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Eckartsberg, Benjamin von

Wolfgang Hohlbein 2002 (copyright Droemer Knaur) Comicgate: Hallo Herr Hohlbein, zuerst möchte ich mich ein wenig mit Ihnen über Ihre Serie „Die Chronik der Unsterblichen“ an sich unterhalten. Der 7. Band ist vor kurzem erschienen. Vor einiger Zeit sagten Sie, Sie planen 8 Bände. Bleibt es dabei?

Wolfgang Hohlbein: Sicher. Ist schon in Arbeit und wird voraussichtlich Mai/Juni 2005 erscheinen.

CG: Wussten Sie schon beim Schreiben von Band 1, wie der letze Band enden wird?

WH: Keine Ahnung. Ich arbeite prinzipiell intuitiv und habe meist nur eine vage Grundidee, die die Geschichte gewissermaßen „anschubst.“ Die Story selbst entwickelt sich dann zum Großteil beim Schreiben.

CG: Sie schreiben an mehreren Büchern gleichzeitig. Fällt es nicht schwer, sich immer wieder neu auf komplett eigene Welten einzustellen und die Grundstimmung des jeweiligen Buchs wieder einzufangen und beizubehalten?

WH: Ganz und gar nicht. Ich arbeite ja bewusst an vollkommen unterschiedlichen Themen. Schwierig würde es allenfalls, wenn ich zwei „ähnliche“ Geschichten gleichzeitig schreiben würde, aber das vermeide ich ganz bewusst.

CG: „Die Chronik der Unsterblichen“ ist eine Geschichte über Vampire – ein Genre, das von der Thematik her relativ eingeschränkt ist, in dem es aber trotzdem bereits zahlreiche Publikationen gibt. Welches ist ihr Lieblingsvampirbuch? Und was denken Sie, können Sie dem Genre noch Neues bringen? Oder ist das gar nicht Ihr Anspruch?

WH: Bram Stokers Dracula natürlich.
Was ich versuche, ist eine etwas „modernere“ Sichtweise in die Geschichte hineinzubringen. Andrej z.B. findet ja mehr und mehr Indizien dafür, dass es eine beinahe „natürliche“ Erklärung für das gibt, was ihm und einigen anderen widerfahren ist (lassen Sie sich in Band 8 überraschen… ).

CG: „Die Chronik“ existiert ja nun in einigen Formen. Neben den Büchern und dem Comic gibt es ein Hörbuch zur „Chronik“, das Sie selber lesen. Auf Ihrer Homepage habe ich eine Umfrage zu einem CdU- Computerspiel gefunden. Heißt das, dass nun sogar ein Computerspiel geplant ist?

WH: Ja.

CG: Wenn ich das richtig verstanden habe, war Thomas von Kummant interessiert daran, ein literarisches Werk umzusetzen, einige Zeit später wurde er von Ehapa gefragt, ob er die „Chronik“ umsetzen wolle. Ehapa kam also auf Sie zu, verstehe ich das richtig? Wissen Sie, wie es dazu kam, dass die Wahl auf Sie fiel?

WH: Nein. Die Anfrage kam über den vgs-Verlag, und nachdem ich ein paar Arbeiten von Thomy gesehen habe, war ich hellauf begeistert und habe sofort zugesagt.

CN: Bis jetzt wurde noch keines ihrer Bücher verfilmt, da Ihnen nie ausreichend Mitspracherechte eingeräumt wurden. Also stellt dieser Comic die Premiere dar für eine Adaption eines Ihrer Werke? Wie groß war denn diesmal Ihr Mitspracherecht? Mussten auch Kompromisse geschlossen werden?

WH: Ein paar. Aber Thomy und ich liegen da ziemlich auf einer Welle, so dass es ohne große Diskussionen abging.

CG: Was halten Sie von dem Ergebnis? Sind Sie zufrieden? Es musste ja sicherlich ein wenig gekürzt oder gestrafft werden.
Und sind Sie verärgert über die Verzögerung?

WH: Ich bin sehr angetan von dem Comic.
Und verärgert wegen der Verzögerung. Nun ja…. der Pünktlichste bin ich ja selbst nicht…
Irgendwie passen wir da zusammen… 🙂

CG: Sie, Thomas von Kummant und Benjamin von Eckartsberg waren persönlich auf der Franfurter Buchmesse 2004, auf dem das Album vorgestellt wurde. Wie groß war das Medien- und Publikumsinteresse zur Premiere des Comics?

WH: Das kann ich nicht beurteilen, da die Comicszene für mich vollkommenes Neuland ist. ICH war zufrieden.

CG: Der erste Band des Comics zeigt in etwa die Geschehnisse der ersten Hälfte Ihres ersten Bandes. Wissen Sie schon, ob es weitergeht, und wenn ja, wieviel Comicbände geplant sind?

WH: Sicherlich den zweiten Band mit der zweiten Hälfte des ersten Romans. Wenn es danach weitergeht (und es sieht so aus), werde ich sicherlich neue Geschichten schreiben, die es dann original nur im Comic gibt.

CG: Durch den Comic kam es vermutlich zu einer Art „Aufarbeitung“ des ersten Bandes für Sie. Sind Ihnen Stellen oder Situationen aufgefallen, die Sie heute anders schreiben würden, oder sind Sie noch zufrieden mit dem 1. Buch, das nun doch schon ein paar Jahre alt ist?

WH: Mittlerweile verstehe ich nicht mehr, dass das Buch so erfolgreich geworden ist… 🙂 HEUTE würde ich ALLES anders machen (aber das geht mir eigentlich bei jedem Text so).

CG: Thomas von Kummant und Benjamin von Eckartsberg haben für eine Neuauflage Ihres „Hexers“ die Titelillustrationen übernommen. Wird es noch weitere Zusammenarbeiten zwischen Ihnen geben?

WH: Konkret nicht, aber ich bin sicher, dass sich das eine oder andere ergeben wird.

CG: Könnten Sie sich vorstellen, auch einmal direkt das Skript für einen Comic zu schreiben? Einerseits sicherlich schwierig, da man reduziert arbeiten muss, aber andererseits ergeben sich ja mit der Bildsprache auch ganz neue Ausdrucksmöglichkeiten.

WH: siehe oben…

CG: Herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen! Viel Erfolg weiterhin und natürlich kreative Gedanken. 🙂

Thomas von Kummant: Eigentlich war das Ganze meine eigene Idee. Nach dem Erscheinen des zweiten Goethe-Comics war ich mit Michael Walz (damaliger Chefredakteur bei Ehapa) bei einer Verlagsfeier in Erlangen zusammengesessen und habe ihn gefragt, warum der Verlag nicht Zeichner und Romanautoren zusammenbringt. Ein halbes Jahr später bekam ich dann einen Anruf von Michael Walz mit dem Vorschlag, „Die Chronik der Unsterblichen“ von Wolfgang Hohlbein umzusetzen, da der vgs-Verlag die Rechte an diesem Titel hält.
Der Ehapa-Verlag wurde zu dieser Zeit dem vgs-Verlag einverleibt, und somit war der Weg geebnet.

CG: Wie kamt ihr beide dann dazu?

TK: Der erste Schritt war, Wolfgang Hohlbein davon zu überzeugen, dass ich der richtige Mann dafür bin.
Der Verlag zeigte Wolfgang Hohlbein Arbeitsproben von mir, und es fand ein großes Treffen in den Räumen der Artillerie (unser Gemeinschaftsatelier) statt, wo ich ihm erste Charakterdesigns gezeigt habe. Wolfgang Hohlbein war begeistert, mein Entwurf für Andrej Delany war ihm aber um einiges zu hart (O-Ton: „….wie ein Verbrecher“). Damals gingen wir davon aus, dass Wolfgang das Comicszenario selbst schreibt.
Als nach einigen Monaten klar wurde, dass er zu viele andere Verpflichtungen hat und keine Zeit dafür findet, habe ich Benjamin für diesen anspruchsvollen Part vorgeschlagen. Dies war eine hervoragende Entscheidung.

CG: Wieviel ist von deinem Andrej am Ende noch übrig geblieben? Gab es noch andere Kompromisse?

TK: Auf meinen ersten Zeichnungen hatte Andrej eine kleinere Kopfkugel, und die Nase ist direkt von der Stirn abgegangen, was ihn um einiges härter aussehen lies. Das sind aber auch die beiden einzigen Anderungen, die ich vorgenommen habe.

Es freut mich, dass Wolfgang nichts gegen die Tätowierung einzuwenden hatte, die aus Andrej unter anderem einen eigenständigen Comiccharakter gemacht hat.

CG: Benjamin, Comics sind in aller Regel sehr komprimierte Geschichten, da sie an gewisse Seitenzahlstandards gebunden sind. Wie bringt man einen 358-Seitenwälzer storymäßig auf das Albenformat?

Benjamin von Eckartsberg: Also eins ist natürlich klar. Man muss schon ein ziemlich toller Hecht sein, um so was Kniffliges hinzukriegen. 😉 Aber wenn man diese nicht unwesentliche Voraussetzung erfüllt, muss man sich nur noch ein Tape zusammenstellen. Am besten mit einschlägigen Soundtracks à la „Das Schwert ist mein bester Freund und damit hau ich alle tot“, gemischt mit etwas gepflegter Herbstmusik. Diese Stimmungstapete kann man dann prima zum Reinfühlen nutzen. Ach ja, wenn man eine Freundin hat, sollte man sich schleunigst von ihr trennen, sonst kommt man feierabends eh nicht zum Schreiben. Hat man das überlebt, kann man auch schon loslegen. Der Rest ist dann nicht weiter wild.

Wir haben nämlich nicht den ganzen 358 Seitenwälzer zu einem Album zusammengekocht, sondern nur die Hälfte.
Doch zuerst einmal habe ich eine Storyline von dem ganzen Roman erstellt, d.h. von jedem Kapitel eine knappe Zusammenfassung geschrieben, um einen besseren Überblick über die Handlung zu haben. Wir hatten uns für eine epische und filmische Erzählweise entschieden, und die braucht sehr viel Raum.
Also habe ich alle Handlungsstränge rausgekürzt, die für den Hauptverlauf der Handlung nicht dringend notwendig sind. Vor allem im Hinblick auf die nachfolgenden Romane. Für die durch die Kürzungen entstandenen Handlungslücken habe ich neue Übergänge und neue Szenen geschrieben. Ausserdem habe ich emotionale Straffungen durchgeführt und einigen Figuren neue Handlungsfunktionen zugewiesen.

Ein Beispiel: Andrej Delany findet im Roman nicht seinen Sohn Marius durchbohrt und gefoltert, aber merkwürdigerweise lebend vor, sondern seinen Onkel Barak. Seinen bereits toten Sohn findet er unter den ganzen anderen Leichen der Dorfbewohner. Hätte ich das für den Comic so beibehalten, hätten wir dafür zwei raumgreifende Szenen gebraucht, die sich emotional sehr ähnlich sind. Man kann ja nicht so schnell darüber wegholpern, wenn der Held seinen toten Sohn findet. Das muss richtig bedient werden, damit die Szene wirkt. Aber die Onkelszene ist auch wichtig, da diese den ersten Hinweis auf das Thema der Unsterblichkeit enthält. Also raus mit dem Onkel, rein mit dem Sohn. Übrig bleibt eine Szene, in der Andrej statt des Onkels seinen Sohn von seinen Qualen erlösen muss. Das ist nicht nur gebündelter, sondern auch für Andrej ein viel größeres Opfer. Und mehr Druck auf den Figuren ist immer gut, wenn man nur wenig Platz zur Verfügung hat. Die Emotionen und die Informationen bleiben für die Geschichte erhalten, aber man braucht nur eine Szene dafür.
Einziges Opfer: Der Onkel. Aber hey, wir können uns ja schließlich nicht um alle kümmern. Zumal der Onkel für den weiteren Verlauf der Geschichte im Roman keine Rolle spielt.

Da Wolfgang Hohlbein „Die Chronik der Unsterblichen“ durchgängig aus der Sicht Andrejs erzählt, schien mir im Comicmedium die beste Umsetzung davon zu sein, zusätzlich zu den Sprechblasendialogen in den Erzählkästen keinen allwissenden Erzähler, sondern nur die innere Stimme Andrejs wiederzugeben.

Ich habe das Ganze dann in Drehbuchform geschrieben; d.h. ich habe nur die Szenen so knapp wie möglich mit Handlungen und Dialogen beschrieben, aber nicht festgelegt, wie viele Panels eine Szene braucht und was in welchem Panel passiert. Die „Regie“, also das Seitenlayout, blieb Thomy vorbehalten.

Das Skript wurde dann von Wolfgang Hohlbein abgenickt, und Thomy hat sich an die Arbeit gemacht.

CG: „Von Wolfgang Hohlbein abgenickt“ klingt so lapidar. Gab es gar keine Kritik seinerseits, wo Du doch so sehr in die Geschichte eingreifen musstest?

BE: Nein. Er hatte keinen Änderungswunsch, meinte sogar, er hätte das wahrscheinlich so nicht hingekriegt, da er als der Erfinder der Geschichte sich natürlich schwerer damit tut, Handlungsstränge und Figuren zu opfern. Da hat man den Abstand nicht. Aber abgesehen davon hatte ich nicht den Eindruck, dass er jemals vorhatte, sich im Detail einzumischen. Er war netterweise so großzügig, uns einfach machen zu lassen. Der Mann ist ja auch unglaublich beschäftigt und produktiv. Ich glaube, er hat weit über 180 Bücher geschrieben, das entspannt wahrscheinlich in Detailfragen zum Oeuvre ungemein. Aber da spekuliere ich jetzt.
Außerdem habe ich zwar gekürzt und umgeschrieben, aber ich habe mich bemüht, nicht das Herz der Geschichte zu verändern. Mit einer gutgelaunten Inquisitions-Komödie wäre ich wohl kaum so einfach durchgekommen.

CG: Thomy, Wolfgang Hohlbeins „Die Chronik der Unsterblichen“ findet in einer eigenen Fantasy-Welt statt. Wie geht man als Zeichner vor, um so eine Welt eigenständig und wiedererkennbar umzusetzen, also wie kann man dem Ganzen visuell gerecht werden?

TK: Die Welt der Chroniken ist eigentlich keine Fantasy-Welt, sondern im ersten Buch Transilvanien im 15.Jahrhundert. Ursprünglich wollte ich eine Recherchereise nach Rumänien unternehmen und hätte hierfür in Eric Desideriu [Kollege bei der Artillerie – Anm. d. Red.] einen prima Reiseführer gehabt, aber der Verlag wollte dies aus irgendeinem Grund nicht finanzieren. Also hat sich meine Recherche aufs Internet konzentriert. Im nächsten Schritt habe ich von allen Locations einige Entwürfe und Grundrisszeichnungen angefertigt, damit ich beim Layouten die Kameraeinstellungen gut planen konnte. Langsam habe ich mich dann mit kleinen Farbsketchen der eigenen Farbpalette angenähert. Die Farbwelt der Chroniken ist gewollt sehr düster und soll mit Farbakzenten die Dramaturgie unterstützen.

CG: Bitte erzähl ein bisschen mehr über Deine Technik.

TK: Meine Technik ist eigentlich dem Zeichentrickfilm entliehen. Die Hintergründe sind mit Acryl gemalt, die Figuren mit Feder gezeichnet und anschließend mit Photoshop coloriert. Der Dreck und das Blut an den Figuren habe ich mit Bleistift und Acrylfarbe separat angelegt und als Ebenen im Photoshop auf die kolorierten Figuren multipliziert. Um die Figuren endgültig in die Hintergründe zu integrieren, musste ich die Panels in Photoshop mal mehr, mal weniger nachbearbeiten, je nachdem ob die Figuren im Vorder-, Mittel- oder Hintergrund stehen, oder ob sie von Elementen wie Feuer oder Nebel verdeckt werden.

CG: Okay, kommen wir zum unangenehmen Teil für Dich, der aber sicherlich viele Leser interessiert, und deswegen muss ich das leider auch fragen: Wie kam diese riesige Verspätung zustande? Hast du dein Arbeitstempo falsch eingeschätzt, hat man zu viel auf einmal verlangt?

TK: Wie wir ja nun alle wissen, haben wir hier in Deutschland keinen allzu großen Markt für Comics, was sich natürlich negativ auf die Bezahlung für Comicschaffende auswirkt.

Jetzt musst du wissen, ich bin ein “jetzt erst recht!” Typ und hab mir gedacht, gut, machst du es halt extrem aufwendig, dann kann man es wenigstens gut ins Ausland verkaufen.

Die Verspätung ist auch entstanden, weil ich an vielen Stellen unzufrieden war. Schon alleine die vier fertigen Seiten für das Preview zum Comic-Salon in Erlangen 2002 haben mir erzählerisch nicht mehr gefallen. Sie wieder loszulassen und einen guten Einstieg in die Geschichte zu finden hat ewig gedauert.Als ich dann wieder fünf Seiten fertig hatte und sie zum Testandruck gegeben hatte, kamen die Farben vollkommen anders als am Bildschirm. Alles war total zugesuppt, ich durfte meinen Bildschirm neu kalibrieren lassen und nochmal von vorne anfangen.
Du siehst schon, Perfektionismus ist gut, macht aber viel Arbeit. Ausserdem musste ich nebenher noch meine Familie ernähren (München ist teuer) und manchmal schlafen.

Letztlich hätte aber keiner etwas von einer riesen Verspätung gemerkt, wenn der Verlag nicht utopische Erscheinungstermine an die Öffentlichkeit gebracht hätte.
Die waren da halt auch ein bisschen euphorisch und haben ein „Ich werds versuchen, kann es aber nicht versprechen, weil der Stil doch sehr aufwendig ist und ich auch meine Familie ernähren muss“ mit einem „Schaff ich locker“ gewertet.
Das letzte dreiviertel Jahr habe ich zusammen mit meiner Praktikantin Raschana, meinem Bruder Roland und dem unermüdlichen Benjamin ausschliesslich an den Chroniken gearbeitet, wodurch ich dann auch viele Freunde beim Dispo-Team unserer Sparkassenfiliale gefunden habe.

Das Album ist jetzt bei uns auf dem Markt und wird auch bald in anderen Ländern wie Frankreich, Spanien, Holland, vielleicht sogar Amerika erscheinen, und ich habe selbst Freude daran, es zu lesen.
Also denke ich, der Aufwand hat sich gelohnt, und man sieht dem Comic an, wieviel Zeit in ihm steckt.

CG: Wie war deine Vorgehensweise, das im Endeffekt dann doch sehr offene Skript von Benjamin in Layouts umzusetzen? Waren viele Versuche nötig, um den Fluss der Geschichte in die Layouts zu übertragen?

TK: Benjamin ist ebenfalls Zeichner und hat daher immer eine genaue visuelle Vorstellung von dem, was er schreibt. Obwohl wir, was Geschichten betrifft, einen ähnlichen Geschmack haben, gehen unsere Meinungen, eine Szene in Bildern umzusetzen, oft auseinander. Das ist der Grund dafür, dass Benjamin das Skript für mich so offen angelegt hat.

Der Einstieg in die Geschichte ist mir sehr schwer gefallen, und ich habe dafür viele Versuche benötigt.
Eigentlich funktioniert die Szene immer noch nicht. Wir hätten noch zwei weitere Seiten benötigt, um einen guten Fluss zu erreichen, aber der Text der nächsten Seiten erklärt dann wieder einiges. Ganz zufrieden bin ich nicht.

Da mein Bruder Schauspiel gelernt hat, habe ich während der Arbeit an den Chroniken guten Kontakt zu einem hervorragenden Jungregiseur bekommen, der mir dramaturgisch so einiges beigebracht hat.
Ein Beispiel ist die Szene, in der Andrej sich im Morgengrauen mit Frederik auf der Waldlichtung unterhält und die beiden von drei Seite angegriffen werden.
Hätte ich das so erzählt, hätte ich drei Seiten Dialog und dann Spannung gehabt. Indem ich aber auf der ersten Seite zeige, dass die beiden von Kriegern beobachtet werden, habe ich drei Seiten Spannung erzeugt.

Um über die Bildabfolge zu diskutieren, bin ich während des Projekts auf jeden Fall davon abgekommen, meine Layouts in DIN A4 anzulegen. DIN A8 genügt vollkommen und es tut nicht weh, eine Seite zu verwerfen. Denn für mich ist es wichtiger, eine Szene gut und flüssig zu erzählen, als sie hinterher toll zu malen und zu zeichnen.

CG: Benjamin, wie lange hast du dann alles in allem für das Skript gebraucht?

BE: Für die erste Fassung ca. zwei bis drei Wochen. Nach Rücksprache mit Thomy dann noch mal ein paar Tage, höchstens eine Woche für die zweite Fassung. So genau weiß ich das nicht mehr, ist ja schon eine Weile her. Da Thomy und ich im selben Raum in der Artillerie sitzen , war die Zusammenarbeit damit aber nicht beendet. Wenn er eine visuelle oder erzählerische Idee beim Layouten oder Zeichnen hatte, konnte ich noch den Text daraufhin anpassen (natürlich nur unter Gefluche und Protest. Allüren sind das Erste, das man in diesem Geschäft lernt) oder umgekehrt.

In den letzten drei Monaten, als die Seiten nach und nach fertig wurden, habe ich dann die Sprechblasen platziert und dabei dem Text den letzten Schliff gegeben. Erst wenn man die fertige Seite mit Text am Bildschirm vor sich hat, kann man ja so richtig beurteilen, wie sie fließt, ob sie funktioniert. Da waren noch so einige Änderungen nötig.

CG: Inwiefern kann man sich denn überhaupt an einen fremden Stil annähern? Es klingt, als ob du ein ziemlich gutes Gespür für die Geschichte hattest. Wieviel Arbeit war es für dich, wie Wolfgang Hohlbein zu denken?

BE: Ich bin für vier Wochen bei Wolfgang und seiner Familie eingezogen und habe mit ihnen zusammen gelebt, ihn rund um die Uhr beobachtet…
Nein, Quatsch, ich hatte schon immer ein Faible für düstere Kriegergeschichten im Mittelalter. Ich musste mich gedanklich nicht quälen, um mich in die Welt der Chronik hineinzuversetzen.

CG: Hattest du beim Schreiben Kontakt mit Wolfgang Hohlbein betreffs eventueller Rückfragen?

BE: Nur einmal. Damals waren erst drei Romane der Chronik erschienen, und das Geheimnis der Herkunft der Unsterblichen noch nicht enthüllt. Thomy und ich hatten überlegt, im Comic schon beim Design der Rüstungen oder Blutzeichen an der Wand etc. Hinweise darauf zu verstecken, eventuell auch in den Dialogen.
Also rief ich Wolfgang Hohlbein an und fragte ihn, ob er schon wisse, wo es so hingeht mit der Geschichte und wo die Unsterblichen denn so herkommen.
“Nö.“
Es gibt mittlerweile sieben Romane, und die Frage ist immer noch offen.
Geplant waren ursprünglich übrigens nur vier Bücher.

CG: Ihr habt den fertigen Comic zusammen mit Wolfgang Hohlbein auf der Frankfurter Buchmesse 2004 vorgestellt. Wie war’s? Welche Eindrücke sind hängen geblieben?

TK: Tja. Eigentlich haben wir ihn leider gar nicht vorgestellt. Die geplante Präsentation zusammen mit Hohlbein wurde von Georg Tempel, dem Chefredakteur von vgs Ehapa, abgesagt, da er sich nicht sicher war, ob wir rechtzeitig fertig werden, damit das Album gedruckt zur Buchmesse vorliegt. Daraufhin wurden uns zwei Termine zum Signieren vorgeschlagen, Freitag oder Sonntag. Wir haben uns für Freitag entschieden und das Hotel entsprechend gebucht. Dann stellte sich aber heraus, dass zum geplanten Zeitpunkt direkt am Ehapa-Stand der traditionelle Kölsch-Umtrunk stattfindet. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt zum Signieren! Hick!

Ansonsten waren die Reaktionen auf das Album sehr positiv, was uns natürlich sehr freut.
Auf die zahlreichen erzählerischen Schwächen, die das Album trotz aller Mühe noch hat, hat uns freundlicherweise außer Boris Kiselicki [Artillerie-Kollege und Schöpfer von The Cool Bros – Anm. d. Red.] niemand so direkt hingewiesen. Aber zum Zeitpunkt der Messe hatte ja auch kaum jemand Gelegenheit gehabt, das Ding in Ruhe zu lesen.

