Also hast du nicht fertig studiert?

FN: Ich habe nicht fertig studiert. Ich habe dieses Studium begonnen und habe tatsächlich auch nebenbei, um das Studium zu finanzieren, im Comicladen gearbeitet. Und das hat nicht nur mein Studium, sondern vor allen Dingen auch mein Hobby Comics zu sammeln finanziert. Weil ich mich dann da natürlich auch in erster Linie um die Amis gekümmert habe.

CG[FP]: Das heißt, du hast schon seit langem ein Interesse an Englisch?

FN: Ja, das schon. Aber das hat mich auch vorher schon interessiert, auch bei der Musik, weil ich jetzt wissen wollte: „Hey, was singen Joy Division oder Suicidal Tendencies?“ Bei den Suicidals hast du ja eigentlich nichts verstanden, zumindest bei den ersten Platten nicht. Da hat man sich das dann zum Beispiel auch übersetzt.
Also, das war schon immer so, dass ich verstehen wollte, was ist … oder auch Bücher lieber im Original gelesen oder Filme lieber im Original gesehen habe.

CG[FP]: Viele Comicleser sagen ja auch, sie möchten’s lieber im Original lesen. Hat man dann das Gefühl, dass man es „nur“ für Leute macht, die der englischen Sprache nicht all zu mächtig sind, oder versucht man da auch ein bisschen was Eigenes zu erschaffen? Man sollte natürlich den Sinn nicht ändern, aber dass man einen eigenen Touch einbringt …

CG: Dass man sich im Grunde genommen einen Comic anguckt, das Deutsche liest und gleich sagt: „Aah, das ist eine Neubauer-Übersetzung.“ Dass du noch so eine Art persönliche Note mit dabei hast.

FN: Ich weiß nicht, ob das die Leute gemerkt haben. Es gab da ja schon diese Gags in den Übersetzungen, aber wem das jetzt aufgefallen ist, das weiß ich nicht. Aber ich denke nicht, dass ich so was wie „Entwicklungshilfe für Lernbehinderte“ war.

Man darf ja auch nicht vergessen: Wir haben Superheldencomics gemacht, die waren eigentlich gedacht für junge Männer in der Adoleszenz. Gelesen werden sie aber in Deutschland auch von schwitzenden Dreißig- bis Vierzigjährigen. Und dass die jetzt des Englischen nicht so mächtig sind, finde ich auch völlig in Ordnung. Warum auch nicht? Die sind mit Ehapa groß geworden, zwischendurch haben sie eine kleine Bildungspause eingelegt und dann sind sie mit Dino wieder in den großen, deutschen Roman eingestiegen und haben eben wieder angefangen zu lesen.

Mich haben diese Leute überhaupt nicht genervt, weil es auch spannend war, mit denen zu diskutieren, die dann sagten: „Ah“, und „Toll. Ich hab das damals schon bei Ehapa gelesen.“

Was mich mehr nervte waren Leute, die dann schrieben: „Ööh, ich hab’ das Heft auch gelesen und du hast das so übersetzt, ich würd’s aber so übersetzen.“ Wenn sich jemand ein deutsches Heft nur kauft, um den Übersetzer beim Fehler machen zu ertappen, dann denke ich: Okay, du hast zuviel Geld, mein Sohn, aber was soll dieser Kinderkram? Hätten wir das von fünfzehn anderen Leuten übersetzen lassen, dann hätten wir auch fünfzehn andere Übersetzungen bekommen.

Einer hat das Sagen und der fällt die Entscheidung. Bums. Und das ist nun einmal der Übersetzer, der für dieses Heft bezahlt wird und nicht die 20.000, die es zu der Zeit besser gewusst hätten.

CG: Übersetzt du generell alleine, oder hast du im Bekanntenkreis Leute, zu denen du sagst: Hier, wie würdest du das übersetzen? Inwiefern ist bei der Übersetzung „ich weiß, wie ich das übersetze und so mache ich das“, verglichen mit einer experimentelleren Entwicklung, bei der du andere einbindest?

Sandman 1 bei Feest/EhapaFN: Das hängt davon ab, was es jetzt ist, das du übersetzt. Für Superhelden muss man meist niemanden behelligen. Aber bei Sandman war es schon so, dass ich sehr gerne auf die Meinung anderer zurückgegriffen habe, auch im Bekanntenkreis. Sandman hatte einfach so viele Querverweise.

Und ich habe den ja auch in einer Zeit übersetzt, in der die Serie noch nicht beendet war. Es ist natürlich einfach, hinterher ranzugehen und zu sagen: Jetzt in neuer Übersetzung, jetzt liegt sie endgültig vor, denn jetzt wissen wir, wie es heißen muss. Nur zu dem Zeitpunkt war Sandman halt nur so weit erschienen.

