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von Benjamin Vogt Dienstag, 26. August 2014

Cover Vom Glanz der alten Tage Nach längerer Pause erschien in der Edition 52 nun endlich wieder ein neues Comicwerk des kanadischen Künstlers Seth (i.e. Gregory Gallant) in deutscher Sprache. In Vom Glanz der alten Tage begibt er sich tief in die traditionsreiche Historie des kanadischen Cartoons und lässt dessen Hochzeiten noch einmal bildhaft aufleben.

Doch dabei ist Vorsicht geboten: Wie in seinen bisherigen Arbeiten über einen Witzzeichner (Eigentlich ist das Leben schön), einen Ventilatorhersteller (Clyde Fans) und einen legendären Comicsammler (Wimbledon Green) führt Seth den Leser auch hier in die Irre. Denn die meisten der erwähnten Cartoonisten existieren gar nicht. Deren oft skurrile Schöpfungen, von denen Seth ausschweifend und enthusiastisch berichtet, folglich auch nicht. Und die in diesem Buch zentrale Vereinigung der „Great Northern Brotherhood of Canadian Cartoonists“ (G.N.B.C.C.), eine Mischung aus elitärem Herrenclub und Kunstmuseum mit mehreren Außenstellen? Natürlich frei erfunden.

Vom Glanz der alten Tage ist in diesem Sinne ein typischer Seth-Comic, der auch in seinen bisherigen Werken besonderen Spaß daran hatte, fiktive Biografien mit viel Herzblut und Detailverliebtheit dermaßen authentisch darzustellen, dass man ohne nachträgliche Recherche kaum mehr Fakten von Fiktion trennen kann. Wenngleich einige Begebenheiten, wie die Erzählung über das nördliche G.N.B.C.C-Archiv im Iglu-Design, schon auf den ersten Blick zu absurd sind, um real zu sein.

Seite aus Vom Glanz der alten Tage Ein unbekannter Erzähler führt den Leser einmal durch alle Räume des Hauptgebäude des G.N.B. Double C. Die Stimme erklärt die wichtigsten Merkmale, Kunstwerke, Decken, Ornamente. Nebenbei liefern Anekdoten über ehemalige Mitglieder des Vereins den passenden Hintergrund. So bekommt der Leser einen Abriss über die Glanzzeiten des kanadischen Cartoons und über dessen Verfall präsentiert.

Diese Schilderungen sind durchaus interessiert, wenngleich man sich deren mangelnden Wahrheitsgehalts stets bewusst ist. Seth erzählt akribisch, taucht tief ein in seine eigens kreierte Welt und schwadroniert von berühmten Cartoonfiguren und wie sie das Leben der Menschen bereicherten. Diese Begeisterung überträgt sich zum Teil auch auf den Leser.

Allerdings ist die streng geordnete Erzählstruktur in (fast ausschließlich) neun gleichförmigen Panels pro Seite und die fortdauernde Aneinanderreihung von Ortsbeschreibungen, Beispielen und biografischen Fakten auf Dauer doch etwas ermüdend. Im Vergleich zu den überaus lohnenswerten Vorgängern lässt Seth hier eine kohärente Handlung vermissen. Erzählt wird ausschließlich aus dem Off, eine emotionale Bindung des Lesers bleibt aus.

So ist Vom Glanz der alten Tage ein eigentümliches Buch, das sich Seth-typisch in purer Nostalgie ergeht, aber dabei leider unnahbar bleibt.

 

Wertung: 7 von 10 Punkten

Mühevolle Aufarbeitung mit guten Momenten; leider recht schnell ermüdend

 

Vom Glanz der alten Tage
Edition 52, Juli 2014
Text und Zeichnungen: Seth
Übersetzung: Frank Plein, Thomas Schützinger
136 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 25 Euro
ISBN: 9783935229159
Leseprobe

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Abbildungen: © Seth, der dt. Ausgabe: Edition 52

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