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von Benjamin Vogt Sonntag, 16. Dezember 2012

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Cover Schönes neues Jahr In der Edition 52, die man seit einigen Jahren als Stammverlag Barus bezeichnen kann, liegt mittlerweile ein weiterer Band des französischen Künstlers vor: Schönes neues Jahr versammelt drei Kurzgeschichten aus dessen Frühwerk.

Baru, bekannt für die ungeschönte und realistische Thematisierung sozialkritischer Aspekte, porträtiert in der titelgebenden, 1995 entstandenen Story zum ersten Mal nicht die Probleme der Gegenwart, sondern wirft einen kurzen Blick in eine mögliche Zukunft Frankreichs: 2016 haben Rechtsradikale die Wahl gewonnen, die Vorstädte werden mit einer Mauer von den Innenstädten abgegrenzt, die Verlierer und Unliebsamen werden isoliert und scharf kontrolliert.

So untypisch diese Zukunftsvision für Barus Arbeit ist, so muss man aber unbedingt anmerken, dass er kein Interesse daran hat, eine phantasiereiche Dystopie zu kreieren, sondern er versucht vielmehr, sich die gegenwärtige Gesellschaft (aus der Sicht von 1995) so auszumalen, wie sie sich im schlimmsten Falle entwickeln könnte. Erschreckenderweise hat die Realität bezüglich des Aufstands der Vorstädte und der schwelenden Fremdenfeindlichkeit in Frankreich Barus Erzählung in der jüngeren Vergangenheit schon ein Stück weit eingeholt.

„Schönes neues Jahr 2047", das ebenfalls in dem Band enthalten ist, knüpft an der vorherigen Kurzgeschichte an und spinnt die Idee schließlich weiter. Rund 30 Jahre später sind soziale Brennpunkte noch immer abgeriegelt und die Bewohner versuchen irgendwie, sich mit ihrem Leben dort zu arrangieren.

neuesjahr2 „Irische Ballade" heißt die letzte der abgedruckten Geschichten. Darin wird das klassische Romeo-und-Julia-Thema aufgegriffen und vor dem Hintergrund des Konfliktes zwischen irischen Katholiken und Protestanten abgespielt. Auch diese Episode ist eher unüblich für das Gesamtwerk Barus, fokussiert sie sich doch weder auf ein soziales Problem seines Heimatlandes noch auf die gesellschaftliche Unterschicht oder auf Kleinkriminelle.

Alle drei Stories in dieser Ausgabe sind rau und radikal, auch optisch sind sie in rohem schwarz-weiß gehalten. Der einzige Kritikpunkt an Barus gewohnt überzeugenden Erzählungen ist die etwas vernachlässigte Profilierung der Charaktere. Was aber sicherlich auch der Kürze der jeweiligen Handlung geschuldet ist.

 

Wertung: 8 von 10 Punkten

Starke Kurzgeschichten in ungewöhnlichem Sujet

 

Schönes neues Jahr
Edition 52, 2012
Text
und Zeichnungen: Baru
Übersetzung: Uwe Löhmann
144 Seiten, s/w, Softcover
Preis: 15 Euro
ISBN: 978-3-935229-89-0
Leseprobe (PDF)

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Edition 52

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