CG: Wird „Die Chronik der Unsterblichen“ fortgesetzt? Wenn ja, wie lange wird es deiner (realistischen) Schätzung nach dauern, bis wir den zweiten Band in den Händen halten können?

TK: Benjamin schreibt zur Zeit am 2. Band, und ich freue mich auch schon darauf, weiter daran zu arbeiten, aber weil der Verlag uns noch nicht genügend zahlen kann, müssen wir nebenher auch noch arbeiten. Aus diesem Grund, und weil man ja aus Fehlern lernt, kann ich keinerlei Angaben zum Erscheinen des 2. Bandes machen, außer, dass es ihn geben wird.

CG: Benjamin, war dies eigentlich Dein erstes Skript? Könntest Du Dir vorstellen, so etwas nebenbei weiterzumachen, oder möchtest Du Dich „nur“ aufs Zeichnen konzentrieren?

BE: Ich habe ein Comic-Skript für mich selbst geschrieben, das jetzt aber leider schon seit fast fünf Jahren in der Schublade liegt. Das aber ernsthaft in mehreren Alben zeichnerisch anzugehen, ist ohne Erbschaft dann doch nicht so einfach. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Es gibt da noch einen entfernten Onkel in Singapur, aber der hat einen Haufen Kinder, da müsste ich schon extrem nachhelfen. Ansonsten habe ich einen Haufen unfertiger Story-Konzepte im Giftschrank, denen ich mich in Zukunft gern mehr widmen würde, wenn ich mit dem Überleben im teuren München fertig bin.

CG: Wisst Ihr, ob es nun noch andere Projekte dieser Art geben wird? Und warum sollte es so etwas Eurer Meinung nach überhaupt geben? Kann ein Comic etwas „besser“ machen als ein Buch?

TK: Soviel ich weiß, plant der vgs-Verlag eine Umsetzung einer anderen Fantasyromanreihe. Der Grund hierfür dürfte, ähnlich wie beim Film, ein rein marketing-technischer sein.

CG: Danke für die Beantwortung der Fragen und alles Gute Euch beiden!

Wolfgang Hohlbein
Homepage mit zahlreichen Infos

Thomys Homepage
inkl. vieler (Vor-) Zeichnungen zur CdU

Egmont vgs
Homepage des Verlags

Die Artillerie
Atelierheimat von Benjamin und Thomy

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Kummant, Thomas von

Wolfgang Hohlbein 2002 (copyright Droemer Knaur) Comicgate: Hallo Herr Hohlbein, zuerst möchte ich mich ein wenig mit Ihnen über Ihre Serie „Die Chronik der Unsterblichen“ an sich unterhalten. Der 7. Band ist vor kurzem erschienen. Vor einiger Zeit sagten Sie, Sie planen 8 Bände. Bleibt es dabei?

Wolfgang Hohlbein: Sicher. Ist schon in Arbeit und wird voraussichtlich Mai/Juni 2005 erscheinen.

CG: Wussten Sie schon beim Schreiben von Band 1, wie der letze Band enden wird?

WH: Keine Ahnung. Ich arbeite prinzipiell intuitiv und habe meist nur eine vage Grundidee, die die Geschichte gewissermaßen „anschubst.“ Die Story selbst entwickelt sich dann zum Großteil beim Schreiben.

CG: Sie schreiben an mehreren Büchern gleichzeitig. Fällt es nicht schwer, sich immer wieder neu auf komplett eigene Welten einzustellen und die Grundstimmung des jeweiligen Buchs wieder einzufangen und beizubehalten?

WH: Ganz und gar nicht. Ich arbeite ja bewusst an vollkommen unterschiedlichen Themen. Schwierig würde es allenfalls, wenn ich zwei „ähnliche“ Geschichten gleichzeitig schreiben würde, aber das vermeide ich ganz bewusst.

CG: „Die Chronik der Unsterblichen“ ist eine Geschichte über Vampire – ein Genre, das von der Thematik her relativ eingeschränkt ist, in dem es aber trotzdem bereits zahlreiche Publikationen gibt. Welches ist ihr Lieblingsvampirbuch? Und was denken Sie, können Sie dem Genre noch Neues bringen? Oder ist das gar nicht Ihr Anspruch?

WH: Bram Stokers Dracula natürlich.
Was ich versuche, ist eine etwas „modernere“ Sichtweise in die Geschichte hineinzubringen. Andrej z.B. findet ja mehr und mehr Indizien dafür, dass es eine beinahe „natürliche“ Erklärung für das gibt, was ihm und einigen anderen widerfahren ist (lassen Sie sich in Band 8 überraschen… ).

CG: „Die Chronik“ existiert ja nun in einigen Formen. Neben den Büchern und dem Comic gibt es ein Hörbuch zur „Chronik“, das Sie selber lesen. Auf Ihrer Homepage habe ich eine Umfrage zu einem CdU- Computerspiel gefunden. Heißt das, dass nun sogar ein Computerspiel geplant ist?

WH: Ja.

CG: Wenn ich das richtig verstanden habe, war Thomas von Kummant interessiert daran, ein literarisches Werk umzusetzen, einige Zeit später wurde er von Ehapa gefragt, ob er die „Chronik“ umsetzen wolle. Ehapa kam also auf Sie zu, verstehe ich das richtig? Wissen Sie, wie es dazu kam, dass die Wahl auf Sie fiel?

WH: Nein. Die Anfrage kam über den vgs-Verlag, und nachdem ich ein paar Arbeiten von Thomy gesehen habe, war ich hellauf begeistert und habe sofort zugesagt.

CN: Bis jetzt wurde noch keines ihrer Bücher verfilmt, da Ihnen nie ausreichend Mitspracherechte eingeräumt wurden. Also stellt dieser Comic die Premiere dar für eine Adaption eines Ihrer Werke? Wie groß war denn diesmal Ihr Mitspracherecht? Mussten auch Kompromisse geschlossen werden?

WH: Ein paar. Aber Thomy und ich liegen da ziemlich auf einer Welle, so dass es ohne große Diskussionen abging.

CG: Was halten Sie von dem Ergebnis? Sind Sie zufrieden? Es musste ja sicherlich ein wenig gekürzt oder gestrafft werden.
Und sind Sie verärgert über die Verzögerung?

WH: Ich bin sehr angetan von dem Comic.
Und verärgert wegen der Verzögerung. Nun ja…. der Pünktlichste bin ich ja selbst nicht…
Irgendwie passen wir da zusammen… 🙂

CG: Sie, Thomas von Kummant und Benjamin von Eckartsberg waren persönlich auf der Franfurter Buchmesse 2004, auf dem das Album vorgestellt wurde. Wie groß war das Medien- und Publikumsinteresse zur Premiere des Comics?

WH: Das kann ich nicht beurteilen, da die Comicszene für mich vollkommenes Neuland ist. ICH war zufrieden.

CG: Der erste Band des Comics zeigt in etwa die Geschehnisse der ersten Hälfte Ihres ersten Bandes. Wissen Sie schon, ob es weitergeht, und wenn ja, wieviel Comicbände geplant sind?

WH: Sicherlich den zweiten Band mit der zweiten Hälfte des ersten Romans. Wenn es danach weitergeht (und es sieht so aus), werde ich sicherlich neue Geschichten schreiben, die es dann original nur im Comic gibt.

CG: Durch den Comic kam es vermutlich zu einer Art „Aufarbeitung“ des ersten Bandes für Sie. Sind Ihnen Stellen oder Situationen aufgefallen, die Sie heute anders schreiben würden, oder sind Sie noch zufrieden mit dem 1. Buch, das nun doch schon ein paar Jahre alt ist?

WH: Mittlerweile verstehe ich nicht mehr, dass das Buch so erfolgreich geworden ist… 🙂 HEUTE würde ich ALLES anders machen (aber das geht mir eigentlich bei jedem Text so).

CG: Thomas von Kummant und Benjamin von Eckartsberg haben für eine Neuauflage Ihres „Hexers“ die Titelillustrationen übernommen. Wird es noch weitere Zusammenarbeiten zwischen Ihnen geben?

WH: Konkret nicht, aber ich bin sicher, dass sich das eine oder andere ergeben wird.

CG: Könnten Sie sich vorstellen, auch einmal direkt das Skript für einen Comic zu schreiben? Einerseits sicherlich schwierig, da man reduziert arbeiten muss, aber andererseits ergeben sich ja mit der Bildsprache auch ganz neue Ausdrucksmöglichkeiten.

WH: siehe oben…

CG: Herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen! Viel Erfolg weiterhin und natürlich kreative Gedanken. 🙂

Thomas von Kummant: Eigentlich war das Ganze meine eigene Idee. Nach dem Erscheinen des zweiten Goethe-Comics war ich mit Michael Walz (damaliger Chefredakteur bei Ehapa) bei einer Verlagsfeier in Erlangen zusammengesessen und habe ihn gefragt, warum der Verlag nicht Zeichner und Romanautoren zusammenbringt. Ein halbes Jahr später bekam ich dann einen Anruf von Michael Walz mit dem Vorschlag, „Die Chronik der Unsterblichen“ von Wolfgang Hohlbein umzusetzen, da der vgs-Verlag die Rechte an diesem Titel hält.
Der Ehapa-Verlag wurde zu dieser Zeit dem vgs-Verlag einverleibt, und somit war der Weg geebnet.

CG: Wie kamt ihr beide dann dazu?

TK: Der erste Schritt war, Wolfgang Hohlbein davon zu überzeugen, dass ich der richtige Mann dafür bin.
Der Verlag zeigte Wolfgang Hohlbein Arbeitsproben von mir, und es fand ein großes Treffen in den Räumen der Artillerie (unser Gemeinschaftsatelier) statt, wo ich ihm erste Charakterdesigns gezeigt habe. Wolfgang Hohlbein war begeistert, mein Entwurf für Andrej Delany war ihm aber um einiges zu hart (O-Ton: „….wie ein Verbrecher“). Damals gingen wir davon aus, dass Wolfgang das Comicszenario selbst schreibt.
Als nach einigen Monaten klar wurde, dass er zu viele andere Verpflichtungen hat und keine Zeit dafür findet, habe ich Benjamin für diesen anspruchsvollen Part vorgeschlagen. Dies war eine hervoragende Entscheidung.

CG: Wieviel ist von deinem Andrej am Ende noch übrig geblieben? Gab es noch andere Kompromisse?

TK: Auf meinen ersten Zeichnungen hatte Andrej eine kleinere Kopfkugel, und die Nase ist direkt von der Stirn abgegangen, was ihn um einiges härter aussehen lies. Das sind aber auch die beiden einzigen Anderungen, die ich vorgenommen habe.

Es freut mich, dass Wolfgang nichts gegen die Tätowierung einzuwenden hatte, die aus Andrej unter anderem einen eigenständigen Comiccharakter gemacht hat.

CG: Benjamin, Comics sind in aller Regel sehr komprimierte Geschichten, da sie an gewisse Seitenzahlstandards gebunden sind. Wie bringt man einen 358-Seitenwälzer storymäßig auf das Albenformat?

Benjamin von Eckartsberg: Also eins ist natürlich klar. Man muss schon ein ziemlich toller Hecht sein, um so was Kniffliges hinzukriegen. 😉 Aber wenn man diese nicht unwesentliche Voraussetzung erfüllt, muss man sich nur noch ein Tape zusammenstellen. Am besten mit einschlägigen Soundtracks à la „Das Schwert ist mein bester Freund und damit hau ich alle tot“, gemischt mit etwas gepflegter Herbstmusik. Diese Stimmungstapete kann man dann prima zum Reinfühlen nutzen. Ach ja, wenn man eine Freundin hat, sollte man sich schleunigst von ihr trennen, sonst kommt man feierabends eh nicht zum Schreiben. Hat man das überlebt, kann man auch schon loslegen. Der Rest ist dann nicht weiter wild.

Wir haben nämlich nicht den ganzen 358 Seitenwälzer zu einem Album zusammengekocht, sondern nur die Hälfte.
Doch zuerst einmal habe ich eine Storyline von dem ganzen Roman erstellt, d.h. von jedem Kapitel eine knappe Zusammenfassung geschrieben, um einen besseren Überblick über die Handlung zu haben. Wir hatten uns für eine epische und filmische Erzählweise entschieden, und die braucht sehr viel Raum.
Also habe ich alle Handlungsstränge rausgekürzt, die für den Hauptverlauf der Handlung nicht dringend notwendig sind. Vor allem im Hinblick auf die nachfolgenden Romane. Für die durch die Kürzungen entstandenen Handlungslücken habe ich neue Übergänge und neue Szenen geschrieben. Ausserdem habe ich emotionale Straffungen durchgeführt und einigen Figuren neue Handlungsfunktionen zugewiesen.

Ein Beispiel: Andrej Delany findet im Roman nicht seinen Sohn Marius durchbohrt und gefoltert, aber merkwürdigerweise lebend vor, sondern seinen Onkel Barak. Seinen bereits toten Sohn findet er unter den ganzen anderen Leichen der Dorfbewohner. Hätte ich das für den Comic so beibehalten, hätten wir dafür zwei raumgreifende Szenen gebraucht, die sich emotional sehr ähnlich sind. Man kann ja nicht so schnell darüber wegholpern, wenn der Held seinen toten Sohn findet. Das muss richtig bedient werden, damit die Szene wirkt. Aber die Onkelszene ist auch wichtig, da diese den ersten Hinweis auf das Thema der Unsterblichkeit enthält. Also raus mit dem Onkel, rein mit dem Sohn. Übrig bleibt eine Szene, in der Andrej statt des Onkels seinen Sohn von seinen Qualen erlösen muss. Das ist nicht nur gebündelter, sondern auch für Andrej ein viel größeres Opfer. Und mehr Druck auf den Figuren ist immer gut, wenn man nur wenig Platz zur Verfügung hat. Die Emotionen und die Informationen bleiben für die Geschichte erhalten, aber man braucht nur eine Szene dafür.
Einziges Opfer: Der Onkel. Aber hey, wir können uns ja schließlich nicht um alle kümmern. Zumal der Onkel für den weiteren Verlauf der Geschichte im Roman keine Rolle spielt.

Da Wolfgang Hohlbein „Die Chronik der Unsterblichen“ durchgängig aus der Sicht Andrejs erzählt, schien mir im Comicmedium die beste Umsetzung davon zu sein, zusätzlich zu den Sprechblasendialogen in den Erzählkästen keinen allwissenden Erzähler, sondern nur die innere Stimme Andrejs wiederzugeben.

Ich habe das Ganze dann in Drehbuchform geschrieben; d.h. ich habe nur die Szenen so knapp wie möglich mit Handlungen und Dialogen beschrieben, aber nicht festgelegt, wie viele Panels eine Szene braucht und was in welchem Panel passiert. Die „Regie“, also das Seitenlayout, blieb Thomy vorbehalten.

Das Skript wurde dann von Wolfgang Hohlbein abgenickt, und Thomy hat sich an die Arbeit gemacht.

CG: „Von Wolfgang Hohlbein abgenickt“ klingt so lapidar. Gab es gar keine Kritik seinerseits, wo Du doch so sehr in die Geschichte eingreifen musstest?

BE: Nein. Er hatte keinen Änderungswunsch, meinte sogar, er hätte das wahrscheinlich so nicht hingekriegt, da er als der Erfinder der Geschichte sich natürlich schwerer damit tut, Handlungsstränge und Figuren zu opfern. Da hat man den Abstand nicht. Aber abgesehen davon hatte ich nicht den Eindruck, dass er jemals vorhatte, sich im Detail einzumischen. Er war netterweise so großzügig, uns einfach machen zu lassen. Der Mann ist ja auch unglaublich beschäftigt und produktiv. Ich glaube, er hat weit über 180 Bücher geschrieben, das entspannt wahrscheinlich in Detailfragen zum Oeuvre ungemein. Aber da spekuliere ich jetzt.
Außerdem habe ich zwar gekürzt und umgeschrieben, aber ich habe mich bemüht, nicht das Herz der Geschichte zu verändern. Mit einer gutgelaunten Inquisitions-Komödie wäre ich wohl kaum so einfach durchgekommen.

CG: Thomy, Wolfgang Hohlbeins „Die Chronik der Unsterblichen“ findet in einer eigenen Fantasy-Welt statt. Wie geht man als Zeichner vor, um so eine Welt eigenständig und wiedererkennbar umzusetzen, also wie kann man dem Ganzen visuell gerecht werden?

TK: Die Welt der Chroniken ist eigentlich keine Fantasy-Welt, sondern im ersten Buch Transilvanien im 15.Jahrhundert. Ursprünglich wollte ich eine Recherchereise nach Rumänien unternehmen und hätte hierfür in Eric Desideriu [Kollege bei der Artillerie – Anm. d. Red.] einen prima Reiseführer gehabt, aber der Verlag wollte dies aus irgendeinem Grund nicht finanzieren. Also hat sich meine Recherche aufs Internet konzentriert. Im nächsten Schritt habe ich von allen Locations einige Entwürfe und Grundrisszeichnungen angefertigt, damit ich beim Layouten die Kameraeinstellungen gut planen konnte. Langsam habe ich mich dann mit kleinen Farbsketchen der eigenen Farbpalette angenähert. Die Farbwelt der Chroniken ist gewollt sehr düster und soll mit Farbakzenten die Dramaturgie unterstützen.

CG: Bitte erzähl ein bisschen mehr über Deine Technik.

TK: Meine Technik ist eigentlich dem Zeichentrickfilm entliehen. Die Hintergründe sind mit Acryl gemalt, die Figuren mit Feder gezeichnet und anschließend mit Photoshop coloriert. Der Dreck und das Blut an den Figuren habe ich mit Bleistift und Acrylfarbe separat angelegt und als Ebenen im Photoshop auf die kolorierten Figuren multipliziert. Um die Figuren endgültig in die Hintergründe zu integrieren, musste ich die Panels in Photoshop mal mehr, mal weniger nachbearbeiten, je nachdem ob die Figuren im Vorder-, Mittel- oder Hintergrund stehen, oder ob sie von Elementen wie Feuer oder Nebel verdeckt werden.

CG: Okay, kommen wir zum unangenehmen Teil für Dich, der aber sicherlich viele Leser interessiert, und deswegen muss ich das leider auch fragen: Wie kam diese riesige Verspätung zustande? Hast du dein Arbeitstempo falsch eingeschätzt, hat man zu viel auf einmal verlangt?

TK: Wie wir ja nun alle wissen, haben wir hier in Deutschland keinen allzu großen Markt für Comics, was sich natürlich negativ auf die Bezahlung für Comicschaffende auswirkt.

Jetzt musst du wissen, ich bin ein “jetzt erst recht!” Typ und hab mir gedacht, gut, machst du es halt extrem aufwendig, dann kann man es wenigstens gut ins Ausland verkaufen.

Die Verspätung ist auch entstanden, weil ich an vielen Stellen unzufrieden war. Schon alleine die vier fertigen Seiten für das Preview zum Comic-Salon in Erlangen 2002 haben mir erzählerisch nicht mehr gefallen. Sie wieder loszulassen und einen guten Einstieg in die Geschichte zu finden hat ewig gedauert.Als ich dann wieder fünf Seiten fertig hatte und sie zum Testandruck gegeben hatte, kamen die Farben vollkommen anders als am Bildschirm. Alles war total zugesuppt, ich durfte meinen Bildschirm neu kalibrieren lassen und nochmal von vorne anfangen.
Du siehst schon, Perfektionismus ist gut, macht aber viel Arbeit. Ausserdem musste ich nebenher noch meine Familie ernähren (München ist teuer) und manchmal schlafen.

Letztlich hätte aber keiner etwas von einer riesen Verspätung gemerkt, wenn der Verlag nicht utopische Erscheinungstermine an die Öffentlichkeit gebracht hätte.
Die waren da halt auch ein bisschen euphorisch und haben ein „Ich werds versuchen, kann es aber nicht versprechen, weil der Stil doch sehr aufwendig ist und ich auch meine Familie ernähren muss“ mit einem „Schaff ich locker“ gewertet.
Das letzte dreiviertel Jahr habe ich zusammen mit meiner Praktikantin Raschana, meinem Bruder Roland und dem unermüdlichen Benjamin ausschliesslich an den Chroniken gearbeitet, wodurch ich dann auch viele Freunde beim Dispo-Team unserer Sparkassenfiliale gefunden habe.

Das Album ist jetzt bei uns auf dem Markt und wird auch bald in anderen Ländern wie Frankreich, Spanien, Holland, vielleicht sogar Amerika erscheinen, und ich habe selbst Freude daran, es zu lesen.
Also denke ich, der Aufwand hat sich gelohnt, und man sieht dem Comic an, wieviel Zeit in ihm steckt.

CG: Wie war deine Vorgehensweise, das im Endeffekt dann doch sehr offene Skript von Benjamin in Layouts umzusetzen? Waren viele Versuche nötig, um den Fluss der Geschichte in die Layouts zu übertragen?

TK: Benjamin ist ebenfalls Zeichner und hat daher immer eine genaue visuelle Vorstellung von dem, was er schreibt. Obwohl wir, was Geschichten betrifft, einen ähnlichen Geschmack haben, gehen unsere Meinungen, eine Szene in Bildern umzusetzen, oft auseinander. Das ist der Grund dafür, dass Benjamin das Skript für mich so offen angelegt hat.

Der Einstieg in die Geschichte ist mir sehr schwer gefallen, und ich habe dafür viele Versuche benötigt.
Eigentlich funktioniert die Szene immer noch nicht. Wir hätten noch zwei weitere Seiten benötigt, um einen guten Fluss zu erreichen, aber der Text der nächsten Seiten erklärt dann wieder einiges. Ganz zufrieden bin ich nicht.

Da mein Bruder Schauspiel gelernt hat, habe ich während der Arbeit an den Chroniken guten Kontakt zu einem hervorragenden Jungregiseur bekommen, der mir dramaturgisch so einiges beigebracht hat.
Ein Beispiel ist die Szene, in der Andrej sich im Morgengrauen mit Frederik auf der Waldlichtung unterhält und die beiden von drei Seite angegriffen werden.
Hätte ich das so erzählt, hätte ich drei Seiten Dialog und dann Spannung gehabt. Indem ich aber auf der ersten Seite zeige, dass die beiden von Kriegern beobachtet werden, habe ich drei Seiten Spannung erzeugt.

Um über die Bildabfolge zu diskutieren, bin ich während des Projekts auf jeden Fall davon abgekommen, meine Layouts in DIN A4 anzulegen. DIN A8 genügt vollkommen und es tut nicht weh, eine Seite zu verwerfen. Denn für mich ist es wichtiger, eine Szene gut und flüssig zu erzählen, als sie hinterher toll zu malen und zu zeichnen.

CG: Benjamin, wie lange hast du dann alles in allem für das Skript gebraucht?

BE: Für die erste Fassung ca. zwei bis drei Wochen. Nach Rücksprache mit Thomy dann noch mal ein paar Tage, höchstens eine Woche für die zweite Fassung. So genau weiß ich das nicht mehr, ist ja schon eine Weile her. Da Thomy und ich im selben Raum in der Artillerie sitzen , war die Zusammenarbeit damit aber nicht beendet. Wenn er eine visuelle oder erzählerische Idee beim Layouten oder Zeichnen hatte, konnte ich noch den Text daraufhin anpassen (natürlich nur unter Gefluche und Protest. Allüren sind das Erste, das man in diesem Geschäft lernt) oder umgekehrt.

In den letzten drei Monaten, als die Seiten nach und nach fertig wurden, habe ich dann die Sprechblasen platziert und dabei dem Text den letzten Schliff gegeben. Erst wenn man die fertige Seite mit Text am Bildschirm vor sich hat, kann man ja so richtig beurteilen, wie sie fließt, ob sie funktioniert. Da waren noch so einige Änderungen nötig.

CG: Inwiefern kann man sich denn überhaupt an einen fremden Stil annähern? Es klingt, als ob du ein ziemlich gutes Gespür für die Geschichte hattest. Wieviel Arbeit war es für dich, wie Wolfgang Hohlbein zu denken?