Und da war es dann schon so, dass ich Leute aus meinem Bekanntenkreis gefragt habe. Wenn es chemische Probleme gab, dann war ein Chemiker dran. Dann hatte ich einen Freund, der hat Archäologie studiert. Das war schon ganz cool. Dann wurden die Leute gefragt, weil die lasen auch den Kram und denen habe ich dann auch gesagt: „Sag mal, was ist denn das? Ich komm da nicht ganz hinter.“

Und, wie gesagt, es ging noch nicht mit Google und Tralala. Den habe ich dann losgeschickt in seine Fachbibliothek und der hat’s dann nachgeguckt und gesagt: „Ja, das ist dieses und jenes Gewürz, und das wächst dann in Griechenland nur an dem Berg.“

CG: Wie hast du es bei literarischen Dingern gemacht? Es kam ja zum Beispiel Gilbert K. Chesterton im zweiten Sandman-Paperback vor und wurde teilweise auch zitiert. Hast du da einfach übersetzt, oder hast du gesagt: Okay, ich geh mal in die Bücherei und gucke nach wie das vor zwanzig Jahren übersetzt wurde?

FN: Also, da wo es tatsächlich Autoren waren, die einen größeren Namen hatten oder die jetzt eben auch auf Deutsch veröffentlicht wurden, da habe ich mir die Sachen auch tatsächlich besorgt. Der Chesterton ist jetzt meiner Ansicht nach nicht das beste Beispiel, sondern der „Midsummer Night’s Dream“ [dt.: Sommernachtstraum – d. Red.].

CG: Ah, klar … der Shakespeare.

Sandman 3 – TraumlandFN: Für mich ist der „Midsummer Night’s Dream“ das entsprechend beste Beispiel, bei dem ich gesagt habe: „Hey! Ich bin zwar vielleicht ein guter Comicübersetzer, aber ich maße mir nicht an, den Shakespeare neu zu übersetzen.“ Das wäre Unsinn. Da war nur die Frage: Welche deutsche Übersetzung nehmen wir? Nehmen wir den [Ludwig] Tieck, das ist also die Romantik, oder damals ist gerade von dem [Erich] Fried diese Übersetzung erschienen [Fried starb 1988, bei 2001 erschien 1995 Shakespeare in der Übersetzung von Fried – d.Red.], die ja eher prosaisch war. Wir haben das dann besprochen. Ich habe mit Georg darüber diskutiert und meinte: „Du, so wie das aufgebaut ist, finde ich, dass die romantische Sprache einfach besser passt.“

Ich weiß jetzt gar nicht, ob das im Copyright angegeben wurde, das müsste man natürlich gemacht haben.

Aber dann wurden halt diese Shakespeare-Zitate entsprechend mühselig auch rausgesucht. Das ging dann noch per Hand und das andere wurde dann eben von mir gemacht. Aber da maße ich mir nicht an zu sagen: Jetzt spiele ich den Harry Rowohlt der Comicübersetzung und mach den neuen Shakespeare. Nee, nee.

CG[FP]: Gibt es einen Fehler den du gemacht hast, der dir besonders im Kopf geblieben ist?

FN: Fehler gibt es so einige.. Jetzt mal im Ernst, wenn ich den Sandman noch einmal machen dürfte: Ich würde ihn auch neu übersetzen. Ich kann dir jetzt nichts Konkretes nennen, aber Ehapa hatte die Serie ja eingestellt, ich habe sie im Original weitergelesen, wo ich dann auch teilweise dachte: Oh Gott, was hast du denn da für einen Mist damals gemacht? Wie hättest du das jetzt hinbiegen wollen? Vieles hätte einfach nicht mehr geklappt.

CG[FP]: Ich meinte jetzt eigentlich so eine Sache, bei der du dich für eine Variante entschieden hast und dann im Nachhinein gemerkt hast: Da hast du jetzt das Falsche gewählt.

FN: Nee, da wüsste ich jetzt nichts. Das Einzige, wofür mich heute noch Manga-Fans lieben, das war damals diese Geschichte mit Ranma ½.

Ranma 1/2, alte AusgabenEs gab ja eine Zeit, in der Mangas aus dem Englischen übersetzt wurden, was ich natürlich sehr gut fand. Und so habe ich dann die ersten 18 Bände von Ranma ½ übersetzt. Ich fand das damals auch sehr gut, hatte die Sachen auch schon von VIZ [US Manga-Verlag – d.Red.] schon gelesen, ebenso wie einige andere Sachen von der Rumiko Takahashi. Das war nicht so Lolita-Zeugs, ich fand das ganz gut.

Und dann gibt es ja diese ganzen blöden Suffixe. Also „-chan“, „-sensei“, „-kun“, „-mun“. Und ich war anscheinend nicht ganz bei mir. Eine dieser Figuren [Ryōga Hibiki – d.Red.] verwandelte sich ja immer in so ein Ferkel und wurde dann P-chan genannt. Und ich dachte mir, das ist doch jetzt eine Verniedlichung. Das heißt doch eigentlich „Ferkelchen“, wenn man’s genau nimmt.

