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von Thomas Kögel Dienstag, 19. März 2013

Cover Avatar - Das Versprechen 1 Der offizielle Titel, wie er im Impressum des ersten Bandes steht, lässt Schlimmstes befürchten: Nickelodeon Avatar: Der Herr der Elemente™ 1: Das Versprechen 1 (von 3). Ein solches Wortungetüm scheint alle Vorurteile zu bestätigen, die man gegenüber Lizenzcomics hat: seelenlose Kommerzprodukte ohne jeden künstlerischen Wert, einzig dafür da, eine aus Film und Fernsehen bekannte Marke in ein anderes Medium zu verlängern und damit schnellen Profit zu machen. Doch die Miniserie zum TV-Hit Avatar macht es einem dann doch nicht so einfach.

Die Zeichentrickserie aus dem Hause Nickelodeon, die mit James Camerons gleichnamigem 3D-Epos nur den Namen gemeinsam hat und mit großem Erfolg zwischen 2005 und 2008 drei Staffeln lang lief, richtet sich an etwas ältere Kinder und erzählt eine vergleichsweise komplexe, fortlaufende Geschichte, die in einer Welt spielt, die dem fernöstlichen Mittelalter ähnelt. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein Junge namens Aang, ein sogenannter Luftbändiger, der auserwählt wurde, um das Gleichgewicht zwischen den rivalisierenden Nationen herzustellen, die nach den vier Elementen benannt sind. In jeder Nation gibt es Bändiger, die die besondere Fähigkeit haben, ihr jeweiliges Element zu beeinflussen und damit allerlei Tricks und Kampfkunststückchen anzustellen.

Seite aus Avatar - Das Versprechen 1 Zwar gibt es mittlerweile mit Die Legende von Korra eine Nachfolgeserie im Fernsehen, die in der gleichen Welt zuhause ist, sie spielt aber viele Jahre später und handelt von anderen Figuren. Der Comic-Dreiteiler "Das Versprechen" setzt dagegen direkt dort an, wo die erste Fernsehserie endete: Aang und seinen Freunden ist es zwar gelungen, den Krieg zwischen den Nationen zu beenden, doch ein wirklich friedliches Gleichgewicht ist noch nicht hergestellt. Zuko, der seinen kriegerischen Vater als Herrscher der Feuernation beerbt hat, verspricht, sich von den Kolonien zu trennen, die sein Land im Erdkönigreich errichtet hat. Klingt einfach, ist aber kompliziert, wenn man bedenkt, dass hier verschiedenste Interessen aufeinander prallen. Ein hochpolitisches Thema, das hier in einem vermeintlich simplen Kindercomic verhandelt wird und sicher nicht zufällig Parallelen zu tatsächlichen, aktuellen weltpolitischen Konflikten aufweist.

Die Serienschöpfer Michael Dante DiMartino und Bryan Konietzko waren in die Produktion des Comics involviert, für das Skript suchten sie sich jedoch einen erfahrenen Comicautoren: Gene Luen Yang, der mit American Born Chinese 2007 eine Menge Preise abräumte, ist eine interessante Wahl, da er bislang keine Auftragsarbeiten gemacht hat, sondern aus dem Bereich der Autorencomics kommt. Als Sohn chinesischer Einwanderer hat er Erfahrung mit der Vermischung von amerikanischer Popkultur und asiatischen Einflüssen und er weiß, wie man für eine jugendliche Zielgruppe schreibt.

Gene Luen Yang gelingt es sehr gut, das politische Grundthema der Geschichte rüberzubringen, ohne dabei allzu belehrend zu wirken. Er bricht alles Politische auf die persönliche Ebene herunter, mischt dramatische Momente mit witzigen Slapstick-Nummern und den unvermeidlichen Actioneinlagen und versteht es, die verschiedenen Persönlichkeiten von Aang und seinen Weggefährten überzeugend darzustellen. Zu dem politischen Konflikt kommt auch noch ein sehr persönlicher hinzu, der dem Dreiteiler seinen Namen gibt: Zu Beginn der Geschichte nimmt Feuerlord Zuko seinem Freund Aang nämlich das Versprechen ab, dass er ihn doch bitte töten möge, falls er jemals so böse werden sollte wie sein Vater. Klar, dass Aang wenig später in große Gewissensnöte kommen wird. Die Auflösung all dieser Konflikte ist letztlich nicht allzu überraschend, aber auf dem Weg dorthin kann Yang einige Überraschungen aufbieten und zaubert am Ende des dritten Bandes eine weitere Figur aus dem Hut, die in der Fortsetzung eine tragende Rolle spielen wird.

Cover Avatar - Das Versprechen 3 Ebenso wie die Fernsehserie den visuellen Stil von Animes mit westlicher Ästhetik vermischt, nimmt auch der Comic deutliche Anleihen beim Manga, vermischt mit dem Look amerikanischer Cartoons. Das japanische Zeichnerinnen-Duo Gurihiru, das zuvor schon diverse Miniserien für Marvel gestaltet hat, bringt diesen Stilmix perfekt zu Papier. Ihre Zeichnungen sind nah am Stil der TV-Serie, ohne diesen sklavisch zu imitieren, und machen es dem Leser leicht, der Handlung zu folgen.

Etwas schwer tun wird man sich allerdings dann, wenn man die Fernsehserie nicht kennt. Die Macher gehen eindeutig davon aus, dass vor allem jene zu diesem Comic greifen, die Avatar bereits kennen und mögen. Zwar werden auf den ersten Seiten die wichtigsten Basics erklärt, aber gerade die Vorstellung der Hauptpersonen kommt für Avatar-Neulinge deutlich zu kurz. "Das Versprechen" richtet sich also in erster Linie an Fans der TV-Serie und die dürften mit diesem Comic wirklich auf ihre Kosten kommen.

Cross Cult bringt die deutsche Ausgabe nicht in seinem sonst vorherrschenden Hardcover-Format, sondern als schmale, kompakte Taschenbücher und kann dadurch einen günstigen Verkaufspreis erreichen, der das Taschengeldbudget der Zielgruppe nicht allzu sehr strapaziert. Für ein paar informative Bonusseiten in jedem Band hat es trotzdem gereicht, und nachdem die in kurzer Folge veröffentlichte Trilogie überraschend zur zweiterfolgreichsten Comicreihe des Verlags wurde, wird man nicht lange auf weitere Bände warten müssen.

 


Wertung
: 7 von 10 Punkten

Überraschend tiefgründige und mehr als solide Weitererzählung des populären TV-Stoffes

 

Avatar: Der Herr der Elemente - Das Versprechen
Cross Cult, 2012
Text: Gene Luen Yang
Zeichnungen: Gurihiru
Übersetzung: Andreas Mergentahler, Jaqueline Stumpf
je 80 Seiten, farbig, Softcover
Preis: je 7,80 Euro
ISBN: 978-3-86425-065-1 (Band 1)
ISBN: 978-3-86425-066-8 (Band 2)
ISBN: 978-3-86425-067-5 (Band 3)
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Cross Cult

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