BE: Ich bin für vier Wochen bei Wolfgang und seiner Familie eingezogen und habe mit ihnen zusammen gelebt, ihn rund um die Uhr beobachtet…
Nein, Quatsch, ich hatte schon immer ein Faible für düstere Kriegergeschichten im Mittelalter. Ich musste mich gedanklich nicht quälen, um mich in die Welt der Chronik hineinzuversetzen.

CG: Hattest du beim Schreiben Kontakt mit Wolfgang Hohlbein betreffs eventueller Rückfragen?

BE: Nur einmal. Damals waren erst drei Romane der Chronik erschienen, und das Geheimnis der Herkunft der Unsterblichen noch nicht enthüllt. Thomy und ich hatten überlegt, im Comic schon beim Design der Rüstungen oder Blutzeichen an der Wand etc. Hinweise darauf zu verstecken, eventuell auch in den Dialogen.
Also rief ich Wolfgang Hohlbein an und fragte ihn, ob er schon wisse, wo es so hingeht mit der Geschichte und wo die Unsterblichen denn so herkommen.
“Nö.“
Es gibt mittlerweile sieben Romane, und die Frage ist immer noch offen.
Geplant waren ursprünglich übrigens nur vier Bücher.

CG: Ihr habt den fertigen Comic zusammen mit Wolfgang Hohlbein auf der Frankfurter Buchmesse 2004 vorgestellt. Wie war’s? Welche Eindrücke sind hängen geblieben?

TK: Tja. Eigentlich haben wir ihn leider gar nicht vorgestellt. Die geplante Präsentation zusammen mit Hohlbein wurde von Georg Tempel, dem Chefredakteur von vgs Ehapa, abgesagt, da er sich nicht sicher war, ob wir rechtzeitig fertig werden, damit das Album gedruckt zur Buchmesse vorliegt. Daraufhin wurden uns zwei Termine zum Signieren vorgeschlagen, Freitag oder Sonntag. Wir haben uns für Freitag entschieden und das Hotel entsprechend gebucht. Dann stellte sich aber heraus, dass zum geplanten Zeitpunkt direkt am Ehapa-Stand der traditionelle Kölsch-Umtrunk stattfindet. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt zum Signieren! Hick!

Ansonsten waren die Reaktionen auf das Album sehr positiv, was uns natürlich sehr freut.
Auf die zahlreichen erzählerischen Schwächen, die das Album trotz aller Mühe noch hat, hat uns freundlicherweise außer Boris Kiselicki [Artillerie-Kollege und Schöpfer von The Cool Bros – Anm. d. Red.] niemand so direkt hingewiesen. Aber zum Zeitpunkt der Messe hatte ja auch kaum jemand Gelegenheit gehabt, das Ding in Ruhe zu lesen.

CG: Wird „Die Chronik der Unsterblichen“ fortgesetzt? Wenn ja, wie lange wird es deiner (realistischen) Schätzung nach dauern, bis wir den zweiten Band in den Händen halten können?

TK: Benjamin schreibt zur Zeit am 2. Band, und ich freue mich auch schon darauf, weiter daran zu arbeiten, aber weil der Verlag uns noch nicht genügend zahlen kann, müssen wir nebenher auch noch arbeiten. Aus diesem Grund, und weil man ja aus Fehlern lernt, kann ich keinerlei Angaben zum Erscheinen des 2. Bandes machen, außer, dass es ihn geben wird.

CG: Benjamin, war dies eigentlich Dein erstes Skript? Könntest Du Dir vorstellen, so etwas nebenbei weiterzumachen, oder möchtest Du Dich „nur“ aufs Zeichnen konzentrieren?

BE: Ich habe ein Comic-Skript für mich selbst geschrieben, das jetzt aber leider schon seit fast fünf Jahren in der Schublade liegt. Das aber ernsthaft in mehreren Alben zeichnerisch anzugehen, ist ohne Erbschaft dann doch nicht so einfach. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Es gibt da noch einen entfernten Onkel in Singapur, aber der hat einen Haufen Kinder, da müsste ich schon extrem nachhelfen. Ansonsten habe ich einen Haufen unfertiger Story-Konzepte im Giftschrank, denen ich mich in Zukunft gern mehr widmen würde, wenn ich mit dem Überleben im teuren München fertig bin.

CG: Wisst Ihr, ob es nun noch andere Projekte dieser Art geben wird? Und warum sollte es so etwas Eurer Meinung nach überhaupt geben? Kann ein Comic etwas „besser“ machen als ein Buch?

TK: Soviel ich weiß, plant der vgs-Verlag eine Umsetzung einer anderen Fantasyromanreihe. Der Grund hierfür dürfte, ähnlich wie beim Film, ein rein marketing-technischer sein.

CG: Danke für die Beantwortung der Fragen und alles Gute Euch beiden!

Wolfgang Hohlbein
Homepage mit zahlreichen Infos

Thomys Homepage
inkl. vieler (Vor-) Zeichnungen zur CdU

Egmont vgs
Homepage des Verlags

Die Artillerie
Atelierheimat von Benjamin und Thomy

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Kiesel, Reinhard

Comicgate: Hallo Harald, Hallo Reinhard, am Valentinstag habt Ihr zusammen mit dem ORF „Fred“ als Printcomic der Öffentlichkeit vorgestellt. War das mit dem Datum ein eher (glücklicher) Zufall oder doch seit längerem geplant?

Reinhard Kiesel: Reiner Zufall!
Harald Havas: Eher Notfall – der Band sollte ja schon viel früher raus. Als es dann Januar wurde habe ich schon ein schönes Datum gesucht, und da hat mich meine Freundin auf den 14. Februar aufmerksam gemacht…
[Einen schönen Foto-Bericht zur ORF-Präsentation findet Ihr hier.]

Comicgate: Harald, Du hast Dir laut Anekdötchen die Figur des Fred auf einer Zugfahrt ausgedacht. War Reinhard gedanklich sofort Dein Wunschzeichner für Fred?

HH: Als ich FRED für den Comic-Channel präsentierte, habe ich schon mit Reinhard an einigen anderen, eher für Kinder gedachten Projekten gearbeitet. Da ich wußte, dass er der „Mann der 1000“ Stile ist – seine Bandbreite zwischen Cartoon und extrem realistisch ist, was jetzt in Fred nicht immer so zur Geltung kommt, wirklich enorm – dachte ich mir, dass er sicher eine passende Umsetzung meiner Ideen liefern würde. Und so war’s auch. Seit damals sind wir gleichberechtigte Eltern von Fred und allen anderen!

CG: Wie läuft Eure Zusammenarbeit ab bei der Serie? Komplett getrennt, oder beratet Ihr Euch?

RK: Getrennt, Harald schickt das Manuskript sehr detailiert, manchmal auch mit Skizzen, und ich liefere den fertigen Strip an den ORF. Das geht aber nur, wenn man sich so gut kennt.
HH: Dem ist eigentlich nix hinzuzufügen. Es gibt schon manchmal Absprachen am Telefon oder Treffen, aber eher nur, wenn neue Dauer-Figuren eingeführt werden.

CG: Wie lange braucht Ihr für einen Strip? Und koloriert Reinhard auch?

RK: Meine Arbeitszeit: ca. ein Tag, aber halt aufgeteilt!
HH: Je nachdem, manchmal fällt mir ein Gag spontan ein und ist gleich, nach meinem Dafürhalten, perfekt, manchmal feile ich wochenlang – gedanklich – an Details und Formulierungen. Das Skript schreib ich dann in ca. 20 bis 30 Minuten.

CG: Fred hat sich im Lauf der fast fünf Jahre vom Zeichenstil her ziemlich verändert, so wurde das Design immer reduzierter, klarer und symmetrischer. Kam das schleichend oder war es bewusst angelegt? Wird Fred sich weiter verändern?

RK: Nicht bewusst, aber gewünscht. Wahrscheinlich verändert er sich weiter.

CG: In den Strips geht es oft um sexuellen Frust und alltägliche Pleiten, Pech und Pannen, wobei eine Analogie zum Woody-Allen-Humor nicht von der Hand zu weisen ist. Sind die Strips von der Realität, nennen wir es mal, „inspiriert“, oder ist alles erfunden?

HH: Teils, teils 😉 Aber es muß ja nicht alles MIR passiert sein…

CG: *Natürlich* ist die Ähnlichkeit von Fred und Harald rein zufällig, aber *falls* jemand doch Harald in Fred wiedererkennen sollte, läuft man dann nicht Gefahr, dass da einiges in die reale Person reingedeutet wird?

HH: Passiert mir dauernd. Aber ich kontere dann immer, dass ich jetzt seit zwölf Jahren in einer fixen Beziehung – sogar mit derselben Frau! – bin und obendrein seit 1 1/2 Jahren stolzer Vater einer Tocher. Nein, nein… ich bin, gottseidank, nicht Fred. Aber sollte mal der Ruhm und Rummel Überhand nehmen (ja, klar…), rasier‘ ich mir einfach den Bart ab und setz mir Kontaktlinsen ein, dann erkennt mich sicher keiner mehr in der Figur wieder 😉

Harald Havas bei der ORF-Präsentation von Fred

CG: Ab wann gab es Pläne zur Printveröffentlichung? Wie kam es dann zur Zusammenarbeit mit Zwerchfell?

RK:Pläne immer.
HH: Den Plan im Kopf gab’s schon lange. In Österreich gibt’s aber keinen wirklich passenden Verlag, also hab ich’s zuerst 2002 in Erlangen versucht. Aber Carlsen und Ehapa meinten, sie machen derzeit keine Strips, und der Lektor von Achterbahn fand „Fred“ nicht lustig… 2004 hab ich’s dann noch einmal in Erlangen probiert und bin fast zwangsläufig auf Zwerchfell gekommen: zu dem Zeitpunkt hatten sie sich mit „Zuckerfisch“, „Den Kleinen Mutterfickern“ etc. ja bereits ziemlich gut im Strip-Bereich etabliert. Außerdem erscheint schon seit einiger Zeit ein von mir getexteter Strip in „Grimm“. Bei einem Mittagessendate im Freien vor der Halle haben Jan und Stefan Dinter sowie ich dann unsere, verlegerische, Liebe füreinander entdeckt… 😉

CG: „Mars und Venus auf dem Holzweg“… Könnt Ihr das mal etwas erklären (okay, Mars=Mann und Venus=Frau, aber sonst…)?

HH: Da gibt’s doch die ganzen „Mars und Venus“-Bücher, in denen es um die Unterschiede in der Psyche von Männern und Frauen geht. Angefangen von „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ über „M, V und Eros“, „M, V und Partnerschaft“, „M und V neu verliebt“, „M und V im siebenten Himmel“ etc. pipapo *gähn*. Bei Fred geht’s oft um das Scheitern jeglicher Kommunikation zwischen Mann und Frau, deswegen sind bei uns Mars und Venus leider meistens auf dem Holzweg…

CG: Ach so… Ich hab’s nicht so mit diesen Ratgebern, daher meine Unwissenheit. 😉
Und die umgedrehte Frau auf der Rückseite, was hat es damit auf sich?

HH: Die Frau ist absichtlich so – geradezu „allegorisch“ (Mann und Frau 180 Grad verkehrt und so…)

CG: Seid Ihr zufrieden mit dem Druckergebnis?

RK: Es gab ein paar Abstimmungsprobleme zwischen der Software und der Druckerei, die sich erst im Druck gezeigt haben: manchmal ist z.B. Schwarz die Druckfarbe Schwarz, manchmal eine Mischung aus den drei anderen Druckfarben, außerdem kommt der Hintergrund hinter den Strips manchmal etwas zu stark durch. Nichts, was einem durchschnittlichen Leser auffallen würde, aber wenn man ein „Fehlersuchspiel“ beginnen würde, könnte man dies und das entdecken. Wie übrigens bei fast jedem Druckwerk.
HH: Wie gesagt, es gab das eine oder andere Mißverständnis zwischen Reinhard und der Druckerei, aber im großen und ganzen finde ich den Band wirklich sehr schön! Auch die Reaktionen in meiner Umgebung sind positiv bis euphorisch.

CG: Mir persönlich gefällt er von der Aufmachung her auch sehr gut! Er wirkt, als ob man sich richtig viel Mühe und Gedanken bei der Umsetzung gemacht hat.
Was kann man da eigentlich immer im Hintergrund außerhalb der Strips sehen? Und was hat es mit dem Ton(?)männchen, das manchmal am Rand auftaucht, auf sich?

RK: Der Hintergrund ist eine Collage aus Skizzen und Manusseiten. Und das Männchen ist aus Plastilin und ein Geschenk von meinem Sohn Calvin.

CG: Wer hatte die kongeniale Idee, Peter Puck um das Vorwort zu bitten, der ja nun so ziemlich das Gegenteil von dem zeichnet, was Fred ausmacht?

HH: Hm, das war irgendwann in einem Gespräch zwischen Jan [Dinter, zuständiger Zwerchfell-Redakteur – Anm. d. Red.] und mir… wer’s genau war, weiß ich jetzt nicht mehr. Peter Puck kenne ich von vielen Jahren Comic Salon Erlangen, und wir haben eine gute, freundschaftliche Beziehung – die aus ca. einer Stunde Gespräch alle zwei Jahre besteht. Außerdem liebe ich seine Sachen! Peter Puck ist sicher einer der genialsten Comic-Schaffenden (Text UND Bild) im deutschen Sprachraum. Inhaltlich ist Fred übrigens gar nicht so weit weg von Peters Geschichten…
[Peter Pucks Webseite]

CG: Seit fast fünf Jahren erscheinen nun schon die Fred-Strips auf der Comic-Seite des ORF. Wird es trotz Print dort auch weitergehen? Oder, das Schlimmste, gehen einem sogar irgendwann die Ideen aus?

HH: Natürlich geht’s weiter – wir brauchen ja noch ca. 50 neue Strips für Band 2! 😉 Fred ist nur eine von mehreren Strip-Serien die ich texte, sowohl für Kinder wie Erwachsene. Mittlerweile müßten an die 1000 Strips erschienen sein. Irgendwie ist der Comic-Strip mein ideales Medium, darin kann ich mich am besten ausdrücken. Von MIR aus könnte Fred auch täglich erscheinen!

CG: Erzählt doch mal bitte ein bisschen über die Trickfilmumsetzung von Fred. Was und wann erwartet den Fred-Fan? Und wer ist der Sprecher von Fred?

HH: Auf der Homepage von Zwerchfell gibt es bereits drei kurze Spots, jeweils nach einem der Strips im Buch. Eine längere Episode (5 Minuten) ist auch schon fertig. An sich planen wir eine erste Staffel von 26 je 5minütigen Episoden. Das klingt nicht nach viel, ist aber langwierig und teuer! Landläufig geht man von 10.000 Euro pro TrickMINUTE aus! Dh. man braucht bereits mehrere Käufer und internationales Vorausinteresse, bevor man überhaupt anfangen kann. Aber wir sind da absolut am Ball. Ob’s noch dieses Jahr was wird, mal sehen… News dazu jedenfalls immer auf der HP der Trickfirma Spectrum Trickfilm. Der Sprecher ist der in Wien lebende amerikanische Schauspieler Jim Libby. Denn Fred wird aus gerade genannten Gründen in Englisch produziert

CG: Das mit dem Trickfilm interessiert mich wirklich sehr – ich habe mir die Folge auf Zwerchfell angesehen und ich denke, das funktioniert verdammt gut. Könntest Du da vielleicht ein bisschen mehr ins Detail gehen, Harald?

HH: Alexander Noelle von Spectrum Trickfilm suchte im Jahr 2000 nach neuen Figuren bzw. Lizenzen, um daraus Trickfilmserien machen zu können. Er hatte zu dem Zeitpunkt schon Figuren von u.a. Haderer und Deix (für eine ORF-Comedy) animiert. Bei dieser Suche stieß er auf die Comics auf ORF.at und fragte bei mehreren Zeichnern und Rechteinhabern an. Wir trafen uns dann persönlich, kamen bald zu einem Verständnis – und los ging’s! Schon 2001 wurden die ersten 45 Sekunden Fred beim europäischen „Cartoon Forum“ in Garmisch-Partenkirchen präsentiert.

Reinhard Kiesel liefert die „character sheets“ der Figuren und Entwürfe der Hintergründe. Alexander Noelle und Team modellieren die Figuren in 3D, er zeichnet die Storyboards nach meinem Drehbuch und Spectrum animiert das ganze dann im Computer. Die Schauspieler sprechen ihre Texte vorab unter meiner Regie im Tonstudio, dann kommt noch Musik dazu… Zeichentrick dauert echt lange. Siehe auch diesen Fred-Strip dazu und die folgenden. 😉

CG: Werden immer nur bereits erschienene Folgen verfilmt werden?

HH: Nein, sowohl als auch. Es gibt Skripts nach den Strips und eigens geschriebene. In einem Fall hab ich aus einem Skript dann auch erst nachträglich Strips gemacht.

CG: Bei den Fünf-Minuten-Episoden, ist das eine durchgehende Geschichte oder aneinandergehängte „Strips“?

HH: Immer eine durchgehende Story – so ähnlich wie die auch im Strip auftauchenden Fortsetzungen einer Handlung. Die „Shorts“ wie im Web sind nur Teaser.

CG: Wieviel Mitspracherecht habt Ihr?

HH: Viel! Einerseits sind wir „Rechteinhaber“ und „Lizenzgeber“ – aber was noch viel wichtiger ist, dass wir als Layouter, Figurenentwickler, Drehbuchautor und Mit-Regisseur eigentlich immer hautnah dabei sind.

CG: Gibt es denn schon konkretes Interesse aus Deutschland/Europa/weltweit?

HH: Ja und Nein. Wir haben bereits einen Vertrieb gefunden, was schon recht viel bedeutet in dem Business. Die EU hält uns auch für förderungswürdig. Was wir jetzt noch brauchen sind mindestens zwei TV-Anstalten, die einen Vorvertrag unterzeichnen. Denn Trickfilm ist sauteuer! Da muß man das Produkt verkaufen BEVOR es gemacht ist! Aber momentan spielen die alle „wer sich zuerst bewegt, hat verloren“. Da Alexander Noelle jetzt aber mit der deutschen Trickfilm-Legende Hahnfilm an Ralph Ruthes „Frühreifen“ arbeitet, und mit Reinhard und mir an der Umsetzung eines weiteren (diesmal Kinder-)Strips namens „Maxie Maximal – das Mädchen aus der Zukunft“, hoffen wir mittelfristig genug Kontakte zu knüpfen, damit da bald was geht!

CG: Sind die Österreicher entspannter? Ich tue mich in der Tat auch schwer, einen Comic wie Fred bei der ARD zu sehen (wie irgendjemand schon mal anmerkte)?

RK: Ich hab von anderer Seite oft gehört, dass die Deutschen viel konservativer sind.
HH: Entspannter trifft’s vermutlich. Oder mehr „laissez faire“. Aber über solche Unterschiede könnte man ewig philosophieren.

CG: Gibt es eine eigene Comicszene in Österreich, die vielleicht von so manchen deutschen Lesern nicht wahrgenommen wird, oder kann man von einer ganzheitlichen „deutschsprachigen“ Szene reden? Wie empfindet Ihr das?

RK: Es gibt eine eigenständige Szene, aber keine ordentliche Möglichkeit zur Veröffentlichung (keine Verlage, etc.).
HH: Es ist vielleicht noch zerstreuter als in Deutschland, da alles viel kleiner ist, weniger Protagonisten. Während man in Deutschland manchmal ja sogar von Stilen und Richtungen sprechen kann, ist bei uns praktisch jeder Zeichner seine eigene Richtung! Aber es gibt gar nicht so wenige Zeichner und auch Zeichnerinnen, das Potential wäre da.

CG: Könnt Ihr uns zum Schluss noch einen Geheimtipp für einen österreichischen Zeichner oder Cartoonisten geben, der noch nicht nach Deutschland vorgedrungen ist?

HH: Nicolas Mahler ist ja schon recht – und zu Recht! – bekannt (mahlermuseum.at), einen richtigen Mini-Kult-Status (teilweise auch schon in Deutschland) hat z.B. Nina Ruzicka (cartoontomb.de), und auch Ronald Putzker (putzker.com), früher bekannt vor allem durch seine Sachen für comicplus+, ist noch nicht abgeschrieben. So publiziert er etwa die realistisch gezeichnete, aber humoristische Erotik-Comic-Serie „Dämonia“ für das deutsche Fetisch-Magazin „Schlagzeilen“.

  CG: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen, und natürlich viel Erfolg für Fred!

HH: Danke!

Bestellen könnt Ihr „Total Fred“ direkt hier bei Zwerchfell für zwölf Euro plus zwei Euro Versandgebühren.

Zwerchfell
Freds Verlag

ORF ON Comics
Heimat von Fred und vielen weiteren Webcomics

Spectrum Trickfilm
machen Trickfilme, u.a. über Fred

Frostrubin
Bericht und Fotos zur ORF-Präsentation von Fred

Havas, Harald

Comicgate: Hallo Harald, Hallo Reinhard, am Valentinstag habt Ihr zusammen mit dem ORF „Fred“ als Printcomic der Öffentlichkeit vorgestellt. War das mit dem Datum ein eher (glücklicher) Zufall oder doch seit längerem geplant?

Reinhard Kiesel: Reiner Zufall!
Harald Havas: Eher Notfall – der Band sollte ja schon viel früher raus. Als es dann Januar wurde habe ich schon ein schönes Datum gesucht, und da hat mich meine Freundin auf den 14. Februar aufmerksam gemacht…
[Einen schönen Foto-Bericht zur ORF-Präsentation findet Ihr hier.]

Comicgate: Harald, Du hast Dir laut Anekdötchen die Figur des Fred auf einer Zugfahrt ausgedacht. War Reinhard gedanklich sofort Dein Wunschzeichner für Fred?

HH: Als ich FRED für den Comic-Channel präsentierte, habe ich schon mit Reinhard an einigen anderen, eher für Kinder gedachten Projekten gearbeitet. Da ich wußte, dass er der „Mann der 1000“ Stile ist – seine Bandbreite zwischen Cartoon und extrem realistisch ist, was jetzt in Fred nicht immer so zur Geltung kommt, wirklich enorm – dachte ich mir, dass er sicher eine passende Umsetzung meiner Ideen liefern würde. Und so war’s auch. Seit damals sind wir gleichberechtigte Eltern von Fred und allen anderen!

CG: Wie läuft Eure Zusammenarbeit ab bei der Serie? Komplett getrennt, oder beratet Ihr Euch?

RK: Getrennt, Harald schickt das Manuskript sehr detailiert, manchmal auch mit Skizzen, und ich liefere den fertigen Strip an den ORF. Das geht aber nur, wenn man sich so gut kennt.
HH: Dem ist eigentlich nix hinzuzufügen. Es gibt schon manchmal Absprachen am Telefon oder Treffen, aber eher nur, wenn neue Dauer-Figuren eingeführt werden.

CG: Wie lange braucht Ihr für einen Strip? Und koloriert Reinhard auch?

RK: Meine Arbeitszeit: ca. ein Tag, aber halt aufgeteilt!
HH: Je nachdem, manchmal fällt mir ein Gag spontan ein und ist gleich, nach meinem Dafürhalten, perfekt, manchmal feile ich wochenlang – gedanklich – an Details und Formulierungen. Das Skript schreib ich dann in ca. 20 bis 30 Minuten.

CG: Fred hat sich im Lauf der fast fünf Jahre vom Zeichenstil her ziemlich verändert, so wurde das Design immer reduzierter, klarer und symmetrischer. Kam das schleichend oder war es bewusst angelegt? Wird Fred sich weiter verändern?

RK: Nicht bewusst, aber gewünscht. Wahrscheinlich verändert er sich weiter.

CG: In den Strips geht es oft um sexuellen Frust und alltägliche Pleiten, Pech und Pannen, wobei eine Analogie zum Woody-Allen-Humor nicht von der Hand zu weisen ist. Sind die Strips von der Realität, nennen wir es mal, „inspiriert“, oder ist alles erfunden?

HH: Teils, teils 😉 Aber es muß ja nicht alles MIR passiert sein…

CG: *Natürlich* ist die Ähnlichkeit von Fred und Harald rein zufällig, aber *falls* jemand doch Harald in Fred wiedererkennen sollte, läuft man dann nicht Gefahr, dass da einiges in die reale Person reingedeutet wird?