Und ich dachte: P = Pork-Chan. Also Porkchen, sozusagen. Pork übersetzt wäre doch eigentlich F wie Ferkel und statt „-chan“ nehme ich dann „lütt“.

CG: Lütt?! [grinst] [Lütt: norddeutsch für „klein“ – d. Red.]

FN: Ja, es passte halt. C, H, A, N. L, Ü, T, T. Vier Buchstaben. Geht wieder auf, es muss ja in die Sprechblase passen. Also wurde in der deutschen Übersetzung von Frank Neubauer aus P-chan F-lütt. [lacht] Was dann die Otakus mächtig auf die Palme brachte, die verstehen da ja wirklich keinen Spaß. Und da brannte dann auch wirklich der Wald. Soviel zu Namen, die man nicht ändert. Da hab ich wirklich gegen ein ehernes Gesetz verstoßen.

Ich durfte aber dann noch ein bisschen weiter übersetzen, ab Band 18 war aber Schluss. Und zwar nicht wegen F-lütt, sondern weil dann kein Material mehr von VIZ vorlag und Ehapa schon so weit war, dass man dann aus dem Französischen übersetzte. Dieser Übersetzer hatte aber auch nicht soviel Glück, den haben sie im Comicforum auch immer zur Sau gemacht.

Ich musste mich noch Jahre später immer für dieses F-lütt verteidigen. Auf der anderen Seite: Hey, warum nicht? Wir hatten auch Grüne Laterne. Warum also nicht F-lütt?

CG: Jetzt muss ich gerade kurz dazwischen hauen. Thomas hatte da vorhin etwas erzählt. Hier bringt wohl gerade jemand in Deutschland eine Art Marvel-Bibel selber raus, die „Das sagte Nuff“ heißt. So muss man wohl damals mal „’nuff said“ übersetzt haben.

FN: Ja, das ist damals mal so übersetzt worden bei Williams.

CG[FP]: Es gibt ja auch richtige Auflistungen, was alles bei den Simpsons und Futurama schief läuft. Berühmtes Beispiel ist die „alternative Kontrolllöschung“ … [in Futurama wurde aus „Try alternative-control-delete“, also dem Affengriff Strg-Alt-Entf für den Computer, im Deutschen: „Versuch die alternative Kontrolllöschung.“ – d. Red.]

CG: Also die Simpsons sind aber auch teilweise wirklich erbärmlichst übersetzt. Da sitz’ ich vor dem Fernseher und…

CG[FP]: … man weiß genau, was es im Englischen hieß.

CG: Ja, dann fallen so Sätze wie „Oh, so viele Schwüre“, wenn Lisa ein Buch liest und du weißt genau: Das sind „swear words“, das sind ganz sicher nicht Schwüre.

FN: Ja, aber das ist wieder dieses Problem wie beim Comicübersetzen, wo die Leute  immer sagen: „Ja, da muss man doch einfach nur dieses… und das heißt jetzt jenes.“ Ja, natürlich. Das weiß der Übersetzer oft auch, aber dann ist die Sprechblase nur so verschissen klein.

IDWs Dark Days bei InfinityEs hat mir ja viel Spaß gemacht, die IDW-Sachen für Infinity zu machen. Aber das sind wirklich die kleinsten Sprechblasen, die du finden kannst. Und sie sind so perfekt um jedes Wort herumgezeichnet, da hast du kaum Möglichkeiten als Übersetzer. Und ähnlich verhält es sich halt auch mit diesen Filmgeschichten. Es geht ja nicht nur darum, dass man es übersetzt, sondern dass man es auch ein bisschen lippensynchron hält. Also das ist ein Job, den möchte ich noch weniger machen als meinen.

Öhm… Quatsch. Was sollte das jetzt heißen?

CG[FP]: Das streichen wir dann aber raus. [grinst]

CG: Was mich interessiert: Wie bist du an Situationen rangegangen, wenn du merktest, dass da jemand tiefsten amerikanischen Dialekt spricht? Hast du gesagt, das lassen wir ganz weg? Du meintest am Telefon im Vorgespräch mal, dass sich dir die Nackenhaare hochstellen, wenn plötzlich der Kneipier von Superman hamburgisch spricht.

FN: Das ist das Ding. Die deutsche Sprache ist ja ein wenig arm. Gut, MTV macht sie reicher – yo, homie! –, aber dazwischen passiert leider wenig. Das heißt, wir haben das Hochdeutsch, wir haben die Dialekte, aber so einen richtigen Slang haben wir meinem Erachten nach nicht. Es gibt dann nur die Unfähigkeit sich auszudrücken, aber das will ich nicht als Slang bezeichnen.

