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von Benjamin Vogt Freitag, 18. Dezember 2009

 Nach einer wahren Geschichte erzählen Christophe Dabitch und Jean-Denis Pendanx in einer mehrteiligen Saga von der Jungfernfahrt der Batavia, dem im frühen 17. Jahrhundert prächtigsten Schiff der Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC). Von Beginn an lassen die beiden Kreativen hier keinen Zweifel darüber aufkommen, dass bei dieser Unternehmung etwas gehörig schiefgelaufen sein muss, doch der Leser bekommt erstmal nur Andeutungen geliefert. Dass die bereits reichen, um einen gebannt weiterblättern zu lassen, liegt an der äußerst bedrohlichen Atmosphäre, die hier nach und nach aufgebaut wird.

So weiß man schon zu Anfang, dass die Batavia und ihre Besatzung ihr Ziel niemals erreichen werden und dass der sich an Bord befindliche Holländer Jeronimus Cornelisz einen negativen Wandel vollziehen wird. Von einer „furchtbaren Expedition“, einem „Menschenexperiment“ ist die Rede, Cornelisz selbst, so klingt an, werde schon bald zum Monster.

 Im Jahr 1627, ein Jahr vor Abreise des Schiffes, setzt die eigentliche Handlung ein. Im Mittelpunkt steht hier das bürgerliche Leben des gläubigen Apothekers Jeronimus Cornelisz. Er wird als Freidenker dargestellt, dessen Ideen selbst im liberalen Amsterdam auf heftigen Widerstand stoßen. Nachdem sein Sohn an Syphilis stirbt, flieht er vor seiner Frau und der Anklage seiner Landsleute, ein Ketzer zu sein. Schließlich bietet sich ihm auf der Batavia ein Platz als Unterkaufmann und so nimmt das Geschehen seinen Lauf.

Der Titel des ersten Bandes, „Ruhe vor dem Sturm“, spiegelt den eigentlichen Inhalt sehr gut wider, denn in der Tat ist von dem grausamen Verlauf der Expedition wenig zu spüren. Jeronimus Cornelisz ist hier noch von eher zurückhaltender Natur, er erscheint zivilisiert und ordnet sich seinen Vorgesetzten unter. Umso spannender bleibt die Frage nach der deutlichen Wendung, die es ja unleugbar geben muss.

 Jean-Denis Pendanx setzt diesen hervorragenden Comic in malerische Bilder um, die tatsächlich sehr an alte Gemälde erinnern und deswegen perfekt zu dieser Seefahrer-Story passen. Prägend für diesen ersten Teil von Jeronimus sind aber sicherlich nicht die zugegeben schönen Bilder, sondern die Off-Texte, die die Handlung begleiten und die voller Dramatik stecken. Schließlich skizzieren sie die sich bedächtig verändernde Persönlichkeit der Hauptfigur, die auf dem Schiff zum geschickten „Schauspieler“ mutiert, dafür jedoch gar nicht „prädestiniert“ schien. Allein die Wortwahl in der erzählerischen Stimme erzeugt mit ihrem Wissen über den Ausgang ein so mulmiges Gefühl beim Lesen, wie ich es selten bei einem Comic hatte. Grund genug also, sich diesen tollen ersten Band mal genauer anzusehen.

 

Jeronimus 1: Ruhe vor dem Sturm
Schreiber & Leser, Oktober 2009
Text:
Christophe Dabitch
Zeichnungen: Jean-Denis Pendanx
80 Seiten, farbig; 18,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-24-1

Historiendrama in malerischer Kulisse

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Abbildungen: © Schreiber & Leser

 

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