HH: Passiert mir dauernd. Aber ich kontere dann immer, dass ich jetzt seit zwölf Jahren in einer fixen Beziehung – sogar mit derselben Frau! – bin und obendrein seit 1 1/2 Jahren stolzer Vater einer Tocher. Nein, nein… ich bin, gottseidank, nicht Fred. Aber sollte mal der Ruhm und Rummel Überhand nehmen (ja, klar…), rasier‘ ich mir einfach den Bart ab und setz mir Kontaktlinsen ein, dann erkennt mich sicher keiner mehr in der Figur wieder 😉

Harald Havas bei der ORF-Präsentation von Fred

CG: Ab wann gab es Pläne zur Printveröffentlichung? Wie kam es dann zur Zusammenarbeit mit Zwerchfell?

RK:Pläne immer.
HH: Den Plan im Kopf gab’s schon lange. In Österreich gibt’s aber keinen wirklich passenden Verlag, also hab ich’s zuerst 2002 in Erlangen versucht. Aber Carlsen und Ehapa meinten, sie machen derzeit keine Strips, und der Lektor von Achterbahn fand „Fred“ nicht lustig… 2004 hab ich’s dann noch einmal in Erlangen probiert und bin fast zwangsläufig auf Zwerchfell gekommen: zu dem Zeitpunkt hatten sie sich mit „Zuckerfisch“, „Den Kleinen Mutterfickern“ etc. ja bereits ziemlich gut im Strip-Bereich etabliert. Außerdem erscheint schon seit einiger Zeit ein von mir getexteter Strip in „Grimm“. Bei einem Mittagessendate im Freien vor der Halle haben Jan und Stefan Dinter sowie ich dann unsere, verlegerische, Liebe füreinander entdeckt… 😉

CG: „Mars und Venus auf dem Holzweg“… Könnt Ihr das mal etwas erklären (okay, Mars=Mann und Venus=Frau, aber sonst…)?

HH: Da gibt’s doch die ganzen „Mars und Venus“-Bücher, in denen es um die Unterschiede in der Psyche von Männern und Frauen geht. Angefangen von „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ über „M, V und Eros“, „M, V und Partnerschaft“, „M und V neu verliebt“, „M und V im siebenten Himmel“ etc. pipapo *gähn*. Bei Fred geht’s oft um das Scheitern jeglicher Kommunikation zwischen Mann und Frau, deswegen sind bei uns Mars und Venus leider meistens auf dem Holzweg…

CG: Ach so… Ich hab’s nicht so mit diesen Ratgebern, daher meine Unwissenheit. 😉
Und die umgedrehte Frau auf der Rückseite, was hat es damit auf sich?

HH: Die Frau ist absichtlich so – geradezu „allegorisch“ (Mann und Frau 180 Grad verkehrt und so…)

CG: Seid Ihr zufrieden mit dem Druckergebnis?

RK: Es gab ein paar Abstimmungsprobleme zwischen der Software und der Druckerei, die sich erst im Druck gezeigt haben: manchmal ist z.B. Schwarz die Druckfarbe Schwarz, manchmal eine Mischung aus den drei anderen Druckfarben, außerdem kommt der Hintergrund hinter den Strips manchmal etwas zu stark durch. Nichts, was einem durchschnittlichen Leser auffallen würde, aber wenn man ein „Fehlersuchspiel“ beginnen würde, könnte man dies und das entdecken. Wie übrigens bei fast jedem Druckwerk.
HH: Wie gesagt, es gab das eine oder andere Mißverständnis zwischen Reinhard und der Druckerei, aber im großen und ganzen finde ich den Band wirklich sehr schön! Auch die Reaktionen in meiner Umgebung sind positiv bis euphorisch.

CG: Mir persönlich gefällt er von der Aufmachung her auch sehr gut! Er wirkt, als ob man sich richtig viel Mühe und Gedanken bei der Umsetzung gemacht hat.
Was kann man da eigentlich immer im Hintergrund außerhalb der Strips sehen? Und was hat es mit dem Ton(?)männchen, das manchmal am Rand auftaucht, auf sich?

RK: Der Hintergrund ist eine Collage aus Skizzen und Manusseiten. Und das Männchen ist aus Plastilin und ein Geschenk von meinem Sohn Calvin.

CG: Wer hatte die kongeniale Idee, Peter Puck um das Vorwort zu bitten, der ja nun so ziemlich das Gegenteil von dem zeichnet, was Fred ausmacht?

HH: Hm, das war irgendwann in einem Gespräch zwischen Jan [Dinter, zuständiger Zwerchfell-Redakteur – Anm. d. Red.] und mir… wer’s genau war, weiß ich jetzt nicht mehr. Peter Puck kenne ich von vielen Jahren Comic Salon Erlangen, und wir haben eine gute, freundschaftliche Beziehung – die aus ca. einer Stunde Gespräch alle zwei Jahre besteht. Außerdem liebe ich seine Sachen! Peter Puck ist sicher einer der genialsten Comic-Schaffenden (Text UND Bild) im deutschen Sprachraum. Inhaltlich ist Fred übrigens gar nicht so weit weg von Peters Geschichten…
[Peter Pucks Webseite]

CG: Seit fast fünf Jahren erscheinen nun schon die Fred-Strips auf der Comic-Seite des ORF. Wird es trotz Print dort auch weitergehen? Oder, das Schlimmste, gehen einem sogar irgendwann die Ideen aus?

HH: Natürlich geht’s weiter – wir brauchen ja noch ca. 50 neue Strips für Band 2! 😉 Fred ist nur eine von mehreren Strip-Serien die ich texte, sowohl für Kinder wie Erwachsene. Mittlerweile müßten an die 1000 Strips erschienen sein. Irgendwie ist der Comic-Strip mein ideales Medium, darin kann ich mich am besten ausdrücken. Von MIR aus könnte Fred auch täglich erscheinen!

CG: Erzählt doch mal bitte ein bisschen über die Trickfilmumsetzung von Fred. Was und wann erwartet den Fred-Fan? Und wer ist der Sprecher von Fred?

HH: Auf der Homepage von Zwerchfell gibt es bereits drei kurze Spots, jeweils nach einem der Strips im Buch. Eine längere Episode (5 Minuten) ist auch schon fertig. An sich planen wir eine erste Staffel von 26 je 5minütigen Episoden. Das klingt nicht nach viel, ist aber langwierig und teuer! Landläufig geht man von 10.000 Euro pro TrickMINUTE aus! Dh. man braucht bereits mehrere Käufer und internationales Vorausinteresse, bevor man überhaupt anfangen kann. Aber wir sind da absolut am Ball. Ob’s noch dieses Jahr was wird, mal sehen… News dazu jedenfalls immer auf der HP der Trickfirma Spectrum Trickfilm. Der Sprecher ist der in Wien lebende amerikanische Schauspieler Jim Libby. Denn Fred wird aus gerade genannten Gründen in Englisch produziert

CG: Das mit dem Trickfilm interessiert mich wirklich sehr – ich habe mir die Folge auf Zwerchfell angesehen und ich denke, das funktioniert verdammt gut. Könntest Du da vielleicht ein bisschen mehr ins Detail gehen, Harald?

HH: Alexander Noelle von Spectrum Trickfilm suchte im Jahr 2000 nach neuen Figuren bzw. Lizenzen, um daraus Trickfilmserien machen zu können. Er hatte zu dem Zeitpunkt schon Figuren von u.a. Haderer und Deix (für eine ORF-Comedy) animiert. Bei dieser Suche stieß er auf die Comics auf ORF.at und fragte bei mehreren Zeichnern und Rechteinhabern an. Wir trafen uns dann persönlich, kamen bald zu einem Verständnis – und los ging’s! Schon 2001 wurden die ersten 45 Sekunden Fred beim europäischen „Cartoon Forum“ in Garmisch-Partenkirchen präsentiert.

Reinhard Kiesel liefert die „character sheets“ der Figuren und Entwürfe der Hintergründe. Alexander Noelle und Team modellieren die Figuren in 3D, er zeichnet die Storyboards nach meinem Drehbuch und Spectrum animiert das ganze dann im Computer. Die Schauspieler sprechen ihre Texte vorab unter meiner Regie im Tonstudio, dann kommt noch Musik dazu… Zeichentrick dauert echt lange. Siehe auch diesen Fred-Strip dazu und die folgenden. 😉

CG: Werden immer nur bereits erschienene Folgen verfilmt werden?

HH: Nein, sowohl als auch. Es gibt Skripts nach den Strips und eigens geschriebene. In einem Fall hab ich aus einem Skript dann auch erst nachträglich Strips gemacht.

CG: Bei den Fünf-Minuten-Episoden, ist das eine durchgehende Geschichte oder aneinandergehängte „Strips“?

HH: Immer eine durchgehende Story – so ähnlich wie die auch im Strip auftauchenden Fortsetzungen einer Handlung. Die „Shorts“ wie im Web sind nur Teaser.

CG: Wieviel Mitspracherecht habt Ihr?

HH: Viel! Einerseits sind wir „Rechteinhaber“ und „Lizenzgeber“ – aber was noch viel wichtiger ist, dass wir als Layouter, Figurenentwickler, Drehbuchautor und Mit-Regisseur eigentlich immer hautnah dabei sind.

CG: Gibt es denn schon konkretes Interesse aus Deutschland/Europa/weltweit?

HH: Ja und Nein. Wir haben bereits einen Vertrieb gefunden, was schon recht viel bedeutet in dem Business. Die EU hält uns auch für förderungswürdig. Was wir jetzt noch brauchen sind mindestens zwei TV-Anstalten, die einen Vorvertrag unterzeichnen. Denn Trickfilm ist sauteuer! Da muß man das Produkt verkaufen BEVOR es gemacht ist! Aber momentan spielen die alle „wer sich zuerst bewegt, hat verloren“. Da Alexander Noelle jetzt aber mit der deutschen Trickfilm-Legende Hahnfilm an Ralph Ruthes „Frühreifen“ arbeitet, und mit Reinhard und mir an der Umsetzung eines weiteren (diesmal Kinder-)Strips namens „Maxie Maximal – das Mädchen aus der Zukunft“, hoffen wir mittelfristig genug Kontakte zu knüpfen, damit da bald was geht!

CG: Sind die Österreicher entspannter? Ich tue mich in der Tat auch schwer, einen Comic wie Fred bei der ARD zu sehen (wie irgendjemand schon mal anmerkte)?

RK: Ich hab von anderer Seite oft gehört, dass die Deutschen viel konservativer sind.
HH: Entspannter trifft’s vermutlich. Oder mehr „laissez faire“. Aber über solche Unterschiede könnte man ewig philosophieren.

CG: Gibt es eine eigene Comicszene in Österreich, die vielleicht von so manchen deutschen Lesern nicht wahrgenommen wird, oder kann man von einer ganzheitlichen „deutschsprachigen“ Szene reden? Wie empfindet Ihr das?

RK: Es gibt eine eigenständige Szene, aber keine ordentliche Möglichkeit zur Veröffentlichung (keine Verlage, etc.).
HH: Es ist vielleicht noch zerstreuter als in Deutschland, da alles viel kleiner ist, weniger Protagonisten. Während man in Deutschland manchmal ja sogar von Stilen und Richtungen sprechen kann, ist bei uns praktisch jeder Zeichner seine eigene Richtung! Aber es gibt gar nicht so wenige Zeichner und auch Zeichnerinnen, das Potential wäre da.

CG: Könnt Ihr uns zum Schluss noch einen Geheimtipp für einen österreichischen Zeichner oder Cartoonisten geben, der noch nicht nach Deutschland vorgedrungen ist?

HH: Nicolas Mahler ist ja schon recht – und zu Recht! – bekannt (mahlermuseum.at), einen richtigen Mini-Kult-Status (teilweise auch schon in Deutschland) hat z.B. Nina Ruzicka (cartoontomb.de), und auch Ronald Putzker (putzker.com), früher bekannt vor allem durch seine Sachen für comicplus+, ist noch nicht abgeschrieben. So publiziert er etwa die realistisch gezeichnete, aber humoristische Erotik-Comic-Serie „Dämonia“ für das deutsche Fetisch-Magazin „Schlagzeilen“.

  CG: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen, und natürlich viel Erfolg für Fred!

HH: Danke!

Bestellen könnt Ihr „Total Fred“ direkt hier bei Zwerchfell für zwölf Euro plus zwei Euro Versandgebühren.

Zwerchfell
Freds Verlag

ORF ON Comics
Heimat von Fred und vielen weiteren Webcomics

Spectrum Trickfilm
machen Trickfilme, u.a. über Fred

Frostrubin
Bericht und Fotos zur ORF-Präsentation von Fred

Nova Centurio – Die Kitamura-Chroniken

Mit dem 1. Band von Nova Centurio startete am 19. Januar ein ungewöhnliches Comic-Projekt. Auf jeweils 60 Seiten findet der Leser sowohl Comic- als auch Romanseiten, die eine fortlaufende Geschichte erzählen. Dabei unterstützen sich die beiden Formate nicht gegenseitig, sondern bedingen einander – immer wieder abwechselnd treiben sie die Geschichte voran.
Das NC-Team hat sich viel vorgenommen: jeden Monat wird ein neuer Band erscheinen.
Um mehr über dieses ambitionierte Projekt zu erfahren, hat Karen den 1. Band genauer unter die Lupe genommen. Im Anschluss stellt sich der Zeichner der 1. Ausgabe, Chris Noeth, den Fragen von Frauke über die Hintergründe von Nova Centurio, seine Arbeit und dem Vorgehen bei solch einer regelmäßigen Veröffentlichung.

Übersicht des Specials:
Besprechung Band 1 Nova Centurio
Interview mit Chris Noeth
Pressetext Nova Centurio


Besprechung Band 1 Nova Centurio

Eher selten geschieht es, dass sich ein Verlag traut, ganz neue, eigene Wege zu gehen und etwas noch nie Dagewesenes auszuprobieren. Genau das streben Miracle Images mit ihrem neuen Comic-Roman-Projekt Nova Centurio an. Als „ein bisschen ‚Akira’, ein bisschen ‚Harry Potter’“ wird das Projekt laut Pressetext angekündigt – was erstmal zu einem ungläubigen Blick und dann zu Stirnrunzeln führt. Meinen die das ernst? Sie meinen.

Zum Inhalt: In einer gar nicht so fernen Zukunft haben sechs gottgleiche Titanen die Herrschaft über die Erde übernommen. Ihre Herkunft ist genau wie ihre Absichten ungewiss, doch sie haben die Erde unter sich aufgeteilt und fast alle Menschen unterjocht. Der einzige noch freie Kontinent ist Australien. Auch dieser letzte Hort der Freiheit wird allerdings zunehmend bedroht. Die Geschichte von Nova Centurio beginnt in Japan, genauer in Tôkyô, das der eisernen Herrschaft des Titanen Hiroshima untersteht. Hier lebt und lernt der junge Kitamura, der eine besondere Kraft besitzt: er kann eine ganz spezielle Art von Magie beschwören. Nach einem tragischen prägenden Erlebnis, in dem der junge Mann seine gesamte Familie verliert, richtete sich sein Hass auf die Rebellen, die mehr ihren Mitmenschen schaden als sonst jemandem, und den tyrannischen Diktator selbst gleichermaßen. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Kitamura stolpert über ein Massengrab und plötzlich ist da auch noch ein sprechender Hund, der sich als Timer, der kybernetische Köter, vorstellt…

Die epische Geschichte um den Jungen, den Mann, den Krieger und Helden Kitamura soll in mehreren Storybögen erzählt werden. Ambitioniert ist das Projekt, angestoßen von dem deutschsprachigen Japaner Ken Watamoto, auf jeden Fall. Monatlich soll in Form einer Heftreihe mit 60 Seiten Umfang zum unschlagbaren Kampfpreis von 1,95 Euro eine besondere Geschichte an die Leser gebracht werden – und zwar sowohl in Wort als auch in Bild. „Nova Centurio“ versteht sich als Synthese aus Roman und Comic, als Verbindung von klassischer Erzählung und stark an den zurzeit populären Manga-Stil angelehnten Comic-Sequenzen. Dabei wiederholen die Bilder nicht etwa die Story, sie sind ein eigenständiger Teil derselben.

Als Idee ist das an und für sich genial. So können die Vorteile beider Ausdrucksformen ideal verbunden werden. Besonders actionreiche Szenen beispielsweise, die sich schwer in Worte fassen lassen, könnten in Bildern weitaus einprägsamer wiedergegeben werden. Durch das Nebeneinander beider Formen bieten sich zahlreiche originelle Möglichkeiten, die Story eindrucksvoll zu illustrieren und weiterzuführen.

Soweit so gut – aber geht das Konzept auch auf? Hier zeigt sich leider der große Haken von Nova Centurio. So gut die Idee auch sein mag, das Ergebnis kommt letztendlich etwas blass herüber.

Das liegt zum einen daran, dass Ken Watamotos Schreibstil ziemlich gewöhnungsbedürftig bis, freundlich ausgedrückt, blumig ist.
„Mit einem letzten Blick auf seine Mutter (so sehr vermisst) und seine Schwestern, deren Asche auch heute noch über Tôkyô tanzen mochte (wie herrlich lebendig einst ihre jungen Leiber über die Straßen glitten, mit fröhlichem Lachen, das den Tod nicht kannte), trat er hinaus auf den vom Kondenswasser der Kraftfelder feuchten Felsvorsprung.“
Watamoto verliert sich in Nebensätzen, verzettelt sich in kunstvollen Vergleichen und schafft es zumindest im ersten Band nicht, den Leser wirklich in seine Story hineinzuziehen. Zu viele Elemente will er streifen, zu viele Genres bedienen.
Nova Centurio ist klar Science Fiction, in einer Zukunft angesiedelt, in der fremdartige Titanen mit noch fremdartigerer Technik die Welt beherrschen. Es will gleichzeitig aber auch Fantasy sein und bedient sich dazu der Magie und Mystik. Die Tragik kommt dank Kitamuras Lebensgeschichte nicht zu kurz, und mit der Einführung des Comic-Relief Elements Timer, des sprechenden Cyborg-Hundes, wird das Comedy-Genre bedient. Schließlich musste auch noch Action mit rein, und dann auch noch durch ein stark samurai-episch geprägtes Element. Das alles zusammen ist einfach zuviel.
„Nova Centurio“ wirkt, als habe Ken Watamoto sich bemüht, die Bildersprache eines Manga in erzählte Sprache zu übertragen, was zwangsläufig zu einem Übermaß an Worten führen muss. Der Leser wird förmlich erstickt mit Beschreibungen. In Poesie oder in Bildern ausgedrückt möchte man die Geschichte wohl noch ertragen können, in reinem Prosa-Text ist der immer wieder durchbrechende Pathos – insbesondere in Hinsicht auf die angestrebte Lesegruppe der Teenager ab 12 – völlig fehl am Platze.

Zum Anderen passen die Zeichnungen von Chris Noeth – der sich in kommenden Bänden mit den Zeichnern TOM3K Schukalla und Ade Hughes abwechseln wird – auch nicht so recht zum Ganzen. Noeth, bisher eher bekannt als Illustrator im Fantasy-Bereich und Grafikdesigner für Computer- und Handy-Games, strebt hier offensichtlich eine individuelle Variante des Manga-Stils an, aber seine kantigen Zeichnungen und der massive Einsatz von Rasterfolie wollen noch nicht so wirklich gelungen wirken. Sehr viel dynamischer und mitreißender sind da schon die Zeichnungen von Tom3k Schukalla, der zu diesem Band leider nur zwei Seiten beigesteuert hat, die dann auch sofort ob ihres extrem unterschiedlichen Stils auffallen. Im Gegensatz zu Noeth setzt Schukalla viel mehr auf Schwarz-Weiß-Kontraste, Andeutungen und Bewegung, seine Zeichnungen wirken lebendig, nicht statisch wie die von Noeth. Er scheint seinen eigenen Stil gefunden zu haben, eine durchaus gelungene Verbindung von Manga-Elementen und anderen Comic-Einflüssen, wenn hier auch verbunden mit exzessiver Gewaltdarstellung (dazu unten mehr). Im Gegensatz dazu wirkt der Stil von Chris Noeth relativ aufgesetzt und gezwungen. Ob sich dieser Eindruck erhärtet oder ob es sich hier nur um Anfangsschwierigkeiten handelt, die des öfteren innovative Comic-Projekte kennzeichnen, wird sich wohl erst in den nächsten Bänden zeigen.

Zum Thema Gewalt ist zu sagen, dass Nova Centurio ziemlich brutal daherkommt – sowohl Text als auch Bild schwelgen in Beschreibungen wie „Bei Gott, es würde Tote geben. Nicht Hunderte, nicht Tausende, sondern Millionen und Abermillionen“ oder „Rechts von mir verblutet einer der Geiselnehmer. Eingeweide quellen schmatzend aus seinem Bauch hervor. Mir wird schlecht. Kann nicht hinsehen. […] Seine Stimme wird immer leiser… dann stirb er in einem Meer von Blut.“ Appetitlich. Es ist nicht wirklich verständlich, warum das so und nicht anders beschrieben werden muss. Ob diese Art von Gewaltdarstellung nur den (12-jährigen?!) Leser beeindrucken soll oder tatsächlich irgendeinen diffusen höheren Zweck erfüllt, ist absolut nicht ersichtlich.

Alles in allem bleibt abzuwarten, wie sich Nova Centurio mausert. Hier wird eine neue Idee umgesetzt, die sicher die üblichen Kinderkrankheiten durchmachen muss, bevor sie an Profil und Professionalität gewinnt. Daher sollte man dem Projekt einen gewissen Sympathievorschuss geben und abwarten, wie sich die zweite und dritte Ausgabe gestalten. Schwerere Kost als ein normaler Comic ist Nova Centurio ganz gewiss, es eignet sich nur bedingt als Schnell-Lektüre für zwischendurch. Sollten die Zeichner zu einem überzeugenden Stil finden und der Autor seine blumigen Umschreibungen und den Pathos etwas zurückschrauben, könnte Nova Centurio Erfolg beschieden sein – allerdings wohl eher nicht bei der Zielgruppe der 12-jährigen.
Dann hätte die „Verbeugung an Perry Rhodan“ (Pressetext) vielleicht sogar das Potential, längerfristig Fans an sich zu binden. Oder, wie Kitamura es ausdrücken würde: „Begegnet wild nun unseren Feinden, denn sie sind verdammt! Auf, marschiert! Seid der Sturm, den ich gesät! Voran, voran…“

Übrigens kann man sich auch auf der Website von Nova Centurio die aktuelle und die zukünftigen Ausgaben für jeweils 3,- Euro (inkl. PP) bestellen.

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Interview mit Chris Noeth

Comicgate: Hallo Chris, der Nova-Centurio-Pressetext ist ja recht blumig und selbstbewusst geschrieben – ob zu Recht, das werden wir im Lauf der nächsten Monate herausfinden.
Wie würdest Du das Projekt mit Deinen eigenen Worten beschreiben?

ist ja recht blumig und selbstbewusst geschrieben – ob zu Recht, das werden wir im Lauf der nächsten Monate herausfinden.Wie würdest Du das Projekt mit Deinen eigenen Worten beschreiben? ist ja recht blumig und selbstbewusst geschrieben – ob zu Recht, das werden wir im Lauf der nächsten Monate herausfinden.Wie würdest Du das Projekt mit Deinen eigenen Worten beschreiben?

Chris Noeth: Hallo Frauke.
Da alle an Nova Centurio Beteiligten von dem Projekt überzeugt sind, darf natürlich der Pressetext ruhig selbstbewusst wirken. Die Leser sollen ja auch aufmerksam gemacht werden und eben auf Anhieb merken, dass sie es hier nicht mit einem öden illustrierten Roman zu tun haben, sondern einem völlig neuen Konzept aus einer ergänzenden Mischung aus Roman UND Comic.
Was mich als Zeichner angeht, kann ich sagen, dass ich nur an einem Projekt mitarbeite, welches mich als Fan und Leser bereits im Vorfeld begeistern kann. Für meine Beteiligung ist in erster Linie ausschlaggebend, ob ich mir ein solches Heft am Kiosk kaufen würde. Ist die Antwort „ja“, dann denke ich, geht es noch vielen anderen so, und das Projekt hat Potential.