Und es gibt tatsächlich viele, die das dann auch in ihren Übersetzungen durch Dialekt kompensieren. Nur das Problem ist: Das funktioniert dann nicht. Du hast dann, wie du schon sagst, eine Kneipenszene bei Superman und der Wirt spricht dann hamburgisch… das geht nicht. Für mich geht das überhaupt nicht.

Du kannst auch nicht in einem Manga jemanden hessisch reden lassen. Gut, ich hätt’s mich vielleicht noch getraut, aber das sollte man auch nicht machen. Deswegen ist so was oft sehr schwierig. Das Einfachste ist dann, den Leuten entweder einen Sprachfehler zu geben oder die Kürzelsache zu benutzen. Also sprich: Mit Wortverkürzungen wie „seh’n“ oder „geh’n“ anfangen und dann auch langsam gucken, was wir da ausbauen können. Können wir da vielleicht grammatikalisch irgendwas ausbauen, einen Sprachfehler zum Beispiel.

Aber auf keinen Fall würde ich da irgendeinen Dialekt bemühen. Und ich finde es auch immer zweifelhaft, dieses Erkan-und-Stefan-Sprech zu verwenden. Das findest du häufig, dass Leute denken: Okay, das ist jetzt das Einfachste, wir machen jetzt dieses Erkan-und-Stefan-Sprech oder Ali G, und damit hätten wir das dann erledigt.

CG: Anderer Punkt, wenn du’s sagen willst: Was hältst du momentan von der Qualität der Übersetzungen in Deutschland allgemein? Hat sich das in den letzten Jahren nach oben, nach unten, zur Seite entwickelt?

FN: Ich kann das ja eigentlich nur für die Sachen sagen, die ich als Redakteur betreue. Das wären dann ja immer die Übersetzungen von Japanologen, und ich glaube, dass es da so breit gefächert ist wie höchstwahrscheinlich auch bei den Superhelden.

Das heißt, dass es ganz hervorragende Übersetzer bei den Japanologen gibt, wo es einfach eine Freude ist, die Übersetzungen in die Finger zu bekommen und zu lesen, und es gibt Übersetzungen, bei denen ich mir mein Geld als Redakteur auch wirklich verdienen muss. Also, das ist sehr breit gefächert.

Was mich ein bisschen stört – und das haben wir meinem Erachten nach ein wenig vernachlässigt bei der Dino-Diskussion vorhin – ist, dass das bei Dino am Anfang alles lustig war. Da hatten wir Spaß mit. Frank ist für DC, Max für Marvel oder was auch immer. Das Problem ist aber auch, dass das den Grundstein legte für eine eigenartige Art von Personenkult.

Da wollten dann Leute plötzlich von Max oder mir Autogramme und nicht vom Zeichner. Und da habe ich auch gedacht: Hier läuft jetzt irgendwas falsch.

CG: Habt ihr dann auf die Euphoriebremse getreten oder wurde das einfach laufen gelassen?

FN: Also ich denke, es wurde laufen gelassen. Man darf ja auch nicht vergessen, dass ich ja nicht bis ans Ende aller Tage mit Dino verbunden geblieben bin. Von daher kann ich nicht sagen, ob das nachher aufrechterhalten wurde. Aber es gab wirklich Zuschriften von Lesern, die gekaufte Hefte einschickten mit der Bitte, dass wir die unterschreiben.

Und ich dachte: Okay, also jetzt läuft was falsch. Am Anfang habe ich das noch hin und wieder gemacht, habe aber nachher gesagt: Leute, nein, ich finde das Quatsch, wenn du plötzlich in Erlangen angesprochen wirst mit: „Bist du nicht …?“

Und ich denke, das ist auch zu weit gegangen. Das ist nicht unbedingt bei Dino zu weit gegangen, aber das wurde ja auch später mit Hilfe des Internets auf die Spitze getrieben, wo du wirklich den Eindruck bekamst: Comicsachverstand? Das sind so und so viele Postings in einem Forum, die abgeschrieben sind von diesen und jenen amerikanischen Websites. Und danach haben auch viele Verlage wieder ihre Übersetzer ausgesucht. Zumindest habe ich manchmal diesen Eindruck.

Das heißt, je mehr Beiträge jemand im Comicforum hatte, umso besser war er dann wahrscheinlich als Übersetzer geeignet. Was dann in meinen Augen doch eher Unsinn ist.

Dieser ganze merkwürdige Kram ist schon komisch und das hat dann auch mit Fandom nichts mehr zu tun. Da muss man ja auch sehen, dass wir eine ganz andere Situation haben als die Amerikaner.

In den USA sind ja dann aus Leserbriefschreibern tatsächlich Autoren geworden. Die Pinis zum Beispiel [Richard & Wendy – d. Red.], die damals eifrigst bei Marvel irgendwelche Leserbriefe geschrieben haben und dann später eben ihr Elfquest veröffentlichten, was nicht gerade meine Lieblingscomicserie ist. Aber so etwas gibt es ja hier nicht.