Wenn ich nun Nova Centurio beschreiben müsste, dann würde ich es als „kombiniertes Entertainment“ bezeichnen. Es ist in dieser Kombination einzigartig. Das Besondere ist die wechselnde Erzählform innerhalb des Heftes. So beginnt die Geschichte um den jungen Kitamura mit wenigen Romanseiten, wird dann in Form eines Comics weitererzählt, um dann wieder in Romanform überzugehen. Für das Verständnis der Gesamtstory ist es wichtig, beide Formen zu lesen und dabei die Reihenfolge zu beachten.

Die Serie ist für Leser ab 12 Jahren konzipiert, wobei das Alter, wie auch bei einem Film mit einer Freigabe ab 12, lediglich eine Richtlinie ist und das Heft sicher auch älteren Lesern sehr gut gefallen wird.

Darüber hinaus verwenden wir Elemente aus Mangas und Animes, was den Erzählstil angeht. Ich komme ja mehr aus der realistischen Comic-Ecke, habe aber in vielen Mangas eine mir bis dato unbekannte und zum Teil subtile Erzählform entdeckt, welche ich versuche, hier in meinen eigenen Zeichnungen wiederzugeben. Meine mehr westlichen Einflüsse möchte ich bei den Zeichnungen dabei gar nicht verbergen, da gerade diese Mischung etwas ganz Eigenes hervorbringt. Hartgesottene Fans japanischer Comics werden evtl. enttäuscht sein, da sie hier nichts bekommen, das sie von rechts nach links lesen dürfen, aber ich denke, dass alle anderen, die sich nicht an solchen Details stören und auch mal ein Album oder ein Superhelden-Comic in die Hand nehmen, langfristig gesehen sehr viel Spaß mit Nova Centurio haben werden.

Was mir aber am allerbesten an dem Konzept gefällt ist der Preis des Heftes und die damit gebotene Dauer der Unterhaltung. Hier schneidet es wohl im Vergleich mit anderen Comics am besten ab, denn während man ein normales Comicheft für vier bis sieben Euro innerhalb weniger Minuten gelesen hat, unterhält einen die monatliche Geschichte um Kitamura um ein Vielfaches länger.

CG: Habt Ihr keine Bedenken, dass „typische“ Comicleser den Romanteil links liegen lassen und dann natürlich nichts mit NC anfangen können?

CN: Wir hoffen darauf, dass die Charaktere, sowohl im Romanteil als auch im Comicteil, den Lesern so sehr gefallen, dass sie wissen möchten, wie es mit der Handlung weitergeht und das Heft als „Einheit“ akzeptieren. „Typische“ Romanleser müssen hier, genau wie die „typischen“Comicleser, etwas über ihren Tellerrand blicken und dem anderen Medium eine Chance geben. Ich denke, dass die Leser dazu bereit sind, sobald sie die Charaktere kennen.

CG: Ist das Projekt auf eine bestimmte Heftanzahl ausgelegt, oder wird es als „open end“ geführt?

CN: Die Geschichte um Kitamura ist sehr episch angelegt und als „Ongoing“ vorgesehen. Die Gesamtstory unterteilt sich in abgeschlossene Zyklen, so dass auch „Späteinsteiger“ keine Probleme haben werden.

CG: Wie lang ist Euer Atem? Sprich, habt Ihr eine Art Plan, ab welchem Heft sich die Serie rentieren muss?

CN: Wir werden nach den ersten drei Ausgaben wissen, ob die Serie gut bei den Lesern ankommt. Ab diesem Zeitpunkt können wir besser planen. Hierzu ist uns vor allem Feedback der Leser wichtig, denn nur mit dem nötigen Feedback können wir entscheiden, ob die Geschichte um Kitamura gut ankommt und welche Richtung wir einschlagen werden. Mit Richtung meine ich nicht den Inhalt der Geschichte, den das ist die alleinige Sache von Ken, sondern vielmehr das Format, die Erscheinungsweise des Heftes, die Aufteilung und Gewichtung von Comicteil und Romanteil usw.

CG: Du bist der Hauptzeichner der ersten Ausgabe von Nova Centurio. Wie fing denn das alles an?

Doppelseite aus NC Band 1 (Chris Noeth) CN: Ken Watamoto, der Autor von Nova Centurio, hat zu Beginn des Projektes seine Fühler in der deutschen Comicszene ausgestreckt und wurde von einem Mittelsmann auf meine Website und mein Artwork aufmerksam gemacht. Der Zeitpunkt hätte nicht günstiger sein können, da ich damals gerade mit der Planung meines eigenen Comicprojektes begonnen hatte und mich, neben meinem Beruf als 2D-/3D-Artist in der Gamebranche, mit der Umsetzung neuer Comicprojekte beschäftigte.
Die Zeichnungen überzeugten, mein eigenes Comicprojekt habe ich vorerst hinten angestellt und Nova Centurio konnte durchstarten.

CG: Wer arbeitet noch alles an dem Projekt mit?

CN: Neben Ken als Autor und mir als Zeichner arbeiten mittlerweile noch zwei weitere Zeichner, nämlich TOM3K Schukalla und Ade Hughes, an dem Projekt. Darüber hinaus natürlich eine Menge Redakteure und Verlagsmitarbeiter. Eine genaue Auflistung bietet das jeweilige Impressum der aktuellen Ausgabe.

CN: Haben die Mitwirkenden bereits Erfahrung auf dem Gebiet Comic, Roman und Verlagsarbeit?

CN: Das Heft erscheint bei der Miracle Images Verlags GmbH, welche unter anderem schon seit vielen Jahren das offizielle Star Wars Magazin veröffentlicht. Erfahrung und Kompetenz in Sachen Verlagsarbeit ist hier also auf jeden Fall gegeben.
Was die anderen beiden Zeichner und mich angeht, wir haben bereits mehrfach im Bereich Comic gearbeitet. TOM3K Schukalla ist z.B. Chefzeichner der Comicserie Intravenös (bei Nightfall Studios) , und Ade Hughes war bereits vor einigen Jahren mein Zeichnerkollege bei der Umsetzung der Serie Psyence Fiction, welche von Rik Hoskin und Dan Abnett geschrieben wurde.

CG: Wieviel und auf welche Art habt Ihr eigentlich Werbung betrieben?

CN: Die Werbung wird größtenteils über den Verlag organisiert. Das Spektrum erstreckt sich über Printanzeigen und redaktionellen Artikeln in Fachmagazinen, über Gewinnspielaktionen und Werbeplakate (Cover von Nummer 1) für Händler bis hin zu einer breiten Online-Bewerbung. Neben dem klassischen Zeitschriftenvertriebsweg wird das Heft auch von speziellen Comicanbietern (z.B. Modern Graphics) im Programm geführt.

CG: Du z.B. hast ja bis jetzt hauptsächlich bei der Entwicklung von Computerspielen mitgearbeitet. Ist das jetzt ein komplett anderes Arbeiten?
Und was macht mehr Spaß?

CN: Aktuelle Arbeiten für Computer- und Handyspiele sind sehr umfangreich. Die Zeiten, in denen es ein paar lieblose Pixelgrafiken auf heimische Bildschirme geschafft haben, sind vorbei. Ich sage da nur zwei Worte: Atari und E.T. 🙂

Ich arbeite als Chefgrafiker bei der www.Handy-Games.com GmbH. Da die Anforderungen an aktuelle Spiele immer mehr steigen und nicht nur der angezeigte Inhalt eines Spiels wichtig ist, arbeite ich, neben der Erstellung von Grafiken und Animationen für das Spiel selbst, auch an den Ideen und Konzepten, welche dem Spiel voraus gehen, und einer Vielzahl an Marketingmaterialien, die von Zeichnungen der Spielcharaktere bis hin zu TV-Spots alles beinhalten, was man sich hier vorstellen kann. Im vergangenen Jahr habe ich so auch im Bereich Comic arbeiten können, als ich das Begleitcomic zur Fantasy Spielreihe Ancient Ruins geschrieben und die Layouts entworfen habe.

Grundsätzlich unterscheiden sich die beiden Bereiche aber völlig voneinander, da es bei Spielen auf den Spielspaß ankommt und bei Comics auf das Erzählen einer Geschichte. Beide Bereiche erfordern eine spezielle Herangehensweise, und in beiden Bereichen sind unterschiedliche Talente gefragt. So kann der beste Spielegrafiker ein völlig lausiger Comiczeichner sein, und der perfekte Comiczeichner muss nicht zwangsläufig auch eine gute Animation hinbekommen. Jeder Bereich hat da seine eigenen Gesetze und Regeln, die es zu befolgen gilt.

Ich liebe grundsätzlich alles, was mit Entertainment zu tun hat, und vor allem haben es mir seit meiner Kindheit Comics angetan. Was Comics angeht, lese ich eigentlich querbeet und lege mich da nicht fest. Darüber hinaus lese ich jede Menge Bücher, schaue gerne Filme und spiele gerne. Entertainment eben. So möchte ich zwar alles konsumieren, aber eben auch seit frühen Jahren auch selbst machen. Daher ergänzt sich meine Tätigkeit als Spieldesigner und 2D-/3D-Artist mit der Arbeit als Comiczeichner ganz gut, und ich habe das Privileg, mich hier in möglichst vielen Bereichen „austoben“ zu können, welche sich mit meinen Interessen decken.

Comics sehe ich auch als eine „billige“ Variante des Filmemachens. Wenn ich das nötige Budget hätte, dann würde ich sofort einen Science-Fiction-Film drehen. Comics ermöglichen mir diese Umsetzung einer Geschichte mit wenigen Blättern Papier und einem Bleistift. Das macht auch die Faszination dieses Mediums aus. Man erschafft Welten aus dem Nichts.
Die Arbeit an der Entwicklung von Computer- und Handyspielen ist ähnlich, da man auch hier künstliche Welten für die Spieler erschafft. So hat beides seinen Reiz für mich.

CN: Wie Du selber schon weiter oben gesagt hast, bist Du kein 100%iger Mangazeichner.
Schielt Ihr mit dem Stil auf eine größere Leserzahl, oder habt Ihr ihn tatsächlich deswegen gewählt, weil er besser zur Geschichte passt?

CN: Was versteht man eigentlich unter Manga? Genau genommen bedeutet es nichts anderes als Comic. Hier in Deutschland versteht man unter Manga einen Comic aus Japan. Wenn der Autor eines Comics nun Japaner ist, ist es dann ein Manga?

Ich tue mich ehrlich gesagt schwer, wenn ich Manga hierzulande genau definieren soll und kann da nur für mich selbst sprechen, da es sicher jeder Leser anders definieren wird. Wie bereits gesagt, sehe ich in japanischen Comics gewisse Erzählstrukturen, die in westlichen Comics gar nicht, nur teilweise oder aber nicht mit der gleichen Tiefe vorkommen. Ich möchte diese eigenwillige Darstellung auch mit meinem Storytelling vermitteln, und das passt in diesem Fall sehr gut zur Geschichte. Darüber hinaus habe ich einige Stilelemente und Darstellungen aus den japanischen Comics übernommen und mit westlichen Einflüssen vermischt. Es ist möglicherweise nicht das, was sich ein eingefleischter Animefan unter Manga vorstellt, da Nova Centurio eben auch eigene Wege geht, aber in der Kombination mit der Geschichte eben doch etwas, das nach unserer Definition als Manga bezeichnet werden kann.

CG: Jeden Monat erscheint eine neue Ausgabe zum (Zitat) „Kampfpreis“ von1,95 Euro.
Da hat sich das Team ja ganz schön was vorgenommen!
Seit wann arbeitet Ihr denn bereits dran? Habt ihr viel Vorlauf?

CN: Ich arbeite seit November 2004 an Nova Centurio. Für mich gab es also zu Beginn keinen Vorlauf, da ich natürlich Characterdesigns und erste Promo- und Coverartworks berücksichtigen musste. Die Deadline war somit ziemlich knapp. Ziel war aber von Anfang an, für den Comicteil ein kleines Zeichnerteam einzusetzen, welches dann im Wechsel an den Ausgaben arbeitet und somit das monatliche Erscheinen garantiert.
Wir haben dabei absichtlich auf Vorlauf verzichtet, da wir uns viel Feedback der Leser erwarten. So können wir darauf unmittelbar eingehen und es nahezu sofort integrieren. Nova Centurio soll wachsen und sich qualitativ nach vorn bewegen. So etwas funktioniert nur, indem man auf die Wünsche der Leser eingeht.

CG: Ich kann mir vorstellen, dass es für die Zeichner recht stressig ist, denn das Projekt wird ja wie ein Fast Food-Produkt beworben – schnell und billig. Läuft das dann auf Fließbandarbeit raus?
Wieviel Zeit hast Du für eine Ausgabe?

CN: Natürlich ist es erforderlich, dass man als Zeichner einer monatlich erscheinenden Serie seine Seiten schnell und diszipliniert anfertigt, sonst kommt man hier schnell in Bedrängnis, was die Deadline und den Erscheinungstermin angeht. Ich könnte hier einige Beispiele der letzten Jahre nennen, wo dies bei anderen deutschen Comicproduktionen in die Hose gegangen ist. Als Fließbandarbeit würde ich es aber nicht bezeichnen, da ich damit fehlenden Spaß an der Arbeit verbinde. Ich habe aber Spaß beim Zeichnen.
Da wir mittlerweile ein kleines Team an Zeichnern sind, werde ich in Zukunft etwas mehr Zeit für eine Ausgabe inklusiv Cover haben. Das werden dann ca. sechs bis acht Wochen sein.

CG: Für wieviele Comicseiten?

CN: Im Moment sind 25 der insgesamt 60 Seiten Comicseiten.

CG: Thomas Schukalla spendiert zwei Seiten für die erste Ausgabe, in der zweiten sind es bereits 12.
Hast Du ihn ins Spiel gebracht?

NC Band 1, Seite 14 (TOM3K Schukalla) CN: TOM3K wurde ebenfalls von Ken ins Boot geholt. Ich habe auf seine Arbeiten an Intravenös hingewiesen, und nachdem TOM3K zwei Probeseiten abgeliefert hatte, stand fest, dass seine atmosphärischen Zeichnungen eine gute Ergänzung zu meinem Stil sind. Seine beiden Seiten haben es dann in Ausgabe 1 geschafft, da ich anstelle Nachbesserungen an meinem Layout genau dieser Seiten lieber noch eine zusätzliche Doppelseite angefertigt habe.
Ab Ausgabe 2 beginnen wir dann schon mit der Teamarbeit, wobei hier sogar alle drei Zeichner beteiligt sein werden. Ade Hughes wird das Cover machen, TOM3K liefert zwölf Seiten Comic, und ich habe die restlichen 13 Seiten gemacht.

CG: Was gibt es über Ade Hughes zu berichten?

Cover NC Band 2, Ade Hughes CN: Wie schon zuvor erwähnt ist Ade Hughes ein alter Zeichnerkollege, mit dem ich schon vor Jahren an der Serie Psyence Fiction zusammengearbeitet habe. Er lebt und arbeitet in Großbritannien, ist ein sehr netter Mensch, und seine Zeichnungen besitzen jede Menge Energie. In Großbritannien ist er durch seine Arbeiten an verschiedenen Titeln kein Unbekannter. Hierzulande noch unbekannt, wird sich das nach Ausgabe 3 von Nova Centurio sicher sehr schnell ändern.

CG: Wie kann man sich überhaupt die Arbeitsteilung von Euch drei Zeichnern vorstellen? Und werden weitere Zeichner hinzukommen?

CN: Nach der Gemeinschaftsarbeit an Ausgabe 2 werden wir uns dann ab Ausgabe 3 monatlich abwechseln. Ausgabe 3 wird von Ade gemacht und ich kehre mit Ausgabe 4 zurück.
Im Moment ist nicht geplant, das Nova Team mit weiteren Zeichnern zu ergänzen. Wir wollen den Lesern nicht zu viele unterschiedliche Stile zumuten. Das heißt aber nicht, dass der Verlag nicht an Bewerbungen weiterer Zeichner interessiert ist. Wer das Zeug dazu hat und verantwortlich seine Comicseiten rechtzeitig abliefern kann, der soll sich ruhig bewerben.

CG: Danke für die Beantwortung der Fragen und viel Erfolg mit Nova Centurio!

CN: Danke für die Wünsche, das Interview und das Interesse an Nova Centurio. Viel Spaß beim Lesen! 🙂


Pressetext Nova Centurio

“Manga für die Masse – für nur 1.95 Euro monatlich echtes Japan-Feeling!

Am Mittwoch, dem 19.1.2005 läutet „Nova Centurio“ ein neues Zeitalter in der deutschen Manga-Szene ein. Das Zusammenspiel verschiedener Medien ist nichts Neues. Videospiele und Filme, Anime und Manga, Ketchup und Majo – die Kombination zweier cooler Größen hat’s in sich. Neu ist bei der fortan monatlich erscheinenden Comicroman-Serie Nova Centurio, dass dies nicht „nur“ ein neuer Manga oder „nur“ ein neuer Heftroman geboten wird. Nein, hier gibt’s vielmehr BEIDES auf die Augen! Comic UND Roman!

Die neue, überall am Kiosk oder im Fachhandel erhältliche Serie stellt eine Synthese aus beidem dar und wird zu einem homogenen Ganzen, das weit über beide Medien hinausgeht. Szenarist Ken Watamoto will einen populären Massen-Comicroman etablieren, der BEIDES bietet. Wieso? Watamoto: „Weil beides cool ist!“

„Wir erzählen schnell, ereignisreich und für ein breitgefächertes Publikum unterhaltsam. Für den Kampfpreis von nur 1.95 bekommt der Leser monatlich eine große Sci-Fi-Oper vom Dritten Weltkrieg und einem jungen Mann, der ihn auslöst und bis zum bitteren Ende ausficht. Das ist ein bisschen „Akira“, ein bisschen „Harry Potter“ und ganz, ganz viel „Nova Centurio“. Wir bieten den Manga-Fans den optischen Genuss, und den Potter-Jüngern den flotten Lesespaß. Denn es ist Unsinn, dass die heutige Jugend nicht liest. Doch auch ältere Leser werden ihren Spaß haben, wie wir fest glauben. Wir bieten das Beste beider Welten, wie wir hoffen, denn nicht weniger haben wir uns respektvoll vorgenommen. Erste Reaktionen auf das fertige Produkt sind großartig, und wir sind sehr gespannt, ob unsere Hoffnungen sich erfüllen und wir die Chance bekommen, Kitamuras Geschichte in den nächsten Jahren zu erzählen.“

Die Macher streben durch den günstigen Preis und den aufregenden Mix aus Comic und Roman ein großes Ziel an. Sie wünschen sich, dass man Nova überall konsumiert. Herausgeber Robert Eiba, Macher des deutschen offiziellen „Star Wars“-Magazins: „Nova ist so süß wie Knoppers, nur eben aus Papier – der kleine Lesespaß für zwischendurch. Es soll von Erwachsenen in der U-Bahn gelesen werden, im Bus, oder von jüngeren Lesern in der Schulpause – schnelle Unterhaltung für kleines Geld.“

Auch inhaltlich geht die Saga in die Vollen: Der Comicroman erzählt die Geschichte des Dritten Weltkrieges, ausgelöst und ausgefochten von einem jungen Mann namens Kitamura, der nach dem Sinn im Leben sucht … und ihn an vorderster Front findet. Sechs Meta-Giganten, Wesen von unglaublicher Macht, unterdrücken die Menschheit des Jahres 2028. Kein Mensch konnte sie aufhalten, sie teilten die Kontinente untereinander auf. Australien wurde der Zufluchtsort der letzten freien Menschen. Der junge Kitamura beschließt nach dem Mord an seiner Familie, das vom Meta Hiroshima geknechtete Japan zu befreien. Und löst so den Dritten Weltkrieg aus, in dem er kraft der in ihm schlummernden Macht zum Anführer des Widerstandes wird. An seiner Seite fightet der coole sprechende Cyborg-Hund Timer. Ja, ein sprechender Hund. Gags inklusive!

Die Geschichte eines jeden Heftes wird mit beiden Medien erzählt – die energetischen, dynamischen Zeichnungen eines Manga verbinden sich mit der eindringlichen Schreibe eines Romans, der sich nicht scheut, tief, dabei aber immer spaßig, in die Psychologie seiner Charaktere vorzudringen. Ersonnen wurde optisch ansprechende Sci-Fi-Cocktail von dem japanischstämmigen Globetrotter Ken Watamoto, der auf der Buchmesse in Frankfurt bei den Risiken nicht scheuenden Jungs vom Verlag Miracle Images auf Partner stieß, die bereit waren, das kühne Konzept umzusetzen.

Innerhalb weniger Monate trug das Konzept, das Watamoto bereits seit geraumer Zeit mit sich herumtrug, Früchte. In Rekordzeit brachte der Autor seine Vision zu Papier. Die beeindruckenden, an Anime-Stillleben erinnernden Zeichnungen stammen vom Würzburger Illustrator Chris Noeth. Der Künstler Ist Diplom-Informatiker und arbeitete die letzten Jahre als 2D-/ 3D-Grafiker in der Spielebranche. Seit 2004 ist er Chefgrafiker bei der Firma www.Handy-Games.com GmbH, wo er für die grafische Entwicklung von Spielen für Mobiltelefone verantwortlich ist. Erfolgreiche Titel an denen er mitgewirkt hat, waren unter anderem die ‚Ancient Ruins’ Serie und ‚Townsmen2’. Er ist seit seiner Kindheit begeisterter Comicfan. Neben CD- und Buchcovern illustriert er Artikel für das RPG Magazin ‚Mephisto’. Noeth ist Teil eines ganzen Teams an internationalen Zeichnern, die an „Nova Centurio“ arbeiten. So stößt nach einem kleinen, aber furiosen Gastspiel in #1 der renommierte Comic-Artist Tomek Schukalla zur Runde dazu, dessen grimmig-expressiver er Stil gerade Action-Szenen aufwertet und stark an Klassiker wie „Blade of the Immortal“ erinnert. Der britische Illustrator Ade Hughes vervollständigt das Trio Infernale und feiert mit Ausgabe #3 seinen Einstand. Die Macher setzten sich ganz klare Ziele. So soll der Zeichenstil bewusst an Animes erinnern und beim Lesen das Gefühl verleihen, man gönne sich gerade den Comic zu einem Anime, den’s gar nicht gibt. Generell verbeugt sich „Nova Centurio“ respektvoll vor existenten Heftromanreihen wie „Perry Rhodan“ und bietet diesem Publikum ein neues, frisches Aroma, das ihnen hoffentlich mundet.

Kinderkrankheiten ignorierend kann gesagt werden: Hier kommen Manga-Fans voll auf ihre Kosten. „Nova Centurio“ fühlt sich wie eine spaßige Achterbahnfahrt an, also vorher noch rasch etwas Zuckerwatte futtern, gut anschnallen und den wilden Ritt genießen  – große Momente gibt’s zuhauf. Leser können beruhigt sein. Sie bekommen neben Deutschlands mit 1.95 Euro monatlich günstigsten Manga auch noch einen spaßig geschriebenen Romanteil, der für die moderne Generation voll geeignet ist.“

Nova Centurio
offizielle Website

Miracle Images
Verleger NC

Chris Noeth
Homepage

Nightfall Studios
TOM3K Schukalla und Daniel Kießler
offizielle WebsiteVerleger NCHomepageTOM3K Schukalla und Daniel Kießler

offizielle WebsiteVerleger NCHomepageTOM3K Schukalla und Daniel Kießleroffizielle WebsiteVerleger NCHomepageTOM3K Schukalla und Daniel Kießler

Noeth, Christian

Besprechung Band 1 Nova Centurio

Eher selten geschieht es, dass sich ein Verlag traut, ganz neue, eigene Wege zu gehen und etwas noch nie Dagewesenes auszuprobieren. Genau das streben Miracle Images mit ihrem neuen Comic-Roman-Projekt Nova Centurio an. Als „ein bisschen ‚Akira’, ein bisschen ‚Harry Potter’“ wird das Projekt laut Pressetext angekündigt – was erstmal zu einem ungläubigen Blick und dann zu Stirnrunzeln führt. Meinen die das ernst? Sie meinen.

Zum Inhalt: In einer gar nicht so fernen Zukunft haben sechs gottgleiche Titanen die Herrschaft über die Erde übernommen. Ihre Herkunft ist genau wie ihre Absichten ungewiss, doch sie haben die Erde unter sich aufgeteilt und fast alle Menschen unterjocht. Der einzige noch freie Kontinent ist Australien. Auch dieser letzte Hort der Freiheit wird allerdings zunehmend bedroht. Die Geschichte von Nova Centurio beginnt in Japan, genauer in Tôkyô, das der eisernen Herrschaft des Titanen Hiroshima untersteht. Hier lebt und lernt der junge Kitamura, der eine besondere Kraft besitzt: er kann eine ganz spezielle Art von Magie beschwören. Nach einem tragischen prägenden Erlebnis, in dem der junge Mann seine gesamte Familie verliert, richtete sich sein Hass auf die Rebellen, die mehr ihren Mitmenschen schaden als sonst jemandem, und den tyrannischen Diktator selbst gleichermaßen. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Kitamura stolpert über ein Massengrab und plötzlich ist da auch noch ein sprechender Hund, der sich als Timer, der kybernetische Köter, vorstellt…

Die epische Geschichte um den Jungen, den Mann, den Krieger und Helden Kitamura soll in mehreren Storybögen erzählt werden. Ambitioniert ist das Projekt, angestoßen von dem deutschsprachigen Japaner Ken Watamoto, auf jeden Fall. Monatlich soll in Form einer Heftreihe mit 60 Seiten Umfang zum unschlagbaren Kampfpreis von 1,95 Euro eine besondere Geschichte an die Leser gebracht werden – und zwar sowohl in Wort als auch in Bild. „Nova Centurio“ versteht sich als Synthese aus Roman und Comic, als Verbindung von klassischer Erzählung und stark an den zurzeit populären Manga-Stil angelehnten Comic-Sequenzen. Dabei wiederholen die Bilder nicht etwa die Story, sie sind ein eigenständiger Teil derselben.

Als Idee ist das an und für sich genial. So können die Vorteile beider Ausdrucksformen ideal verbunden werden. Besonders actionreiche Szenen beispielsweise, die sich schwer in Worte fassen lassen, könnten in Bildern weitaus einprägsamer wiedergegeben werden. Durch das Nebeneinander beider Formen bieten sich zahlreiche originelle Möglichkeiten, die Story eindrucksvoll zu illustrieren und weiterzuführen.

Soweit so gut – aber geht das Konzept auch auf? Hier zeigt sich leider der große Haken von Nova Centurio. So gut die Idee auch sein mag, das Ergebnis kommt letztendlich etwas blass herüber.

Das liegt zum einen daran, dass Ken Watamotos Schreibstil ziemlich gewöhnungsbedürftig bis, freundlich ausgedrückt, blumig ist.
„Mit einem letzten Blick auf seine Mutter (so sehr vermisst) und seine Schwestern, deren Asche auch heute noch über Tôkyô tanzen mochte (wie herrlich lebendig einst ihre jungen Leiber über die Straßen glitten, mit fröhlichem Lachen, das den Tod nicht kannte), trat er hinaus auf den vom Kondenswasser der Kraftfelder feuchten Felsvorsprung.“
Watamoto verliert sich in Nebensätzen, verzettelt sich in kunstvollen Vergleichen und schafft es zumindest im ersten Band nicht, den Leser wirklich in seine Story hineinzuziehen. Zu viele Elemente will er streifen, zu viele Genres bedienen.
Nova Centurio ist klar Science Fiction, in einer Zukunft angesiedelt, in der fremdartige Titanen mit noch fremdartigerer Technik die Welt beherrschen. Es will gleichzeitig aber auch Fantasy sein und bedient sich dazu der Magie und Mystik. Die Tragik kommt dank Kitamuras Lebensgeschichte nicht zu kurz, und mit der Einführung des Comic-Relief Elements Timer, des sprechenden Cyborg-Hundes, wird das Comedy-Genre bedient. Schließlich musste auch noch Action mit rein, und dann auch noch durch ein stark samurai-episch geprägtes Element. Das alles zusammen ist einfach zuviel.
„Nova Centurio“ wirkt, als habe Ken Watamoto sich bemüht, die Bildersprache eines Manga in erzählte Sprache zu übertragen, was zwangsläufig zu einem Übermaß an Worten führen muss. Der Leser wird förmlich erstickt mit Beschreibungen. In Poesie oder in Bildern ausgedrückt möchte man die Geschichte wohl noch ertragen können, in reinem Prosa-Text ist der immer wieder durchbrechende Pathos – insbesondere in Hinsicht auf die angestrebte Lesegruppe der Teenager ab 12 – völlig fehl am Platze.

Zum Anderen passen die Zeichnungen von Chris Noeth – der sich in kommenden Bänden mit den Zeichnern TOM3K Schukalla und Ade Hughes abwechseln wird – auch nicht so recht zum Ganzen. Noeth, bisher eher bekannt als Illustrator im Fantasy-Bereich und Grafikdesigner für Computer- und Handy-Games, strebt hier offensichtlich eine individuelle Variante des Manga-Stils an, aber seine kantigen Zeichnungen und der massive Einsatz von Rasterfolie wollen noch nicht so wirklich gelungen wirken. Sehr viel dynamischer und mitreißender sind da schon die Zeichnungen von Tom3k Schukalla, der zu diesem Band leider nur zwei Seiten beigesteuert hat, die dann auch sofort ob ihres extrem unterschiedlichen Stils auffallen. Im Gegensatz zu Noeth setzt Schukalla viel mehr auf Schwarz-Weiß-Kontraste, Andeutungen und Bewegung, seine Zeichnungen wirken lebendig, nicht statisch wie die von Noeth. Er scheint seinen eigenen Stil gefunden zu haben, eine durchaus gelungene Verbindung von Manga-Elementen und anderen Comic-Einflüssen, wenn hier auch verbunden mit exzessiver Gewaltdarstellung (dazu unten mehr). Im Gegensatz dazu wirkt der Stil von Chris Noeth relativ aufgesetzt und gezwungen. Ob sich dieser Eindruck erhärtet oder ob es sich hier nur um Anfangsschwierigkeiten handelt, die des öfteren innovative Comic-Projekte kennzeichnen, wird sich wohl erst in den nächsten Bänden zeigen.

Zum Thema Gewalt ist zu sagen, dass Nova Centurio ziemlich brutal daherkommt – sowohl Text als auch Bild schwelgen in Beschreibungen wie „Bei Gott, es würde Tote geben. Nicht Hunderte, nicht Tausende, sondern Millionen und Abermillionen“ oder „Rechts von mir verblutet einer der Geiselnehmer. Eingeweide quellen schmatzend aus seinem Bauch hervor. Mir wird schlecht. Kann nicht hinsehen. […] Seine Stimme wird immer leiser… dann stirb er in einem Meer von Blut.“ Appetitlich. Es ist nicht wirklich verständlich, warum das so und nicht anders beschrieben werden muss. Ob diese Art von Gewaltdarstellung nur den (12-jährigen?!) Leser beeindrucken soll oder tatsächlich irgendeinen diffusen höheren Zweck erfüllt, ist absolut nicht ersichtlich.

Alles in allem bleibt abzuwarten, wie sich Nova Centurio mausert. Hier wird eine neue Idee umgesetzt, die sicher die üblichen Kinderkrankheiten durchmachen muss, bevor sie an Profil und Professionalität gewinnt. Daher sollte man dem Projekt einen gewissen Sympathievorschuss geben und abwarten, wie sich die zweite und dritte Ausgabe gestalten. Schwerere Kost als ein normaler Comic ist Nova Centurio ganz gewiss, es eignet sich nur bedingt als Schnell-Lektüre für zwischendurch. Sollten die Zeichner zu einem überzeugenden Stil finden und der Autor seine blumigen Umschreibungen und den Pathos etwas zurückschrauben, könnte Nova Centurio Erfolg beschieden sein – allerdings wohl eher nicht bei der Zielgruppe der 12-jährigen.
Dann hätte die „Verbeugung an Perry Rhodan“ (Pressetext) vielleicht sogar das Potential, längerfristig Fans an sich zu binden. Oder, wie Kitamura es ausdrücken würde: „Begegnet wild nun unseren Feinden, denn sie sind verdammt! Auf, marschiert! Seid der Sturm, den ich gesät! Voran, voran…“

Übrigens kann man sich auch auf der Website von Nova Centurio die aktuelle und die zukünftigen Ausgaben für jeweils 3,- Euro (inkl. PP) bestellen.

Interview mit Chris Noeth

Comicgate: Hallo Chris, der Nova-Centurio-Pressetext ist ja recht blumig und selbstbewusst geschrieben – ob zu Recht, das werden wir im Lauf der nächsten Monate herausfinden.
Wie würdest Du das Projekt mit Deinen eigenen Worten beschreiben?

Chris Noeth: Hallo Frauke.
Da alle an Nova Centurio Beteiligten von dem Projekt überzeugt sind, darf natürlich der Pressetext ruhig selbstbewusst wirken. Die Leser sollen ja auch aufmerksam gemacht werden und eben auf Anhieb merken, dass sie es hier nicht mit einem öden illustrierten Roman zu tun haben, sondern einem völlig neuen Konzept aus einer ergänzenden Mischung aus Roman UND Comic.
Was mich als Zeichner angeht, kann ich sagen, dass ich nur an einem Projekt mitarbeite, welches mich als Fan und Leser bereits im Vorfeld begeistern kann. Für meine Beteiligung ist in erster Linie ausschlaggebend, ob ich mir ein solches Heft am Kiosk kaufen würde. Ist die Antwort „ja“, dann denke ich, geht es noch vielen anderen so, und das Projekt hat Potential.

Wenn ich nun Nova Centurio beschreiben müsste, dann würde ich es als „kombiniertes Entertainment“ bezeichnen. Es ist in dieser Kombination einzigartig. Das Besondere ist die wechselnde Erzählform innerhalb des Heftes. So beginnt die Geschichte um den jungen Kitamura mit wenigen Romanseiten, wird dann in Form eines Comics weitererzählt, um dann wieder in Romanform überzugehen. Für das Verständnis der Gesamtstory ist es wichtig, beide Formen zu lesen und dabei die Reihenfolge zu beachten.

Die Serie ist für Leser ab 12 Jahren konzipiert, wobei das Alter, wie auch bei einem Film mit einer Freigabe ab 12, lediglich eine Richtlinie ist und das Heft sicher auch älteren Lesern sehr gut gefallen wird.

Darüber hinaus verwenden wir Elemente aus Mangas und Animes, was den Erzählstil angeht. Ich komme ja mehr aus der realistischen Comic-Ecke, habe aber in vielen Mangas eine mir bis dato unbekannte und zum Teil subtile Erzählform entdeckt, welche ich versuche, hier in meinen eigenen Zeichnungen wiederzugeben. Meine mehr westlichen Einflüsse möchte ich bei den Zeichnungen dabei gar nicht verbergen, da gerade diese Mischung etwas ganz Eigenes hervorbringt. Hartgesottene Fans japanischer Comics werden evtl. enttäuscht sein, da sie hier nichts bekommen, das sie von rechts nach links lesen dürfen, aber ich denke, dass alle anderen, die sich nicht an solchen Details stören und auch mal ein Album oder ein Superhelden-Comic in die Hand nehmen, langfristig gesehen sehr viel Spaß mit Nova Centurio haben werden.

Was mir aber am allerbesten an dem Konzept gefällt ist der Preis des Heftes und die damit gebotene Dauer der Unterhaltung. Hier schneidet es wohl im Vergleich mit anderen Comics am besten ab, denn während man ein normales Comicheft für vier bis sieben Euro innerhalb weniger Minuten gelesen hat, unterhält einen die monatliche Geschichte um Kitamura um ein Vielfaches länger.

CG: Habt Ihr keine Bedenken, dass „typische“ Comicleser den Romanteil links liegen lassen und dann natürlich nichts mit NC anfangen können?

CN: Wir hoffen darauf, dass die Charaktere, sowohl im Romanteil als auch im Comicteil, den Lesern so sehr gefallen, dass sie wissen möchten, wie es mit der Handlung weitergeht und das Heft als „Einheit“ akzeptieren. „Typische“ Romanleser müssen hier, genau wie die „typischen“Comicleser, etwas über ihren Tellerrand blicken und dem anderen Medium eine Chance geben. Ich denke, dass die Leser dazu bereit sind, sobald sie die Charaktere kennen.

CG: Ist das Projekt auf eine bestimmte Heftanzahl ausgelegt, oder wird es als „open end“ geführt?

CN: Die Geschichte um Kitamura ist sehr episch angelegt und als „Ongoing“ vorgesehen. Die Gesamtstory unterteilt sich in abgeschlossene Zyklen, so dass auch „Späteinsteiger“ keine Probleme haben werden.

CG: Wie lang ist Euer Atem? Sprich, habt Ihr eine Art Plan, ab welchem Heft sich die Serie rentieren muss?

CN: Wir werden nach den ersten drei Ausgaben wissen, ob die Serie gut bei den Lesern ankommt. Ab diesem Zeitpunkt können wir besser planen. Hierzu ist uns vor allem Feedback der Leser wichtig, denn nur mit dem nötigen Feedback können wir entscheiden, ob die Geschichte um Kitamura gut ankommt und welche Richtung wir einschlagen werden. Mit Richtung meine ich nicht den Inhalt der Geschichte, den das ist die alleinige Sache von Ken, sondern vielmehr das Format, die Erscheinungsweise des Heftes, die Aufteilung und Gewichtung von Comicteil und Romanteil usw.

CG: Du bist der Hauptzeichner der ersten Ausgabe von Nova Centurio. Wie fing denn das alles an?

Doppelseite aus NC Band 1 (Chris Noeth)CN: Ken Watamoto, der Autor von Nova Centurio, hat zu Beginn des Projektes seine Fühler in der deutschen Comicszene ausgestreckt und wurde von einem Mittelsmann auf meine Website und mein Artwork aufmerksam gemacht. Der Zeitpunkt hätte nicht günstiger sein können, da ich damals gerade mit der Planung meines eigenen Comicprojektes begonnen hatte und mich, neben meinem Beruf als 2D-/3D-Artist in der Gamebranche, mit der Umsetzung neuer Comicprojekte beschäftigte.
Die Zeichnungen überzeugten, mein eigenes Comicprojekt habe ich vorerst hinten angestellt und Nova Centurio konnte durchstarten.

CG: Wer arbeitet noch alles an dem Projekt mit?

CN: Neben Ken als Autor und mir als Zeichner arbeiten mittlerweile noch zwei weitere Zeichner, nämlich TOM3K Schukalla und Ade Hughes, an dem Projekt. Darüber hinaus natürlich eine Menge Redakteure und Verlagsmitarbeiter. Eine genaue Auflistung bietet das jeweilige Impressum der aktuellen Ausgabe.

CN: Haben die Mitwirkenden bereits Erfahrung auf dem Gebiet Comic, Roman und Verlagsarbeit?

CN: Das Heft erscheint bei der Miracle Images Verlags GmbH, welche unter anderem schon seit vielen Jahren das offizielle Star Wars Magazin veröffentlicht. Erfahrung und Kompetenz in Sachen Verlagsarbeit ist hier also auf jeden Fall gegeben.
Was die anderen beiden Zeichner und mich angeht, wir haben bereits mehrfach im Bereich Comic gearbeitet. TOM3K Schukalla ist z.B. Chefzeichner der Comicserie Intravenös (bei Nightfall Studios) , und Ade Hughes war bereits vor einigen Jahren mein Zeichnerkollege bei der Umsetzung der Serie Psyence Fiction, welche von Rik Hoskin und Dan Abnett geschrieben wurde.

CG: Wieviel und auf welche Art habt Ihr eigentlich Werbung betrieben?

CN: Die Werbung wird größtenteils über den Verlag organisiert. Das Spektrum erstreckt sich über Printanzeigen und redaktionellen Artikeln in Fachmagazinen, über Gewinnspielaktionen und Werbeplakate (Cover von Nummer 1) für Händler bis hin zu einer breiten Online-Bewerbung. Neben dem klassischen Zeitschriftenvertriebsweg wird das Heft auch von speziellen Comicanbietern (z.B. Modern Graphics) im Programm geführt.

CG: Du z.B. hast ja bis jetzt hauptsächlich bei der Entwicklung von Computerspielen mitgearbeitet. Ist das jetzt ein komplett anderes Arbeiten?
Und was macht mehr Spaß?

CN: Aktuelle Arbeiten für Computer- und Handyspiele sind sehr umfangreich. Die Zeiten, in denen es ein paar lieblose Pixelgrafiken auf heimische Bildschirme geschafft haben, sind vorbei. Ich sage da nur zwei Worte: Atari und E.T. 🙂

Ich arbeite als Chefgrafiker bei der www.Handy-Games.com GmbH. Da die Anforderungen an aktuelle Spiele immer mehr steigen und nicht nur der angezeigte Inhalt eines Spiels wichtig ist, arbeite ich, neben der Erstellung von Grafiken und Animationen für das Spiel selbst, auch an den Ideen und Konzepten, welche dem Spiel voraus gehen, und einer Vielzahl an Marketingmaterialien, die von Zeichnungen der Spielcharaktere bis hin zu TV-Spots alles beinhalten, was man sich hier vorstellen kann. Im vergangenen Jahr habe ich so auch im Bereich Comic arbeiten können, als ich das Begleitcomic zur Fantasy Spielreihe Ancient Ruins geschrieben und die Layouts entworfen habe.

Grundsätzlich unterscheiden sich die beiden Bereiche aber völlig voneinander, da es bei Spielen auf den Spielspaß ankommt und bei Comics auf das Erzählen einer Geschichte. Beide Bereiche erfordern eine spezielle Herangehensweise, und in beiden Bereichen sind unterschiedliche Talente gefragt. So kann der beste Spielegrafiker ein völlig lausiger Comiczeichner sein, und der perfekte Comiczeichner muss nicht zwangsläufig auch eine gute Animation hinbekommen. Jeder Bereich hat da seine eigenen Gesetze und Regeln, die es zu befolgen gilt.

Ich liebe grundsätzlich alles, was mit Entertainment zu tun hat, und vor allem haben es mir seit meiner Kindheit Comics angetan. Was Comics angeht, lese ich eigentlich querbeet und lege mich da nicht fest. Darüber hinaus lese ich jede Menge Bücher, schaue gerne Filme und spiele gerne. Entertainment eben. So möchte ich zwar alles konsumieren, aber eben auch seit frühen Jahren auch selbst machen. Daher ergänzt sich meine Tätigkeit als Spieldesigner und 2D-/3D-Artist mit der Arbeit als Comiczeichner ganz gut, und ich habe das Privileg, mich hier in möglichst vielen Bereichen „austoben“ zu können, welche sich mit meinen Interessen decken.

Comics sehe ich auch als eine „billige“ Variante des Filmemachens. Wenn ich das nötige Budget hätte, dann würde ich sofort einen Science-Fiction-Film drehen. Comics ermöglichen mir diese Umsetzung einer Geschichte mit wenigen Blättern Papier und einem Bleistift. Das macht auch die Faszination dieses Mediums aus. Man erschafft Welten aus dem Nichts.
Die Arbeit an der Entwicklung von Computer- und Handyspielen ist ähnlich, da man auch hier künstliche Welten für die Spieler erschafft. So hat beides seinen Reiz für mich.

CN: Wie Du selber schon weiter oben gesagt hast, bist Du kein 100%-iger Mangazeichner.
Schielt Ihr mit dem Stil auf eine größere Leserzahl, oder habt Ihr ihn tatsächlich deswegen gewählt, weil er besser zur Geschichte passt?

CN: Was versteht man eigentlich unter Manga? Genau genommen bedeutet es nichts anderes als Comic. Hier in Deutschland versteht man unter Manga einen Comic aus Japan. Wenn der Autor eines Comics nun Japaner ist, ist es dann ein Manga?

Ich tue mich ehrlich gesagt schwer, wenn ich Manga hierzulande genau definieren soll und kann da nur für mich selbst sprechen, da es sicher jeder Leser anders definieren wird. Wie bereits gesagt, sehe ich in japanischen Comics gewisse Erzählstrukturen, die in westlichen Comics gar nicht, nur teilweise oder aber nicht mit der gleichen Tiefe vorkommen. Ich möchte diese eigenwillige Darstellung auch mit meinem Storytelling vermitteln, und das passt in diesem Fall sehr gut zur Geschichte. Darüber hinaus habe ich einige Stilelemente und Darstellungen aus den japanischen Comics übernommen und mit westlichen Einflüssen vermischt. Es ist möglicherweise nicht das, was sich ein eingefleischter Animefan unter Manga vorstellt, da Nova Centurio eben auch eigene Wege geht, aber in der Kombination mit der Geschichte eben doch etwas, das nach unserer Definition als Manga bezeichnet werden kann.

CG: Jeden Monat erscheint eine neue Ausgabe zum (Zitat) „Kampfpreis“ von1,95 Euro.
Da hat sich das Team ja ganz schön was vorgenommen!
Seit wann arbeitet Ihr denn bereits dran? Habt ihr viel Vorlauf?

CN: Ich arbeite seit November 2004 an Nova Centurio. Für mich gab es also zu Beginn keinen Vorlauf, da ich natürlich Characterdesigns und erste Promo- und Coverartworks berücksichtigen musste. Die Deadline war somit ziemlich knapp. Ziel war aber von Anfang an, für den Comicteil ein kleines Zeichnerteam einzusetzen, welches dann im Wechsel an den Ausgaben arbeitet und somit das monatliche Erscheinen garantiert.
Wir haben dabei absichtlich auf Vorlauf verzichtet, da wir uns viel Feedback der Leser erwarten. So können wir darauf unmittelbar eingehen und es nahezu sofort integrieren. Nova Centurio soll wachsen und sich qualitativ nach vorn bewegen. So etwas funktioniert nur, indem man auf die Wünsche der Leser eingeht.

CG: Ich kann mir vorstellen, dass es für die Zeichner recht stressig ist, denn das Projekt wird ja wie ein Fast Food-Produkt beworben – schnell und billig. Läuft das dann auf Fließbandarbeit raus?
Wieviel Zeit hast Du für eine Ausgabe?

CN: Natürlich ist es erforderlich, dass man als Zeichner einer monatlich erscheinenden Serie seine Seiten schnell und diszipliniert anfertigt, sonst kommt man hier schnell in Bedrängnis, was die Deadline und den Erscheinungstermin angeht. Ich könnte hier einige Beispiele der letzten Jahre nennen, wo dies bei anderen deutschen Comicproduktionen in die Hose gegangen ist. Als Fließbandarbeit würde ich es aber nicht bezeichnen, da ich damit fehlenden Spaß an der Arbeit verbinde. Ich habe aber Spaß beim Zeichnen.
Da wir mittlerweile ein kleines Team an Zeichnern sind, werde ich in Zukunft etwas mehr Zeit für eine Ausgabe inklusiv Cover haben. Das werden dann ca. sechs bis acht Wochen sein.

CG: Für wieviele Comicseiten?

CN: Im Moment sind 25 der insgesamt 60 Seiten Comicseiten.

CG: Thomas Schukalla spendiert zwei Seiten für die erste Ausgabe, in der zweiten sind es bereits 12.
Hast Du ihn ins Spiel gebracht?

NC Band 1, Seite 14 (TOM3K Schukalla) CN: TOM3K wurde ebenfalls von Ken ins Boot geholt. Ich habe auf seine Arbeiten an Intravenös hingewiesen, und nachdem TOM3K zwei Probeseiten abgeliefert hatte, stand fest, dass seine atmosphärischen Zeichnungen eine gute Ergänzung zu meinem Stil sind. Seine beiden Seiten haben es dann in Ausgabe 1 geschafft, da ich anstelle Nachbesserungen an meinem Layout genau dieser Seiten lieber noch eine zusätzliche Doppelseite angefertigt habe.
Ab Ausgabe 2 beginnen wir dann schon mit der Teamarbeit, wobei hier sogar alle drei Zeichner beteiligt sein werden. Ade Hughes wird das Cover machen, TOM3K liefert zwölf Seiten Comic, und ich habe die restlichen 13 Seiten gemacht.

CG: Was gibt es über Ade Hughes zu berichten?