Gut, jetzt mit den Mangas ist es wieder etwas anderes, aber die Entdeckung deutscher Superhelden ist dann doch ein bisschen an mir vorbeigegangen.

Deutsche Eigenproduktion: CG: Da gab es ja noch Dorn und IPPs Fantasy-Superhelden-Schiene …

FN: Wobei es aber auch keinen Sinn hat, wenn jedes Dreivierteljahr mal eine Ausgabe von Helden erscheint. Da weißt du dann wirklich nicht mehr, was in der letzten Ausgabe passiert ist.

CG: Es fehlte mir da aber auch …

FN: … eine Geschichte?

CG: Schon. Das war einfach dieses Image-Ding: Scheiße, wir können geile Bilder machen, und der Rest passt schon irgendwie.

FN: Also, toll zeichnen konnte er [Ralf Paul – d. Red.], aber man merkte da einfach diesen Rollenspieleinschlag bei den Sachen und das war für mich persönlich immer ein Problem. Ich konnte eben nie viel anfangen mit diesen Fantasy-Rollenspielen und „ich würfle drei W6 Schaden und jetzt musst du deine Mütze abnehmen.“

CG: Für mich war es immer noch zu amerikanisch. Mir fehlte da einfach das Lokalkolorit. Wo du den Comic in die Hand nimmst und denkst: Klasse, dass kenne ich.

FN: Das funktioniert aber nicht bei Superhelden.


CG: Könnte…

FN: Nee, das halte ich für Quatsch. Ich bin immer noch der Meinung, dass da wirklich ein Fehler gemacht wird. Superhelden sind halt ein amerikanisches Genre und für Deutschland sollte man sich dann eher im Bereich Fantasy versuchen. Ich denke, das hätte dann mehr Chancen gehabt und da kann man dann auch einen Helden aufziehen. Was ja damals auch in Anklängen bei Dorn oder Helden zu erkennen war. Das hätte man toll machen können.

Es ist ja historisch auch genug passiert, um tolle deutsche Barbarengeschichten oder so etwas zu erzählen. Dann müsste man ein wenig Bildung entwickeln, sich historisch ein wenig fit machen und dann könnte man da wirklich tolle Geschichten erzählen.

CG: Jetzt sind wir aber völlig von der Spur abgekommen. Wir waren ja eigentlich bei dir und dem Dino-Verlag. Wie kam es denn zu deinem Ausscheiden?

FN: Dino wurde ja immer größer und machte auch mehr Serien. Ich hatte ziemlich viel zu tun für Dino und konnte mich da auch nicht beschweren. Aber es wurde auch alles ein bisschen komisch. Am Anfang war Dino ja Max und ich und gut … aber dann kamen auch intern immer mehr Leute dazu.

Als Übersetzer ist es so, wenn du dich mit einem Redakteur auseinandersetzen musst, dann ist der für dich zuständig und sagt dir: „Das machst du. Das will ich so und so haben.“ Und dann ist es auch gut.

Wenn aber auf einmal zwei oder drei Redakteure über deine Übersetzung drüber gehen und du sie wieder zurückgeschickt bekommst und jeder Redakteur in seiner Farbe irgendwas angemerkt und verbessert hat und dir dann jeder Redakteur noch unterschiedliche Schulnoten gibt, da habe ich dann gesagt: Leute, das geht nicht, das wird mir jetzt zuviel.

CG: Wie stark wurde da am Ende noch eingegriffen?

FN: Das war schon sehr eifrig. Das Problem war oft, dass es Sachen waren, bei denen die Redaktion das Augenmaß verloren hat. Da mussten sich dann die Letterer abmühen, um das alles in die Sprechblase zu kriegen. Aber gut, der Redakteur hat das letzte Wort. Das habe ich jetzt selber zum Beispiel bei der ein oder anderen Manga-Übersetzung und die hatten es halt bei Dino.

Ich sage ja jetzt auch teilweise Übersetzern, was sie machen sollen. Aber wenn du dann drei Redakteure hast, die an deiner Übersetzung rummäkeln und dann bekommst du auch noch eine Schulnote, da weißt du echt nicht, was du noch machen sollst. Da denkst du dann ohnehin, du bist im falschen Bild. Und dann gab es auch mehr Übersetzer. Das Merkwürdige war dabei eben, dass damals die Justice League von Grant Morrison bei Dino erschien und ich sollte die Serie machen, auch wieder die Leserbriefseiten betreuen und mir Gedanken machen, wie die redaktionellen Seiten aussehen sollten bezüglich des „Who is Who?“. Das war vereinbart und das war auch der Stand der Dinge.