Cover NC Band 2, Ade Hughes CN: Wie schon zuvor erwähnt ist Ade Hughes ein alter Zeichnerkollege, mit dem ich schon vor Jahren an der Serie Psyence Fiction zusammengearbeitet habe. Er lebt und arbeitet in Großbritannien, ist ein sehr netter Mensch, und seine Zeichnungen besitzen jede Menge Energie. In Großbritannien ist er durch seine Arbeiten an verschiedenen Titeln kein Unbekannter. Hierzulande noch unbekannt, wird sich das nach Ausgabe 3 von Nova Centurio sicher sehr schnell ändern.

CG: Wie kann man sich überhaupt die Arbeitsteilung von Euch drei Zeichnern vorstellen? Und werden weitere Zeichner hinzukommen?

CN: Nach der Gemeinschaftsarbeit an Ausgabe 2 werden wir uns dann ab Ausgabe 3 monatlich abwechseln. Ausgabe 3 wird von Ade gemacht und ich kehre mit Ausgabe 4 zurück.
Im Moment ist nicht geplant, das Nova Team mit weiteren Zeichnern zu ergänzen. Wir wollen den Lesern nicht zu viele unterschiedliche Stile zumuten. Das heißt aber nicht, dass der Verlag nicht an Bewerbungen weiterer Zeichner interessiert ist. Wer das Zeug dazu hat und verantwortlich seine Comicseiten rechtzeitig abliefern kann, der soll sich ruhig bewerben.

CG: Danke für die Beantwortung der Fragen und viel Erfolg mit Nova Centurio!

CN: Danke für die Wünsche, das Interview und das Interesse an Nova Centurio. Viel Spaß beim Lesen! 🙂

Pressetext Nova Centurio

„Manga für die Masse – für nur 1.95 Euro monatlich echtes Japan-Feeling!

Am Mittwoch, dem 19.1.2005 läutet „Nova Centurio“ ein neues Zeitalter in der deutschen Manga-Szene ein. Das Zusammenspiel verschiedener Medien ist nichts Neues. Videospiele und Filme, Anime und Manga, Ketchup und Majo – die Kombination zweier cooler Größen hat’s in sich. Neu ist bei der fortan monatlich erscheinenden Comicroman-Serie Nova Centurio, dass dies nicht „nur“ ein neuer Manga oder „nur“ ein neuer Heftroman geboten wird. Nein, hier gibt’s vielmehr BEIDES auf die Augen! Comic UND Roman!

Die neue, überall am Kiosk oder im Fachhandel erhältliche Serie stellt eine Synthese aus beidem dar und wird zu einem homogenen Ganzen, das weit über beide Medien hinausgeht. Szenarist Ken Watamoto will einen populären Massen-Comicroman etablieren, der BEIDES bietet. Wieso? Watamoto: „Weil beides cool ist!“

„Wir erzählen schnell, ereignisreich und für ein breitgefächertes Publikum unterhaltsam. Für den Kampfpreis von nur 1.95 bekommt der Leser monatlich eine große Sci-Fi-Oper vom Dritten Weltkrieg und einem jungen Mann, der ihn auslöst und bis zum bitteren Ende ausficht. Das ist ein bisschen „Akira“, ein bisschen „Harry Potter“ und ganz, ganz viel „Nova Centurio“. Wir bieten den Manga-Fans den optischen Genuss, und den Potter-Jüngern den flotten Lesespaß. Denn es ist Unsinn, dass die heutige Jugend nicht liest. Doch auch ältere Leser werden ihren Spaß haben, wie wir fest glauben. Wir bieten das Beste beider Welten, wie wir hoffen, denn nicht weniger haben wir uns respektvoll vorgenommen. Erste Reaktionen auf das fertige Produkt sind großartig, und wir sind sehr gespannt, ob unsere Hoffnungen sich erfüllen und wir die Chance bekommen, Kitamuras Geschichte in den nächsten Jahren zu erzählen.“

Die Macher streben durch den günstigen Preis und den aufregenden Mix aus Comic und Roman ein großes Ziel an. Sie wünschen sich, dass man Nova überall konsumiert. Herausgeber Robert Eiba, Macher des deutschen offiziellen „Star Wars“-Magazins: „Nova ist so süß wie Knoppers, nur eben aus Papier – der kleine Lesespaß für zwischendurch. Es soll von Erwachsenen in der U-Bahn gelesen werden, im Bus, oder von jüngeren Lesern in der Schulpause – schnelle Unterhaltung für kleines Geld.“

Auch inhaltlich geht die Saga in die Vollen: Der Comicroman erzählt die Geschichte des Dritten Weltkrieges, ausgelöst und ausgefochten von einem jungen Mann namens Kitamura, der nach dem Sinn im Leben sucht … und ihn an vorderster Front findet. Sechs Meta-Giganten, Wesen von unglaublicher Macht, unterdrücken die Menschheit des Jahres 2028. Kein Mensch konnte sie aufhalten, sie teilten die Kontinente untereinander auf. Australien wurde der Zufluchtsort der letzten freien Menschen. Der junge Kitamura beschließt nach dem Mord an seiner Familie, das vom Meta Hiroshima geknechtete Japan zu befreien. Und löst so den Dritten Weltkrieg aus, in dem er kraft der in ihm schlummernden Macht zum Anführer des Widerstandes wird. An seiner Seite fightet der coole sprechende Cyborg-Hund Timer. Ja, ein sprechender Hund. Gags inklusive!

Die Geschichte eines jeden Heftes wird mit beiden Medien erzählt – die energetischen, dynamischen Zeichnungen eines Manga verbinden sich mit der eindringlichen Schreibe eines Romans, der sich nicht scheut, tief, dabei aber immer spaßig, in die Psychologie seiner Charaktere vorzudringen. Ersonnen wurde optisch ansprechende Sci-Fi-Cocktail von dem japanischstämmigen Globetrotter Ken Watamoto, der auf der Buchmesse in Frankfurt bei den Risiken nicht scheuenden Jungs vom Verlag Miracle Images auf Partner stieß, die bereit waren, das kühne Konzept umzusetzen.

Innerhalb weniger Monate trug das Konzept, das Watamoto bereits seit geraumer Zeit mit sich herumtrug, Früchte. In Rekordzeit brachte der Autor seine Vision zu Papier. Die beeindruckenden, an Anime-Stillleben erinnernden Zeichnungen stammen vom Würzburger Illustrator Chris Noeth. Der Künstler Ist Diplom-Informatiker und arbeitete die letzten Jahre als 2D-/ 3D-Grafiker in der Spielebranche. Seit 2004 ist er Chefgrafiker bei der Firma www.Handy-Games.com GmbH, wo er für die grafische Entwicklung von Spielen für Mobiltelefone verantwortlich ist. Erfolgreiche Titel an denen er mitgewirkt hat, waren unter anderem die ‚Ancient Ruins’ Serie und ‚Townsmen2’. Er ist seit seiner Kindheit begeisterter Comicfan. Neben CD- und Buchcovern illustriert er Artikel für das RPG Magazin ‚Mephisto’. Noeth ist Teil eines ganzen Teams an internationalen Zeichnern, die an „Nova Centurio“ arbeiten. So stößt nach einem kleinen, aber furiosen Gastspiel in #1 der renommierte Comic-Artist Tomek Schukalla zur Runde dazu, dessen grimmig-expressiver er Stil gerade Action-Szenen aufwertet und stark an Klassiker wie „Blade of the Immortal“ erinnert. Der britische Illustrator Ade Hughes vervollständigt das Trio Infernale und feiert mit Ausgabe #3 seinen Einstand. Die Macher setzten sich ganz klare Ziele. So soll der Zeichenstil bewusst an Animes erinnern und beim Lesen das Gefühl verleihen, man gönne sich gerade den Comic zu einem Anime, den’s gar nicht gibt. Generell verbeugt sich „Nova Centurio“ respektvoll vor existenten Heftromanreihen wie „Perry Rhodan“ und bietet diesem Publikum ein neues, frisches Aroma, das ihnen hoffentlich mundet.

Kinderkrankheiten ignorierend kann gesagt werden: Hier kommen Manga-Fans voll auf ihre Kosten. „Nova Centurio“ fühlt sich wie eine spaßige Achterbahnfahrt an, also vorher noch rasch etwas Zuckerwatte futtern, gut anschnallen und den wilden Ritt genießen – große Momente gibt’s zuhauf. Leser können beruhigt sein. Sie bekommen neben Deutschlands mit 1.95 Euro monatlich günstigsten Manga auch noch einen spaßig geschriebenen Romanteil, der für die moderne Generation voll geeignet ist.“

Nova Centurio
offizielle Website

Miracle Images
Verleger NC

Chris Noeth
Homepage

Nightfall Studios
TOM3K Schukalla und Daniel Kießler

Raster digital erzeugen

Eine traditionelle Technik, Grautöne bei Comics zu erzeugen, besteht in der Benutzung von
transparenten Klebefolien mit aufgedrucktem Raster. Die gewünschten Konturen müssen
mit einem Messer zurechtgeschnitten werden, was bei komplexeren Strukturen ganz schön
viel Arbeit machen kann.

Dank des PCs und guter Bildverarbeitungssoftware ist es heute auch für Anfänger nicht mehr
schwierig, eine Zeichnung mit sauberen Grautönen zu erzeugen. Die Aufrasterung übernimmt
normalerweise der Drucker.

Man kann allerdings auch gezielt ein relativ grobes Raster erzeugen, wenn spezielle gra-
phische Effekte gewünscht werden oder wenn die Ausgabe des Druckertreibers nicht befrie-
digend ist.
Die Qualität des selbst erzeugten Rasters hat ihre Grenzen aber immer in der
Auflösung des Druckers.
Profis würden es sicherlich nicht als Ersatz für Rasterfolien verwenden.

 

Auf dieser Seite demonstriere ich folgende Techniken:

Eine einfache Rasterfläche erzeugen
Cutter-Kratz-Effekte am PC nachahmen
Eine Comic-Seite aufrastern

Die Beispiele sind mit Adobe Photoshop gemacht; mit anderen Bildverarbeitungsprogrammen
sollte es grundsätzlich auch möglich sein. Schaut ins Handbuch!

Eine Rasterseite erzeugen

 

Für die Arbeit mit Grautönen habe ich mir eine Farbauswahl-Palette angelegt. Für dieses
Beispiel erzeuge ich eine neue Datei im Modus Graustufen, die ich mit 50% Grau fülle.

Nun lasse ich Photoshop das Bild aufrastern:
Bild / Modus /Bitmap. Ich wähle 600 Pixel/Inch, weil 600 dpi die höchste Auflösung
meines Laserdruckers ist. Umwandlungsmethode = Rasterung (was sonst…?)

Nun kann man einstellen, wie das Raster aussehen soll. Am besten selber ausprobieren!
Ein Raster von 70 Linien/Inch ist mit dem bloßen Auge noch gut erkennbar und eignet sich
auf jeden Fall für die Reproduktion mit dem Fotokopierer.

Das Raster ist fertig.
Wichtig: immer mit 100% Vergrößerung am Bildschirm betrachten, sonst kann man das
Raster nicht richtig erkennen!

 




Cutter-Kratz-Effekte am PC nachahmen.

Nun mache ich mir einen »Elektronischen Cutter«. Das geht mit den Werkzeugspitzen-Optionen von Photoshop ganz einfach (auch das kostenlose Programm GIMP hat diese Möglichkeit).

Mit dem weißen Buntstift und der Cutter-Werkzeugspitze kann jetzt »gekratzt« werden. Ich mache das nur, um die Wirkung des »Elektronischen Cutters« zu demonstrieren. Natürlich ist es sinnvoller, diesen Effekt auf einer separaten Ebene der Comiczeichnung anzuwenden! Bei diesem Beispiel benutze ich übrigens ein druckempfindliches Grafiktablett. Denkbar sind auch andere Effekte wie Wischen, Schmieren und Radieren. Einfach ausprobieren!

 

 

Eine Comic-Seite aufrastern.

Mit dem oben gezeigten Verfahren kann man sich selbst Rasterfolien oder Texturen basteln. Im folgenden zeige ich, wie man eine ganze Comic-Zeichnung aufrastert:

 

Hier habe ich den 600 dpi-Scan einer Comiczeichnung mit Grautönen versehen. Die Technik ist dabei die selbe wie beim Kolorieren. Die Tuschezeichnung liegt als Strichscan im Modus Multiplizieren in der obersten Ebene. In den beiden darunterliegenden Ebenen befinden sich die Grauflächen und Grau-Verläufe, die ich am PC eingefügt habe.

Ganz wichtig: Das Bild muß jetzt schon genau die Größe haben, in der es später ausgedruckt werden soll. Sicherheitshalber sollte man einen Probedruck der Strichzeichnung machen. Wenn man das Bild nach dem Rastern auf eine andere Größe skaliert, wird das Raster wertlos. Die Zeichnung für dieses Web-Tutorial ist übrigens stark verkleinert, damit man mehr erkennen kann.

Nun mache ich die Tuschezeichnung unsichtbar und fasse die beiden Graustufen-Ebenen zusammen.
Das Ganze wird ausgewählt (Strg-A) und in die Zwischenablage kopiert (Strg-C). Mit Strg-N erzeuge ich eine neue Datei. Diese benötige ich als Zwischenschritt für die Rasterung, weil ich die Graustufen für die Web-Präsentation des Comics behalten will.

Das Graustufenbild wird mit Strg-V eingefügt und (wie oben bereits beschrieben) aufgerastert.

Das fertige Rasterbild wird wieder in den Graustufen-Modus transformiert, weil sonst nur eine Ebene möglich ist:
Bild / Modus /Graustufen

Im Original wird die Strichzeichnungs-Ebene ausgewählt (Strg-A) und in die Zwischenablage kopiert (Strg-C). Mit Strg-Alt-V wird sie dann als zentrierte Ebene in das Raster-Bild eingefügt. Der Ebenen-Modus wird wieder auf Multiplizieren gestellt.

Nun wird das Rasterbild für den Druck fertig gemacht, indem man die Ebenen kombiniert und den Modus wieder auf Bitmap stellt. Das ist wichtig, damit der Druckertreiber kein eigenes Raster mehr darüberlegt. Bild / Modus /Bitmap Dabei die Ebenen auf Hintergrund reduzieren lassen.
Wichtig: Diesmal nichtRasterung wählen, sondern 50% Schwellenwert!

 

 

Das oben beschriebene Verfahren wirkt kompliziert, weil Grautöne und Tuschezeichnung separat in die neue Rasterdatei gebracht werden, wobei immer wieder der Modus gewechselt werden muß. Warum also nicht gleich das ganze Bild auf die Hintergrundebene reduzieren und aufrastern?

 

Hier wurde die Strichzeichnung mit aufgerastert und wirkt dadurch unsauber. Es lohnt sich also, das Raster von der Strichzeichnung getrennt zu erzeugen.

 



Comicgate dankt Mondschein-Comics herzlich zur Überlassung dieses Tutorials. Dort findet Ihr noch jede Menge mehr Infos wie das richtige Scannen, geeignete Dateiformate, wie entsteht ein Comic uvm.
Schaut mal rein! 🙂

 

links

INKplosion – Onlinemagazin mit Tutorien, Webcomics uvm.

Animexxder Verein für Mangainteressierte

Interview mit Craig Thompson

Vor etwa einem Monat saß ich an meinem Schreibtisch und starrte diesen 582 Seiten dicken, blau-weißen Ziegelstein an. Dies soll kein Angriff sein, sondern mehr ein Versuch, denen, die es noch nicht kennen, Blankets zu beschreiben. Es handelt sich dabei um eine autobiographische, illustrierte Geschichte über Religion, erste Liebe und das Heranwachsen eines Comic-Künstlers. Nachdem ich dieses … Buch – wir müssen immer noch versuchen, es genauer zu definieren – zum dritten Mal gelesen habe, war ich noch neugieriger darauf, mehr über die Entstehung und die Reaktion der Leser zu erfahren. Deshalb gab es nur eine Möglichkeit: Ich musste den Autor Craig Thompson fragen. Dieser war Stargast beim Comic-Salon 2004 in Erlangen. Obwohl es mir leider nicht möglich war, ihn für das Interview in Person zu treffen, habe ich doch zumindest seine Telefonnummer bekommen. Was nun folgt, ist die Dokumentation eines Telefonats mit Craig Thompson über sein Werk mit einigen Einschüben von meiner Seite.

Dieses Interview fand am 8. Juli 2004 statt.

Wir haben uns beide dazu entschieden, auf jegliche Form von digitaler Kommunikation zu verzichten und wählten deshalb das altmodische Telefon. Nach einer kurzen Einleitung und der Einigung auf Formalitäten zu verzichten, konnte e s losgehen:

Cover von BlanketsComicgate: Wie hast du angefangen, Comics zu zeichnen und/oder zu schreiben? Oder noch genauer, wann hast du deinen ersten Comic produziert?

Craig Thompson: Ich habe als Kind ein paar Comics gemacht. Aber wenn ich rückblickend meine Zeichnungen betrachte, muss ich feststellen, dass ich nie einen Comic beendet habe. Meine Ausdauer hat damals nicht ausgereicht, um eine Geschichte zu Ende zu erzählen. Aber ich habe wirklich viel Comics gelesen zu dieser Zeit. Als ich dann in die Highschool kam, habe ich Frauen gegenüber Comics den Vorzug gegeben. Erst als ich aufs College kam, bin ich wieder in Kontakt mit Comics gekommen. Ein guter Freund von mir war damals zuständig für die College-Zeitung und fragte mich, ob ich nicht mit Cartoons aushelfen könne. Das war das erste Mal, dass mich jemand nach meinen Comics gefragt hat. Dieses Ereignis hat schlagartig mein Interesse für Comics wiedergeweckt.

CG: Du denkst also, dass die Kinderzeichungen, die jeder von uns in seiner Jugend gezeichnet hat, nicht als Comics gezählt werden können?

CT: Ich glaub schon, dass es etwas ist, was jeder zu dieser Zeit getan hat, dennoch kann ich in meinem Fall von einem speziellen Interesse an Comics sprechen. Aber zur gleichen Zeit spielte ich auch mit Spielzeug, bin ins Kino gegangen und habe Cartoons gesehen. Aber trotzdem hatten Comics für mich immer einen speziellen Platz.

CG: Welche Comics hast du damals gelesen?

CT: Was man halt so gelesen hat: Diese billigen Comics wie zum Beispiel Harvey Comics, Caspar das freundliche Gespenst, Mad Magazine und  Cracked Magazine. Dann noch einige der Marvel-Comics wie Starbrand. Also Humormagazine und Kindercomics, mit solchen Sachen bin ich aufgewachsen.

CG: In einem anderen Interview habe ich gelesen, dass du eine gewisse Abneigung gegen die Superheldencomics von Marvel und DC hast. Stimmt das?

CT: Na ja, ich hatte schon auch meine kurze Superheldenphase … für ein Jahr etwa.

CG: Ein Jahr nur?

CT: Na vielleicht waren es auch zwei Jahre. Aber nicht länger. Obwohl ich gerne Comics gelesen habe, konnte ich diese Superhelden nie ganz verstehen.

CG: Wann war diese Phase ungefähr?

CT: So mit elf Jahren, würde ich sagen.

Freaks of the Heartland?CG: Wie passt deine Kindheit ins Bild? Mich würde interessieren, wie sich das Aufwachsen in Michigan auf deine Kunst aus gewirkt hat. Der mittlere Westen von Amerika scheint derzeit sehr gefragt zu sein. Beispiele hierfür sind Jonathan Franzens Die Korrekturen und Dark Horses neues Projekt Freaks of the Heartland. Siehst du dich selbst auch als „Freak of the Heartland“?

CT: Ja, definitiv! Ich weiß nicht genau, ob ich mich selbst so bezeichnen würde, aber es gab eine Zeit während der High School, als man sich bewusst wurde, an was für einem verrückten Ort man eigentlich lebt. Als ich noch jünger war, kannte ich nichts anderes. Doch dann dachte ich irgendwann: „Ach, so sieht also die echte Welt aus! Das ist die Wirklichkeit!“ Um meine Freunde zu besuchen, musste ich erst mal ’ne halbe Stunde mit dem Auto fahren. Die waren ganz entsetzt von meinem Umfeld. Es war so ein kleines Dorf und so anders als alles andere. Andererseits hat es auch Vorteile, so aufzuwachsen.

CG: Du siehst diese Zeit also als Vorteil für dein kreatives Schaffen? Konntest du dich auf dem Land auf das Zeichnen konzentrieren?

CT: Ich würde nicht von Vorteilen sprechen, da es niemanden gab, mit dem man über Kunst hätte reden können. Es gab einfach nur viel Raum zu füllen.

CG: Kann Blankets als Kritik an diesem Umfeld gesehen werden? 

CT: Auf gar keinen Fall. Ich war noch nie eine rachsüchtige Person. Wie ich bereits meinte, es hat alles seinen Sinn. Denn eben dieses isolierte Umfeld hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Obwohl es manchmal wirklich hart war, ist es definitiv ein Vorteil, da das Leben eines Erwachsenen auch nicht einfacher ist.

CG: Wenn wir über Blankets reden, besteht immer das Problem, seine literarische Form genau zu definieren. Ist es ein Comic, eine Graphic Novel oder ein Roman in Bildern? Wie nennst du es?

CT: Das kann man nicht genau sagen. Der Titel sagt „Roman in Bildern“, was sich etwas verworren anhört. Wenn ich von Fremden gefragt werde, was ich mache, dann sage ich immer, ich schreibe Comics. Doch dann ergänze ich, dass es ein 600-Seiten-Comic ist. Das bringt dann ihre vorgefertigte Meinung komplett durcheinander.

CG: Du möchtest Deine Arbeiten also nicht in die Kategorie der 24-Seiten-Comics stecken?

CT: Auf keinen Fall! Ich hasse dieses Format!

CG: Woran liegt das?

CT: Zuerst einmal ist es ein Veröffentlichungsform, die zum Wegwerfen gedacht ist. Als man damit begonnen hat, Comics zu produzieren, entsorgte man den Comic, nachdem man ihn gelesen hatte. Und zweitens ist es mir immer noch schleierhaft, was man mit einem solchen Pamphlet machen soll. Ich halte es für absurd, es in einer Box zu sammeln. Ich möchte ein Buch, das ich in den Schrank stellen kann. Denn wenn es mir wichtig ist, dann möchte ich es in meiner Nähe haben. Diese Monatsheftchen haben Ähnlichkeit mit Magazinen. Und wer würde schon Magazine sammeln? Die Prozedur sieht so aus: Kaufen, Lesen, Wegschmeißen. Deshalb halte ich diese Veröffentlichungsform für meine Geschichten einfach nicht geeignet.

CG: Also werden wir auch in Zukunft keine 24-Seiten-Comics von dir sehen?

CT: Ich möchte es nicht ganz ausschließen, aber auf jeden Fall nicht in nächster Zukunft. Mein nächstes Buch wird auch bestimmt so dick wie Blankets.

CG: Aber du redest da nicht gerade von Carnet de Voyage, oder?

CT: Nein, nein. Das ist ja schon draußen.

CG: Genau wie der Soundtrack für Blankets, den du zusammen mit Tracker aufgenommen hast?

CT: Ich weiß nicht genau, ob der schon auf dem europäischen Markt ist.

CG: Lass uns wieder über die 600 Seiten sprechen. Was waren die größten Schwierigkeiten, die du überwinden musstest, um Blankets fertig zu stellen?

CT: Das größte P roblem war die Finanzierung, während ich an dem Comic gearbeitet habe. In meinem Vertrag war keine Vorauszahlung vereinbart, deshalb musste ich es ganz alleine schaffen. Aber es ist auch nicht so schlimm, wie man es sich vorstellt. Viele Autoren haben mit diesem Problem zu kämpfen, wenn sie ihr erstes Buch schreiben. Es gab Zeiten, in denen ich gar nicht an dem Buch arbeiten konnte, weil ich für drei Monate freiberuflich tätig war. Ich arbeitete als Illustrator, um die Rechungen bezahlen zu können.

Goodbye, Chunky RiceCG: Wie lange hat es dann genau gedauert, bis Blankets fertig war?

CT: Dreieinhalb Jahre. Exakt vier Jahre nach Goodbye, Chunky Rice.

CG: Das war aber keine Absicht von dir? Oder hattest du es als Jahrestag geplant? Müssen wie jetzt vier Jahre auf das nächste Buch von dir warten?