Ich hatte also schon einmal angefangen auf Halde „Who is Who“s zu schreiben. Und normalerweise hatte ich die Hefte auch immer da. Ich hatte sie ja im Original gelesen, da habe ich dann für die Übersetzungen meine eigenen Exemplare genommen, aber bei Justice League fehlten mir dann doch Hefte. Ich hatte die ersten vier dann schon übersetzt, rief bei Max an und meinte: „Hey, ich hab die ersten vier übersetzt und ich brauch’ mal Justice League 5 und 6 zum Übersetzen.“

Und da erfuhr ich dann, dass ich die Justice League doch nicht mehr übersetze. Da dachte ich mir eben auch: Gut, wenn das jetzt der neue Umgang ist, dann Prost Mahlzeit. Das macht natürlich keinen Spaß, denn du brauchst ja auch eine gewisse Planung, wenn du selbstständig bist.

Den Schlusspunkt gab es dann beim zweiten oder dritten Superman-Timewarp. Das war einfach ein immenses Arbeitspensum, da gab es zwei Timewarps, dann noch diese verrückten Specials und die normale Serie, wo ich dann gesagt habe: „Leute, das schaffe ich nicht. Das müssen wir irgendwie anders handhaben.“ Dann wurde entschieden, dass ich entweder nur das Special oder nur den Timewarp machen sollte, also je nachdem. Den genauen Terminplan sollte ich noch bekommen.

An einem Freitag rief mich dann die für Superman zuständige Redakteurin an und fragte, wo das Superman-Special bliebe. Ich daraufhin: „Wieso? Nach dem Plan, den ich hier habe, ist das Special in zwei Wochen fällig und dann bekommst du es auch.“
–  „Nein, der Abgabetermin ist heute, hat Max dir das nicht gesagt?“
– „Der Max hatte mal angedeutet, dass es Terminverschiebungen geben könnte, aber ich habe nichts Schriftliches mehr von euch bekommen. Aber wenn du willst, kann ich mich übers Wochenende hinsetzen und das machen, ihr hättet das ja heute sowieso nicht mehr abgearbeitet.“

Gut, dachte ich, musst du halt das Wochenende über arbeiten. Pech gehabt. Nur dummerweise rief dann Max noch einmal an und das Gespräch begann mit „Frank, du Arschloch“. Da dachte ich mir, das ist halt der neue Umgangston bei Dino, der gefällt mir aber nicht.

Max wies mich dann darauf hin, dass er mir das mitgeteilt hätte, und und und. Dann war das Gespräch beendet und ich habe mir über das Wochenende Gedanken gemacht, wie es wohl wäre, wenn ich nicht mehr für Dino übersetzen würde.

Das ist ja der Unterschied: Manche Leute machen sich selbstständig um auszuschlafen und bei schönem Wetter auf der Wiese zu liegen, andere machen sich selbstständig, weil sie einfach ihr Ding machen wollen. Und zu meinem Ding gehörte es sicher nicht, mich von irgendwelchen Leuten „Arschloch“ nennen zu lassen.

Und deswegen bin ich dann zu dem Schluss gekommen, dass ich es überleben werde, nicht mehr für Dino zu übersetzen. Eher, als mich öfter „Arschloch“ nennen zu lassen. Ich habe dann eben am Montag Morgen bei Dino angerufen und sie darüber in Kenntnis gesetzt, dass ich mit sofortiger Wirkung nichts mehr für sie übersetzen werde.

CG[FP]: Frank, wir hatten es schon mal kurz angesprochen. Du standest früher für mich immer für Infinity. Einfach, weil du immer auf den Leserbriefseiten präsent warst, du warst für mich der Mann hinter Infinity. Zum Anfang meiner Comiczeit dachte ich auch ganz lange Zeit, du wärst da fest angestellt, bis dann irgendwann klar wurde, du bist Übersetzer und freier Mitarbeiter. Und da bist du jetzt auch nicht mehr, richtig?

FN: Nee, da bin ich jetzt auch nicht mehr. Das ist leider richtig.

CG[FP]: Seit wann?

FN: Das ist jetzt schwer zu sagen. Es sind hier auf dem Salon, glaube ich, noch Hefte, die noch von mir übersetzt sind. Ich habe aber die Zusammenarbeit mit Infinity, ich glaube im April, beendet.

CG[FP]: Das kam von deiner Seite?

FN: Das kam von meiner Seite. Ich glaube, das würde man höchstwahrscheinlich „künstlerische Differenzen“ nennen.

Wenn man selbständig ist, braucht man eine gewisse Planungssicherheit. Man muss wissen, wie viele Titel in einem Monat veröffentlicht werden, wann wie viel Geld reinkommt. Schließlich muss ich meine Miete bezahlen und und und … Aber bei Infinity kam es, ob selbstverschuldet oder nicht weiß ich nicht, immer häufiger zu Verschiebungen und Ausfällen. Auf Dauer war das für mich zu unsicher  …

Ich betreue bei Ehapa einige Mangas als Redakteur und dann veröffentlicht Ehapa jetzt auch wieder einige Sachen aus dem Englischen, die ich gerne übersetzen würde, es war also auch etwas schwierig, die Infinity-Sachen noch unterzubringen.