CT: Nein, ich denke, dass man in zwei Jahre mit meinem nächstem Werk rechnen kann.

CG: Ich habe mich auch mit Sebastian Oehler von Speed Comics (Anm. der Red. vom September 2011: Blankets wurde im November 2009 vom Carlsen Verlag neu veröffentlicht, den Speed Verlag gibt es nicht mehr), deinem deutschen Verlag, unterhalten. Was hältst du von der Partnerschaft, und bist du mit der deutschen Ausgabe von Blankets zufrieden?

CT: Im Grunde habe ich nur den Vertrag unterzeichnet. Während ich auf einer Promotion-Tour war, haben sie sich um die gesamte Produktion gekümmert. Unter diesen Umständen ist es ziemlich gut geworden.

CG: Also hast du auch an der Übersetzung nicht mitgearbeitet?

CT: Wie ich bereits sagte, war ich auf Tour und stand somit nicht zur Verfügung – für niemanden. Außerdem spreche ich kein Deutsch.

CG: Wenn Du die Wahl hättest zwischen Worten und Bildern, was würdest du wählen, um Gefühle zu vermitteln?

 CT: Oh Mann…!

CG: Ich weiß! An der Frage habe ich lange gearbeitet.

CT: Die Fra ge ist ziemlich allgemein.

CG: Als ich Blankets gelesen habe, kam es mir so vor, als wärst du an bestimmten Punkten an Grenzen gestoßen, die sich mit Worten allein nicht überschreiten ließen. An diesen Stellen schaltest du um auf einen eher surrealen Stil. Zum Beispiel die arabesken Bilder, die Geräusche und Gefühle darstellen sollen.

CT: Stimmt, wahrscheinlich fühle ich mich doch vertrauter mit Bildern.

>> Kleiner Einschub: Die von mir beschriebenen Arabesken lassen sich fast auf jeder Seite finden, aber Thompson nutzt sie explizit auf den Seiten 432 bis 437, in einer Szene, die Raina und Craig im Bett zeigt. Mit einem Mangel an Worten beschreibt Thompson die Geräusche, die Raina produziert, mittels Spiralen, Kreisen und anderen Ornamenten, die den Betrachter diese Informationen vermitteln sollen. An diesem Punkt kommt die Erzählung zu einem Stillstand. Der Leser hat nun die Aufgabe, diese künstlerischen Gebilde zu entziffern und etwas in ihnen zu lesen. <<

CG: Wie lange ist es her, dass die Ereignisse in Blankets stattgefunden haben?

CT: Das sind nun ungefähr zehn Jahre. Ich war in der Highschool, als ich Raina traf.

CG: Es ist wirklich beeindruckend, wie anschaulich du diese Erinnerungen beschreibst.

CT: Ja, aber an manchen Stellen wird es etwas ungenau, und eben diese Stellen machen mich nervös. Zum Beispiel Rainas Familie. Damals habe ich mich nicht so sehr für sie interessiert – ich konzentrierte mich auf Raina.

Thompsons Heldin RainaCG: Verständlicherweise! Du hast Raina als eine Mischung aus deiner jetzigen Freundin und deiner Highschoolliebe entworfen. Aber Rainas Familie soll wirkliche Personen darstellen. Wie genau sind diese Porträts?

CT: Sie waren total nebensächlich. Als ich dann anfing zu zeichnen, hatte ich Probleme, sie richtig wiederzugeben, da meine Erinnerungen an sie nicht so gut waren. Diese Zeichnungen sind anhand von kurzen Interaktionen mit ihnen entstanden. Ich glaube, dass meine Vorstellungskraft die Lücken in meiner Erinnerung füllen kann. Ich habe ihre Eltern so dargestellt, wie ich mich an sie erinnere. Ich fühle mich diesen Leuten gegenüber schuldig, da ich ihnen einfach Persönlichkeiten aufgedrückt habe, die nicht ihre sind. Sie sind so wie ich mich an sie erinnert habe, aber ich kannte sie nie. Ich habe diese Leute quasi erfunden.

CG: Ich habe Goodbye, Chunky Rice erst gelesen, nachdem ich mit Blankets fertig war, aber man kann deutlich deine Entwicklung sehen. Wie geht dir das?

CT: Eine Entwicklung sehe ich auch. Obwohl beide Bücher im Grunde die gleiche Geschichte haben, so ist Blankets doch spezifischer. Dort gibt es unterschiedliche Figuren mit ihren eigenen Wünschen und Rechten, aber ich kann auch die weiterlaufenden Themen sehen.

CG: Werden wir dann in deinem nächsten Buch einen noch erwachseneren Craig Thompson sehen? Siehst du dich selbst als Erwachsenen? Haben sich die Themen, die dich interessieren, verändert?

CT: Mein derzeitiges Buch, Carnet de Voyage, beschäftigt sich mit ähnlichen Themen, obwohl es mehr ein Tagebuch ist. Ich scheine immer über die selben Themen zu grübeln. Aber mein nächstes Buch wird wesentlich gruseliger. Es wird sich hauptsächlich mit kontroversen Themen wie Vergewaltigung, Inzest und Kastration beschäftigen. Man kann wohl sehen, dass ich mit heikleren Themen hantiere. Ich scheine mich weiterzuentwickeln.

CG: Du hast diese Themen ja bereits in Blankets in der Babysitterszene angedeutet.


>> Weiterer Einschub: Zusammen mit meiner Freundin habe ich mir gestern zum ersten Mal den „Club der toten Dichter“ angesehen. Als ich in einer der wichtigsten Szene
n folgende Passage gehört hatte, wusste ich, dass ich das in mein Interview einbinden muss: Der Lehrer, gespielt von Robin Williams, zwingt seinen Schüler, einen jungen Ethan Hawke, in seinem Kopf nach einem Gedicht zu suchen:
„Wahrheit ist wie eine Decke (englisch: Blanket), die stets die Füße kalt lässt. Dehn sie, zieh an ihr, du wirst nie alles verdecken können. Tritt sie, schlag sie, es wird niemals genug sein…“ <<

 

Eingewickelt in DeckenCG: Siehst du eine Verbindung in der Benutzung des Wortes „Blanket“ und dem Titel deines Buchs?

CT: Für mich bietet eine Decke die Möglichkeit, sich unter ihr wohl zu fühlen, aber auch zu verstecken. Sie ermöglicht einem den Schutz und die Sicherheit, die einem sonst nur Institutionen wie Familie, Religion und Kunst geben. Aber zur selben Zeit versteckt sie uns vor der Welt, verbirgt unsere Geheimnisse und hält uns fern von der Akzeptanz.

CG: Ist es dann nicht ein Widerspruch, seinen Comic Blankets zu nennen, wenn man sich so öffentlich preisgibt, wie du es getan hast?

CT: Ja, schon. Aber ich werde noch einen weiten Weg gehen. Ich habe erst begonnen, die ersten Schichten abzustreifen.

CG: Bist du dann immer noch an autobiographischen Geschichten interessiert?

CT: Ich werde e in paar Schritte davon zurücktreten, zumindest in meinem nächsten Buch. Ich werde sogar die entgegengesetzte Richtung einschlagen. Dennoch ist Carnet de Voyage ein autobiographisches Werk, da es ein Tagebuch ist und die Dinge so beschreibt, wie sie passiert sind. An einigen Stellen fühle ich mich etwas unwohl mit dem, was ich zeige.

CG: Hat sich dein Leben nach dem Erfolg von Blankets schlagartig verändert? Gehst du nur noch zu Conventions, oder hast du noch ein Leben abseits der Comics?

CT: Im Moment habe ich kein Leben. In den letzten paar Monaten war ich nur auf Conventions, und das werde ich wohl auch den Rest des Jahres machen. Ich bin wirklich ruhelos und habe zurzeit nicht mal eine eigene Wohnung. Ich wohne im Keller eines Freunded. Aber ich suche schon nach einer neuen Wohnung. Doch momentan bin ich noch im Werbetrommel-Modus. Ich war jetzt gerade drei Monate in Europa und werde dann noch zwei Monate in den Staaten dranhängen. Alles in allem gibt mir das nicht viel Zeit für mein neues Buch.

CG: War es schwer, Blankets in Europa vorzustellen? Wie haben die europäischen Leser auf das Buch reagiert?

CT: Das ging eigentlich alles sehr einfach. Ich fühlte mich die ganze Zeit sehr wohl, obwohl ich keine der Sprachen spreche, bis auf ein bisschen Französisch. Sich mit Leuten in Europa zu treffen war einf ach. Ich könnte mir sogar vorstellen, in Europa zu leben.

Wie eine PatchworkdeckeCG: Das muss ein starker Kontrast sein zu dem Amerika, in dem du aufgewachsen bist.

CT: Das stimmt wohl. Aber jetzt lebe ich in Portland, Oregon, an der Westküste. In den USA bezeichnet man es als die „liberale Tasche Amerikas“.

CG: Jetzt, wo sich dein Leben von Fanboy zum Profi verändert hat, welche Veränderungen machen sich bemerkbar? Wie verhalten sich die Vorbilder deiner Jugend dir gegenüber?

CT: Mit Chris Ware hab ich in London rumgehangen, und in New York war ich einige Zeit mit Frank Miller und Neil Gaiman zusammen. Es ist schon schmeichelhaft, solche Leute jetzt als Kollegen zu sehen. Sie kommen auf mich zu und stellen mir Fragen. Das hat sich angefühlt wie „Wow! Ich bin jetzt ein Teil davon!“ Ich hatte sogar eine kleine Unterhaltung mit Art Spiegelman in New York. Du musst Dir das so vorstellen: Vor acht Jahren bin ich zu einer Messe gegangen, um mir etwas von Chris Ware signieren zu lassen, und jetzt wollte er mich in London treffen. „Wir haben uns doch schon mal getroffen.“ Natürlich erinnerte er sich nicht an mich, da ich ja d amals nur ein kleiner Fanboy war.

 CG: Ist das nicht etwas deprimierend?

CT: Ein bisschen schon. Das ist mir schon öfters passiert mit Künstlern wie Adrian Tomine und Kaz. Ich hatte sie früher einmal getroffen, aber sie erinnerten sich nicht mehr an mich. Ich war ja nur ein Fan.

CG: Eigentlich solltest du jetzt reich sein, nachdem Blankets so ein Erfolg ist.

CT: Oh nein! Das siehst Du falsch. Das ist eine sehr verrückte Sache. Ich weiß nicht, ob man es eine Tragödie nennen kann, aber es ist schon wirklich komisch, dass ich noch kein Geld habe. Mein Verlag Top Shelf schuldet mir einen Haufen Geld. Es ist eine ungewöhnliche Situation, in der ich mich gerade befinde. Sie können mich im Moment nicht auszahlen, da sie das Geld in andere Comicprojekte stecken. Somit finanziere ich direkt die Comicszene.

CG: Ich kann dir aber versichern, dass du damit einen guten Dienst leistest, weil der neue Top Shelf-Comic von Derek Kirk Kim  Ganz gleich wirklich gut ist.

CT: Oh ja, der ist wirklich gut. Er ist einer der Leute, die wirklich Geld reinbringen.

CG: Und wie hat dir der Comic-Salon in Erlangen gefallen? Kann man es mit den amerikanischen Conventions vergleichen?

CT: Das ist nicht böse Deutschland gegenüber gemeint, aber es war schlimmer hier. Der Hauptkritikpunkt ist die Anzahl der Männer: Da müssen mindestens 99,9% männlich gewesen sein.

CG: Das wird wohl am deutschen System liegen. In Deutschland gehen die Männer nämlich auf die Jagd und bringen den Frauen dann ihre Beute. Ich habe Blankets auch weiterempfohlen.

CT: Das ist cool! Aber dennoch sind auf amerikanischen Conventions mindestens 40 % weiblich. Es ist geschlechtsmäßig ausgeglichener. Deshalb war Erlangen so frustrierend. Wo waren die Frauen? Die lesen doch auch Comics!

int_thompson_danielCG: Mir wurde erzählt, dass man als deutscher Interviewer auch immer fragen muss, wie es dem Gesprächspartner in Deutschland gefallen hat. Und, wie hat es dir in Deutschland gefallen?

 

CT: Ich mochte Deutschland. Vor allem wegen dieses einen deutschen Mädchens!

CG: Aha?!

CT: Ich habe in Deutschland dieses wundervolle Mädchen getroffen. Das war eigentlich schon Grund genug, obwohl Berlin auch sehr schön war. Die anderthalb Tage, die ich dort verbracht habe, waren nicht genug, um alles zu sehen. Sebastian und ich haben an der Tankstelle David Hasselhoff: Greatest Hits gekauft …

CG: Autsch!

CT: … und haben es dann den ganzen Weg von Frankfurt nach Berlin gehört. Das war eins der Highlights auf meinem Europatrip.

CG: Oh mein Gott …! Hast du denn zum Schluss noch einen Comic, den du unseren Lesern empfehlen willst?

CT: Das Derek-Kirk-Kim-Buch Ganz gleich, von dem du bereits gesprochen hast, ist eines meiner Favoriten. Und dann natürlich noch Chester Brown. Sein Buch I never liked you  war eine große Inspiration für Blankets. Und dann habe ich noch viele gute Leute in Europa getroffen wie zum Beispiel Badouin und Jens Harder.

CG: Damit wären wir am Ende angelangt. Vielen Dank für deine Zeit, Craig.

CT: Kein Problem. Mach’s gut!

 

Blankets © Craig Thompson, der dt. Ausgabe Speed Comics und Carlsen Comics


Anmerkung der Redaktion: Dieses Interview war aufgrund der CMS-Umstellung unserer Website eine Zeitlang nicht abrufbar. Die Übersetzung wurde sprachlich leicht überarbeitet und im September 2011 wieder online gestellt.

MTG Folge 9: Previews 11/2004

DARK HORSE:
Es drängt sich in Zeiten wie diesen die Frage auf, ob ein neuer Kinofilm Rechtfertigung genug ist, einen alten Comic wieder zu neuem Leben zu erwecken. Bei jedem anderen Titel hätte ich so meine Probleme, aber wenn Frank Millers Sin City von Dark Horse eine neue Aufmachung bekommt, kann das keinem Schaden zufügen. Für die Qualität des Films übernehme ich allerdings keine Haftung.

Apocalypse Nerd könnte als Titel bei vielen Lesern die falschen Reaktionen auslösen. Deshalb sollte man sich den neuen Comic von Peter Bagge ansehen. Wen ideosynkratische Diskussionen nicht interessieren und man glaubt, dass dieser Bagge eh überbewertet wird, der sollte sich den Comic allein wegen der kurzen Geschichten über George Washington antun.

DC COMICS:
Der neue Superman-Titel hätte statt Superman: Strength#1 den Titel „Superman: Moral“ verdient. Wir erleben in Retrospektive Clark Kent an der Schwelle zur Allmacht. Wie erklären Scott McCloud, Aluir Amancio und Alex Ross Kents Entscheidung, für das Gute zu kämpfen?

Gleich zweimal Bizarro ist fast schon zuviel für einen Leser. Doch wenn man genau hinschaut, sieht man, dass der eine Bizarro Comics SC nur ein alter Titel ist, der wieder aus dem Archiv hervorgeholt wurde. Bizarro World HC dagegen ist ein zweiter Versuch – nicht das der erste nicht erfolgreich gewesen wäre – die kranke Welt von Bizarro durch die Augen der aktuellen alternativen Künstler (z.B. Eddie Campbell, Harvey Pekar, Gilbert Hernandez, Peter Bagge, Craig Thompson) zu zeigen.

Einen Superhelden mit Problemen kennen wir, doch aus irgendeinem Grund wirkt Breach #1 anders. Selbst in dem kurzen Ausschnitt zeigt Autor Bob Harras (The Avengers) eine Distanz zwischen seinem Protagonisten und der restlichen Welt. Die Zeichnungen, die von Marcos Martin und Alvaro Lopez geliefert werden, stufen den Comic in die Riege der DC Focus Reihe ein. Eine Grauzone zwischen DC Universe und DC Vertigo, die erst noch definiert werden muss.

Vielleicht muss ich jetzt mein Lobpreis für DCs Anstrengungen revidieren. Ich kann nicht genau sagen, ob ein Comic wie The Incal Vol.1 wirklich nach Amerika, und über Amerika wieder zu uns, kommen muss. Wie werden sich die Veränderungen von Kolorierungen, Format und Lettering auf einen Comic auswirken, der uns schon seit langem in guter Erinnerung ist?

IMAGE:
Ein kleines interessantes Projekt hat man sich bei Image ausgedacht : Nehmen wir doch einfach unsere vereinten Talente zusammen und veröffentlichen wir Four-Letter Worlds GN. Ein Projekt bei dem man dann auch keine Bilder zur Vorstellung braucht, wenn man die Liste der Künstler betrachtet: Jim Mahfood, Andi Watson, J.Torres, Phil Hester, Jay Faerber,… soll ich aufhören?…, Chynna Clugston-Major, Mike Huddleston, Scott Morse, Steve Rolston, … so, das sollte reichen. Dennoch hätte ich gerne eine kleine Vorschau auf das Projekt bekommen.

Na endlich! Da habe ich Jahre damit zugebracht, die einzelnen Ausgaben von Negative Burn zusammenzusammeln und jetzt gibt Image einfach einen Sammelband mit den besten Ausgaben heraus. Für Leute, die nicht mit der Anthologie von Caliber Press vertraut sind, soll hier kurz gesagt werden, dass es wunderschöne Gedichte und Erzählungen beinhaltet. Was nicht heißen soll, dass es an anderen Stellen nicht komisch sein kann. Kurz gesagt hat man damals bei Caliber das Medium Comic gefeiert und sich einen feuchten Kehricht darum geschert, was die anderen denken.

Wenn man die ersten Bilder von Pigtale #1 auf der Homepage von Image Comics betrachtet, kann man erkennen, dass es sich um ein solides Layout und um einfallsreiche Settings handelt. Dennoch kann ich den Lobpreis, den Mike Wieringo und Ronnie del Carmen anstimmen, nicht bestätigen. Es mag zwar eine schöne Geschichte sein, aber ich sehe nicht ganz den Punkt darin, Comics zu produzieren, die aussehen wie Animationsfilme. Tut mir leid!
TOP COW:
Von Top Cow kommt diesmal der Lacher des Monats. Wenn man bitte mal auf Seite 170 nachsieht, wird mal schnell bemerken, dass es sich eigentlich um The Darkness: Original Sins TP handelt. Nichts, was uns jetzt wirklich vom Sockel haut. Doch bei näherer Betrachtung fällt der kleine Zusatz – links oben – auf, der bekundet, dass es in diesem Reprint mehr Story drin sein soll. Da fragt man sich, ob die Jungs von Top Cow die Geschichte länger gemacht haben oder sich in jedem Panel vielleicht noch kleine versteckte Storylines verstecken? Auf jeden Fall kann mehr Geschichte Darkness nur gut tun.

MARVEL:
Manchmal frage ich mich wirklich, ob es gerechtfertigt war, meine lange Zeit als Leser von Marvel Comics für diese ganzen alternativen Comics aufzugeben. In diesen Zeiten zeigt man mir bei Marvel immer wieder, dass ich mich richtig entschieden habe. X-Men: Phoenix – Endsong #1 & 2 hat alles, was ein guter X-Men Comic haben sollte: Phoenix und die Tatsache, dass die Namen der Künstler beide Greg sind. Wenn es das nicht ist, dann weiß ich es auch nicht.

Bei den Bildern hat man allerdings doch wieder Lust, einen Marvel Comic zu lesen: wenn Zeichner Billy Tan die Geschwindigkeit, die er auf den zwei Preview-Seiten an den Tag legt, beibehalten kann, hat X 23 auf jeden Fall graphisch das Zeug, etwas zu werden. Es ist natürlich klar, dass ein kompletter Comic in diesem Stil langweilig werden würde. Aber dann muss halt Autor Craig Kyle einspringen. Wenn das nicht hilft, hat man ja immer noch Wolverine.

INDEPENDENT PUBLISHERS:

Viel zu selten stellen wir uns die Frage: Brauchen wir das alles eigentlich? Brauchen wir Demo Scriptbook TP (AiT/Planet Lar)? Haben wir nicht eh schon alle Einzelausgaben gekauft? Eigentlich sollte meiner Meinung nach nur der primäre Leseeindruck zählen. Doch dann sehe ich etwas neues von Sam Kieth auf dem Markt und mir ist total egal, was ich gerade gesagt habe und kaufe es. Für alle Freunde von Brian Wood und Becky Cloonan.

Dies ist ein Kinderbuch, ich wiederhole: ein Kinderbuch. Jason Lethoce hat sich hingesetzt und überlegt, wie man einem Kind beibringt, was Superhelden ausmacht. Eigentlich könnte man alle Superheldenkräfte sammeln und aufschreiben. Das hat er dann auch gemacht und am Ende The ABC’s of Superpowers (Amazing Moon Factory) herausbekommen. Sagte ich bereits, dass es sich um ein Kinderbuch handelt?

Märchen sollten nicht in Comics adaptiert werden, da sonst die Phantasie verloren geht, mit der man sich die Charaktere vorstellt. Das ist natürlich nur meine Meinung. Vielleicht kann mich ja Rod Espinosas The Courageous Princess TP (Antarctic Press) davon überzeugen falsch zu liegen.

Was bleibt mir übrig zu schreiben, wenn wieder einmal ein großer Künstler eins seiner Werke beendet hat? Was, fragt man sich, wird Charles Burns tun, nachdem Black Hole endet? Die Serie schließt nach Angaben des Previews mit einem unvermittelten Ende ab. Fantagraphics dagegen bedankt sich bei seinen Lesern mit einem Black Hole Slipcase.

Man kann ohne zu zögern sagen, dass IDW Publishing die Sensation der letzten beiden Jahre ist. Doch reicht es nicht immer aus, sich auf Steve Niles und Ben Templesmith (“30 Days of Night“) zu verlassen. Deshalb hat man das Programm erweitert. Ob dieses Manöver Früchte tragen wird, bleibt abzuwarten. Was man aber mit Gewissheit sagen kann, ist dass Clive Barker’s A Thief of Always ein Comic ist, der von Kris Oprisko und Gabriel Hernandez eindrucksvoll erzählt wird.

BOOKS:
Als stolzer Besitzer des anderen Bildbände der Pythons bin ich froh, dass es wieder etwas neues von der wohl lustigsten Truppe aller Zeiten gibt: The Pythons: Autobiography by the Pythons TP (Orion Books). Es beinhaltet wie bei allen solchen Büchern all das, was vorher nie erzählt werden konnte, durfte, wollte.

APPAREL:
Leider kenne ich mich nicht so gut aus, wenn es um Mangas geht, aber ich kann sehr wohl erkennen, wenn sich jemand zum Affen macht. Auf japanisch heißt das dann wohl Cosplay. Und was kann noch dämlicher sein als Cosplay? Genau: Cosplay Caps von ADV Films. Wer wollte nicht schon immer mal ein Schwein auf dem Kopf sitzen haben?

MERCHANDISE:
Leider habe ich keine Ahnung, welche Rolle dieser kleine Angel-Verschnitt in der Serie spielt. Aber wenn der Previews so viel Werbung macht, muss an der Puppe was dran sein. Nein, das Schwert ist nicht dabei. Na dann… „Smile Time“ Angel Puppet Half Scale Replica.

COLLECTIBLES AND NOVELTIES:
Ihr könnt mir glauben, wenn ich Euch hiermit versichere, dass sogar Kakteen eingehen. Deshalb freue mich Euch, hier Happy Bunny Grow a Bunny zu präsentieren. Leider habe ich keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Aber wer wollte nicht schon mal seinen eigenen Hasen züchten?

GAMES:
Eigentlich hasse ich ja diese Spiele, bei denen man mit seiner Freundin und anderen Pärchen auf der Couch sitzt und dann gezwungenermaßen „Die Siedler von Catan“ oder „Therapy“ spielen muss. Wahrscheinlich ist Are You Phrazy? ähnlich schrecklich, aber dafür kann ich mir vorstellen, die „Bekannten“ mit lustigen Sprichwörtern zu schocken.

ABKÜRZUNGEN:

GN: Graphic Novel
TPB/TP: Tradepaperback
SC: Softcover
HC: Hardcover
Vol.: Ausgabe
(…): Vorherige Titel des Künstlers