Bei den anderen Verlagen habe ich einen Plan. Ich weiß heute schon, was ich in drei oder vier Monaten bei Ehapa auf dem Tisch habe. Bei Infinity ist das mehr auf Zuruf. Die Leser wissen das ja auch. Es steht ja auch auf den Leserbriefseiten. Dann kommen wieder Filme nicht, dann sind Daten kaputt.

Das heißt, du denkst, du machst dieses Heft, machst dann aber doch wieder jenes Heft. Und das ist für mich eben schon sehr schwer, wenn du deine Arbeit auch ansonsten ganz gut organisiert hast – und ich bin ja auch bemüht, ausgelastet zu sein – und dann immer zwischendurch auf Zuruf: „Jetzt mach mal bitte das Heft und oh, jetzt haben wir die Filme für dies Heft bekommen und das hätten wir gerne.“

Ich denke, bevor du dann anfängst, schlechte Übersetzungen abzuliefern, weil du unter Druck arbeitest, ist es besser, so ehrlich zu sein und zu sagen: „Marius, ich denke, es hat unter den Umständen auch keinen Sinn mehr.“

CG[FP]: Hast du dich sehr mit Infinity bzw. dem Programm identifiziert? Du warst ja doch sehr lange dabei.

FN: Also, ich habe mich mit einigen Sachen sehr identifiziert. Gerade mit Spawn und dem Brutkasten. Das waren wirklich immer meine Videospiele, von denen ich geschrieben habe, meine Filme, die ich gesehen habe und vor allem war es auch immer meine Meinung.

Ich war jetzt aber wirklich nicht Fan von jeder Serie bei Infinity, das muss ich auch ehrlich zugeben.

Also dieser ganze Babekram … hm … also, ich bin jetzt in einem Alter, wenn ich da eine halbnackte Frau oder eine nackte Frau sehen will, dann kann ich mir einen Porno ausleihen, da muss ich mir nicht für 3,90 Euro ein Heft am Kiosk kaufen. Also, das konnte ich nie unterschreiben.

IDWs 30 Days of Night bei InfinityAber was mir sehr, sehr gut gefallen hat, waren diese ganzen Veröffentlichungen von IDW wie 30 Days of Night oder Return to Barrow. Das waren Sachen, hinter denen ich sehr gestanden habe. Das zu übersetzen hat mir auch wahnsinnig viel Spaß gemacht. Auch wenn es jetzt nicht wirklich anspruchsvoll war – davon hätte ich auch gerne noch mehr gemacht.

Aber es ist auch schlecht, zu einem Verlag zu sagen: „Ich lasse jetzt alle Serien sein, weil es mir nicht mehr in den Plan passt … aber ich würde gerne noch dieses oder jenes machen.“
CG[FP]: Ich habe das gefragt, weil ich dich zuerst von Infinity her kannte und man hat sicher sehr viel Kontakt mit den Leuten, man kennt die Serien in- und auswendig.

FN: Ja, natürlich. Diese Entscheidung ist mir mit Sicherheit auch nicht leicht gefallen. Aber das Problem war eben intern bei Infinity auch, dass das CrossGen-Universum ja durch war. Da hatte Infinity noch die letzten Bände übersetzen lassen und diese Übersetzer waren dann wohl auch ohne Lohn und Brot. Zumindest so weit ich hörte.

Und die sollen sich wohl auch um Aufträge von Infinity bemüht haben und sollen gesagt haben: „Wir machen das günstiger.“

Ich weiß es natürlich nicht. Du kannst ja nur schwer überprüfen, machen die’s wirklich günstiger oder ist das nur ein Argument, um die Übersetzer ein bisschen gegeneinander auszuspielen. Das weißt du natürlich nicht.

CG[FP]: Hast du einen festen Stundensatz oder ist das je nach Verlag anders?

FN: Ich habe natürlich gewisse Vorstellungen, aber normalerweise haben die einzelnen Verlage einen gewissen Satz. Das ist unterschiedlich. Das ist entweder eine Seitenpauschale, also dass man sagt, du bekommst für das Objekt pro Comic- oder Manuskriptseite den Betrag X, oder es ist von Anfang an so, dass man sagt: „Für den Band haben wir diese Kalkulation. Das ist jetzt ein großes Medienthema, wir werden eine hohe Auflage fahren, entsprechend ist dann das Honorar dann auch höher.“

CG: Lebst du alleine von deinen Übersetzungen?

FN: Von den Übersetzungen und der Redaktion. Ja.

CG[FP]: Und du bist wahrscheinlich auch glücklich, dass das so funktioniert?

FN: Ja, natürlich. Mich macht das immer noch sehr froh. Es gibt immer noch so Sachen, bei denen ich eben sage, dass ich dieses oder jenes gerne machen würde. Ich war auch mal nahe dran Videospiele zu übersetzen, was ich auch sehr spannend gefunden hätte.

Aber da ist dann dummerweise – gerade als ich diesen Kontakt hatte – der entsprechende Mann entlassen w rden und da war es mir dann auch müßig, wieder langwierig einen neuen Kontakt aufzubauen. Aber das war toll. Es wäre fast Resident Evil geworden und das hätte mir auch sehr viel Spaß gemacht, das muss ich gestehen. Aber das hat sich dann zerschlagen.

Ich habe auch mal für die Klebebilderalben Texte geschrieben! Ich finde das toll, wenn so merkwürdige Aufträge aus heiterem Himmel kommen. [grinst]

Das war auch wirklich lustig. Da hatte Topps dann halt angerufen. Die haben zu einem Anime eine Klebebilderserie gemacht und mich dann gefragt, ob ich Lust hätte, zu dem Klebebilderalbum redaktionell Texte zu schreiben. Ich habe denen meinen Preisvorstellung gesagt und dann den Zuschlag auch bekommen. Das war auch wirklich sehr spannend.

Ich habe auch, was aber nie erschienen ist, für einen deutschen Ableger von Topps namens Merlin, auch ein Trading-Card-Hersteller, Trading Cards von Beavis & Butt-Head übersetzt. Die sind aber nie erschienen.

Mit einer Übersetzung gibst du auch zeitgleich alle Rechte ab. Der Verlag kann also mehr oder weniger alles damit machen. Und Merlin verkaufte diese Übersetzung dann weiter an Heyne. Das ist dann in dieser Heyne-Minibuch-Reihe erschienen, das sind aber eigentlich die Texte von den amerikanischen Trading Cards.

CG[FP]: Welcher von deinen übersetzten Comics hat dir am meisten Spaß gemacht, was ist da deine Lieblingsserie?

CG: Außerdem, was machst du aktuell und wo würdest du sagen „Verdammt, Leute, lest das!“ Egal ob du jetzt selbst dabei bist oder nicht?

Cages 1FN: Was ich gerne gemacht habe und was man bis heute hin wirklich gelesen haben sollte, einfach von der tollen Geschichte her, ist Cages von Dave McKean für den Carlsen Verlag.

Und aus ganz anderen Gründen auch Mr. Punch von Dave McKean und Neil Gaiman. Bei Mr. Punch ist es die Tatsache, dass das eine Co-Produktion war. Das Ganze wurde in Hong Kong für Frankreich, für England, für Deutschland gedruckt. Und ich habe damals zur Übersetzung riesige Kopien der Originalseiten gehabt, auf denen dann wirklich noch Scribbles und Anweisungen von McKean und Gaiman zu finden waren.

Mr. PunchDas war so geil … und ich musste sie wieder abgeben. Nur bevor ihr jetzt fragt, ob ihr euch die mal angucken dürft. Das war wirklich spannend. Du hattest wirklich das Gefühl, dass du jetzt so ein wenig an so einem Entstehungsprozess teilnimmst und konntest auch wirklich nachvollziehen „geil, das haben die sich dabei gedacht und da haben die das her.“

Das war auch so ein Band, wo ich damals Hilfe von einem Engländer hatte, der tatsächlich Puppenspieler war und auch alte Puppen sammelte. Denn mit manchen der Anspielungen in dem Band kam ich nicht so ganz klar, und da konnte ich dann ihn fragen. Man braucht gar kein Google, wenn man andere Leute kennt.

Das waren jetzt meine Favoriten, würde ich sagen.

Von dem was ich als nächstes mache … Joey und die Wächter der Nacht habe ich sehr gerne für Ehapa übersetzt, weil ich fand, dass das ein wirklich schöner Jugendcomic ist. Er wird im September erscheinen.

Ich freue mich jetzt darauf, den neuen David Lloyd zu übersetzen. Von den Übersetzungsarbeiten, die vor mir liegen, ist das das Nächste, worauf ich mich sehr freue.
Ach, Mensch … halt! Und natürlich noch den Clive Barker, Thief of Always für Ehapa. Man muss ja IDW nicht nur für Infinity machen, man kann ja IDW auch bei Ehapa machen. Da sind ja schon Metal Gear Solid und Shaun of the Dead erschienen, die ich übersetzt habe. Und jetzt kommt halt Thief of Always von Clive Barker. Da hoffe ich auch wirklich sehr, dass der sich verkauft, weil es eine tolle Geschichte ist.

IDW hat inzwischen ja auch eine neue Clive-Barker-Serie angefangen. Das heißt, wenn die Leute den jetzt auf Deutsch kaufen würden – ausnahmsweise mal – dann könnte man natürlich auch eine weitere IDW-Sache bringen.

CG: Ein guter Abschluss des Interviews, würde ich sagen. Vielen Dank für das interessante Gespräch und dass du dir so viel Zeit für uns genommen hast!

Bildquellen: comiccover.de, amazon.de (Cages und Mr. Punch)